Fleischmann 781602 / 734010 – Re 420 268 „Gottardo 2016“ / 11239
Die SBB übernahm 1964, also zur Landesausstellung, sechs Prototypen der neuen Baureihe Re 4/4 II mit den Nummern 11201 bis 11206. Die 14,80 m langen Maschinen hatten einen selbsttragenden Wagenkasten und waren mit einem einzigen klassischen Stromabnehmer ausgestattet. Sie waren außerdem mit einer Sekundärfederung aus nicht sehr weichen Gummifedern ausgestattet, die später durch vier doppelte Schraubenfedern ersetzt wurde, auf denen der Wagenkasten ruht. 1965 wurden diese Lokomotiven in 11101 bis 11106 umbenannt, und seit diesen Jahren wurde der Scherenstromabnehmer nach und nach durch einen Einholmstromabnehmer ersetzt, der sein Knie in Fahrtrichtung nach vorne streckte. Nachdem die Experimente mit den sechs Prototypen abgeschlossen waren, wurde 1967 die Serie 11107 bis 11155 ins Leben gerufen. 1969 begann die Auslieferung der Serie 11156 bis 11304, die etwas länger und mit zwei Einholm-Pantographen ausgestattet waren.
Um den TEE „Roland“ zu ziehen, wurden die Lokomotiven 11158 bis 11161 creme-rot lackiert (TEE-Farben) und dem Depot Basel zugewiesen. Dasselbe gilt für die Lokomotiven 11249 bis 11253, die dem Depot Lausanne zugeordnet wurden und die TEEs „Lemano“ und „Cisalpin“ zwischen Vallorbe und Domodossola zogen. Von diesen neun Maschinen wurden die 11158 bis 11161 am 1. Januar 1984 alle grün lackiert, während die 11249 bis 11253 noch in der zweifarbigen TEE-Lackierung mit Beheimatung im 1. SBB-Bezirk verblieben.
Die Einführung der Swiss-Express-Züge 1975, die aus Einheitswagen des Typs III bestanden, erforderte den Umbau einer Reihe von Lokomotiven, hauptsächlich durch die Einführung der automatischen Kupplung. Die Maschinen 11103, 11106, 11108, 11109, 11112, 11113, 11133 und 11141 wurden umgebaut und erhielten ein orangefarbenes Kleid mit grauen Streifen. Es ist auch möglich, mit diesen Maschinen Fahrzeuge abzuschleppen, die nicht an die Schraubenkupplung angeschlossen sind, was durch eine Übergangskupplung ermöglicht wird. Ende 1975 standen 202 Lokomotiven dieser Baureihe zur Verfügung.
Nach einer Wartezeit von sechs Jahren wurde der Fuhrpark 1981 durch die Lieferung einer neuen Serie von 72 Stück mit den Nummern 11305 bis 11349 und 11371 bis 11397 auf insgesamt 273 Einheiten erweitert. Diese nie zuvor erreichte Zahl ist nun die größte Lokomotivserie in der Schweiz, nach den 127 Ae 4/7, die 1975 im Bestand waren. Gleichzeitig wurde entschieden, die Lokomotiven der Baureihen Re 4/4′, Re 4/4“, Re 4/4 III, Re 6/6 und Ae 6/6 künftig in rot zu lackierieren, wie die 11178, die als erste dieser Type die neue, sehr attraktive Farbe erhielt, und mit dem neuen, weitreichenden Scheinwerfertyp ausgestattet wurde.
Die umgebauten Swiss-Express-Lokomotiven 11103, 11106, 11108, 11109, 11112, 11113, 11133 und 11141 verloren Ihre automatische Kupplung, welche durch eine normale Schraubenkupplung ersetzt wurde. Sie werden in den Pendelzügen zwischen Zürich und Luzern zusammen mit den Einheitswagen des Typs III und den neuen Steuerwagen Bt 29-34 990 bis 996, ex B 29-34 027 bis 030 und 032 bis 034 (ebenfalls zu den Einheitswagen Typ III gehörend) eingesetzt. Die letzte Serie mit den Nummern 11371 bis 11397, deren Auslieferung im Herbst 1985 endete, wurde erst ab der Lokomotive 11377 in Rot lackiert. Diese Maschinen sind mit rechteckigen, weitreichenden Frontscheinwerfern ausgestattet, wobei anzumerken ist, dass bei den nächsten Revisionen alle Re 4/4 II mit diesem Scheinwerfertyp ausgestattet werden. Für die bessere Versorgung der Zugsammelschiene für Heizung und Klimaanlage und zum Abschleppen der Einheitswagen vom Typ IV wurde der Transformator verstärkt. Die maximale Heizstromstärke erhöhte sich von 650 A auf A. Übrigens gehören die Lokomotiven 11371 bis 11397 der Baureihre Re 4/4 III an.
