Roco 72906 – ÖBB 2067 087-3

Mit der Beschaffung der Reihen 2060 und 2062 standen zahlreiche Neubau-Dieselverschublokomotiven im Einsatz. Doch für die entgültige Ablöse des Dampflokbetriebes im Verschubdienst erwiesen sich diese Loks mit einer Leistung von 200 bzw. 400 PS als zu schwach. Daher gaben die ÖBB gemäß dem Verdieselungsprogramm für den Verschubdienst auch eine 600 PS starke Ausführung in Auftrag. Die Vergabe erfolgte diesmal an die Simmering-Graz-Pauker AG (SGP), nachdem diese bereits baugleiche, dreiachsige Dieselloks mit Stangenantrieb an etliche Werksbahnen lieferte. Im Jahr 1959 lieferte SGP auf eigene Kosten eine Prototyplok mit 442 kW (600 PS)-Leistung, in der Folge entstand dann die Serienlieferung von 111 Loks bis zum Jahr 1977. Die lange Lieferzeit von 18 Jahre sorgte bei den insgesamt vier Lieferserien für zahlreiche Unterschiede in den technischen Details. Die letzte Bauserie 2067.102 – 111 erhielt bereits ab Werk eine Vielfachsteuerung. Als 112. Maschine beschafften die ÖBB mit der 2067.201 eine dieser Werksloks, die bereits als Vorausexemplar der Reihe 2067 für das Stahlwerk VOEST geliefert worden ist. Die 2067.093 wurde als einzige Lok 1997 zur 2167.093 umgebaut. Sie erhielt dabei eine Funkfernsteuerung und eine BSI-Rangierkupplung. Diese und weitere Lokomotiven wurden bereits ausgemustert. Die noch verbleibenden und im Stand befindlichen 2067 dürfen aufgrund der fehlenden PZB 90 nicht mehr auf die Strecke, sodass als Aufgabengebiet nur mehr ein Remisenverschub übrig blieb. Einzelne Maschinen sind an private Vereine und EVU verkauft.


Modellvorstellung

Roco hat die Modellumsetzung der ÖBB-Verschublokomotive der Reihe 2067 völlig überraschend im Jahr 2013/14 angekündigt. Nach ersten Modellausführungen in der Ursprungslackierung folgen weitere Varianten im aktuellen Valousek-Design. Als eine Vertreterin der „Lätzchen“-Fraktion ist das Modell der 2067 087-3 zu nennen. Das Gleichstrom-Modell wird unter der Artikelnummer 72906 ausgeliefert, die digitalisierte Ausführung als Zweileiter-Modell unter der Artikelnummer 72907 und als Dreileiter-Modell unter der Artikelnummer 78907. Roco gibt für die Modelle einen UVP von € 179,– bzw. € 249,– an.

Verpackung

Die Auslieferung erfolgt in der Kartonverpackung. Das Modell selbst befindet sich in einer zweiteiligen Plastikeinlage, der wiederum von Schaumstoff umgeben ist. Der obere Teil der Plastikeinlage läßt sich problemlos herausziehen. Die Verschublok ist noch zusätzlich mit einer Plastikfolie umwickelt. Dem Modell liegt eine Betriebsanleitung, ein Ersatzteilblatt, eine weitere Beschreibung sowie ein Zurüstbeutel und ein Schildersatz bei.

Technik

Die Unterbringung der Antriebskomponenten ist unter dem engen Chassis angeordnet. Das Abheben des Gehäuses gestaltet sich etwas schwieriger, wobei unbedingt die Betriebsanleitung heranzuziehen ist, um sich keine Beschädigungen am Modell einzuhandeln!

Das Modell ist mit einem Mittelmotor ausgestattet, der im Vorbau der Lok in einem Metallrahmen eingelagert ist. Der Mittelmotor ist mir einer Schwungmasse verstehen, am anderen Ende sitze eine Welle, über welche der Antrieb der Lokomotive über Zahnräder auf die Räder erfolgt. Alle Achsen sind angetrieben, die erste Achse ist beidseitig mit Haftreifen bestückt. Eine besondere Beachtung verdient das Fahrwerk. Interessanterweise sind die beiden Außenachsen fix im Rahmen gelagert, die Mittelachse ist mehrseitig gelagert und somit beweglich. Im Fahrzeugrahmen ist trotz der beengten Verhältnisse eine Kurzkupplungskulisse verbaut.

Die Fahrzeugplatine ist vor dem Motor verbaut und ist mit einer 22poligen Schnittstelle nach NEM 658 (PluX22) versehen. Für die Fahrt über Weichenstraßen erhielt das Modell zusätzliche Pufferkondensatoren.

Fahrverhalten

Das Fahrverhalten des gegenständlichen Modells schließt an den gewohnten Standard dieses Herstellers vergleichbarer Modelle nahtlos an. Das Modell ist 225 g schwer. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von ca. 71 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 7 % zu hoch, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit ca. 22 % zu niedrig.

Optik

Die Modellumsetzung der 2067 kann als gelungen bezeichnet werden. Optisch gesehen ist an der Neukonstruktion nichts auszusetzen, ist doch das Modell mit zahlreichen Gravuren versehen. Die vielen Anbauteile – allen voran die Griff- und Haltestangen an den Vorbauten oder zum Führerhaus -, aber auch die Details am Lokdach oder auch die aus Metall gefertigten Haltegriffe für die Verschieber stellen vielfach eine Augenweide für dieses Modell dar. Das Fahrwerk ist filigran ausgeführt, wobei die Stangen und die zarten Speichenräder sehr gut zur Geltung kommen. Die Fenster sind paßgenau eingesetzt. Die zierlichen Scheibenwischer sind aus Metall gefertigt.

Farbgebung und Beschriftung

Die Vorbildmaschine gilt neben der 2067.008 lackierungsmäßig als Sonderling. Die 2067.008 und 087 erhielten eine blutorange Lackierung und ein elfenbeinfarbenes Lätzchen. Roco hat das Modell in den Farben verkehrsrot, achatgrau und umbragrau angekündigt und ausgeliefert. Warum des zu diesem Lapsus kam, kann nur der Hersteller für sich selbst beantworten. Es zeigt sich aber, daß bei der Produktvorbereitung wohl organisatorische Schwächen existieren, die bei der Befragung der richtigen Personen wohl vermeidbar gewesen wären. Roco hat nach Kundenanfragen bekanntgegeben, ein richtig lackiertes Gehäuse nachzuliefern und gegen die falsche Version auszutauschen.

Ungeachtet dieser Fehllackierung ist das Modell sauber lackiert und fällt nicht durch irgendwelche unsauberen Farbtrennkanten auf. Die Beschriften sind sauber, korrekt und vor allem gut lesbar aufgetragen. Die Lok mit der Betriebsnummer 2067 087-3 hat das Revisionsdatum 12.06.91 und gehört zur Zfl. Wien-Ost. (Textteil nachträglich am 19. April 2016 korrigiert)

Beleuchtung

Die Beleuchtung wurde zeitgemäß mit LEDs (warmweiß/rot) ausgeführt, die fahrtrichtungsabhängig leuchten.


Bilder