Trix 22195/22284: DB AG-Baureihe 102 / CD-Reihe 380

Skoda präsentierte am 24. Juli 2008 seine erste Dreisystemlok mit der Werksbezeichnung 109 E der Öffentlichkeit. Der Präsentation ist 2003 eine Bestellung der tschechischen Staatsbahnen CD über 20 Lokomotiven vorausgegangen. Die als neue Reihe 380 bezeichnete Lokomotive sollte in Ergänzung bzw. als Ersatz für die Reihen 370 und 372 im grenzüberschreitenden Verkehr Verwendung finden.

Die Vorgaben waren also eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h, die Erfüllung der neuen Crash-Normen nach EN 15227 sowie der Einsatz unter den Stromsystemen wie 3 kV Gleichstrom und 15 kV/16,7 Hz bzw. 25 kV/50 Hz Wechselstrom, welche u. a. in den Nachbarstaaten in Verwendung stehen. Die Anwendung der zuvor genannten Crash-Normen sorgten für eine Überarbeitung des bisherigen Lokkastens, wozu das Porsche-Design verschiedene Entwürfe für die Ausgestaltung der Silhouette erstellte. Auf dem geschweißten und versteiften Rahmen thront der Lokkasten mit seinen gesickten Seitenwänden, wobei die Führerstände als seperate Module unter Bedachtnahme der neuen Crash-Norm EN 15227 konzipiert wurden. Die eigenwillig aussehende Lokfront sollte dabei einen Aufprall durch die Verwendung von speziellen Puffern und Deformationselementen, einer Deformationszone und der neuen Gestaltung des Schienenräumers wesentlich zum Schutz des Führerstandsmoduls beitragen.  Das Dach bestaht zwecks Gewichtsersparnis aus geschweißten Aluminiumprofilen und ist in drei abnehembaren Dachfeldern ausgeführt. Der elektrische Teil besteht aus zwei wassergekühlten IGBT-Stromrichter mit je vier Vierquadrantenstellern und einem Bremssteller, die jeweils zwei Drehstrom-Asynchronmotoren pro Drehgestell ansteuern. Die in Doppelstern geschalteten Fahrmotoren besitzen jeweils einen eigenen Antriebswechselrichter für ihre Einzelradsteuerung.

Zwei Prototypen (380.001 und 380.002) gingen in den Jahren 2009 bis 2011 in Erprobung, denen danach die Serienloks 380.003 bis 380.020 folgten. Skoda hat auf Basis dieser, aber in abgespeckter Version mit dieser Konstruktion die Ausschreibung für die neuen Fahrzeuge des München-Nürnberg-Express gewonnen. Die DB AG bestellte im Juni 2013 erstmals sechs Lokomotiven bei Skoda sowie sechs sechsteilige Doppelstock-Wendezuggarnituren. Die bei der DB aus Baureihe 102 bezeichneten Lokomotiven sind jedoch nur für den Inlandsbetrieb in Deutschland ausgelegt. Sie sind lediglich für den elektrischen Betrieb mit 15 kV/16,7 Hz Wechselstrom ausgelegt, haben aber alle technischen Ausstattungsmerkmale entsprechend der DB-Vorgaben erhalten, dazu zählen Stromabnehmer der Bauart DSA mit Dreipunktabstützung und die Ausrüstung mit ZDS/ZWS, PZB 90, ETCS Level 1 und einem vollautomatischen Bremsprüfsystem.


Modellvorstellung

Es war die Überraschung, als der Göppinger Hersteller vor einem Jahr die Baureihe 102 der DB AG bzw. die fast typengleiche CD 380 als Neukonstruktion angekündigt hat, wobei auch der Preis zu überraschen ermochte. Die DB AG-Ausführung erscheint in der Wechselstromausführung bei Märklin unter der Artikelnummer 36202 zum UVP von € 279,99 und in der Gleichstromausführung bei Trix unter der Artikelnummer 22195 zum UVP von € 279,99. Das DB-Fahrzeug mit mit DCC- und mfx-Decoder ausgeliefert.

Verpackung

Die Auslieferung erfolgt in der bekannten Märklin/Trix-Verpackung. Nach dem Abzug des Kartonschubers wird die stabile Plastikverpackung zugänglich, in welchem das Modell mit abermaligen Plastikschuber sicher für den Transport fixiert wurde. Die Neukonstruktion wird ohne eigene Zurüstteile ausgeliefert, sodaß das Modell sofort für den Anlagenbetrieb vollwertig verwendet werden kann. Sämtliche Dokumente und Betriebsanleitungen sind in einem eigenen Schuber abgelegt, der in einem Schlitz der Kartonschachtel eingeschoben ist.

Technik

Märklin/Trix hat in den letzten Jahren bei den Neukonstruktionen von Drehgestell-Lokomotiven ebenfalls das Antriebskonzept mit Mittelmotor und Kardanwellen entdeckt. Die weitere Kraftübertragung erfolgt über ein Stirnrad-/Schneckengetriebe auf alle vier Achsen. Am Mittelmotor ist eine große Schwungmasse verbaut. Die Fahrzeugplatine ist wie bei solchen Konstruktionen am Fahrzeugrahmen montiert, diese beinhaltet die Digital-Schnittstelle.

