Roco 72001 / 72002: ÖBB-Reihe 2062 / FS 225.6011

Der Lokpark der ÖBB war nach dem Zweiten Weltkrieg dadurch gekennzeichnet, daß im Bestand eine Vielzahl von Dampfloks verschiedenster Bauarten sowie nur wenige Kleinloks aus der ehemaligen Reichsbahnzeit (Köfs) verblieben. Gleichzeitig haben sich die Jenbacher Werke (JW) in Tirol einen Namen bezüglich Waggonreparaturen gemacht, und sie haben auch diverse Motortypen an die ÖBB für Arbeitsfahrzeuge geliefert. Aufgrund der guten Erfahrungen mit dieser Firma, haben die ÖBB den JW den Auftrag gegeben, sie mögen doch eine robuste, kleine Verschubdiesellok entwickeln. Die erste Lok vom Typ „Jenbach 200“ wurde 1954 als 2060.01 an die ÖBB abgeliefert. Es folgten noch bis Ende 1956 weitere 72 Stück, die sogar tandemfähig sind. In den Jahren 1958 wurden sieben und 1962 wurde eine Abschlußserie von 20 Stück nachgeliefert. Die mangelnde Leistung der 2060 ließ die ÖBB eine weitere, leistungsmäßig stärkere Lok entwickeln. Es ist dies die Reihe 2062, also eine verlängerte 2060, die die doppelte Leistung hat. Von ihr wurden in den Jahren 1958 bis 1966 insgesamt 65 Stück beschafft und als 2062.01 – 65 eingereiht. Für Arbeitszwecke wurden einige Loks umgezeichnet, sie sind unter gleicher Ordnungsnummer als X260 (Bauzugloks) bzw. X262 (Tunnelrettungloks) im Einsatz.


Modellvorstellung

Die Erstankündigung der ÖBB-Reihe 2062 erfolgte zur Spielwarenmesse 2019 in Nürnberg und ist im Gleichklang mit der Ankündigung der Baureihe 335 mit der Neuentwicklung eines kombinierten Antriebssystems mit eingebauter, elektrischer Digitalkupplung zu sehen. Während das Modell der DB-Lok schon längst im Fachhandel ist, rollte die Jenbacher Diesellok der ÖBB im Laufe des Monats September in die Läden der Modellbahnhändler. Die Neukonstruktion wird in zwei Ausführungen aufgelegt, wobei beide Versionen über die Digitalkupplung einerseits und den Loksound andererseits aufweisen. Der Unterschied liegt in der technischen Ausführung als Zweileiter-Gleichstrom-Modell (Artikelnummer 72001) und der Dreileiter-Wechselstrom-Variante (78001). Die Neukonstruktion wird zum UVP von € 269,90 angepriesen.

Verpackung

Roco liefert sein jüngstes Kind in der bekannten Roco-Schachtel (robuste Kartonverpackung) aus. Das Modell liegt in einer Plastikfolie umhüllt und liegt paßgenau in der Ausnahmung des Schaumstoffes. Eine aufgesetzte Plastikhaube soll das Modell vor Beschädigungen von Anbauteilen mit der Schaumstoffverpackung verhindern, allerdings sitzt diese Plastikhaube sehr fest am Modell, weshalb es günstig ist, diese nach vorne zu drücken und von der Vorbauseite abzunehmen. Zum Lieferumfang des Modells gehören verschiedene Dinge wie ein Zurüstbeutel mit Bremsschläuche und Abdeckplättchen, ein geschätzter Schildersatz, eine Bedienungsanleitung mit Zusatzinformation, das Ersatzteilblatt und ein Informationsblatt für den Digital-Decoder.

Technik

Die gerade einmal halb so lange Diesellok stellt für die Unterbringung der technischen Komponenten eine spannede Herausforderung dar. Der halbhobe Vorbau begrenzt den Platz für den Antrieb, die Platine mit Decoder und die Digitalkupplung, zusätzlich sind noch Pufferkondensatoren untergebracht. Das Lokgehäuse ist von der Unterseite des Modells über zwei Zentralschrauben befestigt. Der Blick auf die Unterseite des Modells offenbart aber vier Schrauben. Als Befestigungsschrauben für das Lokgehäuse gelten bei länglicher Ansicht stets die rechten Schrauben. (Beim Lösen aller Schrauben ist der Getriebeboden zugänglich.) Nach dem Lösen ist das Gehäuse nach oben abnehmbar. Sichtbar wird die Zentralplatine mit den beiden Pufferkondensatoren, wobei das Modell über keine Digitalschnittstelle verfügt. Der verbaute Decoder ist fester Bestandteil der Platine und dient zur Schaltung der Digitalkupplung und der LED-Beleuchtung.

Ein kleiner Motor mit einseitigem Wellenstummel ist unter der Platine im Getriebeblock eingesetzt. Dieser treibt über ein Zahnradgetriebe beide Achsen an. Die hintere Achse ist mit zwei Haftreifen versehen. Der Getriebeblock und der Motorvorbau besetht aus Zinkdruckguß, wie auch das Fahrwerk des Modells, um damit ein möglichst hohes Eigengewicht zu erzielen. Durch die tiefe Lage dieser Komponenten ist der freie Durchblick durch das Führerhaus möglich, beim genauen Hinsehen ist das Führerpult mit dem Mitteltisch erkennbar.

Die Digitalkupplung ist im Fahrwerk integriert. Das Heben und Senken des Kupplungsbügels ist nur im Digitalbetrieb möglich, ansonsten verharrt dieser in der Grundstellung. Die Digitalkupplung ist allerdings beweglich, die Seitenbeweglichkeit wird über einen zentralen Drehpunkt gewährleistet.