Mit Ausnahme der neuen roten Lackierung wurde die Maschine 11181 von einem Künstler namens Daniel Bourret psychedelisch bemalt („Vier Jahreszeiten“). Da diese Maschine bei Gesellschaftsreisen sehr gefragt war, wurde sie Anfang 1985 in rot umlackiert. Eine weitere zusätzliche Dekoration, die bei der Aufnahme des Kantons Jura in die Eidgenossenschaft entstand, war die Ae 6/6, die das Wappen der Stadt Porrentruy trug, mit dem Wappen des neuen Kantons verziert worden. Das Wappen der Stadt Porrentruy zierte dann die Maschine Re 4/4″ 11239, die nach dem Zusammenstoß in Grandvaux im Herbst 1982 rot lackiert wurde.
Zusätzlich zu den Re 4/4″ setzte die SBB ab 1971 eine Serie von 20 Re 4/4“-Maschinen ein, die den Re 4/4 II ähnelten, aber mit einem anderen Übersetzungsverhältnis ausgestattet waren, um schwerere Züge vor allem auf der Gotthard-Rampe ziehen zu können. Wenn man alles zusammenzählt, stellt man fest, dass der Maschinenpark 276 Maschinen dieser Baureihe umfassen sollte, aber die genaue Zahl liegt bei 273, da drei Nummern bereits außer Betrieb standen. Die Lokomotive 11282 wurde 1975 nach dem Zusammenstoß in Landquart außer Dienst gestellt, die Lokomotive 11172 nahm 1978 beim Zusammenstoß in Vaumarcus denselben Weg, während die Lokomotive 11312 1985 beim Zusammenstoß in Bussigny beschädigt wurde. Zusätzlich zu diesen drei Re 4/4″ wurden die Re 4/4“ 11351 bis 11353 an die SOB (Südostbahn) verkauft.
Somit blieben 273 Re 4/4″ und 17 Re 4/4 III übrig, was eine Gesamtzahl von 290 Maschinen ergibt, die zwischen 1964 und 1985 ausgeliefert wurden und der Schweizer Industrie 21 Jahre lang Arbeit verschafften. Zusätzlich zu den Serien, die an die SBB geliefert wurden, erwarben viele private Unternehmen gleichartige Fahrzeuge. 1967 nimmt die SOB (Südostbahn) eine Re 4/4 III Nr. 41 in Betrieb, diese Maschine stammt aus der SBB-Serie 11107 bis 11155, sie hat nur einen Stromabnehmer, aber eine geändertes Übersetzungsverhältnis beim Getriebe von 1: 3,107. Diese Lokomotive war das Testmaschine für die zukünftige Re 4/4 III, die 1971 an die SBB geliefert wurde.
Später, also Jahr 1983, erhielt das Unternehmen zwei Re 4/4 III, die von der SBB zurückgekauft wurden und aus der Serie 11351 bis 11370 stammten: Lokomotive 11352, die als SOB 42 nummeriert wurde, und Lokomotive 11353, die als SOB 43 nummeriert wurde. Im Jahr 1985 wurde eine SBB Re 4/4“ an die SOB verkauft und erhielt die Nummer 44, vormals Lokomotive 11351. Zum Schluss sei noch erwähnt, dass alle vier Maschinen rot lackiert sind, mit einem gelben Streifen auf der Höhe des Unterbodens. Außerdem sind die Maschinen mit einem Wappen verziert:
42 Arth-Goldau
43 Rothenthurm
44 Pfäffikon
1969 erhielt die EBT (Emmental-Burgdorf-Thun) zwei Re 4/4 Nr. 111 und 112. Diese beiden Maschinen stammen aus der gleichzeitig an die SBB gelieferten Serie 11156 bis 11215. Sie besitzen zwei Einholmstromabnehmer, aber wie die zwei Jahre zuvor an die SOB gelieferten Maschinen haben sie ein Übersetzungsverhältnis von 1:3,107. Es handelt sich um die 113 für die EBT, die 141 für die VHB (Vereinigte Huttwil-Bahnen) und die 181 für die SMB (Solothurn-Münster-Bahn).
Ebenfalls 1969 erhielt die MThB (Mittel-Thurgau-Bahn) eine Lokomotive Re 4/4 II aus der gleichzeitig an die SBB gelieferten Serie 11156 bis 11215, die zwei Einholmstromabnehmer besitzt und mit der üblichen Übersetzung von 1:2,636 ausgestattet ist, Nummer MThB 21.
Wenn man die gesamte Liste dieser Maschinen durchsieht, stellt man fest, dass es zwei verschiedene Werte für das Übersetzungsverhältnis gibt, nämlich 1:2,636 für Maschinen des Typs Re 4/4„ und 1:3,107 für Maschinen des Typs Re 4/4“.