Das Lokgehäuse ist über vier Kreuzschrauben von der Unterseite her am Chassis festgeschraubt. Es empfiehlt sich die Verwendung eines paßgenauen Schraubenziehers, um nicht die Kreuzführung auszuschälen. Das Lokgehäuse läßt sich dann leicht annehmen und ist komplett aus Metall gefertigt, es dient zugleich als Ballastgewicht, denn das Fahrwerk hat nur einen Bruchteil des Gesamtgewichtes.

Bei der Neukonstruktion wurde eine Kurzkupplungskinematik berücksichtigt.

Fahrverhalten

Das Eigengewicht beträgt 393 Gramm. Die Vorbildgeschwindigkeit beträgt 200 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von ca. 127 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 37 % zu niedrig, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist sie sogar um ca. 67 % zu niedrig.

Optik

Der Hersteller hat die Lok sowohl aus Kunststoff als auch aus Metall gefertigt, wobei als wesentlicher Faktor das Metallgehäuse für die optische Bewertung heranzuziehen ist. Das Modell weist sehr feine Gravuren und Details auf. Der Lokkasten mit seinen Sicken wirkt keinesfalls zu klobig. Sehr schön ausgeführt sind die Mulden der Türgriffe oder auch einzelne Details entlang des Fahrzeugrahmens. Die Frontgriffstangen sind am Modell teils in der Form angespritzt bzw. extra angesetzt. Die UIC-Dosen sind konstruktiver Bestandteil der Gehäuseform. Die Scheibenwischer hinterlassen den Eindruck, als wären diese eigens angesetzte Teile, stattdessen sind sie in der Form berücksichtigt und farblich behandelt. Die Fenstereinsätze sind paßgenau ausgeführt.

Ein besonderes Augenmerk sei dem Dach geschenkt. Die Dachschrägen bzw. Rundungen weisen verschiedene Lüftereinsätze auf, die trotz des Metallgehäuses sehr filigran wiedergegeben sind. Am Fahrzeugdach sind weitere Details zu erkennen, wie verschiedene Dachverschlüsse oder die Befestigungsösen zur Abnahme der drei Dachfelder. Der Dachgarten besteht aus verschiedenfarbigen Isolatoren, einer grau lackierten Dachleitung und robuste Einholmstromabnehmer. An den Dachfronten oberhalb des Führerhauses befinden sich die Typhone und einseitig eine Antenne.

Die Drehgestellblenden sowie die Pufferbrust sind aus Kunststoff gefertigt. Die Drehgestellblenden weisen eine schöne Tiefenoptik auf und sind dreidimensional durchgebildet. Darüber hinaus sind auch alle unterflurig ausgeführten Anbauteile aus Kunststoff.

Farbgebung und Beschriften

Das aktuelle Lackierungsschema der DB AG weist ein einfaches Design mit wenig Farbtrennkanten auf. Dei Lokkasten ist verkehrsrot lackiert, der Rahmen umbragrau, das Dach ebenso. Die beiden Drehgestelle sind schwarz ausgeführt. An der Fahrzeugfront befindet sich ein lichtgrauer, zweiteiliger Querbalken. Die UIC-Dosen sind farblich unterschiedlich behandelt. Sämtliche Anschriften sind sauber und gut deckend aufgetragen. Die NVR-Nummer der Maschine lautet auf D-DB 91 80 6102 003-1. Im Revisionsraster ist das Abnahmedatum zu lesen, also Unt XTPX 06.09.16.

Beleuchtung

Die Neukonstruktion ist mit warmweise LED ausgestattet, die fahrtrichtungsabhängig weiß bzw. rot leuchten. In Digital-Modus sind noch zahlreiche, weitere Lichtkombinationen möglich.


Bilder 22195 – DB AG Baureihe 102


Modellvorstellung 22284 – CD 380

Märklin/Trix haben mit der Realisierung der DB AG Baureihe 102 die Gunst der Stunde ergriffen und natürlich das Original auch ins Programm aufgenommen. Zahlreiche Modellbahner aus Tschechien und Österreich werden wohl über das Modell der CD 380 jubeln, nachdem es ein Mitbewerber zwar angekündigt hat, jedoch aufgrund vieler Unterschiede der beiden Vorbilder wieder verworfen hat.

Das Gleichstrommodell erscheint bei Trix unter der Artikelnummer 22284 und ist zum UVP von € 199.90 im Fachhandel erhältlich. Das Pendant für die Dreileiter-Wechselstrom-Fraktion erscheint bei Märklin unter der Artikelnummer 36203 und kostet aufgrund des mfx-Decoders € 279,99 (UVP).

Märklin hat dabei die 91 54 7380 006-7 CZ-CD reaslisiert, wobei als wesentlicher Unterschied in optischer Hinsicht die Farbgebung in blau/silber und auch die Seitenwand mit dem auf den Kopf gestellten Trapez und der Firmenanschrift „CD“ zu nennen ist. Die Farbtrennkanten sind dabei nicht ganz sauber gewählt, was sich gerade im Übergang zwischen dem gesickten und glatten Seitenwandteil ersichtlich ist. Unterschiedlich ist auch der Dachgarten der CD 380, nachdem die Vorbildmaschine als Dreisystemlokomotive konzipiert ist. Ansonsten entspricht das Modell technisch wie optisch der DB-Maschine. Abstriche sind auch bei der Bedruckung zu erkennen, indem die Anschriften nicht derart trennscharf und lupenrein angebracht sind. Das Revisionsraster weist die Daten 0,5 REV Sp 27.11.15. auf.


Bilder Trix 22284 – CD 380 006-7