Piko 51760 / 51762 / 51766 / 51768 / 51770: ÖBB-Reihen 1010 / 1110.500 / 1110.0

Die Reihe 1010 – ebenso die Reihe 1110 – wurden 1952 als erste Nachkriegs-Schnellzugloks bei den ÖBB in Auftrag gegeben. Als Vorbild fungierte die heute noch im Einsatz stehende Gotthardmaschine Ae 6/6 der SBB. Das primäre Einsatzgebiet war die Westbahn von Wien bis nach Buchs SG bzw. Passau. Die geforderten Einsatzmöglichkeiten auf der Ennstalstrecke (Amstetten – Bischofshofen) mit dem damaligen Achslastlimit von 18 t führte zur sechsachsigen Ausführung. Ab 1961 erfolgte der Einsatz auf der Südbahn und am Semmering, jedoch führten die dortigen Engradien (189 m) zu Speichenrissen und zu starken Verschleißerscheinungen an den Spurkranzen infolge mangelnder querelatischer Ausführung der Drehgestelle. Zwei Ausführungen kamen zustande – lenkergeführte Drehgestelle ohne Realdrehzapfen (1010.01 und 02) sowie konventionelle Drehgestelle mit Drehzapfen an der Mittelachse mit dem Andreaskreuz (1010.03 bis 20). Alle Maschinen durchliefen während ihrer Dienstzeit zahlreiche bauliche Veränderungen. Die nachhaltigste, optische Veränderungen geschah infolge von Hauptausbesserungen im TS-Werk Linz. Die 1010.005, 011, 012, 015 bis 017 und 019 erhielten einen Neubaukasten mit ausbauchter Stirnfront als Rammschutz und eine Neulackierung im Valousek Design. Mehrere als angeblich abgestellte Museumsloks werden heute im Güterverkehr eingesetzt.


Modellvorstellung

Piko hat letztes Jahr mit der Ankündigung der sechsachsigen ÖBB-Loks der Reihen 1010/1110.0/1110.500 alle Modellbahner in Österreich völlig überrascht, zumal es schon eine brauchbare Konstruktion eines Mitbewerbers gibt. Jedenfalls wagte es das Sonneberger Unternehmen mit gleich drei verschiedenen Bauformen ins Rennen zu gehen, wie man es von den deutschen E-Loks gewissermaßen gewohnt war und ist.

Die Reihe 1010 wurde unter der Artikelnummer 51760 für die Zweileiter-Fraktion zum UVP von € 169,99 angekündigt. Die Dreileiter-Wechselstrom-Modellbahner wird mit der Artikelnummer 51761 zum UVP von € 189,99 bedient.

Verpackung

Die Auslieferung erfolgt in der bekannten Kartonverpackung. Das Modell ist in einer fixen, paßgenauen Plastikform ummantelt. Nach dem seitlichen Entriegeln ist das Modell aus der klappbaren Plastikform entnehmbar. Dem Modell liegen neben dem eingeklebten Zurüstbeutel, der nur Bremsschläuche beinhaltet, eine Betriebsanleitung und das Ersatzteilblatt bei.

Technik

Piko hat wie auch bei anderen sechsachsigen Lokomotiven dasselbe Antriebskonzept verfolgt. Das Gehäuse ist am Chassis mittels zwei Zentraschrauben befestigt. Es läßt sich nach dem Lösen der Schrauben dann nach oben abziehen. Ein Mittelmotor treibt über Kardanwellen und dem Kardan-/Schneckengetriebe die jeweiligen Außenachsen der Drehgestelle an. Die Mittelachsen sind wiederum als Laufachsen ausgeführt. Für die Stromabnahme dienen alle Achsen. Piko hat das Modell mit einer Kupplungskulisse ausgestattet.

Für eine Neukonstruktion wie diese spielt die Vorbereitung auf künftige Digitalversionen eine Rolle. Piko hat die Platine mit einer 22poligen Schnittstelle nach NEM 658 (PluX22) ausgerüstet.

Fahrverhalten

Die 1010 013-9 verfügt über ein ordentliches Fahrverhalten. Die Neukonstruktion bringt lediglich 371 Gramm auf die Waage, weil im Fahrzeuginneren entsprechener Platz für den Decoder und den Lautsprecher benötigt wird. Das Modell zeichnet sich durch leise Fahrgeräusche aus und ist im Modellbahnbetrieb äußerst zugkräftig. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte von ca. 130 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit gerade richtig eingestellt, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit um ca. 39 % zu niedrig.

