Die „Taurus-Lokfamilie“ von Piko (57920 MRCE, 57921 / 57922 ÖBB 1116 / 57923 Hectorrail 242)

Der viergleisige Ausbau der Westbahn für eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h und mehr, ein völlig überalterter Triebfahrzeugpark auf dem E-Sektor und die anstehende Liberalisierung im Schienengüterverkehr stellte die ÖBB vor neue Herausforderungen. Die Reihe 1044.200 war zwar die zuletzt beschaffte leistungsfähige Type, doch mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h war an einem Schnellzugverkehr entlang der Westbahn nicht zu denken. Die drei Prototypen der Reihe 1012 hätten dem entsprochen, doch die hohen Stückkosten sowie die Streitereien zwischen ÖBB-Vorstand und Herstellerfirma waren keine Grundlage für eine Weiterbeschaffung.

Die ÖBB waren nach dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union gefordert, für die zu beschaffene Type eine europaweite Ausschreibung durchzuführen. Vier Interessenten haben sich beteiligt. Letztendlich konnte sich die Firma Siemens/Krauss-Maffei mit dem Taurus durchsetzen, von dem zunächst nur zwei verschiedene Ausführungen geplant waren. Zur Ausschreibung gelangten zunächst 50 Stück Reihe 1016 als Einsystemloks und 25 Stück Reihe 1116 als Zweisystemvariante. Mit dem Taurus 1 standen erstmals Serienloks für 230 km/h Höchstgeschwindigkeit zur Verfügung, welche auch den neuesten ergonomischen Erfordernissen entsprachen. Im Zuge der Ablieferung wurden weitere Optionen bei Siemens gezogen, sodass ein Gesamtbestand von 350 Maschinen des Taurus 2 geplant war.

Die Aktivitäten der ÖBB blieben in der Branche nicht unbeachtet, insbesondere die Überlegungen hinsichtlich des Vermietungsgeschäftes an Lokomotiven. Siemens-Dispolok, damals eine Tochterfirma des Siemens-Konzerns, griff die Idee des früheren ÖBB-Generaldirektors Helmut Draxler auf und gründete eine eigene Leasing- und Vermietungsgesellschaft. Zur Erstausstattung der Gesellschaft gehörten einige Dieselloks der Type ME 26 sowie fabrikneue Universallokomotiven des Typs ES 64 U2, die dem ÖBB-Taurus 2 entsprachen. Siemens Dispolok – später an den Konkurrenten MRCE verkauft – beschaffte eine Vielzahl dieser Neubaumaschinen und sorgte mir ihrer zitronengelb/silbernen Lackierung für eine willkommene Abwechslung im nunmehr verkehrsroten Einerlei. Diese ansonsten gefällige Lackierung wurde infolge der MRCE-Übernahme in schwarz abgeändert.


Modellvorstellung

Die ersten Piko-Modelle des Siemens-Typs ES 64 U2 bzw. der ÖBB-Reihe 1016/1116 erschienen vor gut 15 Jahren. Seither sind eine Vielzahl an bunt bedruckten und lackierten Modellen in unterschiedlichen Beschriftungsvarianten des im Hobby-Segment angesiedelten Produktes erschienen.

Das vorliegende Modell wird als Gleichstrommodell (Artikelnummer 57920) bzw. als Wechselstrommodell (57820) ausgeliefert und ist zu einem UVP von € 67,99 bzw. € 87,99 erhältlich. Diese Piko-Neuheit 2016 wird laut Firmenangaben zum Sonderpreis angeboten.

Verpackung

Piko liefert das Modell in einer Kartonschachtel an den Fachhandel aus. Das Modell liegt in einer zweiteiligen, passgenauen Plastikform. Nach dem Abziehen des Oberteiles (Deckel) der Plastikform läßt sich das Modell entweder anhand der untergelegten Plastikfolien herausziehen oder man dreht das Unterteil und läßt das Modell in die offene Handfläche fallen. Verschiedene Prospekte und die mehrsprachige Betriebsanleitung inkl. Ersatzteilblatt liegen dem Modell bei.

Technik

Das Lokgehäuse ist auf dem Metallrahmen aufgesteckt und wird durch die vier Puffer gehalten. Um an das Innenleben der Lok zu kommen, müssen zuerst die vier als Steckteil ausgeführten Puffer aus ihrer Verankerung gezogen oder mittels Schraubenzieher gedrückt werden, danach läßt sich das Gehäuse nach oben abziehen.

Die Antriebskomponenten sind im Metallrahmen eingelagert. Die Platine ist direkt über dem Mittelmotor platziert und wird über eine Kreuzschraube fixiert. Die Platine inkludiert eine Schnittstelle nach NEM 652. Der dreipolige Mittelmotor ist im Metallrahmen eingelagert und kommt ohne Schwungmasse aus. Das Modell wird über die beiden Kardanwellen und der Stirnradgetriebe auf alle vier Achsen angetrieben. Das Modell verfügt über keine Haftreifen.

Fahrverhalten

Das Modell des MRCE-Taurus hat ein Eigengewicht von 451 Gramm.Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h für beide Fahrtrichtungen. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte der Vorbildgeschwindigkeit von ca. 222 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 4 % zu niedrig, gegenüber dem NEM-Wert (+ 30 %) ist die Modellgeschwindigkeit um ca. 34 % zu niedrig.

