Tillig 70033 / 70039 / 70046 / 70048 – DDR-Regierungszug

Im Jahr 1964 wurden erstmals technische Forderungen für einen Neubau des Regierungszuges der DDR auf der Basis der justament gebauten Reisezugwagen des Typs B aufgestellt, um die bisher verwendeten Altbau-Salonwagen zu ersetzen. Aus diesem Programm entstanden im Jahr 1966 lediglich ein Salonwagen A und der Beiwagen zum Salonwagen A durch Umbau von zwei Reisezugwagen 2. Klasse, die zunächst noch gemeinsam mit den Altbau-Salonwagen im Einsatz standen. 1969 wurde der Neubauzug dann komplett auf Basis der Y-Wagenbauart mit einer Länge über Puffer von 24,5 Meter fertig gestellt. Kennzeichnend für diese Bauart waren die hohen Wagendächer, die sich von der erforderlichen Abteilhöhe in Schlafwagen ableiteten und bei allen Wagen dieses Typs verwendet wurden. Für jeden Verwendungszweck wurde eine gesonderte Konstruktion erstellt, weshalb es nur einen oder maximal zwei baugleiche Wagen pro Typ im DDR-Regierungszug gab.

Die Lieferung von 1969 umfaßte 21 Wagen unterschiedlicher Bauart, vom Salonwagen über Speisewagen, Küchenwagen, Nachrichtenwagen und Maschinengepäckwagen bis hin zum Autotransportwagen. Zwei weitere Fahrzeuge kamen 1971 (ein weiterer Maschinengepäckwagen auf Basis eines Modernisierungsgepäckwagens) und 1973 (ein umgebauter Kühlwagen) dazu. 1984 wurden noch vier neue im RAW Halberstadt gebaute Verstärkerwagen mit je 60 Sitzpläezn in zehn Abteilen in Dienst gestellt. Diese Wagen entsprachen weitgehend den normalen Wagen 1. Klasse der Gattung Ame des Typs Z2 mit einer LüP von 26,4 Meter und flacheren Dächern als beim den Y-Wagen.

Die außergewöhnliche Vielzahl unterschiedlicher Bauarten und Ausstattungsvarianten der Regierungswagen bot vielfältige Einsatzmöglichkeiten, ähnlich einem rollenden Konferenzhotel. Die Salonwagen A (Wagen 60 50 89-40 006-9 von 1966 und Wagen 60 50 89-40 008-5 von 1969, zusammen mit je inem Beiwagen für das Begleitpersonal) waren den höchsten Repräsentanten, also dem 1. Sekretär bzw. Generalsekretär des Zentralkommitees der SED und Vorsitzenden des Staatsrats (bis 1971 Walter Ulbricht, danach Erich Honecker) und dem Vorsitzenden des Ministerrates der DDR (bis 3. Oktober 1973 Willi Stoph, danach Horst Sindermann, ab 1. November 1976 wieder Willi Stoph) vorbehalten.

1969 wurden zusätzlich drei Salonwagen B vom Waggonbau Bautzen geliefert: Wagen 60 50 89-40 009-3 und 60 50 89-40 010-1 jeweils mit Küche und 60 50 89-40 011-9 ohne Küche. (Alle Wagen erhielten später eine andere Wagennummer mit Regime 61 wie diese jetzt im Modell erhältlich sind.) Grundsätzlich wurden sowohl die Salonwagen A als auch die Salonwagen B als Schlafwagen mit Besprechungssalon konzipiert. Während die Salonwagen A nur für zwei Fahrgäste in entsprechenden Großabteilen, mit einem Arbeitsraum und einem Abteil für einen Begeleiter ausgelegt wurden, boten die Salonwagen B neben zwei Großabteilen noch zwei (bei WAgen mit Küche) bzw. drei (Wagen ohne Küche) Zweibettabteile für weitere Mitreisende. Wegen der zusätzlichen Schlafabteile und der Küche wurden die Großabteile und der Salon etwas kleiner dimensioniert als bei den Salonwagen A, die ohne Küche gebaut wurden.

