Roco 72074: DB-Baureihe 628.4

Die Deutsche Bundesbahn beschaffte zwischen November 1992 und Jänner 1996 insgesamt 309 Triebwagen der als zweiten Serie der VT 628 bezeichneten Triebwagen. Die zweite Serie wurde als VT 628.4 geführt. Der Konstruktion dieser gingen die Erkenntnisse der 150 zuvor in Dienst gestellten VT 628.2 ein, indem Alltagserkenntnisse in die technisch verbesserte Version weiterentwickelt wurde. Diese Weiterentwicklung wurde von Duewag (vormals Uerdingen) vorangetrieben. Weitere Verbesserungen wurden auch in der Antriebsanlage erzielt. Die Berücksichtigung einer Ladeluftkühlung ermöglichte die Leistungssteigerung des Dieselmotors um 20 % auf 485 kW. Optisch unterschieden sich die Fahrzeuge durch die Berücksichtigung einer um 50 cm breiteren Doppelschwenktüre beim Fahrzeugübergang oder durch das Weglassen der unteren Fensterscheiben bei den Einstiegstüren.


Modellvorstellung

Auf dem Neuheitenblatt von 1987 prangte groß ein Bild des damals neu in Dienst gestellten DB-Nahverkehrstriebwagen VT 628.2, von dem Roco mehrere Auflagen fertigte. Mehr 30 Jahre mußten vergehen, als der gleiche Hersteller die jüngere Nachfolgeserie VT 628.4 als Neukonstruktion ankündigte. Im Neuheitenblatt von 2018 war zunächst die verkehrsrote Version angekündigt, im aktuellen Neuheitenprogramm wurde dann das Fahrzeug in der Ursprungsausführung in den Produktfarben der DB als Neuheit avisiert. Roco produziert das Modell unter der Artikelnummer 72074 als Gleichstrom-Fahrzeug zum UVP von € 269,90. Dasselbe Modell ist auch in der Digitalversion mit Loksound für das Zweileiter-System unter der Artikelnummer 72075 zum UVP von € 354,90 erhältlich. In der selben Ausführung und zum selben UVP ist unter der Artikelnummer 78075 die Dreileiter-Ausführung im Fachhandel erhältlich.

Verpackung

Die Auslieferung erfolgt in einfachen Kartonschachtel mit Styroporeinsatz. Die Fahrzeugteile sind getrennt mit Folien umwickelt und in die Aussparungen eingeschoben. Zum Lieferumfang gehört ein Zurüstbeutel mit verschiedenen Steckteilen beim Fahrzeugübergang, die Betriebsanleitung und das Ersatzteilblatt. Das Modell ist bereits frontseitig komplett aufgerüstet, sogar die Scheibenwischer sind als eigene Teile ab Werk montiert.

Technik

Beide Fahrzeuge sind über eine elektrisch leitende, achtpolige Kupplung verbunden. Der Steuerwagen ist antriebslos, wird aber vom Motorwagen strommäßig für verschiedene Einrichtungen versorgt. Der Motorwagen weist im hinteren Fahrzeugteil die Antriebsanlage auf. Der Zugang dazu gestaltet sich im Unterschied zu Triebfahrzeugen etwas schwieriger. Zuerst muß das silbern lackierte Dach nach innen verschoben werden, um es abnehmen zu können. Im nächsten Schritt müssen die Puffer und der Faltenbalg entfernt werden, außerdem sind noch auf der Platine zwei Schraubenverbindungen zu lösen. Erst danach läßt sich das Gehäuseteil vom Chassis abziehen. Beim Steuerwagen ist das Procedere noch etwas komplizierter, indem nach Abzug der Dachverkleidung und dem Lösen von zwei Schrauben im Fahrzeuginneren acht Rastnasen gemeinsam auszuhebeln sind.

Die Antriebsanlage ist unter der Fahrgastinnenraum-Imitation versteckt. Darunter befindet sich ein Motor mit großer Schwungmasse, der über einen einseitigen Kardanantrieb auf das Schneckengetriebe des hinteren Drehgestelles greift. Der Antrieb erfolgt nur auf diese beiden Achsen. Die Achse 3 trägt beidseitig Haftreifen. Die Neukonstruktion ist für einen Solobetrieb des Triebwagens ausgerichtet. Roco hat bei den Führerstandsseiten der Fahrzeuge auf den Einbau einer Kurzkupplungskulisse verzichtet.

Die Fahrzeugplatine ist über dem Fahrgastraum platziert. Auf dieser ist eine Digital-Schnittstelle nach NEM 658 (PluX22) integriert. Von dieser Platinen führen auch die Leiter zu den LED-Beleuchtungsplatinen. Des weiteren befinden sich auf der Platine noch DIP-Schalter, um Einstellungen für den Analog- bzw. Digitalbetrieb vornehmen zu können.

