NMJ – MAV-Schnellzugwagen
Die Ungarischen Staatsbahnen (MAV) haben zu Beginn der 1990er Jahre eine ganze Wagenfamilie für den Internationalen Schnellzugsverkehr beschafft. Die Beschaffung von 76 Fahrzeugen in acht verschiedenen Fahrzeugtypen erfolgte beim spanischen Hersteller CAF. Die CAF-Schnellwagen sind für eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h ausgelegt, druckerdicht und verfügen über eine Klimaanlage und ein Vakuum-WC. Die CAF-Wagen verteilen sich auf die Fahrzeuggattungen 1. Klasse Großraumwagen Ampz 10-91 (8 Wagen, Baujahr 1994), die 1. Klasse Abteilwagen Amz 19-91 (9 Wagen, Baujahr 1994), die 2. Klasse Großraumwagen Bmpz 20-91 (18 Wagen, Baujahr 1994), die 2. Klasse Abteilwagen Bmz 21-91 (12 Wagen, Baujahr 1993), die 2. Klasse Liegewagen Bcmz 50-91 (9 Wagen, Baujahr 1994), den 1./2. Klasse Schlafwagen WLABmz 71-91 (6 Wagen, Baujahr 1994), den Speisewagen WRmz 88-91 (9 Wagen, Baujahr 1994) und den Gepäckwagen Dms 85-91 (5 Wagen, Baujahr 1995).
Daß gerade die Ungarische Staatsbahn MAV) Fahrzeuge bei einem ausländischen Fahrzeughersteller neues Rollmaterial beschafft, ist ungewöhnlich, zumal Ungarn dazumal noch nicht in der EU war und außerdem selbst noch eine eigene Fahrzeugindustrie hatte. Doch wer ist der Hersteller CAF?
Die Abkürzung CAF steht für Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles. Das Unternehmen hat seinen Firmensitz in Spanien, konkret in Beasain, welches sich im Baskenland befindet. Die Gründung des Unternehmens CAF geht auf das Jahr 1917 zurück, doch in seiner heutigen Form existiert das Unternehmen erst seit 1971.
Die Firmenhistorie hat jedoch auch vor dem Jahr 1917 eine Vorgeschichte. Die Vorläufergesellschaft der CAF war ein Eisenwerk, und zwar das Eisenwerk San Martin – auf spanisch: Fabrica de hierros San Martin. Es ist das älteste Unternehmen. Die Gründung geht auf das Jahr 1860 zurück und wurde von den Herren Domingo Goitia, Martin Usabiaga und José Franciso Arana vollzogen. Das Unternehmen stellte Stahl im Puddelverfahren her und betrieb auch ein Walzwerk.
Der Sohn und Erbe von Domingo Goitia, Francisco Goitia, gründete 1892 gemeinsam mit dem Marqués de Urquijo die Maschinenfabrik Gipuzkoa, die den Firmennamen La Maquinista Gipuzkoa trug. Das Unternehmen baute bis 1899 seinen Produktionsstandort Beasain in der baskischen Provinz Gipuzkoa auf und begann unter anderem mit der Herstellung von Eisenbahn-Rollmaterial. Die erste Lieferung umfaßte zehn Güterwagen Offener Bauart an das Gaswerk Madrid. Diese Lieferung wurde 1905 zum Anlaß genommen, den Namen des Produktionstandortes als Waggonbau Beasain (Fabrica de Vagones Beasain, kurz FVB) umzubekennen. Da es sich damals um die Blütezeit des Eisenbahnwesens handelte, profitierte die Waggonfabrik sehr von der sehr guten Konjunkturlage seit der Umbenennung und auch während des Ersten Weltkrieges. Die Produktion wurde jährlich massiv gesteigert. In dieser Zeit hat die Waggonbau Beasain mehr als 16.000 Güterwagen, 370 Reisezugwagen und 24.000 Räder hergestellt. Im Jahre 1917 erfolgte dann die Umbenennung des Unternehmens. Aus der Fabrica de Vagones Beasain wurde das Unternehmen Compania Auxiliar de Ferrocarriles, welche heute unter dem Kurzbegriff CAF allgemein bekannt ist. Das junge Unternehmen CAF beschäftige zur damaligen Zeit 1.600 Mitarbeiter und spezialisierte sich mit dem Bau von Güterwagen.
Die Konjunkturlage war auch durch die Umbenennung hervorragend, zumal die beiden Länder auf der Iberischen Halbinsel nicht ins Kriegsgeschehen des 1. Weltkrieges hineingezogen wurden. Doch gab es innere Unruhen, welche im Spanischen Bürgerkrieg von Juli 1936 bis April 1939 endeten. Nachdem dieser zu Ende war, wurde in Irun ein neues Werk in Betrieb genommen und 1940 eröffnet.
Die CAF hat im Jahr 1954 ihre Repertoire erweitert, welche durch die Mehrheitsbeteiligung an der Material Movil y Construcciones (MMC) mit Sitz in Saragossa in Aragonien) zustande kam. Ab diesem Zeitpunkt fertigte die CAF auch U-Bahn-Züge und Reisezugwagen.
