Piko 52720ff / 59610ff: DB-Schienenbus – Epoche IV + III

Nach den drei Prototypen aus dem Jahr 1963 (VT 98 901 bis 903) erfolgte ab 1965 die Serienlieferung zweimotoriger Schienenomnibusse. Im Gegensatz zu den Probetriebwagen hatten die Fahrzeuge der Serie neuentwickelte Laufgestelle erhalten, die zu einer Verbesserung der Laufeigenschaften beitrugen. Die Maschinenanlage besteht aus zwei wassergekühlten Sechs-Zylinder-Büssing-Unterflurmotoren, je einer hydraulischen Kupplung und je einem Sechsgang-Getriebe der Zahnradfabrik Friedrichshafen. Den Fahrzeugteil lieferten die Hersteller Uerdingen, MAN und WMD. Alle Trieb-, Bei- und Steuerwagen der Baureihe VT/VM/VS 98 haben normale Schraubenkupplungen und Hülsenpuffer der Regelbauart erhalten. Die Triebwagen VT 98 9531 bis 9553 und 9571 bis 9600 sind mit einer Einrichtung zum Befahren von Steilstrecken ausgerüstet. In den Triebwagen ab der Betriebsnummer VT 98 9651 wurden anstelle der Schraubenkupplungen  neue lastabhängige gesteuerte Luftfedern eingebaut.


Modellvorstellung

Ohne auf dem Titelblatt der Messeneuheiten 2017 zu sein, hat Piko ganz unscheinbar als weitere Formneuheit bzw. Neukonstruktion den DB-Schienenbus angekündigt. Als Erstausführungen ist eine zweiteilige Schienenbus-Garnitur in der Ausführung der Epoche IV mit einem Motorwagen der Baureihe 798 und einem Steuerwagen der Baureihe 998.7 vorgesehen. Die Gleichstrom-Ausführung ist unter der Artikelnummer 52720 zum UVP von € 209,99 erhältlich, währenddessen die Wechselstrom-Ausführung – Artikelnummer 52721 – einen UVP von € 249,99 aufweist. Diese Preise entsprechen jenen zum Zeitpunkt der Auslieferung, im Neuheitenblatt waren diese um € 10,– bzw. € 20,– günstiger. Gleichzeitig findet sich im Neuheitenblatt auch eine Modellausführung mit Loksound. Die Modelle der Artikelnummern 52722 und 52723 sind weiter unten zu sehen.

Verpackung

Piko liefert den DB-Schienenbus in seiner neuen Verpackung aus (siehe Baureihe E 52/152 der DB). Beide Fahrzeuge sind einzeln verpackt und werden durch einen stamm sitzenden Kartonumschlag festgehalten. Aber Achtung, da die Fahrzeuge ein unterschiedliches Eigengewicht besitzen, besteht infolge der fehlenden Klammer zwischen beiden Verpackungen die Gefahr, daß ein Schachtelteil herausfallen kann.

Jedes Fahrzeug ist ein einer zweiteiligen Blisterverpackung abgelegt. Durch Abzug des Plastikdeckels ist das Herausnehmen des Schienenbusses auf der paßgenauen Plastikverpackung möglich. Jedes Fahrzeug wird noch von Plastikfolien umgeben. Die Betriebsanleitung ist in einem eigenen Kuvert abgelegt und im bodenseitigen Schlitz der Kartonverpackung verstaut. Ein Zurüstbeutel ist in der Blisterbox eingeklebt, darin befinden sich Zurüstteile für die Fahrzeugfronten, Kupplungsstücke udgl.

Technik

Bei der Unterbringung der Antriebstechnik orientierte sich Piko streng am Vorbild. Der Motorwagen ist angetrieben und deshalb auch schwerer, als der antriebslose Steuerwagen. Die Antriebskomponenten sind zwischen dem Fahrzeugboden und der Innenraumnachbildung untergebracht. Das Fahrzeuggehäuse ist über die Zughaken und die Bremsschläuche am Fahrzeugrahmen befestigt. Nach dem Herausziehen dieser Teile läßt sich das Gehäuse nach oben abziehen, womit der „Fahrgastraum“ freigelegt ist. Dieser Formteil ist über zwei Schrauben befestigt, erst nach der Entfernung wird das technische Innenleben des Fahrzeuges offengelegt.

Die Fahrzeugplatine erstreckt sich über die gesamte Fahrzeuglänge und beinhaltet für den Digitalbetrieb eine 22polige Digitalschnittstelle nach NEM 658 (PluX22), die über ein eigenes Teil im Fahrgastraum kaschiert wird. Für den Antrieb dient ein kleiner Mittelmotor mit Schwungmasse, der über zwei Achshalter befestigt ist und der über zwei Wellenstummel die beiden Fahrzeugachsen antreibt. Der Schienenbus kommt ohne Haftreifen aus.

