Roco 72080 / 72082: DB Baureihe 515

Die ersten Akkumulatortriebwagen in Deutschland standen schon vor dem Ersten Weltkrieg im Einsatz. Der 2teilige Akkutriebwagen der Bauart „Wittfeld“, dessen Akkus in den wuchtigen Vorbauten untergebracht waren, war bis nach dem Zweiten Weltkrieg bei der DB im Einsatz. Die Deutsche Bundesbahn begann nach 1945 sich wieder mit dieser Antriebsart zu beschäftigen. Als erster Neubau ist der ETA 176 – sog. „Limburger Zigarre“ – zu nennen, von dem nur eine kleine Serie von acht Fahrzeugen beschafft wurden. Ab 1953 folgte der kostengünstigere ETA 150, von dem größere Stückzahlen in Dienst gestellt wurden. Seine Leistungsmerkmale waren dem ETA 176 in etwa ebenbürtig, sodaß bis 1965 insgesamt 232 Einheiten gebaut wurden. Hinzu kamen noch 216 Steuerwagen der Bauart ESA 150. Beide Fahrzeuge wurden ab 1968 als Baureihe 515 bzw. 815 bezeichnet.

Der Triebwagen ist in Stahlleichtbauweise gefertigt, dessen Akkumulatoren unter dem Fußboden in der Wagenkastenmitte verstaut sind. Das hohe Eigengewicht der Fahrzeuge sorgte zugleich einen hervorragenden Fahrkomfort und gegenüber den Dieseltriebwagen der ebenfalls neu beschafften Schienenbusse (VT 95 bzw. VT 98) waren diese angenehm leise. Die erste Serie (33 Fahrzeuge) wurde noch in der Sitzteilung 2 + 3 geliefert und waren als 3. Klasse geführt. Nach der Abschaffung der drei Wagenklassen wurden die Fahrzeuge in die 2. Wagenklasse umgezeichnet. Die später beschafften Fahrzeuge ab der Ordnungsnummer ETA 150.101 und ETA 150.501 hatten dann eine Sitzteilung 2 +2 und unterschieden sich dazu noch durch ein zusätzliches 1. Klasse Abteil. Durch die Steigerung der Akkukapazität erhöhte sich der Aktionsradius der Fahrzeuge auf 400 Kilometer. Die Triebwagen waren mit normalen Zug- und Stoßeinrichtungen ausgestattet und konnten damit auch Verstärker- oder Kurswagen bzs. Güterwagen transportieren.

Die Akku-Triebwagen der Baureihen ETA/ESA 150 bzw. 515/815 waren reine Fahrzeuge für Flachlandstrecken. Sie erhielten dabei die Spitznamen „Taschenlampen-Express“, „Steckdosen-InterCity“ oder „Akkublitz“. Sie waren in den Gebieten rund um Augsburg, Schleswig-Holstein, im östlichen Niedersachsen, in der Rheinland-Pfalz, im Südhessen und im Ruhrgebiet im Einsatz. Die Fahrzeuge waren zunächst in weinroter Farbgebung gehalten und erhielten ab 1975 das neue Farbschema in Ozeanblau/Beige. Da die Akkutriebwagen auch auf der sog. Nokia-Bahn (Bochum – Gelsenkirchen) im Einsatz standen, wurden sie auch weiß/mintgrün lackiert. Die Abstellung der Fahrzeuge erfolgte zwischen 1982 und 1995.


Modellvorstellung

Der Akku-Triebwagen stellt für die Salzburger die wesentliche Hauptneuheit für dieses Jahr dar. Im Neuheitenprogramm findet sich von der Neukonstruktion eine Modellausführung in weinroter Farbgebung, die als Epoche-IV-Modell mit Computernummer aufgelegt wird. Das angekündigte Modell wird in drei verschiedenen Ausführungen geliefert. Das vorliegende Modell wird mit der Artikelnummer 72080 zum UVP von € 299,90 angeboten. Die Ausführungen mit Loksound sind in gewohnterweise für beide Stromsysteme unter den Artikelnummern 72081 und 78081 zum jeweiligen UVP von € 384,90 verfügbar.

Verpackung

Roco ist zur alten Verpackungsform zurückgekehrt. In die zweifache Kartonverpackung ist ein Styroporkern eingelegt. Beide Fahrzeuge sind mit einer Folie umwickelt und sitzen paßgenau in den Aussparungen. In einem Zwischenfach befindet sich noch Zurüstbeutel. Neben den üblichen Zurüstteilen für die Pufferbrust (Bremsschläuche, Heizkabel, Zughaken usw.) wurden darin auch die Übergangskupplungen mit Normschacht abgelegt. Für drei derartige Teile liegen jedoch nur zwei Federn bei. Beigepackt sind noch Indusi-Magnete und unterflurig angesetzte Trittleiste der vierteiligen Fahrzeugtüre.