Dem gebotenen Komfort tat das allerdings keinen Abbruch. Die Großabteile wurden mit einer klappbaren Bettcouch mit Bettkasten, Schreibtisch mit Safe, Schrank und je zwei Polstersesseln ausgestattet. Zwischen beiden Großabteilen wurde ein Waschraum mit zwei Waschbecken, großem Spiel, WC und Dusche installiert. Die weiteren Schlafabteile wurden mit je zwei Schlaflagern, Garderobe und Waschbeckenschrank mit Spiegel eingerichtet. Eine ausklappbare Schreibplatte deckt das Waschbecken ab. Auch diese Abteile verfügen über Safes.

Der gediegene Eindruck der Inneneinrichtung wird durch Edeholzfurniere in Schlafräumen, Einstiegsräumen, Seitengängen und Salon unterstrichen, wobei nicht nur jeder Wagen sein eigenes Design durch die verwendeten Hölzer erhielt, sondern sogar die einzelnen Abteile jedes Wagens individuell durch unterschiedliche Furnierung gestaltet wurden. Die Salons bekamen Tische mit jeweils sieben Polstersesseln und einen Musikschrank und wurden mit Fallfenster versehen, die fast bis zur Fensterunterkante heruntergelassen werden können.

Die Küche mit vierflammigem Gasherd, Kühlschrank und Spüle ermöglichte die unabhängige Versorgung der Fahrgäste. Bei den Salonwagen A stellten die Küchen in den Beiwagen zu diesen Salonwagen die gastronomische Betreuung sicher.

Wie für die Salonwagen A wurde auch für die Salonwagen B ein Beiwagen für das Begleitpersonal konzipiert, der ebenfalls 1969 mit der Wagennummer 60 50 70-40 109-2 in Dienst gestellt wurde. Dieser Wagen wurde als Schlafwagen mit acht Zweibettabteilen, WC und einem Dienst- und Schreibabteils ausgestattet. Auch dieser Waggon wurde in den Innenräumen mit Edelholzdekor versehen. Da der Wagen nurüber acht Schlafabteile verfügt, konnten diese etwas größer als bei anderen Regierungszug-Schlafwagen ausgelegt werden, die neun Schlafabteile aufweisen. Äußerlich zeigt sich diese abweichende Ausstattung durch die paarweise Fensteranordnung mit größeren Zwischenräumen zwischen jedem zweiten Fenster.

In den 1980er Jahren war die Zeit der großen internationalen Staatsfahrten des Regierungszuges vorbei. Nunmehr kamen die komfortablen Fahrzeuge hauptsächlih für Fahrten des diplomatischen Korps, z. B. zur alljährlichen Staatsjagd oder bei Kulturfahrten, zum Einsatz. Bei diesen Fahrten waren deutliche mehr Personen zu befördern als bei klassischen Staatsfahrten der Nomenklatura mit dem dafür erforderlichen Personal. Deshalb wurden ab 1984 die Verstärkerwagen eingesetzt.

Im Rahmen der politischen Umbrüche in der DDR wurde der Regierungszugpark bereits im Herbst 1989 aufgelöst und die Fahrzeuge der Deutschen Reichsbahn zur touristischen Vermarktung übergeben. Unter dem Credo „Reisen wie die roten Preußen“ wurden die Regierungsfahrzeuge ab 1990 deutschlandweit und auch international bei Sonderfahrten eingesetzt. Aus den vielfältigen Fahrzeugen des Regierungszuges wie auch der Führungszüge der Ministerien für Verkehrswesen und Nationale Verteidigung konnten sowohl ganze Zuggarnituren zusammengestellt als auch Wagen im Einzellauf gechartert werden. Auch die DB AG vermarktete die Regierungsfahrzeuge als „Sonderwagen“ für Feiern ebenso wie für Firmenveranstaltungen. Mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h waren die Regierungs-Sonderwagen recht freizügig einsetzbar und konnten in fahrplanmäßige Züge eingestellt werden.


Modellvorstellung

Die Modellumsetzung des mehrteiligen Regierungszuges wurde erstmals mit der Neuheiten 2017 ins Auge gefaßt. Tillig hat dabei die maßstäbliche Umsetzung der Fahrzeuge im Maßstab 1:87 und in der Aufmachung und Dekorierung der Epoche IV angekündigt, wobei der Hersteller den Zug in mehreren Sets anbieten wird. Pro verkauftem Set zweigt Tillig einen Betrag von € 10,– für die Restaurierung des Vorbildes ab. Der UVP des ersten Sets (70033) beträgt € 259,–.

