Roco 74800ff: DR Halberstädter-Wagen

Die Deutsche Reichsbahn entwickelte auf Basis der Bauart des Probewagen ABme von 1975 die Reisezugfamilie der „Langen Halberstädter“. Die Entwicklung basiert auf den Vorgaben der UIC-Wagen vom Typ Z. Die Wagen haben eine Länge über Puffer von 26,4 Meter und wurden in verschiedenen Ausführungen für den Einsatz im Binnenverkehr und für den internationalen Schnellzugdienst gefertigt. Die Wagen wurden Anfang der 1980er Jahre zur Serienreife getrimmt, anschließend folgte die Beschaffung größerer Stückzahlen unterschiedlicher Grundtypen. Als Grundtypen wurden Wagen der 1. Klasse der Bauart Ame, Wagen der 1. und 2. Klasse als Bauart ABme, Wagen der 2. Klasse als Bauart Bme sowie kombinierte Sitz- und Gepäckwagen der Bauart BDmse beschafft.

Die Fertigung der langen Halberstädter Wagen erforderte einen Werksumbau des Herstellerwerkes, nachdem die alte Schiebebühne nur den Transport von max. 19 m langen Wagen zuließ. Die Wagen sind mit Drehgestellen der Bauart Görlitz V mit Klotzbremse für den Einsatz bis 140 km/h ausgestattet. Die 200 km/h schnellen Wagen verfügen über Drehgestelle der Bauart GP 200.

Neben dem RAW Halberstadt war auch der VEB Wagonbau Bautzen in die Fertigung der Wagenserie eingebunden. Ab 1983 wurden den Halberstädter gleichende Fahrzeuge nachgebaut, und zwar der Liegewagen der Bauart BCme oder auch die Speisewagen der Bauart WRme inkl. der für die MITROPA bestimmten Wagen. Diese Wagenserie unterscheidet sich zu den originalen Halberstädter in der anders gestalteten Front und durch abweichende Übergangstüren mit kleineren Fenstern.

Die Wagenserie erhielt eine DR-Einheitslackierung in grün/beige und war für alle Schnellzugwagen der DR verbindlich. Ein Teil der Flotte war bis 1991 in orange/beiger Farbe im Einsatz, es handelt sich dabei um den Fuhrpark für den Städteexpress in der DDR. Die Wagen kamen auch über die DDR hinaus und wurden gerne in sog. Transit- oder internationalen Zugläufen eingesetzt.

Mit der Gründung der Deutschen Bahn AG und der Fusion der beiden Staatsbahnen fiel ein Teil der Flotte in den Farbtopf und trat als InterRegio-Wagen in Erscheinung, andere Wagen erhielten das neue IC-Farbschema rot/weiß. Letztgenannte Wagen wurden nachträglich noch mit einer Mg-Bremse ausgestattet.

Modellvorstellung

Der Modellbahnhersteller Roco hat die Wagenserie der langen Halberstädter als Neukonstruktion ins Neuheitenprogramm 2019 aufgenommen und sogleich sieben verschiedene Artikelnummern angekündigt. Das Neuheitenprogramm umfaßte die Bauarten Ame (74800), ABme (74801), Bme (74802 und 74803), Bme mit geänderter Stirnfront (74804), BDmse (74805) und den WRme (74806). Die verfügbaren Modelle werden unten stehend näher präsentiert.

Roco liefert seine Neukonstruktion in der platzsparenden ex-Fleischmann-Blisterbox aus. Die Modelle liegen dabei paßgenau auf einer durchsichtigen Plastikeinlage, rechts davon ist in einem Hohlraum ein Zurüstbeutel eingesteckt, darunter befindet sich die Betriebsanleitung des Modells.

Die Halberstädter Reisezugwagen sind aus Kunststoff gefertigt und verfügen überzahlreiche Gravuren am Fahrzeugkasten, außerdem sind die Wagenenden bei den Einsteigstüren verjüngt ausgeführt. Die feinen Gravuren erstrecken sich vom Türbereich über den Fahrzeugrahmen, die Lüftergitter und die Festerneinsätze. Weitere Gravuren sind auch an den angehängten Aggregatkästen am Wagenboden zu erblicken. Die Fenstereinsätze sitzen paßgenau in den Öffnungen. Die Niveauunterschiede der Übersetzfensters sind zudem gut erkennbar. Die Türgriffe sind erhaben dargestellt, die Griffstangen sind als extra ansteckbare Teile dem Modell beigelegt und sind somit freistehend ausgeführt.

Der Wagenboden ist nach dem Vorbild umgesetzt und besteht nicht nur aus den ebenfalls detaillierten Aggregatkästen, sondern auch aus der vollständig nachgebildeten Bremsanlage. Die Kurzkupplungskulisse ist im Wagenboden eingebaut. Die Stirnübergänge verfügen über gefederte Gummiwülste, außerdem sind auch dort feine Gravuren bei den Übergangstüren zu erkennen. Das Heizkabel an der jeweils linken Fahrzeugecke liegt wiederum als eigenes Zurüstteil dem Modell bei, zudem läßt sich die Pufferbohle mit weiteren Teilen wie Bremsschläuche und Lufthähne bestücken. Die Drehgestelle sind dreidimensional durchgebildet und weisen eine hervorragende Tiefenwirkung auf. Freistehende Teile sind bereits werkseitig schon montiert.

Roco hat die Inneneinrichtung vorbildgerecht nachgebildet und dabei auch die Innenscheiben der Abteile als auch jene der Drehfalttüren bedruckt. Die Modelle sind alle sauber lackiert und weisen trennscharfe Farbübergänge auf. Die Kastenfarben sind grün und beige. Das Fahrwerk bzw. die Drehgestelle sind schwarz lackiert, das Dach ist im Farbton Rehbraun gehalten. Die Bedruckung erfolgte im Digitaldruck, wobei die Qualität der Anschriften hinsichtlich der Lesbarkeit wesentlich besser ist als vergleichbare Erzeugnisse.

