Baureihe 210 DB – Roco 73730 / 73731 / 73736

Die acht Lokomotiven der DB-Baureihe 210 entstanden während des Baus der Serienlokomotiven der Baureihe 215 und der Vorserie zur Baureihe 218. Sie stellten eines der letzten Glieder einer Kette von Varianten zur Ursprungsbauart der V 160-Familie dar. Anstelle der in der Baureihe 216 verwendeteten Dieselmotoren mit einer Nennleistung von 1.900 PS wurden in der Baureihe 210 neue MTU-Motoren mit einer Leistung von 2.500 PS eingebaut, wobei von der Gesamtleistung – je nach Anhängelast – bis zu 550 PS für die elektrische Zugheizung abgezweigt wurden. Neben dem Dieselmotor-Hauptantrieb, der über ein hydraulisches Getriebe und über Gelenkwellen alle vier Radsätze angetrieben hat, erhielt die Baureihe 210 eine zusätzliche Gasturbine, die bei höherem Leistungsbedarf zugeschaltet wurde. Es handelt sich hierbei um eine Zweiwellen-Gasturbine der Bauart AVCO LYCOMING T53-L-13 mit einer Nennleistung von 1.150 PS, die bei KHD in Lizenz gefertigt wurde. Die Fahrzeugteile der acht Lokomotiven entstanden bei Krupp, die neuen gleitstücklosen Drehgestelle mit Gummischichtfedern stammen von der MaK. Die Gasturbinen wurden bis zum Jahresende 1981 ausgebaut, zugleich erfolgte die Umzeichnung in 218 901 bis 908. Die 160 km/h schnellen Lokomotiven waren noch bis 2004 in Planeinsatz.


Modellvorstellung

Die Hersteller haben die Baureihe 210 als Neuheit 2016 wohl ganz bewußt auf das Titelblatt des Neuheitenprospektes 2016 gesetzt, stellt doch die Modellumsetzung dieser Gasturbinenlok wohl eine der Topneuheiten für das laufende Modellbahnjahr dar. Da derselbe Hersteller sich bereits in den letzten Jahren um die Baureihe 218 bemühte, lag es also nahe, sich diesem Vorbild anzunehmen. Roco kündigte daher als erstes eine Ausführung in Gleichstrom unter der Artikelnummer 73730 zum UVP von erschwinglichen € 159,– sowie als Gleichstrom-Soundmodell 73731 bzw. Wechselstrom-Soundmodell zum UVP von je  € 229,– an.

Verpackung

Roco liefert seine Diesellokneuheit in der üblichen, bestens bekannten Verpackung aus. Das Modell selbst liegt gut gesichert im Schaumstoffloch. Das Modell ist unten durch eine Achsarretierung und oben durch eine Plastikhaube zusätzlich geschützt. Beim Abnehmen der Plastikhaube ist jedoch Vorsicht angesagt, wenn es darum geht, die Schaumstoffstreifen von den Frontfenstern bzw. Scheibenwischern zu entfernen. Dies sollte sehr vorsichtig erfolgen, um die filigranen Ätzteile nicht zu verbiegen. Diese stehen allerdings bis zu zwei Millimeter in der Luft und liegen nicht auf den Glasscheiben auf. Das Bewegen der Scheibenwischer (Metall) an den durchsichtigen Plastikfenstern sollte vermieden werden, weil dadurch die Fensterscheiben blinde Flecken hinterlassen. Roco legte der Verpackung eine Betriebsanleitung, ein Ersatzteilblatt sowie zwei Zurüstbeutel bei. Ein Zurüstbeutel enthält den eigens verpackten Abgashutzen der 210, welcher sich ganz einfach in die vorgesehenen Löcher am Dach stecken läßt. Der zweite Zurüstbeutel beinhaltet die Kurzkupplungen, Kupplungsschläuche und Zughaken udgl.

Technik

Das Kunststoffgehäuse sitzt paßgenau auf dem Lokrahmen auf. Die Abnahme von diesem ist durch beidseitiges Spreitzen der Seitenwände und gleichzeitigem hochziehen möglich. Beim Ablegen des Gehäuses sollte man Behutsam vorgehen, weil die Aufstiegsleitern, Verschiebertritte und Heizkabel angespritzt bzw. extra angesetzt sind, die leicht abbrechen können. Der erste Anblick des Innenlebens offenbart uns eine fast über den gesamten Lokrahmen überspannte Lokplatine, die einerseits eine PluX22-Schnittstelle verfügt und andererseits Kippschalter zur Darstellung der analogen Lichtfunktionen aufnimmt. Darunter ist ein Mittelmotor mit großen Schwungmassen untergebracht. Die Kraftübertragung erfolgt mittels Kardanwellen und Schnecken-/Stirnradgetriebe auf alle vier Achsen. An der dritten Achse sind zwei Haftreifen aufgezogen. Bei der Neukonstruktion ist eine Kurzkupplungskulisse integriert.

Fahrverhalten

Die Lok hat im Analogbetrieb ein lineares Anfahrverhalten, bei konstanter Spannung dreht die Lok leise ihre Runden ohne zu Ruckeln und zu Taumeln. Der Bremsabschnitt nimmt ungefähr die vierfache Länge der Maschine ein. Das Vorbild (210 005 bis 008) hat eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Die 210 001 bis 004 sind nur für eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h zugelassen. Messungen bei 12 V Gleichstrom lassen das Modell umgerechnet mit ca. 140 km/h dahinrollen. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist in beiden Fällen zu niedrig, und zwar bei der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 20 % und nach dem dem NEM-Wert um ca. 68 %.

