Piko 40520 / 40524: DB 216 010-9 / V 160 012

Als zu Beginn der 1950er Jahre die schnelllaufenden 12-Zylinder-Dieselmotoren der Firmen MAN, Maybach und Mercedes-Benz ihre Serienreife erlangt hatten, ließ sich das Projekt der ersten Großdiesellokomotiven der Deutschen Bundesbahn in Form der Baureihe V 200 (ab 1968: DB-Baureihe 220) und weiterführend durch die Baureihe V 200.1 (spätere DB-Baureihe 221) verwirklichen.

Für den Einsatz im schweren Reisezugdienst auf Hauptbahnen mussten jedoch zwei jener Motoren mit einer Nennleistung von zunächst je 1.000 PS eingebaut werden. Die beiden Antriebsaggregate und die erforderliche Zugheizanlage waren aber kostspielig, beanspruchten viel Raum und verlangten einen beträchtlichen Aufwand bei der Wartung und Unterhaltung der Fahrzeuge.

Noch während der Serienfertigung der V 200 schritten die Leistungssteigerung der Viertakt-Dieselmotoren und die Verbesserung der Bauelemente für die Kraftübertragung rasch voran. Ab 1956 konnte deshalb das Ziel für die weitere Entwicklung großer Diesellokomotiven neu  abgesteckt werden. Angestrebt wurde nun der Bau einmotoriger Drehgestell-Maschinen mit Antriebsleistungen von bis zu 2.000 PS. Gefordert waren wirtschaftlich arbeitende Fahrzeuge hoher Betriebssicherheit, deren größte Achslast den Wert von 18 t nicht überschreiten sollte. Im Jahre 1960 kam es dann zum Bau von Prototypen der Baureihe V 160 durch die Firma Krupp, wobei die ersten neun Maschinen vor allem durch die abgerundete Stirnfront den Beinamen „Lollo“ in Anlehnung an eine bekannte Schauspielerin mit entsprechender Ausladung erhielten.

Jene Maschinen erfüllten in technischer Hinsicht fast alle Erwartungen. Anlaß zur Kritik bot jedoch die bauchig ausgeführte Stirnfront der Fahrzeuge mit den aufwendigen Blechformteilen. Als dann im Jahre 1962 die letzte Vorserienlok V 160.010 von Henschel mit neuer Kopfform erschien, die jener der kurz zuvor gebauten V 320 001 entsprach, war der Weg für eine Serienfertigung vorgezeichnet.

Aufbauend auf den gewonnenen Erkenntnissen, wurde die beim Bau der V 160.010 vorgezeichnete Linie konsequent weiterverfolgt. Einige Änderungen, verbunden mit der Verstärkung verschiedener Baugruppen, und der Einbau des schwereren 16-Zylinder-Dieselmotors MTU MB 16 V 652 führten nun aber zu einem etwas höheren Gesamtgewicht. Ein Einsatz der Lokomotiven auf Nebenstrecken war inzwischen jedoch ohnehin nicht mehr beabsichtigt. Die Baureihe V 160 (ab 1968 umgezeichnet in Baureihe 216) sollte jetzt vielmehr die überalterten und unwirtschaftlichen Dampflokomotiven mehrerer Baureihen auf Hauptbahnen ersetzen.

Vier Jahre nach der Indienststellung der ersten Vorauslokomotiven der Baureihe V 160 erfolgte im Jahre 1964 der Beginn einer Serienlieferung von je 25 Maschinen, die bei Krupp in Essen und bei der MaK in Kiel entstanden.

Sowohl der Fahrzeugkasten, als auch der Untergestellrahmen desselben, sind in bewährter Stahlleichtbauweise aus Blechen und Profilen als Schweißkonstruktion gefertigt. Der Fahrzeugkasten ist durch Zwischenwände in fünf Räume unterteilt. Die Trennwände wurden mit hochwertigem Dämm-Material gegen Schall- und Wärmeübertragung isoliert. An jedem Fahrzeugende liegt ein geräumiger Führerraum. Zwischen dem Führerstand 1 und der völlig gekapselten Motorkammer befindet sich der kleine Raum mit dem Kraftstoffbetriebsbehälter und dem Hilfsdieselmotor. Hinter der Motorkammer folgt ein großer Raum mit dem Flüssigkeitsgetriebe, der darüber angeordneten Kühlergruppe, der Lichtanlaßmaschine und der gesamten Zugheizanlage mit dem Speisewasserbehälter. Abnehmbare Dachteile ermöglichen den Ein- und Ausbau der großen Aggregate. Kleinere Bauteile lassen sich durch seitliche Klappen und annehmbare Jalousien ausbauen.

