DB AG 101 017 „Graubünden“ – Piko 59456

Der hochwertige Schnellzugsverkehr war seit Beginn der 1970er Jahre bis zur Jahrtausendwende fest in der Hand der sechsachsigen Paradepferde der Baureihe 103 der Deutschen Bundesbahn. Obwohl die 103 unermüdlich im Einsatz standen und infolgedessen vom technischen Aspekt nicht mehr zeitgemäß waren, stand ab Mitte der 1990er Jahre die Beschaffung einer adäquaten Nachfolgerin im Raum.

Neue Tendenzen hinsichtlich der Ausbildung der Traktionstechnik wurden bereits bei der Baureihe 120 angewendet. Die Inbetriebnahmephase der BR 120 war von erheblichen Schwierigkeiten geprägt, stand doch die Drehstromtechnik noch in den Kinderschuhen und wurde fortan zur Serienreife weiterentwickelt. Gleichzeitig entwickelten die beiden deutschen Fahrzeughersteller Siemens/Krauss-Maffei und ABB/Henschel jeweils eigene Produktplattformen mit je einer eigenen Vorführlokomotive.

Auf Basis des 12x-Konzeptes von ABB/Henschel wurden mehrere Fahrzeugtypen konzipiert, wozu auch die BR 101 als Nachfolgerin für die Schnellzuglokomotive 103 abgeleitet wurde. Den Auftrag zum Bau der neuen Baureihe 101 vergab die DB AG 1994 an ABB Henschel (heute Bombardier), obwohl schon damals die Umstellung des Fernverkehrs komplett auf Triebwagenzüge im Raum stand. Zum Zeitpunkt der Beschaffung bestanden sogar noch Überlegungen, die neue Schnellzuglokomotive auch im hochwertigen Güterverkehr mit Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h vorzusehen.

Die Indienststellung der BR 101 erfolgte ab dem Sommer 1996 und endete mit der Auslieferung der 145. Lokomotive noch vor dem Jahrtausendwechsel. Die Lokomotiven haben eine Achsfolge Bo‘ Bo‘, sind 19.100 mm lang und wiegen rd. 84 t. Die Lokomotiven sind für 220 km/h in Deutschland zugelassen, in Österreich lediglich für 200 km/h. Leistungsmäßig rangieren die Fahrzeuge bei 6, MW Dauerleistung und sind damit dem später in Dienst gestellten ÖBB-Taurus ebenbürtig.

Die ersten drei Lokomotiven wurden noch in orientroter Lackierung ausgeliefert. Alle weiteren Fahrzeuge erhielten eine verkehrsrote Kastenlackierung. Die geraden Flächen sowie die kantige Kastenform ohne Rundungen ließ diese Baureihe schnell zur rollenden Litfaßsäule verkommen. Im Laufe der bald 20jährigen Einsatzgeschichte trugen die Maschinen zahlreiche bunte Folien oder Lackierungen, von denen einzelne Maschinen in unterschiedlichen Erscheinungsbildern auf dem Streckennetz der DB AG, der SBB und der ÖBB zu sehen waren.


Modellvorstellung

Nachdem es mehrere hochdetaillierte Modelle der BR 101 von Mitbewerbern gibt, hat Piko seine Modellausführung im preiswerten Hobby-Segment angesiedelt. Zahlreiche Varianten wurden bereits angeboten. Für das Modellbahnjahr 2016 haben die Sonneberger nur einen bunten Farbtupfer im Hobby-Segment angekündigt. Es ist dies die DB AG-Werbelok 101 017 mit der Seitenwerbung für den Kanton „Graubünden/Swisstravel“ (Gleichstrom-Ausführung: Artikelnummer 59546, UVP € 94,99; Wechselstrom-Ausführung: 59256 – UVP € 119,99).

Verpackung

Piko liefert seine Fahrzeuge in einer Kartonschachtel an den Fachhandel aus. Das Modell liegt in einer zweiteiligen, passgenauen Plastikform. Verschiedene Prospekte und die mehrsprachige Betriebsanleitung inkl. Ersatzteilblatt liegen dem Modell bei.

