Liliput 131502: DB 42 694

Die Deutsche Reichsbahn hat erst ab Ende 1943 eine zweite, schwere Ausführung von Kriegslokomotiven in Auftrag gegeben, und zwar die Baureihe 42. Gegenüber der Baureihe 52 wies sie mehrere Verbesserungen am Lauf- und Triebwerk auf. Die Maschinen sollten in großer Stückzahl gefertigt werden. Das Ende des Zweiten Weltkrieges stoppte jedoch die Entwicklung. Zahlreiche Lokomotiven waren aber in den Lokschmieden und -fabriken noch halbfertig vorhanden. So kam es, daß auch noch im Jahre 1947 solche Kriegslokmotiven gefertigt und an die Staatsbahnen geliefert wurden. Ein Teil davon ging allerdings nach Belgien und Frankreich, in Österreich wurden die Loks durch die ÖBB übernommen. Insgesamt waren 866 Maschinen gebaut worden. Die Lokomotiven der Deutschen Bundesbahn waren bis 1960 im Einsatz, wobei viele davon im Saarland ihre Heimat hatten. Die Reichsbahn setzte ihre Maschinen bis 1968 ein.


Modellvorstellung

Die Kriegslokomotive der Baureihe 42 wurde schon vor bald als 40 Jahren noch bei Liliput Wien aufgelegt und findet sich seither im Programm von Liliput, das den Weg über Herpa zu Bachmann machte. Da der Hersteller wie andere schon zuvor einen Umstruktuierungsprozeß durchmachte und verschiedene Altlasten aufgearbeitet wurde, wurden für das Neuheitenprogramm 2017 kurzerhand verschiedene Ausführungen dieser Dampfloktype angekündigt. Die Wiederauflage ist wohl auch einem Mitbewerbermodell geschuldet, der die Baureihe 42 als Neukonstruktion angekündigt hatte. Auf der Neuheitenliste fanden sich jedoch nur DB- und DR-Ausführungen und keine ÖBB-Maschine. Bei der technisch überarbeiteten Neuauflage gelangten nur Gleichstrommodelle zur Ausführung. Stellvertretend für alle Modelle gelangt die DB-Variante mit der Artikelnummer 131502 als DB 42 zur Vorstellung. Der UVP des Modells beträgt aktuell € 303,–.

Verpackung

Liliput liefert sein Modell in der herstellerbekannten Verpackung aus. Ein Kartonumschlag ummantelt die Kartonverpackung mit der eingelegten Blisterverpackung. Das Modell ist in diese ummantelt und fix arretiert. Mitgeliefert eine eine ausführliche Betriebsanleitung. Ein Zurüstbeutel ist in einer Mulde der Blisterbox eingeklebt und beinhaltet verschiedene Ansteckteile für die Pufferbrust und die Kolbenschutzstangenrohre. Zum Lieferumfang gehört ein Ersatzteilblatt und die Betriebsanleitung, letztere könnte hinsichtlich der technischen Angaben noch besser gestaltet sein.

Technik

Das vorliegende Modell verfügt über einen Tenderantrieb. Die gesamten Antriebskomponenten sind im Wannentender ungebracht. Das Tendergehäuse ist am Fahrzeugboden mit zwei Schrauben befestigt. Ein Mittelmotor mit einer Schwungmasse treibt die beiden Außenachsen des Tenders an, die mit Haftreifen bestückt sind. Die Achsen 2 und 3 des Tenders sowie alle Kuppelachsen sind als reine Laufachsen konzipiert. Die beiden Tenderachsen sind gefedert ausgeführt, sämtliche Kuppelachsen liegen starr in den Führungen, sind aber alle seitenverschiebbar. Das Modell ist für einen Mindestradius von 420 mm ausgelegt. Die Kraftübertragung erfolgte über angeflanschte Wellenstummel und das Zahnradgetriebe auf die Antriebsachsen. Über dem Motorblick befindet sich die Fahrzeugplatine mit der 21poligen Schnittstelle nach NEM 660. Die Zugänglichkeit des Decoders wird über den Kohlekastenaufbau sichergestellt.

Das Laufwerk selbst ist ebenfalls zugänglich, indem an der Unterseite Schrauben gelöst werden. Normalerweise sollten außer dem Ölen der Lager keine anderen Erhaltungsarbeiten notwendig sein. Die Inbetriebnahme eines Rauchgenerators erfordert allerdings die Abnahme des Lokkessels, das nur über das Entfernen mehrere Lokteile wie der Vorlaufdeichsel und dem Lokgehäuse möglich ist. Als Rauchgenerator empfiehlt sich jener von Seuthe (Nr. 9 für den Analog- oder Nr. 11 für den Digitalbetrieb), der in die dafür entsprechende Vorrichtung beim Zylinderblock einzustecken ist.

Fahrverhalten

Die Güterzuglokomotive weist ein Eigengewicht von 535 Gramm auf. Die Maschine läuft bei seinen Testrunden taumelfrei und leise. Erfreulich ist vor allem die Geschwindigkeit des Modells. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte von ca. 75 km/h. Diese ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 6 % zu langsam, gegenüber dem NEM-Wert mit der Draufgabe von 30 % um 36 % zu niedrig.

Optik

Beim ersten Begutachten des Modells wird ersichtlich, daß Liliput am Modell Verbesserungen vorgenommen hat, wiewohl aber noch alte Fertigungsteile weiterhin Verwendung fanden, was an den großen Nieten zu erkennen ist. Dies betrifft aber lediglich die Windleitbleche, denn an Kessel sowie am Führerhaus sind weitaus filigranere Ausführungen umgesetzt. Die Kesselleitungen sind teilweise freistehend und angespritzt, die Auswaschluken dezent angedeutet, wie auch die verschiedenen Deckel bzw. Abdeckungen am Zylinder, dem Dampfdom bzw. am Wannentender. Die Laufflächen des Umlaufrahmens sind feinst geriffelt.

Das gesamte Fahrgestell der Lokomotive, das Gestänge, die Achsen und der Tender besteht aus Metalldruckguß. Die Räder fallen durch feine Speichenteilungen auf, die Gegengewichte sind korrekt umgesetzt. Das Gestänge ist zierlich ausgeführt.

Farbgebung und Beschriftung

Die Farbgebung ist wohl das unkomplizierteste bei einer Dampflokomotive. Die Farbaufteilung ist dabei schon konstruktionsbedingt vorgegeben, indem die Lokaufbauten alle schwarz und das Laufwerk sowie der Rahmen rot lackiert ist. Liliput hat seiner DB-Lok die Betriebsnummer 42 694 vergeben, die auf dem Führerhaus aufgemalt ist. Anstatt eines DB-Kekses ist der Schriftzug „Deutsche Bundesbahn“ zu sehen. Die Lok ist bei der BD  Nürnberg und dem Bw Bamberg beheimatet. Das letzte Untersuchtungsdatum geht auf den 24.09.1952 zurück.

Beleuchtung

Das Modell ist LEDs ausgestattet, deren Lichtstrahl über Lichtleitkörper weitergeleitet wird. Die Frontlichter sind korrekt im Zylinderkasten untergebracht, die rückwärtigen an der Tenderrückseite. Die Feuerbox ist ebenfalls beleuchtet.


Bilder