Trix 22876: DB 78 516

Die Preußisch-hessischen Staatsbahnen hatten für eine Schnellzug-Tenderlokomotive durchaus Bedarf. Dieser war auf den Strecken Frankfurt am Main – Mainz, Frankfurt am Main – Wiesbaden und Altefähr – Saßnitz auf der Insel Rügen vorhanden, wo man das zeitaufwendige Wenden von Schlepptenderlokomotiven vermeiden wollte oder wo keine Wendemöglichkeit – u. a. eine geeignet lange Drehscheibe – vorhanden war. Die von Robert Garbe entwickelte T 10 war als 2′ C-Konstruktion mit 1.750 mm Kuppelraddurchmesser unbrauchbar für Rückwärtsfahrten. Die KED Stettin, der die Strecke Altefähr – Saßnitz unterstand, hatte den Einsatz der Lokomotive dankend abgelehnt. Weil von einer Tenderlok gleich gute Laufeigenschaften in beiden Fahrtrichtungen gefordert werden, ist ein symmetrischer Achsstand nicht Bedingung, aber sehr empfehlenswert. Aus diesem Grunde entstanden in der Stettiner Vulcan-Werft 1912 die ersten Lokomotiven der preuß. Bauart T 18. Insgesamt wurden 462 Maschinen bis 1923 beschafft, weitere 74 Lokomotiven wurden von anderen Bahnverwaltungen erworben. Darüber hinaus konnten die heimischen Lieferfirmen noch weitere baugleiche Fahrzeuge ins Ausland absetzen. Die Deutsche Reichsbahn Gesellschaft über 460 preußische Maschinen sowie 20 Lokomotiven aus Baden-Württemberg, die die Nummern 74 146 – 165. Zur Reichsbahnzeit gesellten sich noch die eigens beschafften Bestände der ELE und der Saarbahnen hinzu. Der Großteil der Loks wurde von der DB und der DR nach dem Zweiten Weltkrieg übernommen, 424 Lokomotiven bei der DB und 53 bei der DR. Die DR-Loks wurden nachträglich mit Witte-Windleitblechen und Giesl-Ejektoren ausgestattet und bekamen 1970 auch nocht die Computernummer. Die DB-Maschinen schafften es ebenfalls ins neue Nummernschema, welche dann in den 1970er Jahren aus den Beständen schieden. Weitere 29 Maschinen verblieben nach 1945 in Polen und waren dort bis 1975 als OKo1 im Einsatz.


Modellvorstellung

Märklin/Trix hat seine bisher verfügbare T 18 gänzlich überarbeitet und als Neukonstruktion ins Neuheitenprogramm von 2020 eingestellt. Das neue Modelle sollte dabei an die aktuellen, technischen Gegebenheiten gehoben werden und somit für die Zukunft als zeitgemäßes Modell in Metallkonstruktion dienen. Die neue T 18 aus Göppingen ist bei Märklin unter der Artikelnummer 39786 und bei Trix unter der Artikelnummer 22876 erhältlich. Die Neukonstruktion ist zum UVP von € 390,– in Fachhandel zu bekommen.

Verpackung

Die Auslieferung erfolgt in der bekannten Kartonverpackung des Herstellers. Nach dem Abzug des Kartonschubers wird die stabile Plastikverpackung zugänglich, in welchem das Modell mit nochmaligen Plastikschuber sicher für den Transport eingestellt ist. Am Modell selbst sind auf der Oberseite der Lokomotive mehrere Filzstücke dazwischen gelegt. Sie dienen als Scheuerschutz. Dem Modell liegt ein Zurüstbeutel bei. Es befinden sich darin die Bremsschläuche und die Kolbenschutzrohre. Das Einstecken ist aber erst ab einem Mindestradius von 500 mm ratsam. Die mehrsprachige Betriebsanleitung und die sonstigen Dokumente sind in einer Kartonhülle eingeschoben und im vorgesehen, seitlichen Schlitz in der Kartonverpackung eingeschoben.

Technik

Sämtliche Antriebskomponenten der Tenderlokomotive sind im Langkessel untergebracht. Der Langkessel, der Führerhausaufbau und die Wasserkästen mit dem unteren Führerhausaufbau bilden jeweils eigene Fahrzeugteile und sind als Lokgehäuse zusammengesetzt. Das Lokgehäuse ist über vier Schrauben mit dem Fahrwerk verbunden. Die vier Kreuzschrauben befinden sich beim Vorlaufdrehgestell beidseits des Drehpunktes und hinten zwischen letzter Kuppelachse und Nachlaufdrehgestell. Das Gehäuse läßt sich nach oben abziehen, womit das Innenleben der Neukonstruktion offengelegt wird. Ein Mittelmotor mit großer Schwungmasse dient als Antriebsquelle und treibt via dem direkt angesetzten Stirnrad-/Schneckengetriebe die letzte Kuppelachse der Dampflok an. Die vorderen Kuppelachsen werden über das Lokgestänge mitgenommen. Die Antriebsachse ist als einzige mit nur einem Haftreifen bestückt (Heizerseite). Die erste und die dritte Kuppelachse weisen ein geringes Seitenspiel auf. Die mittlere Achse ist mit einem größeren Seitenspiel versehen und ist zudem noch vertikal gefedert. Das Vorlauf- und das Nachlaufdrehgestell ist jeweils kulissengeführt und wird teilweise auch über die integrierte NEM-Kurzkupplungskulisse geführt.

