DB AG 101 087 „Südafrika“ – Roco 73426/27

Der hochwertige Schnellzugsverkehr war seit Beginn der 1970er Jahre bis zur Jahrtausendwende fest in der Hand der sechsachsigen Paradepferde der Baureihe 103 der Deutschen Bundesbahn. Weil die 103 unermüdlich im Einsatz standen und infolgedessen vom technischen Aspekt nicht mehr zeitgemäß waren, stand ab Mitte der 1990er Jahre die Beschaffung einer adäquaten Nachfolgerin im Raum.Neue Tendenzen hinsichtlich der Ausbildung der Traktionstechnik wurden bereits bei der Baureihe 120 angewendet. Die Inbetriebnahmephase der BR 120 war von erheblichen Schwierigkeiten geprägt, stand doch die Drehstromtechnik noch in den Kinderschuhen und wurde fortan zur Serienreife weiterentwickelt. Gleichzeitig entwickelten die beiden deutschen Fahrzeughersteller Siemens/Krauss-Maffei und ABB/Henschel jeweils eigene Produktplattformen mit je einer eigenen Vorführlokomotive.

Auf Basis des 12x-Konzeptes von ABB/Henschel wurden mehrere Fahrzeugtypen konzipiert, wozu auch die BR 101 als Nachfolgerin für die Schnellzuglokomotive 103 abgeleitet wurde. Den Auftrag zum Bau der neuen Baureihe 101 vergab die DB AG 1994 an ABB Henschel (heute Bombardier), obwohl schon damals die Umstellung des Fernverkehrs komplett auf Triebwagenzüge im Raum stand. Zum Zeitpunkt der Beschaffung bestanden sogar noch Überlegungen, die neue Schnellzuglokomotive auch im hochwertigen Güterverkehr mit Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h einzusetzen.

Die Indienststellung der BR 101 erfolgte ab dem Sommer 1996 und endete mit der Auslieferung der 145. Lokomotive noch vor dem Jahrtausendwechsel. Die Lokomotiven haben eine Achsfolge Bo’Bo‘, sind 19.100 mm lang und wiegen rd. 84 t. Die Lokomotiven sind für 220 km/h in Deutschland zugelassen, in Österreich lediglich für 200 km/h. Leistungsmäßig rangieren die Fahrzeuge bei 6,4 MW Dauerleistung und sind damit dem später in Dienst gestellten ÖBB-Taurus ebenbürtig.

Die ersten drei Lokomotiven wurden noch in orientroter Lackierung ausgeliefert. Alle weiteren Fahrzeuge erhielten eine verkehrsrote Kastenlackierung. Die geraden Flächen sowie die kantige Kastenform ohne Rundungen ließ diese Baureihe schnell zur rollenden Litfaßsäule verkommen. Im Laufe der bald 20jährigen Einsatzgeschichte trugen die Maschinen zahlreiche bunte Folien oder Lackierungen, von denen einzelne Maschinen in unterschiedlichen Erscheinungsbildern auf dem Streckennetz der DB AG, der SBB und der ÖBB zu sehen waren.


Modellvorstellung

Das Erscheinen der modernen Baureihe 101 bei der DB AG blieb am Sektor der Modellbahnhersteller nicht ohne Reaktion. Jeder namhafte Großserienhersteller führt diese Modellkonstruktion in seinem Sortiment. Der Salzburger Hersteller Roco kündigte erstmals 1996 die Umsetzung dieses Modelles an. Die erste Modellausführung war im Herbst desselben Jahres verfügbar, wobei das Modell bereits über eine 8polige Schnittstelle verfügte.

Zwischenzeitlich ist die Konstruktion fast 20 Jahre alt und es gelangten mit der Firmenübernahme von Fleischmann auch deren Formen der 101 in das Eigentum der Modelleisenbahn GmbH. Das gegenständliche Modell verkörpert eine aktuelle Ausführung mit Werbeanstrich. An den Seitenwänden sind flächendeckende Motive aus Südafrika mit großen Elefant-Sujets in einer Savanne zu sehen, wofür der Reiseanbieter DerTour wirbt. Diese Werbelok gelangt derzeit unter den Artikelnummern 73426 (analoge Gleichstromvariante) bzw. 73427/79427 (digitales Soundmodell für Gleich- und Wechselstrom) in den Fachhandel. Die Modelle waren zu einem UVP von € 249,– bzw. € 289,– angekündigt, fielen aber auch in jene Gruppe von Neuheiten, bei denen der Preis erfreulicherweise im September 2015 – im konkreten Fall um € 50,– – gesenkt wurde.

Verpackung

Die Auslieferung erfolgt in der alten Styroporverpackung von Roco, umhüllt von zwei Überkartons. Der aktuellen Farb- und Bedruckungsvariante liegt eine Betriebsbeschreibung, ein Ersatzteilblatt und ein Zurüstbeutel bei.

Technik

Die technische Konzeption der Antriebskomponenten mittels Mittelmotor, Kardanwellen und Stirnradgetriebe zählt heutzutage als Standardkonstruktion bei Lokomotiven, wobei des Lokgehäuse über den Metallrahmen gestülpt wird und sich mittels Rastnasen an der Unterseite selbst fixiert bzw. einrastet. Unterschiede sind lediglich an der Gehäusekonstruktion sowie in der unterschiedlichen Detaillierung bzw. Ausführung einzelner Bauteile zu erkennen.

