Roco 74220 / 74229 / 74225: Güterzugbegleitwagen Pwgs 41

Die Bahnen waren schon sehr frühzeitig gezwungen, bei den Betriebsausgaben zu sparen, zumal der Bahnbetrieb anno dazumal sehr personalaufwendig betrieben wurde. So wurden vor mehreren Jahrzehnten auch die Güterzüge personal begleitet, indem die Eisenbahner in einem eigens mitgeführten Packwagen untergebracht waren. Das Zugpersonal bestand nicht nur aus dem Zugführer, sondern meistens noch aus Verschiebern, Packmeister, Wagenbremser udgl. Das mitgenommene Personal konnte auch unterwegs verschiedene Dienste verrichten, es wurde zu allen möglichen Aufgaben an den Unterwegsbahnhöfen herangezogen. Somit erfüllte die Bahn damals die Funktion der Daseinsvorsorge, indem auch in ländlichen Regionen viel Fracht auf der Schiene abgewickelt wurde.

Neben dieser flächendeckenden Bedienung verfolgte die Deutsche Reichsbahn noch die Beschleunigung des Güterverkehrs. 1941 wurden bei verschiedenen Waggonfabriken im Reiche (Waggonwerke West, Rastatt und SGP) mehr als 700 neuartige Packwagen bestellt, die als Pwgs 41 bezeichnet wurden. Die Flotte wurde in mehreren Serien und nach verschiedenen Zeichnungen in Stahlbauweise gefertigt. Sie waren beheizbar und besaßen neben dem Packraum noch ein Zugführerabteil, einen Einstiegsraum und ein WC. Der Packraum war über innenliegende Schiebetüren zugänglich. einige Wagen wurden noch mit Zugführerkanzeln auf dem Dach geliefert. Das ermöglichte dem Zugführer, die Signale zu beobachten oder generell einen erhöhten Blick auf den Wagenzug zu haben. Dieser hatte bis in die 1960er Jahre die Pflicht zur Signalbeobachtung, später wurden bei den meisten Bahngesellschaften diese Dachkanzeln von den Gepäckwagen entfernt.

Die Flotte ist nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur in Deutschland, sondern auch in benachbarten Ländern Europas stehen geblieben und kamen in deren Fahrzeugbestände. Diese Wagen wurden im Laufe der Zeit mehrere Veränderungen unterzogen, die sich besonders am Dach, den Stirnfronten, den Seitenwänden, der Fensteranordnung und der Fensteranzahl bemerkbar machte. Durch ihre hohe Bauartgeschwindigkeit von 100 km/h hat sich diese Wagentype sehr lange in den Beständen verschiedener Staatsbahnen gehalten.


Modellvorstellung

Roco hat diese Wagentype trotz schon verfügbarer Modelle mehrerer Mitbewerber als Neukonstruktion angekündigt und dabei die Hoffnung geweckt, die bisherigen Mankos der Mitbewerber-Modelle zu kompensieren. 2021 waren zunächst nur die Modelle der ÖBB und der DB angekündigt, denen natürlich im Februar 2022 weitere Varianten folgten.

Die Auslieferung der Neukonstruktion erfolgt in der bekannten Blisterverpackung von Roco, wobei an dieser Stelle ein Manko der ehemaligen Fleischmann-Kunststoffschachtel anzusprechen sei. Es resultiert einerseits an der mangelnden Festigkeit des Deckels, welcher andererseits noch durch zusätzliche Blistereinsätze begünstigt wird, indem dieses Verpackungsteil nach oben drückt. Im gegenständlichen Falle ist dies nicht so gravierend, bei längeren Fahrzeugen ist kein sicheren Verpackungen mehr möglich. Nach dieser Kritik ist wiederum der Blick zum Lieferumfang des Güterzugbegleitwagens gerichtet. Es ist dies ein Zurüstbeutel und eine Betriebsanleitung. Im Zurüstbeutel sind drei weitere Schiebetüren beigelegt, mit denen sich unterschiedliche Türstellungen nachbilden lassen. Um diese in das Modell einzusetzen, muß das Fahrzeuggehäuse vom Rahmen ausgeklippst werden. Im Zurüstbeutel finden sich noch einige Anbauteile für die Pufferbrust und die Haltegriffe für die Schiebetüren.

Das Modell ist aus Kunststoff gefertigt und weist ein Gewicht von 54 Gramm auf. Die Neukonstruktion kommt dabei ohne Ballastgewicht aus. Dafür sind an der Neukonstruktion sehr viele Detaillierungen zu erkennen. Saubere und tiefe Gravuren bestimmen das Erscheinungsbild der Seitenwände, wobei an einer Fahrzeugseite der Einstiegsbereich nach innen gezogen ist und auf der Außenhaut neben der mittigen Deckleiste unterhalb des Fensterbandes auch der eingezogene Fahrzeugrahmen erkennbar ist. Im Fensterband sind beispielsweise die innen befindlichen Schutzstangen nachgebildet. Das Dach ist mit filigran ausgeführten Schweißnähten versehen, am Wagenboden findet sich die komplett nachgebildete Bremsanlage, deren Bremssteller auch farblich abgesetzt sind. Im Wagenboden ist auch beidseitig eine Kurzkupplungskulisse versehen, zusätzlich wurden ab Werk einzelne Teile wie die Trittstufen und das Heizkabel schon eingesetzt.

Die Lackierung des Modells ist einfach gehalten und wurde mit den einzelnen Bauteilen durch farblich eingefärbtes Granulat verwirklicht. Die Anschriften sind in weißer Farbe ausgeführt und lupenrein ausgeführt. Die jeweiligen Angaben wurden beim jeweiligen Modell dargelegt. Der UVP dieser Neukonstruktion beträgt € 52,90.


Bilder 74220 – DB Pwgs 041

Der DB-Wagen wird als Gattung Pwgs 041 geführt und wurde mit der Wagennummer 20 80 950 6 826-7 bedruckt. Als Heimatbahnhof ist Mainz angeschrieben, im Revisionsraster stehen die Untersuchungsdaten 4 REV Lb 06.09.78.


Bilder 74229 – ÖBB Dih

Der ÖBB-Wagen gehört der Gattung Dih an und weist die Wagennummer 65303 auf. Der Wagen ist in Wien-Südbhf. beheimatet, die letzten Untersuchungsdaten weisen die Angaben REV Pn 22.02.68 auf.


Bilder 74225 – DR Pwgs

Roco hat nun auch die DR-Variante des Pwgs-41 ausgeliefert. Das erste Modell ist ein Fahrzeug im Erscheinungsbild der Epoche IV, welches zusätzlich noch die Dachkanzel aufweist. Das Modell weist aber noch andere Formänderungen bzw. geänderte Details auf, welche vor allem an der seitlichen Ladetüre, aber auch an den verschiedenen Fenstereinsätzen zu erkennen ist. Das Modell trägt die Wagennummer 30 50 940 0 087-7 und die Gattungsbezeichnung Pwgs. Der Wagen ist mit dem Heimatbahnhof Hagenow Land angeschrieben, hierzu befinden sich noch zusätzlich aufgedruckte Beschriftungsfelder. Aufgedruckt ist auch der Zugzettelhalter. Im Revisionsraster stehen die Angaben REV Pts 09.08.70.