Roco 74455 / 74450 – 74452 / 74456 – DR-Rekowagen

Die Deutsche Reichsbahn war in den 1950er Jahren damit konfrontiert, einen Ersatz für die mehr als 30 Jahre alten Reisezugwagen zu beschaffen. Eine Revision aller im Bestand befindlichen Wagen wurde aus Kostengrünen damals nicht in Betracht gezogen. Der vorhandene Bestand wurde aber notdürftig einer Revision unterzogen, um zumindest den Planbedarf abdecken zu können. Ein gleiches Problem zeichnete sich bei der Deutschen Bundesbahn ab, die aber, um das Problem zu lösen, aus alten Beständen neue 3achsige Umbauwagen in Dienst stellte.
Die Hauptverwaltung der Reichsbahn-Ausbesserung legte auf Basis dieses Konzepts einen Entwurf zum kompletten Umbau stehender Wagen vor. Die ersten Musterwagen der Nullserie entstanden 1958, welche aus einem Dutzend Fahrzeuge bestand. Diese Nullserie wurde ausgiebig getestet und dann mit einigen Änderungen zur Serienreife geführt. Als Basis für diese Umbauten dienten die dreiachsigen Personenwagen aus preußischer Herkunft. Die Rahmen wurden dabei auf eine einheitliche Länge gebracht und neue Puffer angesetzt. Weitere Bestandteile wurden in den Werkstätten selbst neu produziert.

Die Herstellung der DR-Rekowagen beduetete für die DDR erstmals eine Art Fließbandarbeit beim Bau von Schienenfahrzeugen. Die Wagen wurden dafür in Baugruppen aufgeteilt, pro Arbeitswoche wurden Bauteile für rund zwölf Wagen gefertigt. Die Arbeiten fanden in den RAW Halberstadt (Seitenwände), Wittenberge (Aufarbeitung der Untergestelle) sowie Leipzig und Gotha (Fertigung der Türen, Sitze und weiterer Teile) statt.

1959 begann die Auslieferung der Serienwagen, die bei den Fahrgästen gegenüber der Nullserie auch beliebter wagen. Der Reisekomfort dieser Wagen ist zwar nicht wirklich besser georden, aber die Rekowagen zählten zum fixen Bestandteil des DR-Fuhrparks. Die Fahrwerke wurden, je nach Spenderwagen zwei- oder dreiachsig ausgeführt. Um Platz für mehr Gepäck zu schaffen, wurden sog. Traglastenwagen entwickelt. Hier entfielen einige Doppelsitzbänke, wodurch zusätzliche Abstellmöglichkeiten entstanden sind. Außerdem wurden eigene Gepäck- sowie Postwagen für den Transport allfälliger Güter in Dienst gestellt.


Modellvorstellung

Mitte November ist die Auslieferung der neukonstruierten Rekowagen der DR gestartet. Als erstes Modell gelangte der Gepäckwagen mit der Gattungsbezeichnung Dage in den Fachhandel. Roco führt das Modell unter der Artikelnummer 74455, es kostet UVP € 44,90.

Roco liefert das Modell in der Blisterbox mit Plastikeinsatz aus. Zum Lieferumfang gehört eine Betriebsanleitung und ein im Plastikeinsatz eingeschobener Zurüstbeutel. Der Zurüstbeutel beinhaltet Teile wie Zughaken oder Kupplungen, Bremsschläuche, Heizkabel und die Kupplung für die Dampfheizung.
Das Modell ist komplett aus Kunststoff gefertigt. Der Wagenkasten ist auf dem Chassis aufgesteckt. Zahlreiche saubere Gravuren bereichern die Neukonstruktion. Alle Türen sind nach innen versetzt graviert, dafür sind die verschiedenen Türschnallen und -griffe erhaben dargestellt und teilweise auch farblich behandelt. Erhaben dargestellt sind auch die Befestigungspunkte für das Zuglaufschild. Die Seitenfenster sind paßgenau in die Öffnungen eingelassen, bei den Überklappfenstern sind hellgrau oder silberne Rahmenteile zu erkennen. Am Dach sind fein dargestellte Schweißnähte zu erkennen.
Beim Betrachten des Wagenbodens fällt sofort auf, daß die Bremsleitungen bei der Mittelachse zwischen Achsführung mit Achse geführt werden. Die Mittelachse weist ein beidseitigen Seitenspiel von ca. drei bis vier Millimeter auf, die beiden Außenachsen sind starr gelagert, denen ebenfalls beidseitig die Kurzkupplungskulisse folgt. Die Achshalter sind dreidimensional durchgebildet, wobei Roco die Ausführung mit Rollenlager gewählt hat.

Die Farbgebung des Modells ist aufgrund der einheitlichen Farbgebung des Wagenkastens schon vorgegeben und einheitlich in grüner Farbe umgesetzt. Die Bedruckung des Modells ist lupenrein aufgetragen, alle Anschriften sind unter der Lupe trennscharf lesbar. Der Gepäckwagen erhielt die Betriebsnummer 50 50 93-15 068-6 und die Gattungsbezeichnung Dage angeschrieben. Der 90 km/h schnelle Rekowagen ist in Leipzig Hbf beheimatet und weist die Revisionsanschriften REV Pts 21. 8. 73 auf.


Bilder 74455 – DR Dage


Bilder 74450 – DR Bage

Gute zwei Wochen später sind weitere Modelle aus der Serie der Reko-Wagen ausgeliefert worden. Die Modellausführung entspricht dem Gepäckwagen. Der Personenwagen 2. Klasse weist ebenso zierliche Gravuren auf. Die Fensterbänder sitzen paßgenau in den Öffnungen, die Fensterstege sind unterschiedlich stark ausgeführt. Dem Wagen liegt zur Selbstmontage ein Zurüstbeutel bei, der die Griffstangen für die Türen beinhaltet und auch das Heizkabel neben der Plattform. Am Fahrzeugboden sind verschiedene Apparatkästen im Wagenboden eingesteckt.

Der Personenwagen weist die Betriebsnummer 50 50 23-11 010-7 auf. Als Heimatdienststelle ist Leipzig Hbf ausgewiesen. Im Revisionsraster stehen die Daten REV Pts 17.04.70.


Bilder 74451 – DR Bage

Dieses Modell erschien als Ausführung mit geänderter Betriebsnummer. Der dreiachsige Wagen mit der Wagengattung Bage trägt die Betriebsnummer 50 50 23-11 072-7 und die Revisionsdaten REV Pts 02.04.70.


Bilder 74452 – DR Baage

Roco fertigt natürlich auch die zweiachsige Ausführung der DR-Rekowagen. Das Modell weist im Unterschied zu den dreiachsigen Wagen Änderungen am Wagenboden auf. Das Modell ist mit der Wagengattung Baage angeschrieben und hat die Wagennummer 50 50 24-15 122-5. Die Revisionsanschriften enthalten die Daten REV Pts 20.06.73.


Bilder 74456 – DR Posta

Natürlich darf im Zugverband der Postwagen nicht fehlen. Postwagen wurden in früheren Jahren nur höchst selten konstruiert, umso löblicher ist die Vervollständigung der Wagenserie. Der Postwagen weist geänderte Seitenwände auf, indem neben den Seitenwänden auch eine Schiebetür Berücksichtigung fand. Die Wagennummer lautet auf 50 50 90-15 905-2, die Wagengattung auf Post a. Das Revisionsdatum weist die Daten REV Pts 22.09.73 aus.