Schon beim vorliegenden Modell dieser 101 ist einerseits am überaus paßgenauen Kunststofflokgehäuse als auch am Metallrahmen und der Platinenfixierung zu erkennen, daß sich unter dem Label von Roco die frühere Fleischmann-Konstruktion verbirgt. Während die Platinen von Roco-Lokmotiven am Rahmen verschraubt sind, sind jene aus dem Fleischmann-Fundes festgeklammert. Weitere Unterschiede finden sich bei der Befestigung des Motors (Klammerbefestigung), der Einbindung der Drehgestelle am Rahmen sowie bei der Tiefzuganlenkung, welche beim ersten Roco-Pendent in nicht beweglicher Ausführung am Fahrzeugboden angespritzt ist.

Beim Antriebskonzept folgt man wiederum gemeinsamen Wegen, indem auch hier ein Mittelmotor mit zwei großen Schwungmassen und beidseitigen Kardanwellen auf die Stirnradgetriebe Anwendung fand, deren Zahnräder direkt auf alle vier Achsen der beiden Drehgestellen greifen. Für die bessere Adhäsion erhielt die dritte Achse einen Radsatz mit beidseitigen Haftreifen. Die Stromabnahme erfolgt über alle Achsen.

Die über den Maschinenraum greifende Zentralplatine ist mit einer 22poligen PluX22-Schnittstelle versehen, in welcher kein Brückenstecker sitzt. Neben der Platine ist eine zweibegriffige Kippleiste platziert, womit individuell die Beleuchtung umgestellt werden kann.

Fahrverhalten

Das Fahrverhalten der 461 Gramm schweren Lokomotive ist äußerst passabel. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte von ca. 246 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 12 % zu schnell und nach dem NEM-Wert (+ 30 %) um ca. 19 % zu langsam. Der Bremsauslauf beträgt bei 12 V sagenhafte drei Loklängen.

Nimmt man allerdings eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h, zu der die Lok in der Regel eingesetzt wird, weil die Reisezugwagen nur für 200 km/h zugelassen sind, dann ergeben sich andere Werte: Demnach ist die Lok bei Vorbildgeschwindigkeit um ca. 23 % zu schnell, nach dem NEM-Wert aber um knapp 8 % zu langsam.

Optik

Moderne Lokomotive fallen vor allem durch ihre glatten Oberflächen und einfache Konturen auf, was die Modellumsetzung wesentlich erleichtert. Das Lokgehäuse besticht durch eine korrekte Nachbildung einschließlich der korrekten Nachbildung der Einteilung der unteren Seitenverkleidung, in welcher gegenüber der echten Roco-Konstruktion die vier Sandkästen extra im Chassis integriert sind. Die Griffstangen der Führerstands sind wie beim originären Roco-Modell als geformte Drahteinsätze extra eingesetzt, gleiches gilt neuerdings auch für die Scheibenwischer, die UIC-Dosen und die Haltegriffe an der Fahrzeugfront, die gegenüber ersten Auflagen noch angespritzt waren. Die Fenstereinsätze sind paßgenau und im Übergang zum Lokkasten schwarz eingefärbt.

Der Lokkasten ist sauber graviert und kommt vor allem auch durch die Ausnehmungen bei den Trittstufen der Führerstandstüren sehr gut zu Geltung. Gut nachgebildet sind auch die Regenrinnen über den Einstiegsbereichen sowie die Dachschräge mit den eingelassenen Lüftergittern oder auch das ansonsten sehr kahl wirkende Dach mit seinen zwei Stromabnehmern der Bauart DSA-350 S. Die karge Dachausrüstung besteht aus korrekt wiedergegebenen und platzierten Isolatoren.

Die Drehgestelle sind – gegenüber der Ur-Roco-101 – vollständig nachgebildet und weisen eine hervorragende Tiefenwirkung auf. Beim gegenständlichen Modell ist der Trafo mit Kühlrippen und frei stehenden Leitungen versehen. Gegenüber einer früheren Fleischmann-Ausführung wurde diesmal auf den Kippschalter für den Oberleitungsbetrieb verzichtet, auch weil sich das gegenständliche Modell dieser Funktion ohnehin nicht mehr bedient.

Farbgebung und Beschriftung

Die Lackierung und Bedruckung liefert keinerlei Grund zu Beanstandungen, wobei aufgrund des bunten Werbesujets auf den Seitenwänden der Bedruckung wesentlich mehr Bedeutung zuzumessen ist. Diese ist trotz des schwierigen Motives sehr gut gelungen und zeugt von einer hohen Wiedergabequalität ohne daß dadurch – im Vergleich zu anderen Modellen – irgendwelche Unebenheiten am Chassis festzustellen sind. Bei einer genaueren Betrachtung unter einer Lupe ist jedoch schon zu konstatieren, daß die Oberfläche einer Orangenhaut gleicht. Ein Abgleich der Seitenwände bescheinigt dem Modell eine vorbildgerechte Motivumsetzung. Die vollständige Loknummer lautet 91 80 6 101 087-5 mit dem Halterkürzel D-DB. Das Revisionsdatum trägt das Datum 23.09.11. Die Anschriften an Längsträger sind übrigens verschiedenfarbig und voll deckend aufgebracht.

Beleuchtung

Das Modell ist mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet. Wartungsarme, weiße und rote LEDs dienen der Darstellung der dreibegriffigen Spitzen- bzw. zweibegriffigen Schlusslichter, welche fahrtrichtungsabhängig leuchten.


Bilder