Das Set 70033 kommt zwar mit Verspätung in den Fachhandel, aber besteht auf einem Salonwagen B mit Küche, einem Salonwagen B ohne Küche und einem Beiwagen zum Salonwagen B. Die Auslieferung des Sets erfolgt in einer ansehnlichen und robusten Kartonverpackung mit Schaumstoffeinlage, welcher die Modelle in Folien umwickelt eingelegt sind. In einer eigenen Ausnehmung werden vier Zurüstbeutel mitgeliefert. In drei Beutel befinden sich die Radschleifer aus Messing, die nachträglich in die Drehgestelle gesteckt werden können. Diese dienen zur Stromaufnahme für die Innenbeleuchtung und sind werkseitig nicht eingesetzt, um den Rollwiderstand nicht zu erhöhen. Der dritte Zurüstbeutel beinhaltet einen Ätzschildersatz des DDR-Staatswappens bei.

Die Modelle sind neu konstruiert und aus Kunststoff gefertigt. Die unterschiedlichen Bauformen der Wagen sind anhand der verschiedenen Fensterteilung erkennbar. Gegenüber der letzten Wagenkonstruktion der Y-Wagen hat Tillig bei diesen Wagen paßgenaue Fenstereinsätze konstruiert und eingesetzt. Am Dach sind zusätzliche Leitungen montiert, die jedoch beim Beiwagen zum Salonwagen nur einseitig ausgeführt sind. Die neukonstruierten Wagen sind mit einer Kurzkupplungskulisse ausgestattet und für den nachträglichen Einbau einer Innenbeleuchtung bzw. Zugschlußbeleuchtung vorbereitet. Die Inneneinrichtung wird in stilisierter Form dem Original nachempfunden. Alle Wagen sind in Berlin-Lichtenberg, Heimat-Bww Bln Lichtenberg, stationiert.

Bilder 70033/1

Der erste Wagen im Dreierset ist der Salonwagen B mit Küche, der die Wagennummer 61 50 89-80 009-3 und die Gattungsbezeichnung Salon trägt. Am Fahrzeugrahmen ist als letztes Untersuchungsdaten REV De 22.3.84 zu lesen.


Bilder 70033/2

Der zweite Salonwagen B ist ohne Kücheneinrichtung ausgeführt und wurde mit der Fahrzeugnummer 61 50 89-80 011-9 bedruckt. Seine letzte Revisionsanschriften lauten auf REV De 5.6.84.


Bilder 70033/3

Der dritte Wagen im ersten Set zum DDR-Regierungszug besteht aus dem Beiwagen zum Salonwagen B dar, der ebenfalls mit der Gattungsbezeichnung Salon geführt wird, jedoch gegenüber den Salonwagen durch die geänderte Fensteraufteilung auffällt. Die Wagennummer lautet auf 61 50 70-80 109-2, zuletzt revisioniert gemäß den Anschriften REV De 19.1.84.


Tillig 70039 – DDR-Regierungszug – Set 2

Ende August 2019 kam das zweite Set des DDR-Regierungszuges in den Fachhandel. Das Set besteht aus drei DR-Salonwagen, die in unterschiedlicher Aufmachung produziert worden sind. Das Set ist zum UVP von € 259,90 angeboten.

Bilder 70039/1

Wagen Nr. 1 ist als Salonwagen mit der Betriebsnummer 61 50 89-80 008-5 beschriftet, bei dem die Revisionsanschriften REV De 28.11.84 angeschrieben ist.


Bilder 70039/2

Die beiden anderen Salonwagen sind konstruktiv ident und unterscheiden sich nur durch die Betriebsnummern. Der zweite Wagen in diesem Set ist mit der Wagennummer 61 50 70-80 108-4 und den Revisionsdaten REV De 10.12.84.


Bilder 70039/3

Das Set wird noch durch den dritten Salonwagen mit der Betriebsnummer 61 50 70-80 106-8 Vervollständigt. Die letzte Untersuchung fand am 20. März 1984 in Dessau statt. Alle drei Wagen sind wiederum in Berlin-Lichtenberg beheimatet.