Optik

Modelle im Hobby-Segment werden grundsätzlich vereinfacht dargestellt und sind primär für Kinder oder reine Spielbahner gedacht, die kein sonderliches Interesse an Detailtreue legen. Diese Abstriche sind am Chassis auch eindeutig zu erkennen, indem verschiedene Griffstangen entweder gar nicht oder nur vereinfacht als angespritzte Teile dargestellt sind. Dennoch weist das Modell eine hohe Detaillierung zum Vorbild auf, was insbesondere in der Nachbildung des Daches, der Seitenwände einschließlich der Türpartien oder an den Drehgestellen zu erkennen ist. Bei der Modellumsetzung ist Piko ein kleiner Fehler unterlaufen, denn beim Modell fehlt der dritte Stromabnehmer, den eine Serie von Lokomotiven mit Bosnien-Paket erhalten haben.

Farbgebung und Beschriftung

Die Lackierung des vorliegenden Modells ist tadellos, das gilt auch für das mehrfarbige Plakat auf der Seitenfläche des Chassis. Die Bedruckung der Türschnallen und der Anschriften sind sauber aufgetragen und trennschaft zu erkennen, teilweise sind diese mehrfarbig dargestellt. Die vollständige Loknummer lautet 91 80 6182 567-8 D-DISPO bzw. ES 64 U2-067 sowie LZB: 182 567-8. Das Revisionsdatum stammt aus Linz vom 31.10.12.

Beleuchtung

Das Modell wird mittels Glühlampen beleuchtet und verfügt über ein fahrtrichtungsabhängiges Dreilicht-Spitzensignal.


Piko 57920 – MRCE


Piko 57921 – ÖBB-Werbelok „Bodensee – Gebrüder Weiss“

Die gegenständliche Serie an Hobby-Loks wird durch eine ÖBB-Lok fortgesetzt. Piko hat im Neuheitenprogramm die ÖBB-Werbelok 1116 072 ausgewählt, die für den Bodensee und das Logistik-Unternehmen Gebrüder Weiss mit Stammsitz in Vorarlberg wirbt. Das Vorbild trägt eine Teilbeklebung mit Folien auf den Seitenwänden und unterscheidet sich somit von den herkömmlichen ÖBB-Loks der Reihe 1116. Das Modell trägt die vollständigen Fahrzeuganschriften A-ÖBB 91 81 1116 072-0 mit den Angaben im Revisionsraster REV Ws 27.02.13. Der Fahrzeugrahmen ist mehrfarbig bedruckt und weist vollständige Anschriften auf. Die Lackierung ist genauso sauber ausgeführt. Piko liefert die Hobby-Lok unter der Artikelnummer 57921 für die Gleichstrombahner zum UVP von € 64,99 aus. Das Wechselstrommodell ist unter der Artikelnummer 57821 zum UVP von € 84,99 zu erhalten.


Piko 57922 – ÖBB-Werbelok „Top Performer am Zug“

Die 1116 271 ist keine Werbelok im herkömmlichen Sinne, erhielt aber nach einem ersten ÖBB-Traineeprogramm die Aufschrift „Top Performer am Zug“. Der schlichte Schriftzug war am Vorbild einige Jahre zu sehen, und nachdem sich bisher kein anderer Hersteller an die Modellumsetzung gewagt hat, wählte Piko dieses besondere Vorbild als Basis für seine Herbstneuheit 2017 aus. Das Modell der noch in der Epoche-V-Beschriftung gehaltenen Lokomotive wird unter der Artikelnummer 57922 für die Gleichstrommodellbahner zum UVP von € 64,99 angeboten, das Wechselstrommodell ist unter der Artikelnummer 57822 zum UVP von € 84,99 zu bekommen. Zur alten Loknummer 1116 271-6 gehört noch das Revisionsdatum REV Lz 09.11.05.


Piko 57923 – Hectorrail 242

In den Jahresneuheiten 2018 findet sich auch eine Modellvariante des schwedischen EVU Hectorrail. Einige Maschinen sind vom Dispo-Lokpool an dieses EVU verkauft worden und werden seither im Güterverkehr eingesetzt. Zu Wartungsarbeiten verirrt sich eine Lokomotive auch sehr gerne in das ÖBB TS-Werk Linz.

Piko liefert das Modell als Gleichstromvariante unter der Artikelnummer 57923 zum UVP von € 59,99 aus. Das Wechselstrommodell wird unter der Artikelnummer 57823 im Sortiment geführt und kostet € 79,99. Das Modell ist dem Hobby-Segment angesiedelt und darf ruhig als einfach Spiellok betrachtet werden.

Die orange/grau lackierte Lokomotive erhielt von Piko die Betriebsnummer 91 80 6182 516-5 und das Halterkürzel SE-HCTOR, wobei an den seitlichen Fahrzeugfronten die Kurznummer 242.516 sowie der Lokname FERDINAND zu lesen ist. Im Revisionsraster ist die letzte Untersuchung in Linz (Lz) vom 12.11.13 zu entnehmen. Das Modell ist sauber lackiert und beschriftet.