Die beiden zweiachsigen Drehgestelle wurden als vollkommen geschweißte Kastenträger-Konstruktion ausgeführt. Als Antriebsmaschinen standen zunächst die schnelllaufenden 16-Zylinder-Viertakt-Dieselmotoren der Bauart Mercedes-Benz MB 839 Bb und der Bauart Maybach MD 870 1B mit Aufladung und Ladeluftkühlung zur Verfügung. Die gegeneinander tauschbaren Motoren mit einer UIC-Nennleistung von 2.000 PS waren für die Baureihe V 160 auf 1.900 PS eingestellt. Der Hilfsdieselmotor der Motorenwerke Mannheim (MWM) wurde zunächst mit einer Leistung von 18 PS, später mit 22 PS geliefert.

Der Kraftstoff ist in zwei seitlich am Untergestellrahmen in Fahrzeugmitte aufgehängten Hauptbehältern untergebracht, die ein Fassungsvermögen von insgesamt 3.050 Litern haben. Am Bau der insgesamt 214 Serienlokomotiven der Baureihe V 160, mit den späteren Betriebsnummern 216 011 bis 224, waren außer Krupp und MaK auch die Firmen Henschel, KHD und Krauss-Maffei beteiligt. Die einzelnen Bauserien blieben ohne große Veränderungen. Alle Maschinen hatten eine einheitliche Länge über Puffer von 16.000 mm. Ein Teil der Fahrzeuge wurde mit einer Vielfachsteuerung für Doppeltraktion und für Wendezüge ausgestattet. Die Lokomotiven ab der Betriebsnummer V 160 093 (216 093) erhielten einen Auspuffschalldämpfer.


Modellvorstellung

Der großartige Erfolg bei der Umsetzung der letzten Vorserien V 160 in der Baugröße H0 führte zur Realisierung dieses Einzelstückes als N-Modell. Die als 216 010-9 angeschriebene Maschine wurde daher als Neukonstruktion 2021 in den aktuellen Katalog aufgenommen und erfreut somit alle Epoche IV-Bundesbahn-Fans. Piko legt die Neukonstruktion als Analogmodell zum UVP von € 139,99 auf. Liebhaber des Modells mit Loksound erhalten das Modell mit der Artikelnummer 40521 zum UVP von € 239,99.

Verpackung

Die Auslieferung der neukonstruierten 216 010-9 erfolgt in der bekannten Piko-Blisterbox, in welchem das Modell nach Abzug des Oberteiles und der Abnahme des Schutzdeckel aus der paßgenauen Plastikeinlage entnommen werden kann. Unter dem Plastikeinsatz befindet sich die Bedienungsanleitung und ein Zurüstbeutel. Im Zurüstbeutel befinden sich die an den Fahrzeugecken extra anzusetzenden Trittstufen.

Technik

Die Antriebskomponenten des Modells sind im Lokgehäuse untergebracht. Das Gehäuse ist am Chassis festgeschraubt. Zwei Schrauben sind an der Unterseite zu lösen, um das Gehäuse nach oben abziehen zu können. Beim Innenleben zeigt sich die Zentralplatine. Die berücksichtigte Zentralplatine ist an der Unterseite der Platine vorgesehen, eingebaut ist eine Digital-Schnittstelle Next18. Der Mittelmotor mit den Schwungmassen sorgt für einen ruhigen Lauf. Dieser treibt über beidseitige Kardanwellen ein Stirnrad-/Schneckengetriebe an. Es werden alle vier Achsen angetrieben. Alle Achsen werden ohne Haftreifen ausgeliefert. Die Achsen 2 und 3 sind einseitig versetzt mit Haftreifen bestückt. Die Neukonstruktion ist mit einer Kurzkupplungskulisse versehen.

Fahreigenschaften

Das Modell bringt ein Eigengewicht von 98 Gramm auf die Waage. Die Testrunden auf dem kleinsten Radius des „piccolo“-Gleissystems von Fleischmann erbracht. Der Motor ist absolut sehr leise surrend.

Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte von ca. 94 km/h. Diese ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 22 % zu gering, gegenüber dem NEM-Wert mit der Draufgabe von 50 % um gerade einmal ca. 72 % zu niedrig.

Optik

Die vorliegende 216 010-9 gilt als Zwitter der Vorserienmaschinen und den späteren Serienloks. Piko mußte daher bei den Formen einige Besonderheiten bei der Kastenform berücksichtigen. Die Neukonstruktion ist als passables Modell zu betrachten, welches sicherlich seine Anhänger finden wird. Der Exot gilt natürlich noch als besonderer Blickfang auf der Anlage. Das Piko-Modell zeichnet sich ungeachtet dieser Besonderheiten durch feine und tiefe Gravuren am Lokgehäuse auf. Gerade die Lüftergitter weisen entsprechende Detailierung auf. Auch der Blick auf den Fahrzeugrahmen offenbart die hervorragende Umsetzung der entsprechenden Fahrzeugabdeckungen. Die zierlichen Griffstangen der Führerstandstüren sind am Lokkasten angespritzt und extra farblich behandelt. Während die H0-Ausführung noch farblich behandelte Trittstufen zum Führerstand aufweist, fehlen diese hier gänzlich.

Die Frontpartie zeigt die Ausführung mit der gekanteten Bauform. Aber auch hier sind sämtliche Griff- oder Haltestangen am Gehäuse angespritzt, ebenso die silbernen Scheibenwischer. Eine weitere Besonderheit stellen die verschieden ausgeführten Kühlergrille (wie beim Vorbild) dar, dem gegenüber sind die beim Vorbild gelochten Frontumläufe nur angedeutet. Das Modell gestattet übrigens einen Durchblich durch den Maschinenraum, außerdem wurden hinter den Fenstern 3D-Nachbildungen der Maschinenraumanlage eingesetzt. Das Dach weist ebenfalls verschiedene Detaillierungen auf. Feine Gravuren markieren nicht nur die Größen der Dachfelder, sondern es wurden verschiedene Dachöffnungen und Konsolen nachgebildet. Der Blick auf die Drehgestelle offenbart gelungene Drehgestelle mit dreidimensionaler Durchbildung und entsprechender Tiefenwirkung.

Farbgebung und Bedruckung

Die Lackierung des neuen Piko-Modells entspricht der damaligen Ausführung, wie die Fahrzeuge in Dienst gestellt wurden. Tadellos umgesetzt sind neben den silbernen Zierlinien auch die Anschriften. Die Bedruckung ist lupenrein und trennscharf aufgetragen. Während sämtliche Anschriften in weißer Farbe aufgetragen ist, sind die DB-Embleme silbern ausgeführt. Die 216 010-9 beim Bw Gelsenkirchen-Bismarck bzw. in der BD Essen beheimatet, als Ausbesserungswerkstatt ist das AW Bremen angeschrieben. Im Revisionsraster stehen als letztes Untersuchungsdatum die Angaben REV Brm U2 28.06.73.

Beleuchtung

Es versteht sich von selbst, daß die neue 216 mit einem LED-Beleuchtungskonzept ausgestattet ist. Zum Einbau gelangten warmweiße und rote LED zur Darstellung des dreibegriffigen Spitzenlichts bzw. des zweibegriffigen Schlußlichtes.


Bilder


Modellvorstellung 40524

Piko hat für 2022 gleich zwei Formvarianten als Neuheit bei der Baureihe V 160 verkündet. Die erste Formneuheit betrifft die ausgelieferte V 160 012 im Ablieferungszustand der Epoche III. Die Lok ist beim Bw Mühldorf in der BD München beheimatet und weist im Revisionsraster das Abnahmedatum mit REV Nür 17.12.64 auf. Sämtliche Anschriften sind lupenrein ausgeführt. Piko offeriert das Modell zum UVP von € 145,–. Die Modellausführung mit Loksound ist unter der Artikelnummer 40525 zum UVP von € 255,– erhältlich.


Ein Gedanke zu „Piko 40520 / 40524: DB 216 010-9 / V 160 012

  • 30.04.2021 um 17:18
    Permalink

    Bitte noch ein Foto von der Unterseite hinzufügen!

    Danke, und viele Grüße

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