Technik

Der zweiteilige Zug besteht aus dem angetriebenen Triebwagen 515 und den antriebslosen Steuerwagen 815. Das Öffnen der Fahrzeuge verläuft in beiden Fällen ident. Zum Abziehen des Lokgehäuses müssen zuerst alle vier Puffer gezogen werden, durch anschließendes Auseinanderspreitzen der Seitenwände lösen sich die Rastnasen von den Arretierungen. Man bekommt dann den farblich gestalteten Innenraum zu sehen. Die Inneneinrichtung ist wiederum am Fahrzeugrahmen eingerastet. Erst nach dem Entfernen werden die technischen Antriebskomponenten sichtbar. Ein kleiner Motor mit großer Schwungmasse ist in der Fahrzeugwanne eingesetzt. Der Antrieb erfolgt über einen Kardan-/Schneckenradantrieb auf das vorderste Drehgestell. Das hintere Drehgestell unter der vierteiligen Einstiegstüre ist als Laufdrehgestell ausgebildet. Die erste Fahrzeugachse verfügt über zwei Haftreifen.

Die Fahrzeugplatine ist ebenfalls in der Bodenwanne platziert und ist mit einer Steckverbindung für die Lichtplatine oberhalb der Inneneinrichtung versehen. Die Roco-Neukonstruktion erhielt für den Digital-Betrieb eine Schnittstelle nach NEM 658, sprich eine PluX22. Die Decodersteckleiste wurde zum Fahrzeugboden ausgerichtet (siehe ÖBB VT 5042). Eine Kreuzschaube hält das untere Rahmenteil am Fahrzeugboden ist. In dieser baulichen Ausnehmung ist nicht nur ist einerseits Platz für den Decoder und andererseits sind dort auch die Dip-Schalter für die Festlegung der unterschiedlichen Beleuchungsmodalitäten (Führerstandsbeleuchtung, Innenbeleuchtung) untergebracht.

Der Steuerwagen läßt sich auf dieselbe Weise öffnen, also Abzug der Puffer und seitliches Spreitzen der Seitenwände. Beide Fahrzeuge sind mit einer Kurzkupplungskulisse ausgestattet, wobei werkseitig für die Kupplung von ETA und ESA eine eigene Kurzkupplungsverbindung Anwendung findet, wie diese schon von den Schienenbus-Modellen her bekannt ist. Zwei Führerstandsseiten sind mit der tiefliegenden Kupplungsverbindung vorgesehen, die anderen Führerstandsseiten sind für den Betriebseinsatz hergerichtet und sind auch werkseitig bereits mit allen Zurüstteilen der Pufferbrüste ausgestattet.

Trotz der berücksichtigten Kurzkupplungskulisse liegt dem Modell ein Adapterstück für die normale Kupplungshöhe bei. Damit lassen sich keinerlei Kurs- oder Güterwagen an die Fahrzeugeinheit anhängen.

Fahrverhalten

Beide Fahrzeuge wiegen zusammen 488 Gramm. Der Triebwagen fällt dabei mit 367 Gramm ins Gewicht, der Steuerwagen mit 121 Gramm. Die Vorbildgeschwindigkeit beträgt 100 km/h. Das Modell erreicht bei 12 V Gleichstrom eine Modellgeschwindigkeit von umgerechnet ca. 87 km/h. Diese ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 13 % zu langsam, gegenüber dem NEM-Wert mit der Draufgabe von 30 % um 43 % zu langsam.

Optik

Da die Modelle bereits werkseitig komplett zugerüstet sind, können sich die optischen Vorzüge dieser Neukonstruktion gleich voll entfalten. Der Modellbahner bekommt mit dem Kauf des Akkutriebwagens ein sehr stimmiges und vor allem schönes und umfangreich detailliertes Modell mit zahlreichen Anbauteilen auf die Modellbahn geliefert.

Der Blick auf die Seitenwände bringt feine und tiefe Gravuren zum Vorschein, indem die verschiedenen Abdeckungen und Lüfterschlitze fein säuberlich nachgebildet sind. Auch an der Außenhaut befindlich Abdeckungen wurden gut getroffen, und die Falttüren sind nicht nur vorbildgerecht umgesetzt, sondern weisen ebenfalls sehenswerte Detaillierungen auf. Allerdings hat man beim Formenbau schon auf eine spätere Variante vorgegriffen, indem diese Modellausführung einen vorbildwidrigen automatischen Türdrücker aufweist. Die Fenstereinsätze weisen nicht nur zarte Gummidichtungen auf, sondern auch die Alu-Fensterstege sind zierlich wiedergegeben. In den frontseitigen Stirnfenstern wurden sogar die Heizschlangen nachgebildet. Die Fahrzeugfront ist bereits komplett bestückt, die Scheibenwischer sind eingesetzt und auch eine Fahrzeugfront ist komplett zugerüstet. Gut gelungen sind auch die Lampenringe bzw. die Einbuchtung bei der Zug- und Stoßeinrichtung.

