Piko 59434 – DR V 60 als Epoche-III-Modell

Die Entwicklung und der Bau von Rangierlokomotiven in der Leistungsklasse von 600 PS begann interessanterweise zeitgleich bei der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Reichsbahn jeweils eigenständig. Während die DB eine dreifach-gekuppelte Stangenlok konzipierte, wurde bei der DR eine vierfach-gekuppelte entworfen und bei LKM in Babelsberg in Auftrag gegeben. Die ostdeutsche V 60 war Teil eines Neubautypenprogrammes für den mittelschweren Rangierdienst der Deutschen Reichsbahn. Das Pflichtenheft sah die Lieferung von Lokomotiven mit einer Leistung von 650 PS Antriebsleistung vor, wobei das Achsgewicht maximal 15 t betragen durfte. Für den Rangierdienst war ein hydraulisches Getriebe für Strecken- und Rangierbetrieb vorzusehen, ebenso sollten die Loks problemlos 80 m Radien, Ablaufberge mit 400 m Radius und maximalen Ablaufbogen von 300 m Radius befahren können. Zur Wahrnehmung der Rangiersignale wurde eine Ausführung mit geringer Lärmemission gefordert, gleichzeitig noch ein geräumiges Führerhaus für die Mitnahme von Rangierpersonal für die ansonsten im Einmannbetrieb ausgelegte Lokomotiven. Als Einsatzgebiet waren neben dem Bahnhofsverschub auch der Einsatz mit leichten Nahverkehrsgüterzügen vorgesehen. Eine Tandemtraktion war vorzusehen.

Geliefert wurden Diesellokomotiven mit einem Dienstgewicht zwischen 55,0 t (Baureihe V 60.10) und 60,0 t (V 60.12), der Achsfolge D dh, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h (Rangiergang 30 km/h) und mehreren Bremssystemen.

Die Deutsche Reichsbahn nahm mehrere Serien in Betrieb. In Dienst gestellt wurden die Lokomotiven V 60 1001 bis 1170 als Baureihe V 60.10 (= 106 001 bis 170), V 60 1201 bis 1610 als Baureihe V 60.12 (= 106 201 bis 999; ein Teil davon wurde nach 1970 mit der neuen Reihenbezeichnung ausgeliefert), die 106 181 bis 185 als Werklok-Maschinen, die 105 001 bis 165 sowie als Werkloks die 105 965 ./. 991. Darüberhinaus existierte noch die Baureihe 104 als Ausführung mit gedrosseltem und optimierten Motor sowie 14 für den Seehafen von Sassnitz/Mukran eingesetzte Breitspur-V 60.

Die Lokomotiven kamen noch zur DB AG und wurden im gemeinsam gültigen Nummernschema von 1992 in die Baureihen 344 (ex DR BR 104), 345 (ex BR 105), 346 (ex BR 106) und 347 (ex Breitspur-V 60) umgezeichnet.

Text teilweise entnommen aus:
Lok-Legenden: „Der Goldbroiler“, Transpress-Verlag


Modellvorstellung

Die ostdeutsche Verschublokomotive der Baureihe V 60 der DR findet sich schon längere Zeit im Produktionsprogramm von Piko. Im Neuheitenprogramm von 2016 ist eine Epoche-III-Ausführung in roter Lackierung enthalten, die bereits zum Zeitpunkt der Spielwarenmesse verfügbar ist. Piko liefert das Gleichstrommodell unter der Artikelnummer 59434 zum UVP von € 134,99 aus, die Wechselstromausführung ist unter der Artikelnummer 59234 für € 154,99 zu bekommen.

Verpackung

Piko liefert das Modell in einer Kartonschachtel an den Fachhandel aus. Das Modell liegt in einer zweiteiligen, passgenauen Plastikform. Nach dem Abziehen des Oberteiles (Deckel) der Plastikform läßt sich das Modell entweder anhand der untergelegten Plastikfolien herausziehen oder man dreht das Unterteil und läßt das Modell in die offene Handfläche fallen. Verschiedene Prospekte und die mehrsprachige Betriebsanleitung inkl. Ersatzteilblatt sowie ein Zurüstbeutel liegen dem Modell bei, im letzt genannten befinden sich die Kupplungen sowie einzelne Griff- und Haltestangen, die einzeln anzusetzen sind.