Fahrverhalten & Loksound

Die ersten Fahrtests wurden im Analogbetrieb mit Breitenimpulssteuerung durchgeführt. Da der Decoder sieben Volt Strom absaugt, erfolgten die ersten Testfahrten bei mehr als 12 V Gleichstrom. Vor dem Anfahren lud sich der PUfferspeicher auf, sodann war der Loksound zu hören. Der Decoder spulte dabei das übliche Procedere des Startvorganges ab, der laufende Motor war ständig in schwingender Melonie zu hören. Sämtliche Soundeffekte werden realistisch wiedergegeben, sodaß das Modell von diesem Aspekt zu überzeugen weiß.

Das Modell wiegt 184 Gramm. Weitere Fahrttests stehen noch unter Digital-Bedingungen an.

Optik

Roco legt ein optisch einwandfreies und korrekt nachgebildetes Modell vor. Diese Eindruck läßt sich mannigfach untermauern. Der erste Blick richtet sich aus die markante Ausformung des Fahrzeugrahmens mit dem geteilten Frontschilden. Die tief gezogenen Schilde nehmen nicht nur die die Puffer und die darunter befindlichen Halterungen auf, sondern sehr schön ausgebildet ist der Bereich der Kupplung. Der Außenrahmen weist viele Details auf, einzelne Fahrzeugteile sind mit feinen Gravuren versehen, siehe Federpakete. Auf den Achsdeckeln ist sogar das alte Firmenlogo eingraviert! Einzelne Fahrzeugteile – Aufstiege – sind als eigene Ansteckteile ausgeführt und in den Rahmen eingesetzt. Der darüber befindliche Umlauf ist wie beim Vorbild mit einem rautenförmigen Trittschutz versehen.

Das Lokgehäuse gibt die markante Bauform der 2062 wieder. Neben der aufgesetzten Stirnleuchten unten richtet sich der Blick auf den Kühlergriff mit dahinter liegender Verkleidung, an welcher ebenfalls feine Gravuren zu sehen sind. Am Vorbau wurden die vier Schiebeabdeckungen nachgebildet. Am Modell gut zu erkennen sind die auffälligen Lüfterschlitze sowie auch die silbrig eingefärbten Handgriffe. Gleiches existiert auch auf dem Vorbau. Das Führerhaus mit seiner Rundumverglasung ist unverkennbar. Die Führerstandstüren sind fein graviert und werden optisch durch die extra angesetzten Griffstangen und den Windabweisern aufgewertet. Nachgebildet sind auch das obere Regendach und die untere Abstützfläche für das Personal beim Seitenfenster. Die Fenstereinsätze sind paßgenau eingesetzt, die Scheibenwischer sind als eigene Anbauteile ausgeführt, wie auch die weiteren Griffstangen oder Umläufe am Modell. Zu guter Letzt erhielt das Modell noch eine Messingpfeife am Dach und das Auspuffrohr ist silbergrau lackiert.

Farbgebung und Beschriftung

Die Farbgebung der Lok verteilt sich auf einzelne Fahrzeugteile, die sowohl beim Vorbild wie im Modell eigene Bauteile darstellen und deshalb einfach farblich zu behandeln waren. Das Lokgehäuse ist blutorange lackiert, sofern nicht das Granulat gleich blutorange eingefärbt war, das Fahrwerk ist schwarz lackiert. Zierlinien sind am Modell keine Vorhanden, allerdings einzelne anderst lackierte Anbauteile. Sämtliche Anschriften sind sauber aufgedruckt und in weißer bzw. gelber Farbe ausgeführt. Roco wählte für sein Modell die Loknummer 2062.35. Es ist dies eine Lok der Zfl. St. Pölten, deren letzte Bremsuntersuchung am 04.01.80 in der HW Knittelfeld stattfand. Die Lokschilder und das Eigentumsschild sind silbern umrahmt.

Beleuchtung

Roco hat bei dieser Verschublok ein LED-Beleuchtungskonzept vorgesehen. Die Frontbeleuchtung besteht aus warmweiße LED. Ein Zugschlußlicht ist nicht vorgesehen, dies erfolgte beim Vorbild stets durch einsteckbare Schlußscheiben oder durch Zugschlußtafeln, die unter die Puffer eingehängt wurden.

Im Digitalbetrieb sind weitere Beleuchungskonstellationen möglich. Diese betreffen die Schaltung als Verschublicht für beide Lokseiten (F 11) bzw. je nach Lokseite einzeln, links (F 13) bzw. rechts (F 12). Desweiteren existiert ein Fernlichtmodus (F 15) und auch auf die Führerstandsbeleuchtung (F 10) wurde nicht vergessen.


Bilder


Modellvorstellung 72002

Die Jenbacher Werke haben den Typ JW 400 auch nach Italien veräußert, wobei die FS nur eine originale Maschine im August 1957 als FS 225.6099 in Betrieb nahmen. Die weiteren Loks der FS-Reihe 225 (6001 bis 6020) und 235 (6001 bis 6009) stellen Lizenzbauten bei der Officina Meccanica delle Stanga (OMS) in Padova von 1959 bis 1961 dar.

Im Zuge der Neukonstruktion der 2062 bot es sich an, auch die FS-Variante im Modell umzusetzen und auch diesen Markt mit einem zeitgemäßen Modell zu bedienen. Das Modell ist technisch gesehen dem ÖBB-Fahrzeug ebenbürtig, allerdings zeigt sich die Maschine in dunkelgrüner Farbgebung mit gelben Griff- und Haltestangen sowie gelber Zierlinien. Zu sehen sind auch formtechnische Änderungen, die am Dach und am Auspuff zu erkennen sind. Das FS-Modell ist nur als Gleichstrom-Fahrzeug mit Artikelnummer 72002 zum UVP € 269,90 erhältlich.