Die Laufwerke sind dreidimensional durchgebildet und weisen eine optische Tiefenwirkung auf. Der Fahrzeugboden ist konstruktiv nachgebildet, die Schürzen weisen verschiedene Detaillierungen des Vorbildes auf. Der Steuerwagen steht in optischer Hinsicht gegenüber dem Motorwagen um nichts nach. Vereinfachungen sind lediglich am Fahrzeugboden erkennbar. Für beide Fahrzeuge wurde die Inneneinrichtung korrekt nachgebildet und unterschiedlich farblich behandelt.

Farbgebung und Beschriftung

Die Modelle sind sauber lackiert, wobei die großflächige Lackierung nur wenige Farbtrennkanten zuläßt. Es sind keinerlei Farbverläufe ersichtlich. Die weiße Zierlinie ist ebenfalls sauber am Modell angebracht, gleiches gilt auch für den 1. Klasse Streifen. Die Bedruckung ist gut deckend aufgetragen und ist unter der Lupe trennscharf lesbar.

Der Triebwagen ist mit der Betriebsnummer 515 535-3 und der Gattungsbezeichnung ABD4 beschriftet. Das Fahrzeug ist laut Anschriften in der BD Frankfurt/M bzw. im Bw Worms beheimatet. Im Revisionsraster stehen für den ETA die Untersuchungsdaten REV 2 Lb 12.8.82.

Der Steuerwagen erhielt die Betriebsnummer 815 674-7 und ist mit der Gattungsbezeichnung B4 beschriftet. Die Angaben zur Beheimatung sind ident zum Triebwagen, dafür unterscheiden sich die Revisionsanschriften mit REV 2 Lb 21.1.82.

Beleuchtung

Die Neukonstruktion erhielt LED für die Innenbeleuchtung und das Spitzensignal. Für den analog ausgeführten Triebwagen besteht die Möglichkeit, mittels der vier Dip-Schalter im Decoder-Schacht verschiedene Beleuchtungseinstellungen vorzunehmen. Dabei lassen sich die Lichter für den Führerstand 1 und 2 bzw. die Innenbeleuchtung individuell steuern. Im Fahrbetrieb wechseln Spitzen- (dreimal weiß) und Schlußbeleuchtung (zweimal rot) je nach Fahrrichtung ab.


Bilder 72080/1

 

Bilder 72080/2


Modellvorstellung 72082 – 515 520-5 + 815 587-9

Roco hat im Vorjahr als Erstmodell eine rote Ausführung des bekannten Akku-Triebwagens der Baureihe 515 der DB aufgelegt und erst für das Jahr 2020 als Neuheit die Ausführung in ozeanblau/beiger Lackierung angekündigt. Die Neuheitenankündigung umfaßt ein Modell ohne Loksound als Gleichstrom-Variante unter der Artikelnummer 72082 zum UVP von € 299,–; aber auch Modellausführungen mit Loksound. Diese sind unter den Artikelnummern 72083 (Gleichstrom-Version) und 78083 (Wechselstrom-Version) zum jeweiligen UVP von € 424,90 erhältlich.

Die Sets bestehen aus dem angetriebenen Triebwagen ABD 515 520-5 und dem antriebslosen Beiwagen B 815 587-9. An beiden Fahrzeugen ist als Heimatdienststelle BD Köln angegeben bzw. das Bw Mönchengladbach angeschrieben. Die Revisionsanschriften beim Triebwagen lauten auf REV 2 FL X 24.08.84, jene des Steuerwagens REV 2 Lb 03.01.83.

Beide Fahrzeuge sind im Erscheinungsbilder ab den 1970er Jahren gehalten und tragen das zweifarbige Lackierungsschema ozeanblau/beige. Dieses Farbschema offenbart allerdings einen vermutlichen Konstruktionsfehler des Modells. Der Vergleich des Modells mit dem Vorbildfoto im Neuheitenprospekt zeigt, daß das Fahrzeugdach einerseits zu niedrig umgesetzt ist und über dem Führerstand viel zu flach ausläuft. Die Folge davon ist ein zu tief sitzendes oberes Spitzensignal, dessen Farbtrennkante am Modell im oberen Bereich verläuft. Beim Vorbild befindet sich diese in der unteren Ausrundung des oberen Spitzenlichtes. Dasselbe Phänomen findet sich beim Beiwagen wieder. Dieselbe Dachkonstruktion läßt auch hier das Dach als zu niedrig erscheinen. Dies mag bei der Wagenseite ohne Spitzenlicht nicht wenig auffallen, allerdings tritt dieser optische Fehler auf der anderen Fahrzeugseite zu Tage.


Bilder 72082/1


Bilder 72082/2