Optik

Roco ist mit der Neukonstruktion der Baureihe 210 ein weiterer Glücksgriff gelungen. Die Fahrzeugproportionen sind korrekt getroffen. Die am Modell grob wirkenden Gravuren der Lüftergitter sind auch beim Vorbild ebenso wahrnehmbar. Das aus Kunststoff gefertigte Gehäuse ist soweit sauber graviert und offenbart neben tiefen Gravuren auch zart angedeutete Schraubenverbindungen. Die Fenstereinsätze sitzen allesamt paßgenau in den Öffnungen. Gegenüber dem Vorbild wurden die Handgriffe bei den Seitenfenstern am Führerstand sowie auf die Scharniere vergessen. Die Handgriffe der Führerstandstüren sind aus Draht gefertigt und in das Gehäuse eingesetzt. Die UIC-Dosen sowie die übrigen Haltegriffe sind ebenfalls extra angesetzt und somit erhaben dargestellt. Das Dach weist ebenso saubere Gravuren auf. Die Dachöffnungen hinter dem Führerstand 1 sind erst auf den zweiten Blick erkennbar und dienen als Ausgangsöffnungen für den Loksound.

Farbgebung und Beschriftung

Das Erstmodell ist als 210 008-9 beschriftet und somit sauber in weinroter Farbe lackiert. Der hellgraue oder silberne Absetzstreifen zum Rahmen weist keinerlei Verfransungen auf. Die Anschriften am Längsträger sind ebenfalls sauber und trennscharf aufgetragen. Die Lok gehört zur BD Augsburg und ist beim Bw Allgäu stationiert, wo die Baureihe 210 jahrelang vor Schnellzügen im Allgäu zwischen Lindau und München zu sehen war. Die Revisionsanschriften dokumentieren eine Lokomotive, die kurz nach der Abnahme am 26.01.71 im AW Nürnberg in Betrieb ging. Selbst kleinste Anschriften sind unter der Lupe gut lesbar dargestellt, auffallend ist das blaue Fabriksschild von Krupp.

Ein Fehler ist Roco bei der 210 008-9 passiert, indem eine falsche Bremsanschrift für die Serie 210 004 bis 008 angeschrieben wurde. Für die Bremsart R + H gilt für diese Serie ein Bremsgewicht von 165 Tonnen, was aufgrund der Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h zurückzuführen ist, währenddessen die andere Serie (zum Beispiel bei der 210 001) eine korrekte Anschrift infolge der Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h aufweist.

Beleuchtung

Roco verbaute in der Neukonstruktion warmweise LED. Diese leuchten je nach Richtungsbetrieb warmweiß bzw. rot. Anzumerken ist, daß die helle Stirnbeleuchtung störend wirkt.


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(05.11.2016)


Neuauflage Roco 73730/73731

Die Erstauflage der Baureihe 210 von Roco hat sich wie warme Semmeln verkauft und war durch das gute Preis-/Leistungsverhältnis dieser Konstruktion vorhersehbar. Der Hersteller hat kurz darauf eine Zweitauflage angekündigt, die nunmehr in den Fachhandel gelangt ist. Die Zweitauflage erhielt die neue Betriebsnummer 210 003-0 und kann somit mit dem Erstmodell in Doppeltraktion, wie dies im Allgäu auch vorgekommen ist, eingesetzt werden. Die Neuauflage wird genauso im Ablieferungszustand aufgelegt. Dies wird anhand der Angaben im Revisionsraster ersichtlich, indem dort von der 26.11.70 als Abnahmedatum des AW Nürnberg eingetragen ist. Die Lok ist wieder beim Bw Kempten bzw. BD München stationiert.


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Roco 73736 – DB 210 004-8

Die ozeanblau-beige Ausführung der Baureihe 210 wird unter den Artikelnummern 73736 (Analogmodell, UVP € 164,–), 73737 (Digitalmodell mit Loksound, UVP € 234,–) und 79739 (Digitalmodell mit Loksound für Wechselstrommodellbahner, UVP € 234,–) ausgeliefert. Roco hat bei seinem Modell die Betriebsnummer 210 004-8 gewählt, die den Anschriften nach der Epoche IV angesiedelt ist und ideal zur weinroten Ausführung paßt. Die Lokomotive ist beim Bw Kempten bzw. der BD München zugewiesen. Als Revisionsdatum wird der 12. 7. 79 des AW Nürnberg genannt. Roco hat bei dieserm Modell formmäßige Änderungen am Dach vorgenommen, indem der von den Schwestermaschinen bekannte Auspuff eine ebene Verkleidung erhielt. Obwohl das Modell (Gehäuse, Drehgestelle und Unterfluranbauteile) sauber beschriftet und bedruckt ist, sind bei der Lackierung leichte Einschlüsse von Staub festzustellen. Die Farbtrennkanten sind an manchen Stellen nicht wirklich 1a getroffen, sondern weisen Ausfransungen auf. Die technischen Ausführungen entsprechen den bereits oben gemachten Angaben.


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