DB-Umbauwagen 4achsig: Piko 58860 / 58861 / 58862 / 58863
Die Deutsche Bundesbahn stand ab Mitte der 1950er Jahre vor einer großen Herausforderung, nachdem die ersten Kriegsschäden beseitigt waren und das Land wieder wirtschaftlich in Schwung kam. Der wachsende Personenverkehr verlangte nach modernen Reisezugwagen – doch der vorhandene Bestand war überaltert und stammte vielfach noch aus Länderbahnzeiten. Die Lösung brachte das Umbauwagen-Programm, bei dem bewährte Untergestelle und Drehgestelle älterer Wagen wiederverwendet und mit neuen, stabilen Stahlaufbauten versehen wurden. Die daraus entstandenen vierachsigen Umbauwagen mit der Gattungsbezeichnungen B4yg erhielten vollständig geschweißte Untergestelle, Mitteleinstiege mit Doppeltüren ohne Mittelsäule und erstmals sichere Türdichtungen. Die robusten Bauweise gestattete eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h, was damals schon gegenüber der dreiachsigen Ausführung als wesentlicher Fortschritt anzusehen war. Zwischen 1958 und 1959 entstanden 666 Wagen der Bauart B4yg-58, ergänzt durch die gemischtklassige Ausführung mit 1./2. Klasse-Abteilen oder auch als 2. Klasse-Wagen mit Halbgepäckabteil. In Summe wurden mehr als 1.800 derartige Umbauwagen beschafft, die die Modernisierung im Nah- und Regionalverkehrs sicherstellten. Obwohl ihre Ausmusterung bereits für die 1980er Jahre geplant war, blieben viele Fahrzeuge bis 1990 im Einsatz. Rund 20 Fahrzeuge sind heute noch als Museumswagen und frühere Zeitzeugen der DB in einer Epoche der Innovation, des Aufbruchs und der Tradition betriebsfähig erhalten geblieben.
Modellvorstellung
Die vierachsigen Umbauwagen der DB sind am Titelblatt des Neuheitenprospekts 2026 nicht so prominent vertreten, wie die ebenfalls neue Baureihe 215, aber dennoch verkörperten die vierachsigen Umbauwagen lange Zeit das klassische Bild des Nah- und Regionalverkehrs bei der Deutschen Bundesbahn während der Nachkriegszeit. Sie entstanden wie auch die dreiachsigen Umbauwagen aus der Not heraus. Weil Rohstoffe auch in den 1950er Jahren noch sehr rar waren, wurde im Rahmen des Recyclings von Altwagen sehr rasch diese Flotte aufgebaut. Daß Piko auch dieses Vorbild ins Modell umsetzten wird, war irgendwie zu erahnen. Der Hersteller aus Sonneberg möchte als Vollsortimenter gelten, weshalb auch diese Bauart für sein Programm unverzichtbar ist.
Die Ankündigung als Neuheit erfolgte am Silvestertag 2025, im kurz darauf publizierten Neuheitenprospekt wurden vier verschiedene Ausführungen angeführt. Da diese Modelle schon im Vorfeld produziert wurden sind, konnten diese bereit einen Monat nach der Ankündigung schon an den Fachhandel abgeliefert werden. Als Neukonstruktion wurde je ein Modell mit unterschiedlichen Ausstattungsmerkmalen avisiert, konkret finden sich folgende Modellausführungen im Prospekt:
* 58860: Umbauwagen 1./2. Klasse mit der Gattungsbezeichnung AByg 503, Epoche IV, MD-Drehgestelle
* 58861: Umbauwagen 2. Klasse mit der Gattungsbezeichnung Byg 514, Epoche IV, Schwanenhals-Drehgestelle
* 58862: Umbauwagen 2. Klasse mit Gepäckabteil, bedruckt mit der Gattungsbezeichnung BDyg 533, Epoche IV, MD-Drehgestelle
* 58863: Umbauwagen 2. Klasse mit der Gattungsbezeichnung Byg 516, Epoche IV, MD-Drehgestelle
Piko hat im Neuheitenprospekt nur ein Modellbild vom AByg 503 gezeigt, von den anderen Modellen waren nur CAD-Zeichnungen abgedruckt. Obwohl die Modelle doch einige Unterschiede aufweisen, werden die Einzelwagen einheitlich zum UVP von € 69,– offeriert.
Die Auslieferung der vierachsigen Umbauwagen erfolgt in der bekannten Verpackungsform des Sonneberger Herstellers. In der Kartonverpackung ist eine zweiteilige Blisterverpackung eingeschoben. Zum Lieferumfang gehört ein Zurüstbeutel und die Betriebsanleitung. Der Zurüstbeutel beinhaltet verschiedene Teile wie die Bremsschläuche, Zughaken, die Heizkupplungen und Zuglaufschilder. Letztgenannte müssen auf die Außenhaut des Wagenkastens geklebt werden.