Der Piko-Schienenbus verfügt über eine Kurzkupplungskulisse nach NEM 362. Die Verbindung zwischen den einzelnen Wageneinheiten wird über eine spezielle, stromführende Kurzkupplung hergestellt, mit welcher auch die Stromversorgung für die Innenbeleuchtung der nachgereihten Wagen sichergestellt wird.

Fahrverhalten

Mit 270 bzw. 123 Gramm Eigengewicht zählen der Motor- bzw. der Steuerwagen zu den Leichtgewichten. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte im Analogbetrieb von ca. 104 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 14 % zu schnell, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit um ca. 15 % zu langsam. Die Triebwageneinheit läuft zwei Fahrzeuglängen aus.

Optik

Der erste Anblick des neukonstruierten Schienenbusses offenbart ein wohlfein ausgeführtes Fahrzeug. Die Modellnachbildung orientiert sich streng am Vorbild, viele Gravuren am gesamten Fahrzeugteil sowie am Dach werten das optische Erscheinungsbild markant auf. Auf den Seitenwänden sind eine Vielzahl an Nietenreihen erkennbar, die je nach Lichteinfall noch besser zur Geltung kommen. Die Nieten sind aber so hauchdünn ausgeführt, daß sie auch fühlbar sind. Sehr schön nachgebildet sind auch die jeweiligen Einstiegsbereiche mit tiefer eingesetzten Türelementen oder auch die Lüftergitter in der Fahrzeugmitte bzw. die zahlreichen Wartungsdeckel oberhalb des Untergurtes. Die Fahrzeugfronten fallen zunächst durch die elegant ausgeführten Lampenfassungen und in weiterer Folge auch mit weiteren Nietreihen auf. Augenfälliger sind dieselben Details am Dach, wo neben den Nietreihen auch längliche Sicken, der Dachlüfter, die Makrophone sowie das Auspuffrohr (nur VT) sofort ins Auge fällt.

Die Fenstereinsätze sind paßgenau in den Öffnungen platziert. Die Fensterstege sind allesamt äußerst dezent nachgebildet, wie auch das rund-um-laufende Alu-Zierband samt der Uerdinger-Raute an den Fahrzeugfronten. Eine Fahrzeugfront ist bereits werkseitig voll zugerüstet, auf der gegenüberliegenden Fahrzeugfront wurde nur die Kupplung und das Zugheizkabel – neben den normalen Puffer – montiert. Am Fahrzeugboden sind verschiedene Nachbildungen der Maschinenanlage zu sehen. Die Radaufhängung samt der Federpakete ist dreidimensional dargestellt.

Der Steuerwagen unterscheidet sich in der optischen Ausführung vom Motorwagen. Am Dach sind lediglich ein Makrophon sowie vier Dachlüfter zu sehen. Ein weiterer Unterschied betrifft auch die verteilige Türe an der Führerstandsseite, wobei die silbernen Türschnallen die heutige Fertigungskunst dokumentieren. Am ansonsten eher kahlen Wagenboden ist die dezente Ausführung des Indusi-Magneten samt Auhängung zu erkennen, außerdem wurden in den Seitenwänden andere Anordnungen der Lüftergitter und Wartungsdeckel vorgenommen.

Farbgebung und Beschriftung

Beide Fahrzeuge sind sauber lackiert sowie auch bedruckt. Die Anschriften sind trennscharf lesbar. Der Motorwagen erhielt die Betriebsnummer 798 514-6, der Steuerwagen 998 736-3. Beide Fahrzeuge sind beim Bw Radolfszell stationiert und gehören somit zur BD Karlsruhe. Beim VT 798 ist als letzte Untersuchungsanschrift die Untersuchung des AW Kassel vom 19.09.1979 vermerkt, beim VS 998 jene vom 11.02.1979.

Beleuchtung

Die Modelle sind mit warmweisen LED ausgestattet. Diese finden sich bei der Stirnbeleuchtung, der Innenbeleuchtung und den Zugzielanzeigen. Die Spitzenbeleuchtung wird weiß dargestellt und wechselt fahrtrichtungsabhängig auf das rote Schlußlicht. Die Beleuchtung wirkt dank der Stützkondensatoren nach. Mit der Verbindung Triebwagen und Steuerwagen wandert die Schlußbeleuchtung automatisch zum Steuerwagen.