Optik

Die ersten Eindrücke im Vorfeld der Auslieferung des Serienmodelles waren vielversprechend, womit sich Piko bereits im Vorfeld entsprechende Lorbeeren verdient hat. Piko scheint sich wohl bei der Modellauswahl etwas verrannt zu haben, weil aufgrund der vielen Umbauten und äußerlichen Änderungen nur ganz bestimmte Nummernvarianten möglich sind.

Die Neukonstruktion kann sich im Grunde genommen sehen lassen, allerdings sind trotz des Bemühens einen korrekten und maßstäblichen Modelles einige Abstriche in Kauf zu nehmen. Die Winkel der Fronten entspricht den entsprechenden Herstellerplänen. Die Seitenwände sind sauber graviert, die Lüftergitter sind korrekt nachgebildet. Am Längsträger sind weitere, saubere Gravuren feststellbar, inbesondere können die Batteriekästen überzeugen. Die Andreaskreuze reichen an der Unterkante in das Drehgestell hinein und sind zwischen dem Lokgehäuse und dem Rahmen festverankert. Die Trittstufen bzw. die Mulden am Längsträger hinterlassen einen hervorragenden Eindruck, wurden jedoch beim gegenständliche Modell falsch ausgeführt. Die Fenstereinsätze sind paßgenau in die Öffnungen eingesetzt, die Fensterstege aus Aluminium sind dezent ausgeführt, allerdings stimmt der Ausrundungsradius nicht. Die Griffstangen der Türen sind sauber ausgeführt, ebenso jene an den Stirnfronten, wobei die zweifärbige Ausführung an der Front korrekt umgesetzt wurde. Durch das Anspritzen der UIC-Dosen an der Fahrzeugfront hat sich Piko in der Modellumsetzung weiterer Varianten selbst beschränkt. Die rechtsseitige Positionierung der UIC-Dosen läßt diesbezüglich auch nur bestimmte Vorbilder zu. Die großen Frontscheifer wurden mit schönen, silbern-farbigen Lampenfassungen versehen. Über die Schönheit des schwarzen Punktes in der Lampenfassung kann gestritten werden. Die Scheibenwischer sind angespritzt und heben sich farblich ab.

Der Dachgarten ist vollständig und korrekt wiedergegeben, wobei sich die roten Dachleitungen von den braunen Schirmisolatoren abheben. Einzelne Bauteile sind filigranst und korrekt umgesetzt. Die neu konstruierten Stromabnehmer stellen eine absolute Augenweide dar, wobei es der Hersteller schaffte, diesen ohne Zentralschraube am Dach zu befestigen. Die Senklage des Stromabnehmers ist korrekt. Die Wanisch-Palette ist schön umgesetzt, wirkt aber zu schmal. Ebenso sind die beiden Verstrebungsstangen auf der Oberschere zu dicht beieinander situiert. Die Nachbildung der Nieten ist war gut gemeint, war aber in dieser Form bei den Vorbildmaschinen nie vorhanden. Unklar ist, ob zum Zeitpunkt des Erscheinungsbildes dieser Modellausführung das Vorbild noch die vier „Luftansaugungspilze“ besaß, der auf dem Modell fehlt. Piko hat hierbei auf die gutgemeinten Ratschläge im Zuge der Vorbildrecherche verzichtet. Die eingesetzten Dachstege stellen feine Ätzteile dar.

Die Drehgestelle sind dreidimensional durchgebildet, wobei Piko hinsichtlich der unterschiedlichen Bauformen beim Vorbild hinsichtlich der Umsetzung mit oder ohne Andreaskreuz einen völlig neuen Lösungsansatz suchte. Die Bremssohlen sind auf der Höhe der Radlauffläche platziert.

Farbgebung und Beschriftung

Das vorliegende Modell ist bedauerlicherweise in dieser Ausführung vorbildfrei. Die Lok hatte bei dieser Modellausführung noch einen schwarz lackierten Rahmen, ein blutorange lackierten Lokkasten mit elfenbeinfarbigen Zierlinien und ein silbernes Dach im Farbton Weißaluminium. Das Modell ist an und für sich sauber lackiert und bedruckt. Es ist bei der Zfl. Salzburg stationiert. Das Revisionsdatum stammt vom 14.08.89. Die Angaben der Bremstafel sind ebenso gut lesbar die das Fabriksschild. Die Führerstandsziffern sind silbern hinterlegt.

Beleuchtung

Wartungsarme, warmweiße LED sorgen für den fahrtrichtungsabhängigen Lichtwechsel mit dreimal weiß vorne, aber nur in Bereich des schwarzen Loches, und einmal rot hinten für den Zugschluß.


