Piko 51860 / 51862: DB 118 020-7 / DR 218 019-8

Die Deutsche Reichsbahn beschaffte für den Personenfernverkehrs auf den elektrifizierten Streckenabschnitte neue Schnellzuglokomotiven. Die neue Baureihe E 18 fiel optisch durch ihren stromlinienförmigen Charakter der Stirnfront auf und erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h. Die DRG beschaffte zwischen 1935 und 1939 zunächst 44 Lokomotiven, die bei AEG und Krupp gefertigt wurden. Eine zweite Serie über weitere 48 Lokomotiven wurden noch vor Kriegsausbruch im Jahre 1939 geordert, zur Auslieferung gelangten jedoch bis zum Kriegsausbruch nur mehr die Lokomotiven E 18 045 bis 053. Die Lokomotiven mit der Achsfolge 1′ Do 1′ erreichten eine Dauerleistung von 2.840 kW sowie eine Stundenleistung von 3.040 kW. Die 16,920 mm langen Schnellzugloks brachten rund 108,5 t auf die Waage.

Neben den 53 Lokomotiven der DRG/DRB beschaffte die bis dahin noch eigenständige BBÖ für österreichische Verhältnisse angepaßte acht Triebfahrzeuge, die bei der DRB als E 18.2 eingereiht wurden. Die Kriegsfolgen führten zur Verteilung der Bestände. Die E 18.0 kamen zur Deutschen Reichsbahn (Ost), zur Deutschen Bundesbahn und zur ÖBB. Die Deutsche Bundesbahn ließ in den Jahren 1954/55 noch zwei weitere Maschinen bauen und reihte diese als E 18 054 und 055 in den Bestand ein. Die Fahrzeuge kamen überwiegend im süddeutschen Raum zum Einsatz und waren bei den Bw München, Nürnberg, Regensburg, Augsburg und Freilassing stationiert. 1984 endete der Planverkehr dieser formschönen Loks.

Die Lokomotiven waren nach Kriegsende grün lackiert und erhielten danach eine blaue Lackierung. Mit der Einführung des neuen Farbschemas im Jahre 1974 wurden drei Lokomotiven (118 013, 118 028 und 118 049) ozeanblau/beige lackiert.


Modellvorstellung

Es war die Überraschung schlechthin, als aus Sonneberg die Schnellzuglok der Baureihe E 18 samt Nachfolgemodelle als Neukonstruktion angekündigt wurde, womit dieses Modell erneut in direkte Konkurrenz zu bisher existierenden Mitbewerbermodellen tritt. Ausführungen der DB und der DR mit Computernummer werden die ersten Modellausführungen sein, Sound-Loks wurden dabei noch keine angekündigt. Ausgeliefert wurde als Novizin die DB-Variante in blauer Farbgebung in der Ausführung der Epoche IV, verfügbar als Gleichstrommodell mit der Artikelnummer 51860 zum UVP von € 169,99 bzw. als Wechselstrommodell mit der Artikelnummer 51861 zum UVP von €209,99, wobei Piko betont, daß dieser Digitaldecoder auch mfx-fähig ist.

Verpackung

Piko liefert alle seine Expert-Modelle nur mehr mit der neuen Verpackung aus, wie diese erstmals beim Heuwender angewandt wurde. In die Kartonverpackung mit Kartonschuber ist das Modell in der rutschsicheren Blisterummantelung eingelegt. Sämtliche Papiere zum Modell sind an der Unterseite in einem eigenen Schuber in die Kartonverpackung eingeschoben. Das Modell steht dabei erstmals auf einem eigens gefertigen Plastikgleis. Der Zurüstbeutel ist am Scharnier der Blisterbox eingeklebt.

An dieser Stelle sei einmal ein kritisches Wort hinsichtlich der Lesbarkeit der Betriebsanleitung erwähnt. Die Explorationszeichnen sind für den Modellbahner sehr nützlich. Ergänzende Hinweise werden noch in Schriftform niedergelegt. Allerdings wäre es sehr sinnvoll, die bisher gewählte Schriftgröße zu überdenken. Der Hersteller möge bedenken, daß die Sehkraft gerade älterer Personen schwächer wird und die Angaben nur mehr unter der Zuhilfenahme einer Lupe erkennbar sind.

Technik

An Antriebskonzept ist wie bei jeder Lokomotive unterhalb des Lokgehäuse untergebracht. Das Öffnen der Lok gestaltet sich diesmal etwas komplizierter, indem dazu die bei mitgelieferten „Schlüssel“ zu verwenden sind. Die Schlüssel werden in Fahrzeugmitte von der Unterseite des Gehäuses eingeschoben – siehe Ausnehmungen – und dann auseinandergezogen. Damit läßt sich dann das Gehäuse nach oben abnehmen. Da Bilder oft mehr sagen, als 1.000 Worte, ist bei Piko eine bebilderte Anleitung downloadbar:
https://www.piko-shop.de/is.php?id=20173

Im Chassis der Lok ist ein fünfpoliger Mittelmotor mit zwei Schwungmassen verbaut. Der Antrieb erfolgt via Kardanwellen und dem Zahnradgetriebe auf alle vier Treibräder. Je ein Haftreifen ist einseitig an den äußersten Treibachsen aufgezogen. Die Treibachsen sind innerhalb der Fahrwerksverkleidung als zwei Drehgestelle ausgeführt. Die Achsen sind starr eingelagert. An deren Enden sind die Vorlaufdrehgestelle über einen zentralen Drehpunkt befestigt. An den Stirnenden befindet sich eine Kurzkupplungskulisse. Die Stromabnahme erfolgt über alle Achsen, sogar von den Vorlaufachsen.