Bilder VT 798


Bilder VS 998


Schienenbus-Beiwagen VS 998 – Piko 59610

Um das obige Set verlängern zu können, hat Piko dazu noch weitere Beiwagen in das Sortiment aufgenommen. Der Schienenbus-Beiwagen ist unter der Artikelnummer 59610 zum UVP € 89,99 erhältlich, also um € 10,– höher als zunächst angekündigt. Das Fahrzeug gehört wie die anderen Modelle der Epoche IV an und erhielt die Betriebsnummer 998 271-1. Mit dem aufgedruckten Heimat-Bw Radolfszell (BD Karlruhe) paßt der Beiwagen ideal zu die beiden Sets dazu. Am Revisionsraster sind Untersuchungsdaten REV U4 Ks 19.07.76 vermerkt.

Dieser Beiwagen stellt gegenüber dem Motorwagen (VT 798) und dem Steuerwagen (VS 998) eine weitere Formvariante dar. Der Beiwagen unterscheidet sich gegenüber dem Steuerwagen dadurch, daß die Türen einerseits allesamt drei Falten besitzen und die WC-Anlage bei einem Einstiegsbereich platziert ist. Weitere Änderungen sind im Dachbereich auszumachen, indem zu dem einen Dachlüfter noch vier in runder Ausführung berücksichtigt wurden. Die Fahrzeugfronten sind nur notdürftig mit Kupplungshaken und Heizkabeln bestückt. Das Modell weist ein Eigengewicht von 121 Gramm auf.


Bilder 59610


Schienenbus-Bei- und Gepäckwagen VS 998 – Piko 59612

Als zweites Solofahrzeug zum zweiteiligen Schienenbus-Set ist noch dieses Fahrzeug zu nennen, das ebenfalls zum höheren UVP von € 89,99 noch vor Weihnachten zur Auslieferung gelangte. Das Modell ist mit 120 Gramm das leichteste Fahrzeug von allen und erhielt die Betriebsnummer 998 191-1 bei gleichen Angaben zur Beheimatung. Am Fahrzeugrahmen sind die Revisionsdaten REV U4 Ks 11.05.76 angeschrieben.

Das Modell unterscheidet sich gegenüber der Artikelnummer 59610 dadurch, daß eine Fahrzeugseite eine dreiteilige Falttüre hat, die zweite eine vierteilige und somit konstruktiv dem Steuerwagen gleicht. Auch die Situierung der WC-Anlage ist ident. Obwohl das Fahrzeug gewisse Gemeinsamkeiten zum Steuerwagen aufweist (Türbereich), wurde weder am Dach ein Makrophon montiert noch die ovalen Doppeltürgriffe beim vierteiligen Faltelement berücksichtigt.


Bilder 59612


Modellvorstellung – Piko 52722 (Modellausführung mit Loksound)

Obwohl Piko dazu neigt, die aktraktiviere Modellvariante bei einer Neukonstruktion als jene Variante herauszubringen, die mit einem ESU-Sound-Decoder ausgestattet ist, ist beim Schienenbus eine diesbezügliche Vorgangsweise nicht erkennbar, zumal die vorliegenden Modelle ebenfalls zeitlich in die Epoche IV fallen. Der DB-Schienenbus mit Sound-Funktion gelangt für das Gleichstromsystem unter der Artikelnummer 52722 in den Fachhandel und kostet bei der Auslieferung noch € 299,99 UVP. Das Wechselstrom-Modell ist unter der Artikelnummer 52723 für € 309,99 UVP erhältlich. Zum Berichtszeitpunkt war diese Modellvariante werkseitig fast ausverkauft. Um das Herausfallen eines Verpackungsteiles zu verhindern, wurde zwischen beiden Teilen eine „Kartonklammer“ eingesetzt.

Der Motorwagen wurde mit der neuen Betriebsnummer 798 547-6 beschriftet, der Steuerwagen erhielt die Betriebsnummer 998 745-4. Hinsichtlich der Beheimatung gehören beide Fahrzeuge wiederum dem Bw Radolfszell an. Am Motorwagen sind im Revisionsraster die Daten REV U2 Ks 24.01.75 und beim Steuerwagen REV U4 Ks 07.05.76 zu lesen.


Bilder 52722 – VT 798


Bilder 52722 – VS 998


Modellvorstellung 52724/1 – VT 98 + VS 98, Epoche III

Die Erstausführung der „Roten Brummer“ waren Modelle der Epoche VI mit Computernummer. Den Neuheiten aus dem Vorjahr folgen nunmehr Modellausführungen im Zeitraum zwischen Ablieferung und 1968, dem Jahr der Umstellung der Betriebsnummern. Das erste Set der Epoche III wird unter den Artikelnummern 52724 (Gleichstrommodell zum UVP von € 209,99) und 52725 (Wechselstrommodell zum UVP von € 249,99) ausgeliefert. In die Wechselstrom-Ausführung ist serienmäßig ein mfx-fähiger Decoder eingesetzt. Es besteht aus einem Triebwagen VT 98 9515 und dem Steuerwagen VS 98 226. Beide Fahrzeuge sind dem Bw Bestwig zugewiesen, