MRCE 189 von Roco – 73635 (Lokomotion), 73636 (SBB), 73628 (SBB)

Das Ende des letzten Jahrtausends war nicht nur durch Fortschritte und Neuerungen im Bereich der Traktionstechnik geprägt, sondern es zeichnete sich eine Öffnung der Schienennetze in ganz Europa ab. Es bahnte sich also die Entwicklung neuer Triebfahrzeugserien an. Siemens entwickelte bereits zu Beginn der 1990er Jahre eine neue Lok-Plattform, deren Urmuster sich in der 127 001 zeigte und darauf aufbauend die EuroSprinter-Familie entwickelte, wobei als eine Vertreterin davon die Baureihe 152 für die Deutsche Bahn AG zu nennen ist. Probleme bei der Zulassung der BR 152 in Österreich und die dadurch ausgelöste Beschaffung der BR 182 als Deutschland-Ableger des ÖBB-Taurus führten 1999 zur einer Optionsumwandlung der in Beschaffung befindlichen BR 152 dahingehend, dass 100 Loks der Baureihe 152 als Viersystemloks ausgeliefert werden sollten. Die Deutsche Bahn AG verfolgte dabei ein Ziel, Expansion in Europa, denn mit den Viersystemloks der neuen Baureihe 189 wollte man in viele Nachbarländer einfallen und selbst Güterverkehre anbieten. Die 189 weist daher folgelnde Stromsysteme auf:

• 15 kV/16,7 Hz Wechselstrom – für die Länder Deutschland, Österreich, Schweiz, Schweden und Norwegen;
• 25 kV/50 Hz Wechselstrom – für die Länder Dänemark, Luxemburg, Nordfrankreich und Ungarn;
• 1500 V Gleichstrom – für die Niederlande und Südfrankreich; sowie
• 3000 V Gleichstrom – für die Länder Polen, Belgien und Italien.

Die Lok war leistungsmäßig im Wechselstrombetrieb bei 6,4 MW anzusiedeln, unter 3 kV Gleichstrom wurden noch 6 MW erbracht und bei 1,5 kV Gleichstrom fiel diese auf 4,2 MW. Das Eigengewicht beträgt 87 t als vierachsige Drehgestelllokomotive mit Drehstromantriebstechnik.

Der Bau dieser neuen Viersystemlok blieb nicht nur auf die 100 Lokomotiven der DB AG beschränkt, sondern die neu gegründete Siemens Dispolok GmbH beschaffte ebensolche Lokomotiven und vermietete ihren Fuhrpark sowohl an deutsche als auch ausländische EVU. Siemens Dispolok gehört heute dem japanischen Unternehmen MRCE, die ihre Loks von gelb/silber auf schwarz umlackieren ließ bzw. noch läßt.


Modellvorstellung

Die seinerzeitige Unternehmensführung reagierte bei neuen Vorbildern relativ rasch, wenn es darum ging, diese im Modell umzusetzen. Die erstmalige Ankündigung erfolgte mit den Jahresneuheiten 2004 mit einem Modell der DB AG, denen weitere Ausführungen folgten.

Die aktuellen Modellauflagen betreffen die Ergänzung des bestehenden Sortiments mit Farbvarianten, wobei als eine dieser Loks das vorliegende Modell zu nennen ist, welches bei der SBB Cargo International im Einsatz steht. Das H0-Modell gelangt unter den Artikelnummern 73636 (analoge Gleichstromvariante) bzw. 79636 (Ausführung in Wechselstrom) in den Fachhandel. Die Modelle waren zu einem UVP von € 229,– bzw. € 269,– angekündigt. Eine nachträglich durchgeführte Preissenkung ließ den UVP auf € 189,– bzw. € 229,– fallen.

Verpackung

Die Auslieferung erfolgt in der bekannten Kartonschachtel mit Schaumstoffeinsatz. Dem Modell wurde als Transportschutz eine Plastikhaube aufgesetzt und ist mit einer Kunststofffolie in den Schaumstoff eingelassen. Dieser Designvariante liegt eine Betriebsbeschreibung, ein Ersatzteilblatt und ein Zurüstbeutel bei.

Technik

Zur technischen Ausbildung der vorliegende Konstruktion kann an vergleichbare Ausführungen verwiesen werden. Die Technik des Modells befindet sich unter dem aus Kunststoff gefertigen Chassis, welches durch Auseinanderspreitzen der Seitenwände an den vier Rastnasen problemlos abziehen läßt. Die Antriebskomponenten bestehen aus einem Mittelmotor mit zwei großen Schwungmassen und der beiden Kardanwellen, die in das Schnecken-/Stirnradgetriebe greifen und somit alle vier Achsen antreiben. Die Stromabnahme erfolgt über alle Achsen. Die vierte Achse ist beidseitig mit Haftreifen versehen. Jedes Ende des Fahrzeugrahmens ist mit einer Kurzkupplungskulisse nach NEM 362 versehen.

Die Fahrzeugplatine wurde über dem Motor auf dem Fahrzeugrahmen geschraubt und ist unverändert zur Erstausführung, weshalb sich dort nur eine achtpolige Schnittstelle nach NEM 652 befindet. Auf diesem Entwicklungsstand ist die gesamte Modellausführung abzustellen.

Fahrverhalten

Das Eigengewicht beträgt 508 Gramm. Die Lok zeigt im Testbetrieb ein günstiges Fahrverhalten sowie entsprechende Zugkräfte. Die Höchstgeschwindigkeit beim Vorbild beträgt 140 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von ca. 112 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 20 % zu langsam und nach dem NEM-Wert (+ 30 %) um ca. 50 % zu langsam. Der Bremsauslauf beträgt 1,75 Loklängen.

Optik

Der erste Anblick dieser modernen Mehrsystemlokomotive ist überzeugend und attestiert dem Hersteller sein hohes Können in der Fahrzeugkonstruktion. Das Modell zeichnet sich durch die richtige Formgebung und in der Darstellung vieler Details aus. Die Längssicken entlang der Seitenwände charakterisieren den Lokkasten, die infolge der schwarzen Lackierung nicht sonderlich hervortreten. Aber dennoch verfügt das vorliegende Modell über zahlreiche Gravuren, die gegenüber dem Vorbild einen hohen Wiedererkennungswert vermitteln. Die extra angesetzten Türgriffstangen tragen wesentlich dazu bei, ebenso die Kopfform mit der paßgenauen, geteilten Frontscheibe. Interessanterweise sind die Haltegriffe werkseitig schon montiert, die UIC-Dose und die Scheibenwischer liegen als eigene Zurüstteile zur Selbstmontage bei.

Der Dachgarten ist ein wahrer Augenschmaus. Dieses Gehäuseteil ist detailreich nachgebildet. Sämtliche Bauteile wie Isolatoren, Oberspannungswandler, Überspannungsableiter, aber auch Dachleitungen und Kabeltrosse sind verschiedenfarbig dargestellt, werden durch filigran ausgeführte Abluftgitter ergänzt und tragen wesentlich zum positive Gesamteindruck des Modells bei. Am Dach sind vier Stromabnehmer drei verschiedener Bauarten montiert, wobei der zweite und der vierte ident sind und für den Wechselstrombetrieb aufgelegt sind. Der erste Stromabnehmer ist mit dem schmäleren Schleifstück für die SBB ausgestattet, der dritte Stromabnahmer dient für den Betrieb unter Gleichstromfahrleitungen.

Der letzte Blick gilt dem Fahrwerk samt der aufgehängten Teile am Längsträger. Die Drehgestelle sind in allen Details korrekt wiedergegeben, wobei die Führerstandsaufstiege als eigene Teile angesetzt sind, ebenso die Schlinger- und Wiegendampfer und die silbrig lackierten LZB-Wegimpulsgeber. Weitere Details befinden sich zwischen den Drehgestellen, welche am Unterboden der Lok aufgehängt sind und umfassen die Nachbildung des Transformators einschließlich der mehrfarbigen Bedruckung, die Luftbehälter rechterhand sowie die Batteriekästen und die Anschlüsse für die Fremdeinspeisung. Die eigenen Vorratsbehälter für die Spurkranzschmierung sind schwarz lackiert und jeweils vor der äußersten Achse montiert. Der eigens im Lokrahmen eingesetzte Frontbereich nimmt einerseits die Trittstufen für der Personal auf und andererseits die notwendigen Kupplungen für die Zugsammelschiene und die ep-Bremse, aber auch die verdeckten Pufferelemente.

Farbgebung und Beschriftung

Das Modell ist sowohl hinsichtlich der Lackierung als auch der Bedruckung 1a, und es sind auch keine Farbverläufe zu erkennen. Das Modell weist vielfäligte Anschriften entlang des Lokkastens auf, die allesamt dargestellt sind und auch unter Lupe einwandfrei zu lesen sind. Die komplette Loknummer lautet ES 64 F4-107 bzw. nach TSI-Norm 91 80 6189 107-6 D-DISPO. Als Revisionsdatum ist der 17.12.09 zu lesen.

Beleuchtung

Die 189 wird noch mit weißen und roten Glühlampen beleuchtet. Der Lichtwechsel erfolgt richtungsabhängig.