Die Zentralplatine ist hinter dem Antriebsbereich auf dem Fußboden des Führerhauses situiert. Die Digitalschnittstelle ist in diesem Bereich angeordnet. Im Modell ist eine MTC21-Digitalschnittstelle verbaut. Der eingebaute Digitaldecoder ist sowohl unter analogen wie digitalen Bedingungen verwendbar und arbeitet mit DCC- und mfx-Protokollen. Damit lassen sich gerade im Digitalbetrieb verschiebene Betriebsgeräusche nachstellen und verschiedene Betriebszustände abbilden, aber auch Licht- und Signalfunktionen verwenden. Außerdem ist das Modell bereits serienmäßig für die Nachrüstung eines firmeneigenen Raucheinsatzes serienmäßig vorbereitet.

Fahrverhalten

Das Vorbild ist auf dem Schienennetz für eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h beidseitig zugelassen. Das Modell erreicht bei 12 V Gleichstrom eine Modellgeschwindigkeit von umgerechnet ca. 80 km/h. Diese ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 19 % zu langsam, gegenüber dem NEM-Wert mit der Draufgabe von 30 % um 49 % zu niedrig. Das Eigengewicht dieser Neukonstruktion beträgt 319 Gramm.

Optik

Märklin/Trix hat die Zeichen detaillierter Modellumsetzung längst erkannt und mit der bad. VIc ein schönes Lokmodell im Maßstab 1:87 geschaffen. Der erste Blick fällt natürlich auf das Lokgehäuse, das der Hersteller aus Metall formte. Die Proportionen des Modells sind gut getroffen, vor allem das markante Aussehen der badischen Konstruktion ist an dem Modell erkennbar. Das Lokgehäuse weist nicht nur feine und zahlreiche Gravuren auf, vor allem finden sich dort freistehende Handläufe sowie Leitungen. Darüber hinaus sind verschiedene Pumpen, Ventile und die Glocke extra angesetzt. Die Metallkonstruktion der 78 516 punktet vor allem in der feinen Fertigungsumsetzung hinsichtlich der äußerst filigranen Nachbildung der Nietreihen am Wasserkasten, am Führerhaus(dach) und am vorderen Kesselschuß. Der Fahrzeugrahmen wirkt bei genauerer Ansicht etwas leicht nach unten durchgebogen, dafür ist die Oberfläche der Umläufe leicht aufgerauht. Gut sichtbar ist auch der durchbrochene Fahrzeugteil zwischen dem vorderen Bereich des Lokkessels und dem Wasserkasten. Frei stehende Rohre reichen vom Sandbehälter zum Laufwerk hinab. Gerade die vielseitige Verrohrung am Langkessel werten die aktuelle Konstruktion ungemein auf.

Das Fahrwerk besteht aus feinen Speichenrädern mit schwarzvernickelter Oberfläche. Das Gestänge ist fein ausgeführten Metallteilen gefertigt. Die Sandfallrohre reichen bis zu den Radlaufflächen der Achsen. Sehr schön nachgebildet sind auch die rückwärtigen Rahmenteile, indem auch die Werkzeugkästen unter dem Kohlekasten schön angraviert wurden.

Farbgebung und Beschriftung

Die Farbgebung ist bei einer Dampflok bereits konstruktiv vorgegeben. Sämtliche Anschriften des Modells sind gut deckend aufgetragen und lupenrein lesbar. Das vorliegende Modell ist mit der DB-Betriebsnummer 78 516 beschriftet. Das Bw Essen Hbf wird als Heimatdienststelle ausgewiesen, die Heimat-BD ist Essen. Das Modell trägt die Untersuchungsanschriften Letzte BR2 Tr. 13.01.64. Das Modell gehört somit der der Epoche III an.

Beleuchtung

Das überarbeitete Dampflokmodell ist mit wartungsarmen, weißwarme LED bestückt, wobei fahrrichtungsabhängig nur die jeweils in Fahrrichtung befindlichen Lampen leuchten. Im Digitalmodus sind keine weiteren Beleuchtungsmöglichkeiten vorgesehen, allerdings sind dafür verschiedene Betriebsgeräusche abspielbar.


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