Bilder 51760


Modellvorstellung 51762 = 51764

Als zweite Neukonstruktion dieser Loktype ist die Reihe 1110.500 zu nennen, die Piko gegenüber der 1010 mit dem anderen Drehgestelltyp ausgeführt hat. Es ist auch bei dieser Lokfamilie bemerkenswert, daß Piko im Zuge dieser Neukonstruktion gleich beide Drehgestelltypen nachbildet, sind doch im Formenbau nicht unerhebliche Mittel gebunden.

Piko hat bei seiner Neuheitenankündigung die Ausführung der 1110 521-0 erwähnt, bei der Modellumsetzung dann auf die zuerst umgebaute 1110 519-4 umgeschwenkt. Der Hersteller hat dabei nicht bedacht, daß es sich bei diesem Vorbild um eine völlig andere gestaltete Maschine handelt, womit weitere Fehler unweigerlich passiert sind.

Die Konstruktion der 1110.500 ist durchaus top, und Piko hat selbst bei einigen Details auch vorgezeigt, was heute im Modellbau alles möglich ist. Dieses Bestreben und Können ist mustergültig und läßt sich auch preislich rechtfertigen, denn die ausgelieferte Gleichstromvariante des Modells (Artikelnummer 51762) wird zum UVP von € 169,99 angeboten, das Wechselstrom-Modell (51763) kostet € 199,99. Dasselbe Modell wird auch als Sound-Modell angeboten, die jeweilgen Modelle 51764 bzw. 51765 kosten je € 269,99 bzw. € 289,99.

Die Neukonstruktion ist in den Proportionen der HG-Ausführung sehr gut gelungen. In der Detailausführung happert es aber, wobei als augenscheinlichster Fehler die nur bei der 1110 519-4 montierte, alte abgerundete Schürze zu nennen ist. Der untere Schürzenteil ist mit der Kurzkupplungskulisse verbunden und schwenkt in Bogenfahrt aus. Damit verbunden ist auch die zu hohe Anordnung des Umlaufbleches anzuführen, die auch zu einer falschen Aufteilung der Farbflächen führt. Die Trennkante zwischen dem umbragrauen Rahmen und der verkehrsroten Kastenfarbe sowie des trapezförmigen Querbalkens verläuft inmitten der obersten Trittstufe beim Führerstandsauftritt und entsprach dem ursprünglichen Verlauf. Damit einhergehend ist auch ein geringerer Abstand zur Öffnung des Zughakens bzw. die Fluchtlinie zur Oberkante des Puffers verbunden. Gleichzeitig wurde auf die verlängerte Ausführung des roten Zierspitzes in der Frontrundung vergessen. Zudem sind die Ausrundungen der Seitenfenster zu eng, hierbei wurde ein zu kleiner Radius gewählt.

Obwohl es eine Aufnahme der 1110 519-4 gibt, die die Lok im ausgelieferten Zustand zeigt, wurde die Maschine nach ihrem Umbau in der HW Linz nicht ausgeliefert. Das Modell zeigt einen hellgraue gestalteten Trafoaufbau in der Lokmitte sowie weiß lackierte Typhone auf dem Lokdach. Diese Ausführungen mögen zwar nach dem Vorbildfoto stimmen, waren aber bei Auslieferung umbragrau lackiert.

Die aktuelle Fertigungskunst am Großseriensektor wird anhand der Aufbauten der Bremswiderstände demonstriert. Noch nie wurden derart detailreiche Bauteile konstruiert und versetzen dem Betrachter ins Staunen. Trotz aller Filigranität der Teile, die auch als optische Highlights dieser Konstruktion zu werden sind, hat Piko es verabsäumt, an der Frontseite in der linken Schräge die nachträglich eingebauten und senkrecht verlaufenden Lüftergitter zu berücksichtigen. Die Stromabnehmer sind sehr gut getroffen, allerdings fehlt am Dach der Kathodenfallableiter.  Der Dachsteg wurde als feines Ätzteil realisiert.

Piko liefert die Neukonstruktion vollständig aufgerüstet aus, wobei auch die Griffstangen an der Fahrzeugfront korrekt nachgebildet wurden. Mitgeliefert wird ein Zurüstbeutel, darin verbergen sich geschlossene Frontschürzen zum Ansetzen auf der Kurzkupplungskulisse sowie auch Bremsschläuche, für die es keine Öffnungen gibt.


