Piko 96782: SBB Einheitswagen I (EW I)

Die Einheitswagen I (EW I) stellt die größte Personenwagenfamilie der Schweiz dar und war eine Weiterentwicklung der seit 1936 in Betrieb stehenden Leichtstahlwagen. Bahnbrechende Neuerungen im Wagenbau wurden erstmals angewendet, wie ein großer Fahrgastraum, mit Kunstleder überzogene Polsterbänke und erstmals kam in der Schweiz eine thermostatgesteuerte Umluftanlage zur Anwendung. Der Fahrgastraum wurde durch eine verglaste Trennwand zwischen Raucher- und Nichtraucherabteil unterteilt. Die Einstiegstüren wurden über den Drehgestellen angeordnet und je eine Toilette befand sich an den Wagenenden. In der ersten Klasse wurden komfortable verstellbare Sitze eingebaut, und darüber längs angeordnete Gepäckträger montiert. Es waren die gleichen Sitze, welche bereits für den TEE RAm entworfen wurde, womit sich für die damalige Zeit ein hochqualitativer Fahrkomfort ergab.

Die Lieferung der 180 1. Klasse-Wagen und der 1.029 2. Klassewagen erfolgte durch das Industriekonsortium SWS/FFA/SIG in den Jahren 1956 bis 1967. Zwei verschiedene Drehgestellbauarten wurden für die neugebauten Wagen entwickelt. Alle 1. Klasse-Wagen erhielten Drehgestelle mit einem Torsionsstab, eine Neuentwicklung der SIG in Neuhausen am Rheinfall. Die Wagen der 2. Klasse bekamen Drehgestelle mit Schraubfedern von SWS.

Die gleichen Drehgestelle wurden auch für die EW I der Privatbahnen verwendet. Die größte Flotte mit 101 Wagen war die BLS, die diese auf der von ihr mitbetriebenen Bahnen SEZ, GBS und BN einsetzte. 1962 wurden bei 25 2. Klasse Wagen statt der Fallfenster sog. Übersetzfenster eingebaut, wie diese auch bei den Speisewagen zu sehen waren. Ursprünglich mit Faltenbald an den Wagenenden ausgestattet wurden die EW I von 1973 bis 1986 in den Hauptwerkstätten Bellinzona, Olten, Zürich und Chur auf Gummiwulstübergänge umgestaltet. Dabei verlängerte man den Wagenkasten auf beiden Seiten um 50 cm. Ebenfalls zur Modernisierung der Wagen gehörten u. a. eine Fluoreszenzbeleuchtung, neue Sitze (rote für das Raucherabteil und grüne für das Nichtraucherabteil), neue Innenverkleidung, die automatische Türschließung, außen montierte Wasserstandsanzeige und UIC-Schlußleuchten.

Die Wagen waren für den Inlandsverkehr bestimmt, allerdings war es durch spezielle Abkommen mit den Nachbarbahnverwaltungen der DB in Deutschland und der ÖBB in Österreich möglich, die EW I auch grenzüberschreitend einsetzen zu können. Somit kamen Wagen via Lindau nach München oder nach Graz. Die 140 km/h schnellen EW I wurden sowohl in Regionalzügen als auch in Schnellzügen eingereiht. In den 1980er Jahren wurde die Wagenserie durch eine neuere Bauart verdrängt. Es waren dies die EW IV-Wagen, die rasch das neue Erscheinungsbild der Schnellzüge in der Schweiz prägten. 40 Wagen 1. Klasse wurden zum Fahrplanwechsel 1997 refitet und erhielten den schwarz/blau/grünen Anstrich. Eine größere Anzahl wurden ab 1984 als Zwischenwagen für die neuen NPZ-Züge revidiert und ebenfalls mit einem neuen Anstrich versehen. Erst in einem zweiten Schritt bekamen die Wagen Außenschwingtüren wie die umgebauten RBe 4/4 (spätere Reihe 540).