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Modellvorstellung – MRCE 189 927 „Lokomotion-Zebra“

Als zweite Farb- und Beschriftungsvariante der MRCE-189 von Roco gelangt die Ausführung des schwarzen „Lomo-Zebras“ zur Vorstellung. Dieses farbliche Einzelstück ist seit bald zwei Jahren beim Münchner EVU im Einsatz und begeistert alle Eisenbahnfans, vor allem die fotografierende Zunft. Diese erfreuliche Farbenpracht im Hause Lokomotion, deren Firmenleitung für derartige Ambitionen stets ein offenes Ohr hat, ist Grund genug, das Vorbild auch im Modell umzusetzen. Roco hat die Modellkonstruktion seit gut zehn Jahren im Angebot und auch schon frühere Modelle von Lokomotion realisiert. Gerade die gelbe RTC-Ausführung ist ein gut gesuchte Modell.

Roco bietet das schwarze Lomo-Zebra alias 189 927 in zwei verschiedenen Ausführungen ohne Lok-Sound an. Das Gleichstrommodell ist zum Preis von € 189,– unter der Artikelnummer 73635 erhältlich. Die Modellausführung für 3-Leiter-Wechselstrom (Märklin-System) gelangt unter der Artikelnummer 79635 in den Fachhandel und kostet € 229,–.

Zu den technischen und optischen Eigenschaften dieser Modellkonstruktion wurde in diesem Beitrag schon sehr viel geschrieben, sodaß auf eine Wiederholung verzichtet werden kann. Es gelten die oben gemachten Angaben.

Das gegenständliche Modell der 189 927 von Lomo ist sauber lackiert und bedruckt und fällt vor allem durch die aufgefächerten Zebra-Streifen an den Seitenwänden der Maschine auf. Diese sind in hellgrauer Farbgebung über die Sicken des Lokkasten tadellos ausgeführt. Die vollständige Lokanschrift besteht aus folgenden Angaben: 91 80 6189-927-7-D-DISPO Class 189-VD bzw. der LZB-Nummer 189-927-7. Die Revisionsanschriften der Lok lauten auf MH 20.07.12.

Roco liefert das Modell teilweise im zugerüsteten Zustand aus. Beim genauen Betrachten des Modells fällt auf, daß einzelne Griffstangen sich nach der Montage verzogen haben und somit im gebogenen Zustand zu liegen kommen. Weitere Zurüstteile betreffen die Fahrzeugfront. Diese Teile finden sich im eigens mitgelieferten Zurüstbeutel.

Fahrverhalten

Das Eigengewicht beträgt 508 Gramm. Die Lok zeigt im Testbetrieb ein günstiges Fahrverhalten sowie entsprechende Zugkräfte. Die Höchstgeschwindigkeit beim Vorbild beträgt 140 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von ca. 117 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 16 % zu langsam und nach dem NEM-Wert (+ 30 %) um ca. 46 % zu langsam.


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Modellvorstellung – Roco 73628: MRCE 189 284

Die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels per 1. Juni 2016 sorgte bei den SBB und in der Eidgenossenschaft für einen neuen Hype hinsichtlich des alpenquerenden Güterverkehrs, womit die Schweizer Präzision erneut vorgezeigt wurde.

Die SBB hat bei der Eröffnung des GBT angekündigt, einige Lokomotiven mit einer Sonderbeklebung zu versehen. Dazu gehören auch die gemieteten Maschinen der Siemens-Viersystemlokomotive ES 64 F4 von MRCE. Die angemietete ES 64 F4-284 bzw. 91 80 6189 284-3 erhielt zu den bekannten SBB-Anschriften noch die Werbebotschaft „Alpäzähmer. Die Alpen sind bezwungen: Gotthard-Basistunnel 2016.“ Die Werbebotschaft ist durchaus berechtigt, haben doch die Eidgenossen der ganzen Welt vorgezeigt, wie Mega-Projekte optimal durchgeführt werden und nicht im Fiasko endend, wie dies den Tunnelbauern bei Rastatt in Deutschland im August 2017 passierte.

Roco liefert das Modell in der Gleichstrom-Version unter der Artikelnummer 73628 zum UVP € 194,– aus. Die Wechselstrom-Version ist unter der Artikelnummer 79628 zum UVP € 234,– erhältlich. Das Modell ist natürlich sauber lackiert. Bei der Bedruckung ist unter der Lupe ein unansehnliches Raster zu erkennen. Es finden sich Hinweise auf die ETCS-Ausrüstung. Die Revisionsdaten lauten auf: REV MMAL 26.11.09 mit dem Hinweis auf die Verlängerung K69 18.11.16. Dem Modell liegen noch eigene Naßschiebebilder des Gottardo-Logos bei.


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