Darüber hinaus kamen erst in den 1990er Jahren weitere Sonderlackierungen hinzu. Einige Loks erhielten speziell für die EC-Verkehre Zürich–München Stromabnehmer mit ÖBB/DB-Paletten. Diese gehören der Letztserie an, die nach der Unternehmensauftrennung an SBB Cargo gingen, und erhielten eine Neulackierung in Rot mit blauer Kontrastfläche und den Schriftzug „Cargo“. Als weiteres optische Neuerungen sind die Re 420 LION zu nennen. 30 Lokomotiven mit den Betriebsnummern 11201 – 11230 wurden im SBB-Industriewerk Bellinzona einem Modernisierungsprogramm unterworfen, wobei im technischen Bereich einige Änderungen vorgenommen wurden. Diese 30 Lokomotiven werden bei der Zürcher-S-Bahn eingesetzt und sind optisch an der neuen, weißen Lackierung erkennbar. Die Loks sind in der gesamten Eidgenossenschaft anzutreffen und bespannen alle Zuggattungen in Einzel- und Tandemtraktion.
Modellvorstellung
Die Schweiz feiert am 1. Juni 2016 die Eröffnung des wohl größten Infrastrukturprojektes der Eidgenossenschaft, und zwar die Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels. Die SBB feiert mit und hat dafür zwei Werbelokomotiven geschaffen, eine Re 460 sowie eine Re 420 in jeweils weißer Lackierung und der Aufschrift „Gottardo 2016“. Dies ist für Roco/Fleischmann ein Anlaß, beide Vorbildlokomotiven ins Modell umzusetzen. Die Re 460 wurde schon ausgeliefert, jetzt folgt als Sonderserie die Re 420 268-5 unter der Artikelnummer 781602 (Gleichstrom-Modell, UVP € 159,–) bzw. 781672 (Sound-Ausführung, UVP € 239,–).
Verpackung
Das Modell wird in der üblichen Blisterbox ausgeliefert. Die Betriebsanleitung, das Ersatzteilblatt sowie ein Zurüstbeutel mit zwei geschlossenen Bahnräumern liegen bei.
Technik
Das Gehäuse ist paßgenau auf dem Rahmen. Um an das Innenleben heranzukommen, muß das Chassis seitlich auseinandergespreizt werden, um es hochziehen zu können. Ein Mittelmotor mit einer Schwungmasse treibt die Lok über eine Welle und Zahnräder auf alle vier Achsen an, diese dienen zugleich der Stromabnahme. Die zwei Innenachsen sind mit je einem Haftreifen bestück. Die Fahrzeugplatine ist über dem Motor platziert und sieht für den Digitalbetrieb eine integrierte, sechspolige Schnittstelle vor.
Optik
Fleischmann weiß auch bei diesem Modell durch eine gelungene Konstruktion zu überzeugen. Der Fahrzeugkasten ist vorbildgerecht nachgebildet und offenbart filigrane Gravuren sowie ein vollständig und detailreich nachgebildetes Dach. Die Stromabnehmer sind ebenfalls filigran ausgeführt. Die Wippe scheint sich von der Grundplatte zu lösen. Die Drehgestelle sind dreidimensional durchgebildet.
Lackierung und Bedruckung
Das Modell ist tadellos lackiert und bedruckt. Die einzelnen Anschriften sind allesamt gut lesbar aufgebracht.
Beleuchtung
Das Modell ist mit LED ausgestattet und leuchtet fahrtrichtungsabhängig, dreimal weiß bzw. zweimal rot.
Bilder
Modellvorstellung 734010 – Re 4/4″ 11239
Nach einer längeren Pause nahmen die Heilsbronner wieder ein Modell einer Re 4/4″ ins Programm. In den Herbstneuheiten 2017 findet sich die Ausführung der Re 4/4″ 11239 „Porrentruy“. Die Besonderheit beim Vorbild ist das nachträglich angebrachte Städtewappen, das ursprünglich auf der Ae 6/6 11483 montiert war.
Fleischmann bringt das Modell in der oben genannten Ausführung unter der Artikelnummer 734010 zum UVP von € 189,– in den Fachhandel. Die Sound-Version ist unter der Artikelnummer 734090 bzw. zum UVP von € 269,– zu bekommen. Das ausgelieferte Modell entspricht dem Zustand der Epoche IV, am Lokrahmen ist das Revisionsdatum 22.06.1979 der Hauptwerkstädte Yverdon zu lesen, stationiert ist der Sonderling im Depot Lausanne.
Fahrverhalten
Das Eigengewicht der Re 4/4″ beträgt 59 Gramm. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte von ca. 182 km/h. Diese ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 30 % zu schnell, gegenüber dem NEM-Wert mit der Draufgabe von 50 % um gerade einmal ca. 20 % zu niedrig.
Bilder 734010