Tillig 70046 – DDR-Regierungszug – Set 3

Anfang Dezember 2019 kam das dritte Set des DDR-Regierungszuges in den Fachhandel. Das Set besteht aus zwei DR-Salonwagen, die in unterschiedlicher Aufmachung produziert worden sind, und einem Gepäckwagen. Das Set ist zum UVP von € 276,90 angeboten. Diesem Set ist noch ein Figurensatz von Noch beigelegt.


Bilder 70046/1

Der erste Wagen betrifft einen Salonwagen B mit Küche. Der Wagen trägt die Gattungsbezeichnung Salon und die Wagennummer 61 50 89-80 010-1 sowie die Untersuchungsdaten REV De 25.07.84.


Bilder 70046/2

Beim zweiten Wagen handelt es sich um einen Salonspeisewagen B mit Küche, der ebenfalls der Gattungsbezeichnung Salon angehört. Die Betriebsnummer lautet auf 61 50 88-80 053-2, die Revisionsanschriften auf REV De 04.05.84.


Bilder 70046/3

Das letzte Modell betrifft eine Formneuheit und zwar den Maschinen-Gepäckwagen der Gattung Salon. Der Wagen trägt die Betriebsnummer 61 50 92-80 203-7  und die Gattungsbezeichung Salon. Dieser Wagen ist mit den letzten Untersuchungsdaten REV De 27.11.84 angeschrieben.


Ausblick 2020

Tillig hat für das kommende Jahr ein viertes Set angekündigt. Es wird aus den Wagen Salonspeisewagen mit Küche 61 50 88-80 054-0, dem Maschinen-Gepäckwagen 61 50 92-80 204-5 und dem Verstärkungswagen 51 50 10-40 319-1 bestehen.

Tillig 70048 – DDR-Regierungszug – Set 4

Kaum hat die Spielwarenmesse in Nürnberg seine Pforten geschlossen, ist schon das vierte Set des DDR-Regierungszuges, das im Neuheitenprogramm 2020 enthalten ist, an den Fachhandel ausgeliefert. Die maßstäbliche Produktion dieses besonderen Zuges während des Bestehens der DDR hat sich für Tillig ausgezahlt, das Interesse war allgemein höher als zunächst erwartet und angenommen. Das rege Interesse an diesen Fahrzeugen manifestiert sich letztendlich an der höheren Spendesumme.

Das Set besteht wiederum aus drei verschiedenen Personenwagen. Tillig bietet das vierte Set unter der Artikelnummer 70048 zum UVP von € 259,90 angeboten und wird vsl. das Letzte sein. Ob es dazu weitere Modelle geben wird, ist nach aktuellen Stand offen und unbekannt.


Bilder 70048/1

Der erste Wagen dieses Dreiersets ist der Salonspeisewagen B mit Küche, der die Wagennummer 61 50 88-80 054-0 und die Gattungsbezeichnung Salon trägt. Am Fahrzeugrahmen ist als letztes Untersuchungsdaten REV De 03.12.84 zu lesen.


Bilder 70048/2

Der zweite Wagen stellt eine Neukonstruktion dar und symbolisiert einen Maschinen-Gepäckwagen mit der Gattungsbezeichnung Salon. Dieser Wagen ist mit der Betriebsnummer 61 50 92-80 204-5 angeschrieben, die Revisionsanschriften lauten dabei auf REV De 13.03.84.


Bilder 70048/3

Der dritte Wagen dieses Sets wird als Verstärkungswagen für den Regierungszug geführt und ist bislang der einzige Wagen mit einer LüP von 26,4 Metern. Dieser Wagen ist nicht nur durch seine Länge gegenüber allen anderen Wagen auffallend, sondern auch durch seine Anschriften wie dem DDR-Staatswagen inmitten des Fensterbandes. An diesem Abteilwagen ist interessanterweise die Wagengattung Ame angeschrieben, zudem trägt dieser die Betriebsnummer 51 50 10-40 319-1 und die Revisionsanschriften REV Hlb 28.05.84. Als Heimatbahnhof ist das Bww Berlin-Lichtenberg angeschrieben.