Piko 59914/57173/59915 – ÖBB Railjet-1216

Die Öffnung der Güterverkehrsmärkte auf dem Europäischen Schienenverkehrsmarkt wirkte sich nachhaltig auf das Leistungsspektrum der Operateure aus. Die ÖBB konzentrierten sich bei der Beschaffung von Triebfahrzeugen nur auf das Ost-West-Geschäft, obwohl beachtliche Tonnagen in Nord-Süd-Richtung durch Österreich liefen. Für diese Nord-Süd-Verkehre mangelte es allerdings an geeigneten Triebfahrzeugen, die zuverlässig im Gleichstromnetz der FS verkehren konnten. Die DB AG sorgte mit der Viersystemlok BR 189 für Furore und zeichnete somit den künftigen Weg hinsichtlich moderner, leistungsfähiger Mehrsystemlokomotiven vor. Um infolge der geänderten Rahmenbedingungen am europäischen Schienenverkehrsmarkt ebenso mitnaschen zu können, beschlossen die ÖBB kurzerhand die Beschaffung einer de facto Viersystemlok auf Basis der Taurus-Familie (mechanischer Teil) und der BR 189 (elektrischer Teil). Siemens willigte dem Storno von 68 Lokomotiven der Reihe 1116 gegen die Lieferung von 50 Lokomotiven der neuen Reihe 1216 in verschiedenen Modifikationen ein, wobei sich die Differenz von 18 Lokomotiven als Kompensation für den technischen Mehraufwand ergab. Siemens fertigte die Vorausloks 1216.001 – 003 sowie als Erprobungsträger die spätere Weltrekordlok 1216.050 (als ÖBB 1216.025 übernommen). Der Weltrekord über 357 km/h erbrachte die Lokomotive am 2. September 2006 auf der NBS Ingolstadt – Nürnberg vor zahlreichem Publikum. Bei Ablieferung wurden drei Varianten in Dienst gestellt: die Italien-Loks 1216.001 – 025, die Tschechien-Loks 1216.226 – 240 und die Slowenien-Loks 1216.141 – 150. Zwischenzeitlich fanden einige Umbauten statt. Die 1216.010 wurde zur 1216.210. Die 1216.227 – 232 wurden zu Slowenienloks 1216.127 – 131 umgebaut und wurden einige Jahre später im Zuge des anstehenden RJ-Einsatzes nach Prag wieder ihrem alten Verwendungszweck zugeführt, wobei die für das neue Einsatzspektrum vorgesehenen Maschinen eine entsprechende RJ-Lackierung erhielten. Die Lokomotiven 1216.229 – 231 präsentieren sich im dunkelroten ÖBB-RJ-Design, die Lokomotiven 1216.233 – 237 sowie die nachträglich modifizierten 1216.149 und 150 zu 1216.249 und 250 wurden passend zu den RJ-Garnituren der CD in ein dunkelblau/hellgraues Design verwandelt. Für die Erlangung der Italien-Zulassung wurde die frühere 1216.232 zur 1216.032 adaptiert.


Die Siemens-Lok der Type ES 64 U4 befindet sich schon längere Zeit im Programm des Sonneberger Herstellers. Als Jahresneuheit 2016 wurde ein Modell in der Ausführung der ÖBB-Reihe 1216.200 in der aktuellen ÖBB-Railjet-Lackierung unter der Artikelnummer 59914 (Gleichstrom, UVP € 149,99) angekündigt. Das Modell trägt die vollständige, zwölfstellige Betriebsnummer 91 81 1216 229-5 mit der Halterkennung A-ÖBB und ist eindeutig der Epoche VI zuzuordnen.

Verpackung

Piko liefert die Herbstneuheit in einer Kartonschachtel an den Fachhandel aus. Das Modell liegt in einer zweiteiligen, passgenauen Plastikform. Nach dem Abziehen des Oberteiles (Deckel) der Plastikform lässt sich das Modell entweder anhand der untergelegten Plastikfolien herausziehen oder man dreht das Unterteil und lässt das Modell in die offene Handfläche fallen. Verschiedene Prospekte und die mehrsprachige Betriebsanleitung inkl. Ersatzteilblatt liegen dem Modell bei. Auf die Beigabe eines Zurüstbeutels wurde verzichtet, da sämtliche Anbauteile bereits ab Werk fix montiert sind.