Im Jahr 1971 erfolgte eine weitere Veränderung des Unternehmens. In diesem Jahr erfolgte die Fusion der beiden Firmen „Compania Auxiliar de Ferrocarriles“ und der „Material Movil y Construcciones“ zur „Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles“ (CAF). Die Firma CAF gilt seither als Hersteller von schienengebundenen Fahrzeugen, worunter der Bau von U-Bahn-Wagen, Straßenbahnwagen, Regional- und Vororte-Züge sowie auch der Bau von Hochgeschwindigkeitszügen fällt. Der Hauptmarkt war aber seit 1971 auf der iberischen Halbinsel mit den Bahngesellschaften RENFE (Spanen) und CP (Portugal) zu finden. Ende der 1980er Jahre hat das Unternehmen seine Produktionsanlagen modernisiert und ist damit gleichzeitig in die Herstellung der ersten Hochgeschwindigkeitszüge für die RENFE eingestiegen. Gerade der Einstieg in das Geschäft mit Hochgeschwindigkeitszügen machte das Unternehmen in den 1990er Jahren zum internationalen Anbieter.
Prestigeträchtige Aufträgen waren unter anderem die Lieferung von Express- und Vorortzüge zur Anbindung von Flughäfen in Hong Kong oder in London. Metro- und/oder Vorortezüge wurden in den Folgejahren auch in die USA (Washington DC, Sacramento und Pittsburgh) sowie nach Mexiko-Stadt geliefert. In Kontinentaleuropa konnte beispielweise 2004 die Lieferung von Metrozügen in Brüssel an Land gezogen werden.
Die CAF lieferte Anfang der 2000er Jahre mehrere Hochgeschwindigkeitszüge an die Spanischen Staatsbahnen RENFE, zudem wurden ab dem Jahr 2005 derartige Züge in die Türkei exportiert. Garnituren mit dieselelektrischem Antrieb wurden sogar nach Saudi-Arabien geliefert.
Im Jahr 2007 fand eine Ausweitung der Geschäftstätigkeit statt, indem ein Werk für die Ausrüstung für Eisenbahnsystem im Jahr 2007 in Navarra gegründet wurde. Hierfür wurde das Tochterunternehmen Trenes de Navarra SA (TRENASA) gegründet.
Die CAF wurde im Jahr 2019 gekauft. Als Käufer trat die polnische Firma Solaris Bus & Coach auf. Mit der Übernahme durch den neuen polnischen Eigentümer ist die Firma CAF auch in die Produktion bzw. dem Angebot von Omnibussen und Trolleybussen eingetreten. Seit dem Jahr 2022 hat CAF auch die Talent-3-Plattform des Mitbewerbers Bombardier Transportation inklusive dem Werk Reichshoffen vom Mitbewerber übernommen.
Modellvorstellung
NMJ hat die Wagenserie erstmals 2010 angekündigt und zuerst die Modellausführungen in der Epoche VI als MAV-Start ausgeliefert. Die zweite Serie sieht die Modellausführung dieser Wagenserie in der Ursprungsausführung der Epoche V vor, als diese Wagenfamilie einerseits in großen Stückzahlen und andererseits bei mehreren Zugpaaren durch Österreich nach Deutschland (zB EC 24/25, EC 62/63 Bela Bartok) bzw. im Nachtzugverkehr in die Schweiz (zB EN Zürichsee, Wiener Walzer u. a.) gelangten. Die Wagen verkehrten entweder als reinrassige Zugkompositionen oder es wurden einzelne Kurswagen beigegeben.
NMJ fertigt die Modelle vollständig und vorbildgerecht aus Kunststoff. Da die Vorbildwagen extrem abgedunkelte Fensterscheiben verfügen und somit ein Blick ins Wageninnere unmöglich ist, hat NMJ auf die Fertigung der nicht sichtbaren Inneneinrichtung verzichtet, weshalb die Modelle auch sehr günstig im Fachhandel zu erhalten sind. Mit der Fertigung der Modelle schließt NMJ eine weitere Lücke im Modellbahnsektor. Die Fahrzeuge sind mit einer Kurzkupplungskulisse ausgestattet, bedauerlicherweise weisen die betriebssicher einsetzbaren Fahrzeuge trotzdem noch einen Fahrzeugabstand von bis zu drei Millimeter auf. Alle Fahrzeuge sind sauber lackiert und bedruckt. Die Anschriften sind lupenrein lesbar.