Die weiteren Details zu den Fahrzeugen werden jeweils bei den Bildern gemacht. Roco hat für die neukonstruierten Modelle einen UVP von € 64,90 vorgegeben.


Bilder 74800

Das Wagenmodell der 1. Klasse ist mit der Betriebsnummer 51 50 10-85 055-7 und der Gattungsbezeichnung Am bedruckt. Der 160 km/h lauffähige Wagen ist beim Bww Eisenach beheimatet. Im Revisionsraster werden die Untersuchungsdaten REV Hlb 30.01.90 genannt.


Bilder 74801

Der Wagen der 1. und 2. Wagenklasse gehört zur Bauart ABm und ist mit der Wagennummer 51 50 30-80 735-5 bedruckt. Als Heimatbahnhof ist das Bww Erfurt angegeben. Im Revisionsraster stehen die Untersuchungsdaten REV Hlb 31.07.89.


Bilder 74802

Der erste Wagen der 2. Wagenklasse gehört zur Bauart Bm und hat die Betriebsnummer 51 50 21-80 013-8. Als Heimatbahnhof ist das Bww Berlin Rga angeschrieben. Im Revisionsraster steht das Untersuchungsdatum REV Hlb 13.11.86.


Bilder 74803

Das Schwestermodell zu 74802 ist mit derselben Gattungsbezeichnung und Heimatdienststelle angeschrieben, als Wagennummer wurde die Betriebsnummer 51 50 21-80 014-6 gewählt. Als letztes Untersuchungsdatum stehen im Revisionsraster die Angaben REV Hlb 18.11.86.


Bilder 74805

Für den Transport von Gepäck und Waren wurden auch Personenwagen mit Gepäckabteil beschafft. Das vorliegende Modell weist demzufolge verschiedene Formänderungen auf, die nicht mindergleich zum Ausdruck kommen. Das Modell ist mit der Gattungsbezeichnung BDms und der Wagennummer 51 50 82-80 003-5 angeschrieben. Das Bww Berlin Rga ist wiederum die Heimatdienststelle des Wagens, im Revisionsraster stehen die Angaben REV Hlb 30.12.87.


Bilder 74806

Wenige Wochen nach der Auslieferung der Sitzwagen folgte das noch fehlende Modell des MITROPA-Speisewagens vom Typ Bautzen. Der Speisewagen weist gegenüber den Sitzwagen diverse konstruktive Änderungen auf. Diese sind in geänderten Stirnfronten und im Einstiegsbereich auszumachen. Änderungen betreffen auch das Fahrzeugdach. Der Speisewagen ist vollflächig weinrot lackiert, hat ein rehbraunes Dach und ein schwarzes Untergestell bzw. schwarz lackierte Drehgestelle. Die Anschriften sind in gelblicher Farbe ausgeführt. Das Modell trägt die Wagennummer 51 50 88-80 203-5 und die Gattungsbezeichnung WRm. Als Heimatbahnhof ist Berlin-Lichtenberg angeschrieben, im Revisionsraster stehen die Angaben REV Btz 08.12.84.


Bilder 74811 – PKP Speisewaren WARS

Dieser PKP-Speisewagen ist als Neuheit 2020 gelistet und baugleich zum oben dargestellten MITROPA-Speisenwagen der DR. Die Bauform gehört dem Typ Bautzen an, welcher gegenüber den Halberstädtern konstruktive Unterschiede im Bereich der Stirnfronten und im Einstiegsbereich aufweist. Die Neukonstruktion orientiert sich natürlich am Vorbild, indem auch die Inneneinrichtung korrekt nach dem Vorbild nachgebildet wurde. Zu optischen Aufbesserung dienen freistehende Griffstangen sowie zurüstbare Pufferbohlen. Der PKP-Speisewagen der Betreibergesellschaft WARS ist mit der Gattungsbezeichnung WRdun beschriftet. Die Wagennummer lautet auf 51 51 88-80 029-3. Im Revisionsraster werden als letzte Untersuchungsdaten die Angaben REV Pr 93.08.31 angeführt, beheimatet ist das Fahrzeug in W-WA Grochów. Der Speisewagen ist ebenfalls in einem roten Farbton versehen und weist ein hellgraues Dach sowie ein schwarzes Untergestell mit Drehgestellen auf. Die Zierlinie und die anderen Anschriften sind trennscharf angebracht und tut lesbar.


Bilder 74817 – DR Bmee (Prototypwagen)

Die Neukonstruktion dieser Wagenserie gestattet es auch, den Prototypwagen im Modell umzusetzen und dabei allfällige Konstruktionsdetails in der Ursprungsausführung zu berücksichtigen. Bauliche Unterschiede lassen sich aber erst beim genauen Hinsehen ausmachen. Jedenfalls weist dieses Modell eine konstruktive Änderung im Bereich der Wagenstirnwand und der Schwenktüre auf. Aufällig sind auch die geänderten Anschriften. Die Wagenanschriften der Gangmitte sind außermittig platziert, generell bestehen diese aus der Gattungsbezeichnung Bmee, der Wagennummer 51 50 21-70 000-7 und dem genannten Heimatbahnhof Zwickau. Im Revisionsraster ist neben der Werkstätte Halberstadt lediglich das Jahr 1979 angeschrieben. In der Gangmitte ist ein Lüftungsgitter in die kastenform eingraviert. Der UVP des Wagens beträgt € 64,90.