Technik

Das zweiteilige Gehäuse (Führerstand und Vorbauten) ist am Metallrahmen mittels zweier Schrauben in der Fahrzeugmitte befestigt, nach dem Abnehmen des Kunststoffchassis wird das Innenleben freigelegt. Über dem Motorblock befindet sich ein großes Zinkalteil zur Erhöhung des Eigengewichtes. Der Motor ist im Metallrahmen eingelagert und verfügt über eine große Schwungmasse, der der Lokomotive ein hervorragendes Fahrverhalten sowohl im niedrigen Geschwindigkeitsbereich verleiht. Die Kraftübertragung erfolgt über die direkt angesetzt Welle und dem Stirnradgetriebe auf alle Achsen. Für die Stromabnahme dienen alle vier Achsen, wobei die zweite Kuppelachse beidseitig mit Haftreifen bestückt ist.

Der elektronische Teil wurde unterhalb des Führerhauses platziert. Die Platine inkludiert eine Digitalschnittstelle nach NEM 362.

Fahrverhalten

Das Modell erreicht ein Eigengewicht von 312 Gramm. Die Lok verfügt über einen seidenweichen Lauf und über eine hohe Zugkraft. Die Vorbildgeschwindigkeit beträgt 60 km/h, im Rangiergang 30 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte der Vorbildgeschwindigkeit von ca. 110 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 82 % zu hoch, gegenüber dem NEM-Wert (+ 30 %) ist die Modellgeschwindigkeit um ca. 52 % zu hoch.

Optik

Das Modell der V 60.10 präsentiert sich hervorragend umgesetzt und ist detailreich ausgeführt, umgesetzt wurde die Ursprungsausführung – erkennbar am eher rundlichen Führerhaus und dem kurzen Dach. Dazu genügt ein bloßer Blick auf die Fahrzeugaufbauten, die aus Kunststoff gefertigt sind. Das Gehäuseteil ist übersäht mit feinen Gravuren wie der korrekten Nachbildung der Klappen vor Seitentüren der Vorbauten. Selbst die Scharniere oder die Verschlüsse sind allesamt erhaben dargestellt und wirken äußerst dezent. Eine Augenweide stellen die Nachbildungen der Seitenlüfter als auch der Lüftergitter beim Luftgenerator dar. Die Handläufe an den Vorbauten sind zwar am Modell angespritzt, hingegen sind jene beim Führerhaus einzeln angesetzt und bestehen aus Kunststoff. Die Geländergitter der Rangierbühnen bestehen aus einem stabilen Metalldraht. Die Fenster sind paßgenau im Chassis eingepaßt und zeichnen sich durch dezente Nachbildungen der Gummiefassungen aus. Die Scheibenwischer sind in den Fenstereinsätzen eingraviert. Das Fahrwerk verdient ebenfalls eine Erwähnung, wobei die Speichenräder, die Kuppelstangen und die Blindwelle die solide Modellausführung nochmals unterstreichen.

Farbgebung und Beschriftung

Die bordeauxfarbige Lackierung des Modells ist sauber ausgeführt. Unklar ist, ob die graue Lackierung der „Dachflächen“ korrekt ist, zumal sich darüber eine einschlägige Publikation ausschweigt und dort vom Farbton Creme zu lesen ist. Es sind keine Farbverläufe erkennbar. Tadellos ist auch die Beschriftung. Die V 60 1081 ist beim Bw Grunewald der RBD Berlin stationiert. Als Revisionsdatum ist der 18.01.63 vom LKM Babelsberg angeschrieben, was auf das Abnahmedatum hindeutet. Die Anschriften sind mehrfarbig ausgeführt.

Beleuchtung

Die Beleuchtung des Modells besteht aus LED. Diese leuchten entweder warmweiß oder rot.


Bilder