Roco 72040: DB AG Baureihe 407 (ICE 3 – Siemens Velaro D)

Die Deutsche Bundesbahn hat zwischen 2009 und 2012 17 achtteilige Mehrsystem-Hochgeschwindigkeitszüge der Baureihe 407 beschafft und damit ihre ICE-Flotte ergänzt. Dieser neue ICE 3 gehört der Produktfamilie Velaro D an, die DB führte den Triebzug als Baureihe 407/807. Die Viersystemzüge (ICE-Triebzug 701 bis 718) werden im grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Deutschland und Frankreich eingesetzt.

Modellvorstellung

Die Baureihe 407 der DB AG erschien bereits im Jahr 2013 als Neukonstruktion bei Fleischmann. Damals wurde der Triebzug mit den beiden Endwagen 407.015 und 407.515, der Mittelwagen 407.315 und der Stromrichterwagen mit Bordrestaurant 407.215 als Grundpackung ausgeliefert.
Die neue Markenausrichtung von Fleischmann und Roco führte dazu, daß der moderne Triebzug ins Sortiment von Roco Einzug hielt und dieser als Neuheit 2018 nochmals angekündigt wurde. Für Modellvorstellung steht die Grundpackung 72040 als Gleichstrom-Modell zur Verfügung. Das Set besteht aus den Fahrzeugen 407.006, 407.306, 407.206 und 407.506 und ist zum UVP von € 399,90 angeboten. Das vierteilige Set läßt sich um zwei Zweiersets zum UVP von jeweils € 149,90 ergänzen und besteht aus den Mittelwagen 407.106 und 407.306 als Trafowagen 1. und 2. Klasse (72042) sowie den 407.715 und 407.815 als Mittelwagen 2. Klasse (72044). Mit diesen beiden Ergänzungsset ist die ICE-Einheit komplett.

Verpackung

Die Grundpackung wird in der doppelten Kartonverpackung mit Styroporeinsatz ausgeliefert. Alle vier Modelle sind in zwei Plastikstreifen gewickelt und sitzen paßgenau in den Ausnahmen. In einer eigenen Ausnehmung ist der Zurüstbeutel abgelegt, der einklipsbare Wagenschürzen im Bereich der Drehgestelle enthält. Die Betriebsanleitung und das Ersatzteilblatt ist unter dem Styroporeinsatz abgelegt.

Technik

Die beiden Endwagen sind antriebslos. Der Mittelwagen 407.206 ist ebenfalls antriebslos. Lediglich der Stromrichterwagen 407.306 ist angetrieben und fällt durch sein höheres Eigengewicht auf. Die Gehäuseoberteile sind über Rastnasen in die Unterteile eingeklipst. Die Rastnasen sind jeweils bei den inneren Radsätzen der Drehgestelle angebracht. Durch Auseinanderspreitzen läßt sich das Gehäuse dann nach oben Abziehen. Hinsichtlich der Wartungsfunktionen könnte die Betriebsanleitung besser gestaltet sein.
Im Stromrichterwagen ist ein fünfpoliger Mittelmotor mit zwei großen Schwungmassen untergebracht. Die Kraftübertragung erfolgt über zwei Kardanwellen und dem Schnecken-/Stirnradgetriebe auf alle Achsen der beiden Drehgestelle. Alle Fahrzeugteile sind mit einer elektrischen Kupplung verbunden. Die Stromabnahme erfolgt über alle Achsen der Endwagen. Durch Umschaltung zweier DIP-Schalter auf der Hauptplatine wird erreicht, daß mittels eines Relais der Strom immer nur vom voraus laufenden Endwagen gezogen wird. Alle Stromabnehmer sind elektrisch funktionslos.

Die Fahrzeugplatine befindet sich ebenfalls im Stromrichterwagen, über dem Mittelmotor. Diese beinhaltet auch die Digitalschnittstelle PluX16. Alle Wagen sind mit einer Kurzkupplungskulisse ausgestattet, bei den Endwagen ist eine spezielle Vorrichtung berücksichtigt worden, um diese als Doppelgarnituren führen zu können. Der Triebzug ist für den Einsatz auf Radien von 355 mm ausgelegt. Die Faltenbälge liegen flächenbündig auf und sind fahrzeugseitig gefedert.