Der Wagenkasten ist auf das Chassis aufgesetzt, es läßt sich durch seitliches Spreizen der Seitenwände abziehen. Sichtbar wird der Innenraum mit Fahrgastabteilen und Zwischenwänden. Dieses Bauteil sitzt auf dem Chassis auf, welches an der Unterseite bei den Drehgestellen eine NEM-Kurzkupplungskulisse vereint. Am Wagenboden wurde die gesamte Bremsanlage gänzlich umgesetzt sowie zahlreiche Apparatekästen angeordnet. Die Drehgestelle sind an der Unterseite in das Chassis eingesetzt. Piko hat dabei die beiden Bauformen umgesetzt. Es gelangen die Ausführungen MD sowie die Schwanenhals-Drehgestelle zur Ausfertigung. Beide Konstruktionen sind sehr getreu umgesetzt und weisen feine Details auf. Als Störfaktor sind jedoch die blanken Radsätze anzuführen, die regelrecht aus dem Drehgestellrahmen herausglänzen. Eine dezente Brünierung hätte den Radsätzen nicht geschadet.
Die neukonstruierten Wagenmodelle zeichnen sich durch feine Gravuren aus, wiewohl der Fahrzeugkasten nur ganz wenige Details zu offenbaren hat. Durch die eingezogenen Einstiegsbereiche wird das Modell sehr kantig. Optisch wie konstruktiv sehr schön umgesetzt wurden die Halterungen für die Zugzielschilder, aber auch die Einstiegsbereiche mit unterschiedlich breiten Flügeltüren (End- bzw. Mitteleinstieg) samt den zierlich umgesetzten Türscharnieren und farblich abgesetzten Türschnallen. Die Trittstufen sind robust ausgeführt, die Oberfläche der Kunststoffteile ist fein geriffelt. Ebenso schön umgesetzt bzw. mit tiefen Gravuren ausgestattet sind die Rollläden am Wagenübergang. Und selbst die Schweißnähte am Dach sind dezent angedeutet, dafür weist der Dachlüfter schon mehr Details auf. Die eingesetzten Übersetzfenster zeichnen sich durch die zierliche Ausführung der Fensterstege aus, die aber alle gleich stark dimensioniert sind. Man beachte hierbei auch die Hinterglasbedruckungen am Fensterband. Die Griffstangen bei den Seitentüren sind bereits ab Werk eingesetzt.
Die monotone Lackierung wird durch eine tadellose Bedruckung ergänzt bzw. vervollständigt. Die Bedruckungen sind gut deckend und trennscharf ausgeführt. Auf den ersten Blick ist aber unklar, ob die Klassenziffern der korrekten Schrifttype angehört. Sie hinterlassen auch in der aufgedruckten Größe einen überdimensioniert Eindruck. Die Modelle sind mit Raucher bzw. Nichtraucher-Aufkleber versehen. Alle weiteren Modellangaben wurden beim jeweiligen Modell angeführt.
Werksfoto Piko

Bilder 58860 – AByg 503
Das Modell des 1./2.-Klasse-Wagens gehört der Gattungsbezeichnung AByg 503 an und wurde mit der Wagennummer 50 80 38-11 220-9 bedruckt. Als Heimatbahnhof ist Hagen Hbf angegeben. Im Revisionsraster finden sich die Angaben REV ESIE 11.10.83 bzw. Unt Nms 13.10.81.
Bilder 58861 – Byg 514
Dieses Modell ist mit Schwanenhals-Drehgestell ausgestattet und gehört somit der Bauartbezeichnung Byg 514 an. Das Modell ist mit der Wagennummer 50 80 29-11 827-2 bedruckt. Auch bei diesem Modell ist der Heimatbahnhof mit Hagen angegeben. Im Revisionsraster stehen die Angaben REV EHG 3. 5.84 bzw. Unt Nms 4. 5.81.
Bilder 58862 – BDyg 533
Die DB hat den 2. Klasse Halbgepäckwagen der vierachsigen Umbauwagen die Gattungsbezeichnung BDyg 533 zugewiesen. Das Modell weist die Wagennummer 50 80 82-12 322-7 auf, natürlich ist auch hierbei Hagen als Heimatbahnhof angegeben. Im Revisionsraster stehen die Untersuchungsdaten mit REV Nms 26. 1.84 bzw. Unt Nms 26.1.84.
Bilder 58863 – Byg 516
Dieser 2. Klasse Umbauwagen stellt nicht nur eine Formvariante bzw. Nummernvariante, sondern ergänzt das Sortiment der vierachsigen Umbauwagen durch eine weitere Modellkonstruktion. Im Unterschied zum 2. Klasse-Wagen mit der Artikelnummer 58861 wurde dieses Modell mit MD-Drehgestellen ausgestattet, wodurch dieser mit der Gattungsbezeichnung Byg 516 geführt wird. Das Modell trägt die Wagennummer 50 80 29-12 991-5 und die Untersuchungsdaten REV EHG 19. 3.84 bzw. Unt Nms 21. 3.83. Hagen gilt auch hier als Heimatbahnhof.



































