Roco 72270: Baureihe 85

Die Firma Henschel baute in den Jahren 1932/33 zehn Lokomotiven dieser Tenderlokomotive, die die Deutsche Reichsbahn als Baureihe 85 einordnete. Diese Maschinen waren die Voraussetzung für die Auflassung des Zahnradbetriebes auf der Höllentalbahn von Freiburg im Breisgau ausgehend. Gute Erfahrungen wurden bereits im Vorfeld mit der preußischen Gattung T 20 auf den Steilstrecken des Harzes und des Thüringer Waldes gesammelt. Die Lokomotive 85 004 ist als Kriegsverlust zu verbuchen, alle anderen waren bis 1961 im Höllental und auf der Schwarzwaldbahn im Einsatz. Acht Maschinen wurden im Jahre 1961 kassiert, die 85 007 kam zum Bw Wuppertal-Vohwinkel und war dort kurze Zeit als Schiebelokomotive auf der Steilrampe Erkrath-Hochdahl eingesetzt, zum Jahresende 1961 wurde auch sie dann vom Bestand der DB ausgeschieden. Die Maschinen wurden mit einem Dreizylinder-Triebwerk ausgestattet und erbrachten eine indizierte Leistung von ca. 1.500 PS.


Modellvorstellung

Es war die Überraschungsneuheit im Jahr 2016 schlechthin, als Roco die Modellausführung der BR 85 in das Neuheitenprogramm aufgenommen hat. Die Neukonstruktion wird beim Hersteller als „Roco Edition“ geführt. Die Festlegung in diese Produktkategorie erfolgt nicht ganz ungewollt, denn Roco liefert das Modell mit einem dynamischen Dampf sowie umfangreichen Soundfunktionen im Digitalbetrieb aus.

Roco hat von diesem Modell gleich zu Beginn vier verschiedene Ausführungen angekündigt. Die Modelle ohne Sound gelangen für die Zweileiter-Fraktion unter der Artikelnummer 72270 bzw. für die Dreileiter-Fraktion als 78270 in den Fachhandel. Die Soundausführung mit dem dynamischen Dampf werden mit den Artikelnummern 72771 bzw. 78771 geführt. Die Preise richten sich je nach Ausführung zwischen € 379,– (72270), € 419,– (78270) und € 509 (72271 bzw. 78271).

Verpackung

Roco’s Neukonstruktion wird in einer äußerst stabilen Verpackung ausgeliefert. In der großvolumigen Doppelkartonschachtel sind paßgenau zwei Styroporhalter eingebracht, die die Blisterbox mit dem Modell aufnehmen. Die Blisterbox wurde bereits bei anderen Modellen wie der BR 03.10 oder der Klapperschlange verwendet. Auf einem Plastikgleis ist die Neukonstruktion über kleine Schrauben an der Unterseite befestigt. Es dient als Transportschutz. In der Verpackung finden sich weiters die Betriebsanleitung, das Ersatzteilblatt – besser gesagt ist dies im „Handbuch“ vereint – und drei Zurüstbeutel, wo sich weitere Zurüstteile für die Pufferbrüste und die Kurzkupplungen gefinden und ein Schildersatz aus Ätzteilen beiliegt.

Technik

Der Hersteller empfielt vor der Inbetriebnahme, die Lok am Fahrwerk zu ölen, um das filigrane Laufwerk nicht durch Überhitzung der Reibungsenergie zu beschädigen. Die Neukonstruktion ist auf dem Roco-Radius R2 (358 mm) problemlos einsetzbar. Für den besseren Kurvenlauf dienen unter anderem auch die beidseitig berücksichtigten Kurzkupplungskulissen.

Die Antriebskomponenten sind platzmäßig unter dem Langkessel bzw. im Führerhaus untergebracht. Die Lokomotive verfügt über einen fünfpoligen Motor mit einer großen Schwungmasse. Der Antrieb erfolgt dann über den Wellenstummel und dem Getriebeblock auf die vierte Kuppelachse, die als einzige von allen beidseitig einen Haftreifen aufgezogen hat. Die anderen Kuppelachsen werden über das Gestänge mitgenommen.

Die Demontage des Lokgehäuses erweist sich als eher kompliziert. Gemäß den Herstellerangaben sind sechs verschiedene Schritte zu beachten, um an das Innenleben der Maschine zu gelangen. Auf eine genaue Beschreibung wird verzichtet, da diese im Handbuch ausführlich beschrieben ist. Die Decoder-Schnittstelle ist im Führerhaus untergebracht. Roco hat dabei eine PluX22-Schnittstelle berücksichtigt.

Fahrverhalten

Die Lok bewegt sich seidenweich und fast lautlos über die Anlage. Das Eigengewicht dieser Neukonstruktion beträgt 426 Gramm. Das Vorbild ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h beidseitig zugelassen. Das Modell erreicht bei 12 V Gleichstrom eine Modellgeschwindigkeit von umgerechnet ca. 133 km/h. Diese ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 66 % zu schnell, gegenüber dem NEM-Wert mit der Draufgabe von 30 % um 36 % zu schnell.

Optik

Die Baureihe 85 aus Salzburg ist unbestritten ein Großserienmodell mit den Fertigungs- und Qualitätsansprüchen an ein Kleinserienmodell, das durchaus seinen Preis hat, jedoch für das gebotene nicht sonderlich abhebt. Das Modell verfügt über viele freistehende Details wie freistehende Rohre bzw. Leitungen, Ventile, Handräder oder Pumpen. An der Außenhaut des Kastenaufbaues sind feinste Nietreihen zu erkennen. Zwischen dem Kessel und dem Laufwerk ist ein freier Durchblick möglich. Sowohl am vorderen Umlaufblech als auch auf der Tenderrückseite und am Führerhaus sind freistehende Leitern zu erkennen. Auf der vorderen Pufferbohle sind die Scheinwerfer sogar freistehend montiert.

Das Laufwerk besteht einerseits aus feinen Metallradsätzen der Lok. Die Gegengewichte weisen kleine Lochbohrungen auf. Das Gestänge ist filigran ausgeführt. Die erste Kuppelachse ist starr im Lokrahmen eingesetzt, alle weiteren weisen Seitenspiel im unterschiedlichen Ausmaß auf. Die Kuppelachsen 2, 3 und 5 sind zudem noch gefedert.

Farbgebung und Beschriftung

Wenig falsch machen konnte der Hersteller bei der Lackierung, die entweder in den Farben Schwarz bzw. Rot seidenmatt aufgebracht wurde. Die Beschriftung ist lupenrein aufgetragen und besteht neben den Anschriften am Führerhaus auch verschiedene Anschriften am Lokkessel, an der Rauchkammertüre sowie auf der Tenderrückwand. Roco hat seiner Novizin die Betriebsnummer 85 007 vergeben, sie war übrigens die einzige Lokomotive, die im Bw Vohwinkel zum Einsatz gelangte. Dies erklärt auch, warum der Hersteller nicht dem Bw Freiburg den Vorzug gab, zumal der Hersteller mit dem Themenspektrum Höllentalbahn warb. Wie schon geschrieben, ist das Epoche-III-Modell beim Bw Wuppertal Vohwinkel der BD Wuppertal stationiert. Das Revisionsdatum stammt vom 31.03.59. Die Anschriften sind sauber, trennscharf und mehrfarbig aufgetragen.

Beleuchtung

Die Beleuchtung der Neukonstruktion besteht aus wartungsarme, weißwarme LED, die richtungsabhängig leuchten. Die rote Schlußbeleuchtung ist aber nur im Digitalbetrieb schaltbar.


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