Fahrverhalten

Das Eigengewicht beträgt 194 + 155 + 396 + 196 Gramm. Die Vorbildgeschwindigkeit beträgt 320 km/h unter Wechselstrom-Fahrleitungen und 200 km/h unter Gleichstrom-Fahrleitungen (Werte in Klammern). Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von ca. 205 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 36 % zu niedrig (ca. drei % zu schnell), gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist sie sogar um ca. 66 % (ca. 27 %) zu niedrig.

Optik

Obwohl der ICE augenscheinlich eine glatte Außenhaut aufweist, sind trotzdem viele Details konstruktiv berücksichtigt worden. Sämtliche Fenstereinsätze sitzen paßgenau in den Öffnungen, sogar die aufwendige Frontscheibe ist bündig angelegt. Alle Fensterpartien sind scharz eingefärbt, jedoch sind die feinen Konturen und Übergänge je nach Lichteinfall erkennbar. Die Konturen der Schwenkschiebetüren werden über die aufgedruckten Gummidichtungen erzeugt, jedoch ist ein leichter Kantenübergang an der Außenhaut fühlbar. Unklar ist, ob die Türgriffe zur Kenntlichmachung aufgedruckt sind oder sogar feine Gravuren beinhalten.

Am Dach sind weitere Gravuren bei den aerodynamisch ausgeführten Aufbau zu erkennen, die einerseits Lüftergitter und andererseits Fahrzeugverkleidungen sind. Bei den Wagenübergängen wurde der Hochspannungsübergang mit Isolator nachgebildet. An und für sich stellt das Dach ein durchgehendes Band mit unterschiedlichen Höhenprofil dar. Tiefere Ausnehmungen sind lediglich bei den Stromabnehmern vorgesehen. Die elektrische Dachausrüstung fällt insbesonders durch die beiden korrekt nachgebildeten Wechselstromabnehmer auf, beim französischen gibt es sogar den Druckluftanschluß. Leider ist der Ausschnitt in der seitlichen Dachblende zu kurz und nicht symmetrisch hinsichtlich auf die beiden Schleifstücke ausgeführt. Alle auf dem Dach befindlichen Baugruppen wie Vakuum-Hauptschalter, Überspannungsableiter, Oberspannungs- und Oberstromwandler wurden korrekt nachgebildet. Es fehlen aber die Verbindungsleitungen zwischen den Mittelwagen sowie der dicke Anschluß des DB-Stromabnehmer oder die kurze Verbindung von den Kabelendverschlüssen zu den benachbarten Stützisolatoren.
Die Drehgestelle fallen durch ihre absolute Filigranität und den freistehenden, extra angesetzten Schlingerdämpfer mit den freistehenden Seilhaken auf. Sandfallrohre werden keine nachgebildet. Alle Radscheiben sind bedruckt ausgeführt. Der Indusi-Magnet ist interessanter rechts angebracht, währenddessen links fälschlicherweise der Schweizer Integra-Magnet platziert ist. Die Nachbildung der Laufdrehgestelle ohne Radbremsscheiben und mit Wirbelstrombremse am Mittelwagen mit den beiden Stromabnehmern ist korrekt.

Farbgebung und Beschriftung

Das vorliegende Modell ist vorbildgerecht und hervorragend lackiert sowie beschriftet. Der seidenmatte Lack ist gut deckend aufgebracht. Am schwarzen Fensterband sind eine feine Strukturierung zu erkennen. Die Zierlinie ist kräftig aufgetragen und trennscharf abgebildet. Alle weiteren Anschriften sind mehrfarbig ausgeführt, tadellos umgesetzt und unter Zuhilfenahme einer Lupe gestochen scharf lesbar. Ein Heimat-Bw ist nicht angeschrieben, aber der Eigentümer DB Fernverkehr AG ist an den Endwagen angeschrieben. Die Fahrzeuganschriften – speziell die Loknummern – entsprechen der Epoche VI.

Beleuchtung

Der Triebzug ist mit wartungsarme LED bestückt. Das Spitzensignal ist dreifach belegt und leuchtet weiß. Das rote Schlußlicht ist dagegen nur zweifach belebt. Die Innenbeleuchtung wird ebenfalls über LED illuminiert.


Bilder 72040/1


Bilder 72040/2


Bilder 72040/3


Bilder 72040/4