Technik

Das Lokgehäuse ist mit zwei Kreuzschrauben am Lokrahmen befestigt. Nach dem Lösen der beiden Kreuzschrauben an der Unterseite des Modells (große Löcher bei den Drehgestellen) und dem leichten Auseinanderspreitzen des Gehäuses lässt sich das passgenau auf dem Metallrahmen sitzende Chassis problemlos nach oben abziehen.

Die technischen Komponenten sind auf den Metallrahmen geschraubt. Die Platine ist direkt über dem Mittelmotor befestigt und weist nur eine 8polige Schnittstelle nach NEM 652 auf. Das Modell ist serienmäßig mit einem Brückenstecker ausgestattet. Für den Digitalbetrieb kann ein eigener Multiprotokolldecoder mit Lastregelung (Artikelnummer 56121, UVP € 39,49) oder das Sound-Kit 1216 (56196 für UVP € 89,99) gekauft werden. [Preisbasis April 2016]

Der Metallrahmen nimmt den Mittelmotor unter der Platine auf. Der Motor ist mit zwei großen Schwungmassen versehen. Das Modell wird über die beiden Kardanwellen und das Stirnradgetriebe auf allen vier Achsen angetrieben. Oberhalb der Kardanwellen sind Abdeckungen für die Ablage des Decoders oder des Soundkits montiert. Für Wartungszwecke an den Zahnrädern hat Piko am Getriebeunterboden entsprechende Öffnungen vorgesehen.

Die Railjet-Lokomotive ist 432 Gramm schwer. Sie ist mit zwei Haftreifen bestückt, welche diametral auf der jeweils inneren Achse jedes Drehgestells aufgezogen sind. Der Fahrstrom wird von allen Achsen abgegriffen.

Fahrverhalten

Das vorliegende Modell macht zwar bei den Testrunden auf der Anlage eine hervorragende Figur, ist aber viel zu schnell. Das Modell hat einen taumelfreien Lauf, der Motor ist absolut leise und gar nicht zu hören, lediglich die Rollgeräusche im Fahrbetrieb sind zu vernehmen.

Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte von ca. 243 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 6 % zu hoch, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit um ca. 24 % zu niedrig. Der Auslauf von 12 V Gleichstrom beträgt 3 Loklängen.

Optik

Der erste Blick verrät, dass Piko mit der Modellumsetzung ein großer Wurf gelungen ist. Der Käufer erhält ab Werk ein fertig zugerüstetes Modell. Sämtliche Griffstangen, Haltegriffe und Scheibenwischer sind bereits montiert. Die Seitenwände, die Türbereiche, die Übergänge zu den Dachteilen, aber auch die Frontpartien sind sauber graviert und ausgeführt. Die Haltegriffe weisen eine dezente Materialstärke auf, die Scheibenwischer sind filigran nachgebildet. Die Führerstände sind nur schemenhaft dargestellt, auf die Bestückung eines Führerstandes mit einem Lokführer wurde verzichtet.

Der nächste Blick ist dem Dach gewidmet. Das Modell fällt insbesonders durch den dichten „Dachgarten“ auf, welcher aufgrund der Mehrsystemfähigkeit des Vorbildes notwendig ist. Die einzelnen Bauteile sind verschiedenfarbig dargestellt, vollständig und korrekt wiedergegeben. Die Dachleitungen wirken flach; alle Isolatoren sind miteinander verbunden. Die verwendeten vier Stromabnehmer gleicher Bauart sind hingegen weniger erfreulich: diese sind gegenüber dem Vorbild realitätsfremd und trüben den ansonsten positiven Gesamteindruck des Modells massiv. Dass die Stromabnehmer aus dem Hause Piko zwischenzeitlich auch vorbildgerecht und äußert filigran realisiert werden können, zeigen die jüngsten Neukonstruktionen der BR 141 bzw. 150 der DB. Dafür sind wiederum die Dachgitter sauber umgesetzt.