Die CAF-Schnellzugwagen der MAV kamen bei folgenden Zugpaaren zum Einsatz (unvollständige Aufzählung):
EC 24/25 „Franz Liszt“: Budapest – Dortmund
EC 62/63 „Bela Bartok“: Stuttgart – Budapest
EC 144/145 „Lehar“: Wien – Budapest
EN 268/269 „Kalman Imre“: Budapest – Wien – München
EN 228/229 „Donau-Spree-Kurier“: Budapest – Wien – Berlin
EN 466/467 „Wiener Walzer“: Budapest – Wien – Zürich HB
EN 434/435 „Zürichsee“: Zürich – Selzthal – Wiener Neustadt – Budapest
EC 170/171 „Comenius“: Budapest – Prag – Berlin
EC 174/175 „Hungaria“: Budapest – Prag – Berlin – Nauen
Bilder – NMJ 401.102 – MAV Apmz
Der 1. Klasse Großraumwagen erhielt die Betriebsnummer 61 55 10-91 101-4. Die Revisionsanschriften lauten auf REV Dk 25.03.04. Heimatbahnhof: Budapest Keleti pu.
Bilder – NMJ 402.102 – MAV Amz
Der 1. Klasse Abteilwagen erhielt die Betriebsnummer 61 55 19-91 108-0. Die Revisionsanschriften lauten auf REV Tim 05.08.02. Heimatbahnhof: Budapest Keleti pu.
Bilder – NMJ 403.102 – MAV Bpmz
Der 2. Klasse Abteilwagen erhielt die Betriebsnummer 61 55 29-91 113-7. Die Revisionsanschriften lauten auf REV Tim 09.10.00. Heimatbahnhof: Budapest Keleti pu.
Bilder – NMJ 404.102 – MAV Bmz
Der 2. Klasse Abteilwagen erhielt die Betriebsnummer 61 55 21-91 104-5. Die Revisionsanschriften lauten auf REV Dk 22.01.99. Heimatbahnhof: Budapest Keleti pu.
Bilder – NMJ 405.102 – MAV Bcmz
Der 2. Klasse Liegewagen erhielt die Betriebsnummer 61 55 71-91 100-2. Die Revisionsanschriften lauten auf REV Tm 15.10.01. Heimatbahnhof: Budapest Keleti pu.
Bilder – NMJ 406.102 – MAV WLABmz
Der 1./2. Klasse Schlafwagen erhielt die Betriebsnummer 61 55 50-91 100-7. Die Revisionsanschriften lauten auf REV Tm 17.10.99. Heimatbahnhof: Budapest Keleti pu.
Bilder – NMJ 407.102 – MAV WRmz
Der Speisewagen erhielt die Betriebsnummer 61 55 88-91 108-6. Die Revisionsanschriften lauten auf REV Dk 25.10.01. Heimatbahnhof: Budapest Keleti pu.
Bilder – NMJ 408.102 – MAV Dms
Der Gepäckwagen erhielt die Betriebsnummer 61 55 95-91 104-8. Die Revisionsanschriften lauten auf REV Tm 17.05.01. Heimatbahnhof: Budapest Keleti pu.
Neuauflage der CAF-Wagen im aktuellen Farbschema der Ungarischen Staatsbahnen
Völlig unbemerkt hat NMJ die Wagenserie im aktuellen Erscheinungsbild aufgelegt. Die Modellausführung ist zur vorigen Serie ident. Leider hat sich das Einsatzgebiet dieser Wagen in Österreich stark verringert. Die Schnellzugwagen sind nur mehr auf der Ostbahn anzutreffen.
Bilder – NMJ 401.103 – MAV Apmz
Der 1. Klasse Großraumwagen erhielt die NVR-Nummer H-START 61 55 10-91 104-8. Die Revisionsanschriften lauten auf REV Sl 29.11.17. Heimatbahnhof: Budapest Keleti pu.
Bilder – NMJ 402.103 – MAV Amz
Der 1. Klasse Abteilwagen erhielt die Betriebsnummer H-START 61 55 19-91 105-6. Die Revisionsanschriften lauten auf REV Sl 28.01.19. Heimatbahnhof: Budapest Keleti pu.
Bilder – NMJ 403.103 – MAV Bpmz
Der 2. Klasse Großraumwagen erhielt die NVR-Nummer H-START 61 55 20-91 113-7. Die Revisionsanschriften lauten auf REV Sl 29.11.17. Heimatbahnhof: Budapest Keleti pu.
Bilder – NMJ 404.103 – MAV Bmz
Der 2. Klasse Abteilwagen erhielt die Betriebsnummer H-START 61 55 21-91 104-5. Die Revisionsanschriften lauten auf REV Sl 27.03.19. Heimatbahnhof: Budapest Keleti pu.
Bilder – NMJ 405.104 – MAV Bcmz
Der 2. Klasse Liegewagen erhielt die Betriebsnummer H-START 61 55 50-91 101-5. Die Revisionsanschriften lauten auf REV Dk 26.06.19. Heimatbahnhof: Budapest Keleti pu.
Bilder – NMJ 407.104 – MAV WRmz
Der Speisewagen erhielt die NVR-Nummer H-START 61 55 88-91 108-6. Die Revisionsanschriften lauten auf REV Dk 19.04.16. Heimatbahnhof: Budapest Keleti pu.

































































