Fahrverhalten

Die Triebwagen bewegt sich seidenweich und fast lautlos über der Modellbahnanlage. Das Eigengewicht des „motorisierten“ VT 628.4 beträgt 322 Gramm, jenes des Steuerwagens 132 Gramm. Das Vorbild ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h beidseitig zugelassen. Das Modell erreicht bei 12 V Gleichstrom eine Modellgeschwindigkeit von umgerechnet ca. 131 km/h. Diese ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. neun % zu schnell, gegenüber dem NEM-Wert mit der Draufgabe von 30 % um 21 % zu langsam.

Optik

Roco hat die neukonstruierten Wagenkästen vorbildgerecht und maßstäblich umgesetzt, wobei die Fahrzeugseiten im Kurzkupplungsbereich leicht verjüngt wiedergegeben sind. Korrekt umgesetzt sind auch die Türen und die erhaben dargestellten Lüftergitter für die Kühl- und Verbrennungsluft für die Antriebsanlage. Das Dach weist eine gesickte Oberfläche auf, werkseitig sind schon die Dachlüfter und die Fahrzeugantennen montiert. An der Fahrzeug sind bereits die Scheibenwischer fix montiert, selbst zu montieren ist noch das Steuerkabel. Sämtliche Fenster- bzw. Lampeneinsätze sitzen bündig in den Ausnehmungen. Optisch gut getroffen sind die frontseitigen, runden Lüfternachbildungen.

Die Drehgestelle sind verschiedenartig umgesetzt, erkennbar an den Unterschieden hinsichtlich der hydraulischen Dämpfer und der Magnetschienenbremse, die jeweils am innenliegenden Drehgestell montiert ist. Die führenden Drehgestelle tragen an der Unterseite den Indusi-Magneten. Die Drehgestelle fallen ansonsten durch die Luftfedern optisch auf, die richtig dimensioniert sind. Lediglich die Sandfallrohre fehlen.

Die Fahrzeugkästen sind regulär glatt ausgeführt, weisen aber einzelne Gravuren im Türbereich oder an den Schürzen auf. Die Fenstereinsätze sitzen paßgenau im Fahrzeugkasten, wobei die Gummidichtungen erhaben dargestellt sind und schwarz lackiert sind. Sehr schön umgesetzt sind auch die silbernen Fensterstege der Klappfenster.

Farbgebung und Beschriftung

Wesentliche Farbtrennkanten im Bereich des Daches oder am Fahrwerk wurden schon konstruktiv berücksichtigt. Diese Teile sind gleich entsprechend eingefärbt. Die Lackierung am Fahrzeug ist trotz mehrere Farbtrennkanten und Übergänge tadellos ausgeführt. Das gleiche kann man für die Beschriftung der beiden Fahrzeuge sagen, doch ist dem Hersteller ein kleiner Lapsus passiert. Die rechte Seite des Steuerwagens ist im Bereich des 1. Klasse Abteils unvollständig bedruckt worden. Es scheint darauf hinzudeuten, daß im Zuge der Produktion auf einen Arbeitsschritt vergessen worden ist, denn es fehlt nicht nur die Klassenbezeichnung „1“, sondern auch der gelbe Streifen in der Dachkante und entsprechende Piktogramme. Roco hat nach entsprechende Hinweise bekanntgeben, diese unvollständigen Modelle nachträglich zu vervollständigen.

Der Triebwagen erhielt die Betriebsnummer BD 628 419-4 für den Motorwagen und ABD 928 419-1 für den Steuerwagen. Als Heimat-Bw ist Hof angeschrieben. Im Revisionsraster stehen die Angaben REV FKX 10.08.93. Alle anderen Anschriften sind gut lesbar angebracht. Im Zuglaufschild steht als Zugziel Hof.

Beleuchtung

Die Beleuchtung des neukonstruierten VT 628.4 besteht aus wartungsarme, weißwarme LED. Die Ansteuerung erfolgt nach der Werkseinstellung (analog) in Fahrtrichtung. Das Spitzenlicht besteht aus drei weiße Lichter, das Schlußlicht aus zwei rote. Die Zugzielanzeige sowie der Fahrgastinnenraum wird ebenfalls mittels LED-Beleuchtung illuminiert.


Bilder – Motorwagen

Bilder – Steuerwagen

Roco wird die unvollständig bedruckten Fahrzeuge einsammeln und die fehlenden Anschriften nachträglich korrekt bedrucken lassen.