Bilder 51762


Modellvorstellung 51766 – ÖBB 1110.03

Die Hoffnungen, ein korrekt umgesetztes Modell zu erhalten, sind beim Auspacken des Modells merklich geschwunden. Der erste Blick auf die Loknummer des Modells und auf die ausgeführte Lackierungsvariante ging mit der Frage einher, was ist in Sonneberg schon wieder passiert?

Die Modellausführung der ÖBB-Reihe 1110 geht auf eine Ankündigung im Neuheitenblatt 2017 zurück. Piko hat bei seiner Ankündigung ein Vorbildfoto abgedruckt, die die Vorbildmaschine im schwarzen Rahmen und silbernen Dach zeigt. Das einzige, was lackierungsmäßig am Modell stimmt, ist die blutorange Kastenfarbe mit den drei Zierlinien in Elfenbein, sogar die gekürzte untere ist korrekt. Das Dach, der Rahmen und die Drehgestelle sind in umbragrau gehalten. Dieser Farbton mag zwar bei der Reihe 1044 (ab Ordnungsnummer 111) vor der Einführung der Computernummer zur Anwendung gelangt sein, bei den älteren Typen kam die Farbe erst ein Jahr nach der Einführung der Computernummer, also frühestens 1987. Ein weiterer Fehler ist in der Ausführung der Lüftergitter passiert, indem die rechte Lüftergruppe quadratisch sein sollten. Die Ausführung der Lüfterlamellen entspricht auch nicht dem Vorbild, wiewohl bei der Fahrzeugfront durch die fehlende Ausbauchung unterhalb des Frontumlaufes ein weiteres Manko in Erscheinung tritt.

Die Modellausführung in technischer und optischer Hinsicht entspricht den vorigen Ausführungen. Das Modell wird wiederum komplett zugerüstet ausgeliefert. Der beiligende Zurüstbeutel enthält Teile wie den Kupplungshaken oder Bremsschläuche. Als Heimatdienststelle ist die Zfl. Salzburg angeschrieben, wo die 1110.03 Zeit ihres Lebens nie beheimatet war. Da das Revisionsdatum vom 3. Dezember 1985 stammt, war die Lok zu diesem Zeitpunkt im Zeitraum vom 1. Oktober 1979 bis 30. April 1986 in der Zfl. Bludenz stationiert! Das Gleichstrom-Modell ist unter der Artikelnummer 51766 zum UVP von € 169,99 erhältlich. Das Wechselstrom-Modell trägt die Artikelnummer 51767 und kostet UVP € 199,99.


Bilder 51766


Modellvorstellung 51768 – ÖBB 1010.04

Der Sonneberger Hersteller wendet sich langsam auch an die älteren Ausführungen dieser sechsachsigen Nachkriegslokomotive heran und lieferte als erste, tannengrüne Ausführung die 1010.04 mit Flügelrad an den Stirnfronten aus. Das Modell erfuhr einige konstruktive Änderungen im Bereich der Stirnfront durch die flachen Scheinwerfer, aber auch durch das angravierte Flügelrad. Am Dach fehlt weiterhin die Ansaugöffnung für die Kühlluft bei den Stromabnehmern bzw. wurde beim Fabriksschild der falsche Hersteller des E-Teiles Elin-Union statt SSW) aufgedruckt. Als Heimatdienststelle ist Salzburg angeschrieben, wo die Maschine zum Zeitpunkt der letzten Bremsuntersuchung vom 8.10.69. Zu diesem Zeitpunkt war die 1010.04 noch in Wien-West (12.09.1959 – 05.09.1970) stationiert, davor und danach trat die Mozartstadt als Heimatdienststelle auf. Beim Geschwindigkeitstest war die grüne 1010 um ca. zehn Prozent schneller als das Erstmodell.


Bilder 51768


Piko 51770 – ÖBB 1010.007-1

Die ausgelieferte 1010.007-1 verkörpert das Erscheinungsbildes dieser Maschine vor ihrer HG-Umgestaltung in den 1990er Jahren. Die blutorange Lokomotiven entspricht dem Vorbild und verfügt über drei Zierlinien in Elfenbein, ein silbernes Dach und einen schwarzen Rahmen und schwarzes Fahrwerk. Außerdem ist die Kopfform gekröpft wiedergegeben. Die Lok ist in der Zfl. Salzburg geheimatet. Die letzten Untersuchungsdaten lauten auf HW Lz 06.05.1988. Das gegenständliche Modell ist zum UVP von € 174,99 im Fachhandel erhältlich. Die Wechselstrom-Modellbahner können das Modell unter der Artikelnummer 51771 zum UVP von € 214,99 erwerben.


Bilder 51770