Die Zentralplatine ist über den Antriebskomponenten mit Schrauben befestigt. Auf der Platine befinden sich einerseits die Digital-Schnittstelle sowie ein Jumper, mit dem Beleuchtungsvarianten eingestellt werden können. Bei der Digital-Schnittstelle wurde eine PluX22 berücksichtigt. Das Modell ist natürlich für einen späteren Einbau der Sound-Ausrüstung vorbereitet.

Fahrverhalten

Das Modell bringt ein Gewicht von 544 Gramm auf die Waage und fühlt sich interessanterweise leichter als die E 52 von Piko an, obwohl diese noch schwerer ist. Das Modell fällt durch ein solides Fahrverhalten und durch die geringe Geräuschentwicklung auf. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte von ca. 153 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. zwei % zu hoch, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit um ca. 28 % zu niedrig. Entgegen anderslautenden Aussagen rollte mein Modell nach dem Wegschalten des Fahrstromes mind. eine Loklänge aus.

Optik

Man kann vorab ruhig behaupten, die 118 ist eine Augenweide geworden. Piko legt mit seiner Neukonstruktion ein wunderschön umgesetztes Modell vor, das nur vor Detailreichtum übersät ist. Die extrem dunkle Farbgebung läßt die feinen Nietreihen farblich absorbieren. Je nach unterschiedlichen Lichteinwürfen werden diese sichtbar. Die Lüftergitter weisen tiefe Gravuren auf. Die länglichen Verkleidungsstreifen sind dezent angedeutet. Die Türrillen und Fensterübergänge sind ebenfalls mit feinen Gravuren ausgestattet. Die Haltegriffstangen der Türen, der Frontumlauf, die frontseitige Signalhalterung und die Scheibenwischer sind als eigene Ansetzteile ausgeführt. Gleiches trifft auch auf die weißen UIC-Dosen zu. Die Fensterscheiben sind paßgenau eingesetzt und weisen dezente Alufensterrahmen auf. Die Stirnlampen sind als Stilaugen ausgeführt und weisen graue Lampenumfassungen auf.

Am Dach sind die Nietreihen wesentlich besser zu erkennen als auf den Seitenwänden. Die rot lackierte Dachleitung wird von zierlichen, braun lackierten Isolatoren getragen. Große Beachtung finden jedoch die eigens für die E 18/118 produzierten Stromabnehmer, deren Oberscheren aus feinem Metalldraht bestehen. Die feinen Schleifstücke wirken dagegen etwas schmal. Der Abstand der beiden Schleifstücke beträgt 3 mm oder umgerechnet ca. 40 cm in Natura.

Der letzte Blick fällt auf das Fahrwerk selbst, daß durch die Rahmenkonstruktion und die Achsantriebe gekennzeichnet ist. Auch hier ist die saubere Arbeit des Konstrukteurs erkennbar, indem etliche Gravuren und auch Nietreihen sowie weitere Ausnahmen zu erblicken sind. Sämtliche Ausgleichshebel und Überwurfbügel sind gleichermaßen ausgeführt wie die Sandfallrohre. Nachgebildet sind auch die Antriebselemente auf den Treibrädern.

Bedruckung und Beschriftung

Das Modell ist die monotone Farbgebung beim Vorbild leicht zu lackieren. Die wenigen Farbtrennkanten sind sauber ausgeführt. Die Bedruckung ist tadello. Sämtliche Anschriften sind gut lesbar und voll deckend aufgetragen. Piko vergab seinem Erstmodell die Betriebsnummer 118 020-7. Die Lok ist beim Bw Würzburg der BD Nürnberg stationiert. Das letzte Untersuchungsdatum weist die Daten Unt MF 25.10.76 auf.

Beleuchtung

Das Beleuchtungskonzept erfolgt über warmweise LED. Diese leuchten fahrrichtungsabhängig dreimal weiß als Spitzenlicht und zweimal rot als Schlußlich.


Bilder


Bilder – aufgehellte Version


Modellvorstellung 51862 – DR 218

Zeitgleich zur DB 118 wurde die Reichsbahn-Ausführung mit Computernummer angekündigt. Die Modelle der DR-Baureihe 218 sind unter den Artikelnummern 51862 (Gleichstrom-Fahrzeug, UVP € 169,99) und 51863 (Wechselstrom-Fahrzeug, UVP € 209,99) erhältlich. Ausgeliefert wurde das Modell Ende August 2018. Piko hat seinem Modell die Betriebsnummer 218 019-8 verpaßt, das im klassischen Farbschema für DR-Loks mit dem hellgrauen Dach, dunkelgrüner Lokkasten und rotem Fahrwerk lackiert ist. Die als Epoche-IV beschriftete Modell ist in der Rbd Halle beheimatet, als Heimat-Bw ist Halle P angeschrieben. Die Lok weist zwei Untersuchungsdaten auf, und zwar als letzte Bremsuntersuchung den 17. 3. 75 bzw. das Austrittsdatum der E6-Untersuchung des RAW Dessau am 3.5.74.


Bilder