Die von der SWS gebauten und rot lackierten Speisewagen mit Faltenbalgübergängen wurden zwischen 1958 und 1961 an die SBB geliefert. Ab 1975 und bis 1980 wurden alle Wagen größeren Umbauten unterzogen, u. a. erhielten alle Wagen Gummiwulste, der Speisesaal wurde umgebaut und sieben Wagen (1975 drei und 1978 nochmals vier) wurden als „Self-Service“-Wagen adaptiert. Die Küchenfenster bekamen eine andere Anordnung und die Wagen erhielten einen hellroten Anstrich mit grauen Zierlinien. Für die bessere Laufeigenschaft bekamen alle elf Speisewagen neue Drehgestelle vom Typ SWP71. Die Selbstbedienungswagen waren bei den Fahrgästen unbeliebt, weshalb Ende der 1980er Jahre beschlossen wurde, die Wagen erneut umzubauen. Mit Unterstützung der Käseunion wurde 1989 der erste „Chäs-Express“-Wagen in Betrieb genommen. Bald folgten 1991 und 1993 zwei weitere Wagen mit dem charakteristischen Käsedesign. Anfangs der 1990er Jahre kam das Unternehmen „Le Buffet Suisse“ als Betreiber für die Speisewagen. Dementsprechend wurden einige EW I-Speisewagen in den Hausfarben violett/hellgrau umlackiert. Zudem erhielten zwei Wagen noch die zusätzliche Aufschrift „Calanda Land“ und wurden auf der Verbindung zwischen Basel und Chur eingesetzt. Nach der Übernahme 1997 von „Le Buffet Suisse“ durch die „MITROPA Schweiz“ wurden die Wagen erneut äußerlich an den neuen Betreiber angepaßt. Dies war auch das letzte Mal, denn alle ehemaligen „Self-Service-Wagen“ wurden zwischen 1997 und 2003 zerlegt. Zwei Wagen haben allerdings überlegt, wurden restauriert und sind in der Obhut der SBB Historic.


Modellvorstellung

Die Erstankündigung der EW I kam aus der Schweiz, nachdem Piko mit seinem Generalimporteuer nicht nur diese Wagenserie, sondern auch weitere Schweiz-Modelle ankündigte. Es wurden gleich mehrere Sets mit den EW I gekürt. Zwei Sets betrafen Wagen für den NPZ-Einsatz zu den RBe 540 mit Außenschwingtüren, die unter den Artikelnummern 96780 und 96781 geführt wurden. Das erste Set 96780 besteht aus einem Wagen 1./2. Klasse und 2. Klasse, das Set 96781 jeweils aus einem Wagen 1. und 2. Klasse. Das hier vorgestellte Set 96782 beinhaltet entgegen der Erstankündigung nur zwei Wagen 2. Klasse und wurde regulär im Neuheitenprogramm 2019 aufgenommen. Weiters ist noch ein Dreierset angekündigt, daß neben einem Wagen 1. Klasse und 2. Klasse auch den roten Self-Service-Speisewagen beinhaltet. Der UVP des vorgestellten Sets 96782 beträgt € 130,–.

Die Neukonstruktion von Piko stellt eine maßstäbliche Umsetzung des EW I dar. Der ansonsten glatte Wagenkasten wird durch die abgeschrägte Verjüngung am Kastenende, des eingezogenen Türbereichen sowie der Befestigungspunkte für die Zugschilder durchbrochen. Die Türbereiche weisen feine Gravuren auf. Alle Fenster sind paßgenau eingesetzt und sogar von innen betrachtet bedruckt. Die Türgriffstangen sind bereits ab Werk montiert. Das Dach ist mit dezenten Sicken versehen, darin eingesetzt sind zwei Dachlüfter. Die Drehgestelle sind dreidimensional durchgebildet, sie nehmen auch schon werkseitig montiert die Trittstufen im Türbereich auf. Der Wagenunterboden ist vollständig nachgebildet. Die Modelle sind nicht nur sauber lackiert, sondern aufwendig und sauber bedruckt. Alle Angaben sind trennscharf ausgeführt und unter Hinzunahme einer Lupe auch lesbar.

Die Modelle können nachträglich mit einer LED-Innenbeleuchtung ausgerüstet werden. Piko bietet diese unter der Artikelnummer 56286 an.


Bilder 96782/1

Der erste Wagen gehört der Gattung B an und ist mit der Wagennummer 50 85 20-33 533-4 versehen. Im Revisionsraster wird als letztes Untersuchungsdatum REV 3 Ol 18.01.90 angeschrieben.


Bilder 96782/2

Das zweite Modell erhielt die Betriebsnummer B 50 85 20-33 582-1. Im Revisionsraster stehen die Untersuchungsdaten REV 3 Ol 17.10.90.