Die abschließende Betrachtung ist dem Fahrwerk gewidmet. Beide Drehgestelle weisen einen hohen Wiedererkennungswert zum Vorbild auf. Die Drehgestelle sind im Halbrelief darstellt, wobei die Federpakete zu filigran wirken. Die Pufferverkleidungen sind aus Plastik und am Rahmen eingesetzt. Das Modell verfügt über eine Kurzkupplungskulisse. Die Radscheiben des Modells sind bedruckt, ob diese vereinfachte Darstellung eines Export-Modells würdig ist, sei dahingestellt.

Farbgebung und Beschriftung

Die Lackierung des vorliegenden Modells ist tadellos, selbst unter der Lupe waren keine Farbverläufe zu erkennen. Ein Vergleich mit der Vorbildmaschine bringt die Erkenntnis, dass die komplizierte Lackierung beim Vorbild korrekt ins Modell umgesetzt wurde. Sämtliche Anschriften sind entweder in weißer bzw. gelber Farbe gehalten. Die Bedruckung ist trennscharf ausgeführt und sehr gut lesbar, aber nicht nur das, sie entsprechen vollständig dem Vorbild. Die Revisionsanschriften lauten auf Lz 09.04.13.

Beleuchtung

Das Modell ist mit warmweiße LED illuminiert. Das Spitzenlicht besteht aus drei warmweißen LEDs, das Schlusslicht wird über zwei rote LED dargestellt. Spitzen- wie Schlusslicht leuchten richtungsabhängig.


Verwandte Modelle

Piko 97739 – ÖBB 1216 230

Fleischmann 731216 – Weltrekord-Lok 1216 050 (Spur N)

Piko 59913 – SZ 541 015


Bilder


Modellvorstellung – Piko 57173 (Railjet 1216 im CD-Design)

Piko liefert das gegenständliche Modell der 1216 234 im ansprechenden, blauen Railjet-Design der CD in einer günstigen Start- bzw. Anfangspackung zum UVP von € 164,99 aus. Das Startset besteht aus der ÖBB-Lok und drei vereinfacht nachgebildeten Reisezugwagen im verkürzten Maßstab 1:100. Die Wagen sind dem CD-Railjet nachempfunden und stellen Wagen der 2. Klasse dar. Dem Set ist noch ein Gleisoval samt zweiten Bahnhofsgleis (Piko A-Gleis) inklusive der notwendigen Netzteile und Handregler beigelegt. Der dazu gehörige Railjet-Steuerwagen ist als Einzelwagen ebenfalls noch für dieses Jahr als Formneuheit angekündigt und steht kurz vor dem Auslieferungsbeginn.

Das Lokmodell entspricht in der technischen und optischen Ausführung den obigen Darstellungen. Das Modell ist sauber lackiert und bedruckt. Neben der vollständigen Betriebsnummer A-ÖBB 91 81 1216 234-0 ist noch das Revisionsdatum Lz 05.05.11 nennenswert.

Fahrverhalten

Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte von ca. 227 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 3 % zu langsam, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit um ca. 72 % zu niedrig.


Bilder


Piko 59915 – ÖBB 1216 236-0

Als Solomodell ist als weitere CD-RJ-Ausführung die Modellausführung der 1216 236-0 erschienen. Die Lok entspricht der obigen Ausführungen aus dem Set 57173. Die vollständige Loknummer lautet auf A-ÖBB 91 81 1216 236-0. Am Modell sind die Revisionsdaten Lz 01.02.11 abgeschrieben.

Das Gleichstrommodell ist unter der Artikelnummer 59915 im Fachhandel zum UVP von € 149,99 erhältlich. Die Wechselstrom-Ausführung ist um € 20,– teurer und erhielt die Artikelnummer 59815.


Bilder