Fleischmann 722015: DB Autozug 345 124-2

Die Entwicklung und der Bau von Rangierlokomotiven in der Leistungsklasse von 600 PS begann interessanterweise zeitgleich bei der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Reichsbahn jeweils eigenständig. Während die DB eine dreifach-gekuppelte Stangenlok konzipierte, wurde bei der DR eine vierfach-gekuppelte entworfen und bei LKM in Babelsberg in Auftrag gegeben. Die ostdeutsche V 60 war Teil eines Neubautypenprogrammes für den mittelschweren Rangierdienst der Deutschen Reichsbahn. Das Pflichtenheft sah die Lieferung von Lokomotiven mit einer Leistung von 650 PS Antriebsleistung vor, wobei das Achsgewicht maximal 15 t betragen durfte. Für den Rangierdienst war ein hydraulisches Getriebe für Strecken- und Rangierbetrieb vorzusehen, ebenso sollten die Loks problemlos 80 m Radien, Ablaufberge mit 400 m Radius und maximalen Ablaufbogen von 300 m Radius befahren können. Zur Wahrnehmung der Rangiersignale wurde eine Ausführung mit geringer Lärmemission gefordert, gleichzeitig noch ein geräumiges Führerhaus für die Mitnahme von Rangierpersonal für die ansonsten im Einmannbetrieb ausgelegte Lokomotiven. Als Einsatzgebiet waren neben dem Bahnhofsverschub auch der Einsatz mit leichten Nahverkehrsgüterzügen vorgesehen. Eine Tandemtraktion war vorzusehen.

Geliefert wurden Diesellokomotiven mit einem Dienstgewicht zwischen 55,0 t (Baureihe V 60.10) und 60,0 t (V 60.12), der Achsfolge D dh, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h (Rangiergang 30 km/h) und mehreren Bremssystemen.

Die Deutsche Reichsbahn nahm mehrere Serien in Betrieb. In Dienst gestellt wurden die Lokomotiven V 60 1001 bis 1170 als Baureihe V 60.10 (= 106 001 bis 170), V 60 1201 bis 1610 als Baureihe V 60.12 (= 106 201 bis 999; ein Teil davon wurde nach 1970 mit der neuen Reihenbezeichnung ausgeliefert), die 106 181 bis 185 als Werklok-Maschinen, die 105 001 bis 165 sowie als Werkloks die 105 965 ./. 991. Darüberhinaus existierte noch die Baureihe 104 als Ausführung mit gedrosseltem und optimierten Motor sowie 14 für den Seehafen von Sassnitz/Mukran eingesetzte Breitspur-V 60.

Die Lokomotiven kamen noch zur DB AG und wurden im gemeinsam gültigen Nummernschema von 1992 in die Baureihen 344 (ex DR BR 104), 345 (ex BR 105), 346 (ex BR 106) und 347 (ex Breitspur-V 60) umgezeichnet. Die Lokomotiven verschlug es dann bei der DB AG in verschiedene Unternehmensbereiche, u. a. auch zur DB Auto Zug.


Modellvorstellung

Diese so wichtige ex-DR-Rangierlokomotive in der Spurweite N wird lediglich nur von Fleischmann in den Sortimenten geführt, die das Modell erstmals 2010 auflegte. Fleischmann hat seither eine Vielzahl unterschiedlicher Farb- und Beschriftungsvarianten produziert, sodaß als neueste Ausführung die BR 345 von DB AutoZug zu nennen ist. Die unter der Artikelnummer 722015 geführte Diesellok ist zum UVP € 99,– zu haben, wahrhaft ein günstiger Preis.

Verpackung

Die Rangierlok von DB AutoZug wird in der üblichen Verpackung ausgeliefert. Zum Lieferungumfang gehören noch eine Betriebsanleitung, abgedruckt am Kartoninlet, und das Ersatzteilblatt.

Technik

Der technische Teil befindet sich zwischen Lokrahmen und Gehäuse. Das Gehäuse ist mittels einer zentralen Schraube fixiert und kann unter Unterseite her gelöst werden, was die Zugänglichkeit für Wartungsarbeiten merklich verbessert. Der Hersteller setzt beim technischen Antriebskonzept auf seine bewährten Komponenten. Ein Präzisionmotor mit Schwungmasse treibt über das kombinierte Schnecken-Stirnrad-Getriebe die dritte Kuppelachse an, wobei die anderen Kuppelachsen über die Kuppelstangen mit angetrieben werden. Die angetriebene Achse ist auch mit Haftreifen versehen. Verschublokomotiven werden in der Regel auf Gleisanlagen mit engen Radien eingesetzt. Um den Betrieb auf diesen Radien sicher zu gewährleisten, weisen die erste und die letzte Achse ein beidseitiges Seitenspiel auf, währenddessen die beiden Innenachsen fest im Rahmen eingelagert sind. Federnd gelagert sind indessen die zweite und vierte Achse, die über ein leichtes Höhenspiel verfügen. Für die Abnahme des Fahrstromes dienen alle vier Achsen. Das Modell verfügt zwar über keine Kurzkupplungskulisse, jedoch entsprechen die Kupplungsschächte den NEM-Normen. Aus Platzgründen erfolgt die Modellumsetzung ohne digitale Schnittstelle.

Optik

Die Fahrzeugaufbauten sind aus Metall gefertigt, wobei das Führerhaus ein eigenes Teil ist und auf den Vorbauten angesetzt ist. Sämtliche Klappen, Lüftungsöffnungen und Scharniere sind tief genug graviert und wirken äußerst präzise. Einzige Einschränkungen in der Detailierung betreffen die Anbauteile der Lok, denn die Griffstangen sind an den Gehäuseteilen angespritzt. Die Haltegriffe der Trittstufen und auch die Frontgeländer sind aus Kunststoff gefertigt, sind elatisch und stabil, wirken mitunter etwas zu grob. Die Radsätze sind korrekt umgesetzt und werden durch Bremsklötze auf der Ebene der Radfläche ergänzt, wobei die Achslager der Antriebswelle detaillreich nachgebildet ist. Gut erkennbar sind auch die filigranen Leitungen am Rahmen.

Farbgebung und Bedruckung

Die Lok ist sowohl sauber lackiert als auch bedruckt. Es sind keine Farbverläufe unter der Lupe erkennbar. Die Anschriften sind gut deckend aufgetragen. Die Lok wurde zuletzt am 06.09.07 einer Revision unterzogen und ist in Berlin stationiert.

Beleuchtung

Die Rangierlok ist mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet. Die Dreilicht-Spitzenbeleuchtung brennt gleichzeitig beidseitig.


Bilder