Technik

Das Lokgehäuse ist mit einer Zentralschraube am Metallrahmen befestigt. Nach dem Lösen dieser läßt sich das Kunststoffgehäuse durch zusätzliches Auseinanderspreitzen der Seitenwände leicht nach oben abziehen.

In den Metallrahmen ist der Mittelmotor mit einer großen Schwungmasse eingelagert. Der Antrieb erfolgt in gewohnter Manier mittels Kardanwellen und den Stirnradgetriebe auf alle Achsen. Die kleine Platine ist genau über dem Motor in einer eigenen Plastikhalterung befestigt. Diese Halterung läßt sich jedoch nur sehr schwer abnehmen. Für den nachträglichen, digitalen Spielbetrieb steht eine achtpolige Schnittstelle nach NEM 652 zur Verfügung.

Das vorliegende Modell ist 482 Gramm schwer. Es ist mit zwei Haftreifen bestückt, welche diametral auf der jeweils inneren Achse jedes Drehgestells aufgezogen sind. Der Fahrstrom wird von allen Achsen abgegriffen.

Fahrverhalten

Daß eine Schnellzuglokomotive auf der Modellbahnanlage nicht unbedingt rasen muß, wird im Praxistest beim gegenständlichen Modells demonstriert. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte von ca. 211 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist in beiden Fällen zu niedrig: bei der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 4 % und nach dem dem NEM-Wert um ca. 34 %. Der Bremsauslauf beträgt bei 12 V gerade einmal eine Loklänge.

Nimmt man allerdings eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h zu rate, zu der die Lok in der Regel eingesetzt wird, weil die Reisezugwagen (ausgenommen ÖBB-Railjet) nur für 200 km/h zugelassen sind, dann ergeben sich folgende Werte: Demnach ist die Lok bei der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 6 % zu hoch, nach dem NEM-Wert aber immer noch um ein Viertel zu langsam.

Optik

Die Ansiedelung des Modells im Hobby-Segment läßt erahnen, daß Piko bei der Detailierung nur das notwendigste umgesetzt hat. Wer hofft, mit dem Modell ein filigran ausgestaltetes Modell in den Händen zu halten, wird sogleich enttäuscht. Die Konstruktion zeichnet sich in jeglicher Hinsicht durch vereinfachte Modellumsetzung aus. Üblicherweise empor stehende Teile wie Griffstangen, UIC-Dosen, Scheibenwischerdüsen udgl. sind allesamt am Gehäuse angespritzt und heben sich ggf. farblich ab. Trotz der vereinfachten Modellumsetzung sind entlang des Fahrzeugkastens bzw. -rahmens dennoch zahlreiche Gravuren zu erkennen. Diese Vereinfachung findet sowohl auf dem Dach als auch bei den Drehgestellen seine Fortsetzung.

Farbgebung und Beschriftung

Die Lackierung und Bedruckung liefert keinerlei Beanstandungen. Diese ist sauber ausgeführt. Im Vergleich zu vergleichbaren Modellen anderer Hersteller ist immer wieder erstaunlich, in welch hervorragender Qualität die Anschriften bei Piko-Modellen umgesetzt werden. Die Bedruckung des Werbesujets auf den Seitenwänden ist vorbildgerecht, wobei nicht nur der linksseitige Steinbock, sondern auch das rechtsseitige Motiv der Rhätischen Bahn sehr gut zu erkennen ist. Die Werbelok trägt die vollständige NVR-Nummer 91 80 6 101 017-2 mit dem Halterkürzel D-DB und hat das Revisionsdatum AE 14.09.12.

Beleuchtung

Das Modell ist mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet. Wartungsarme, weiße und rote LEDs dienen der Darstellung der dreibegriffigen Spitzen- bzw. zweibegriffigen Schlusslichter, welche fahrtrichtungsabhängig leuchten.


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Bilder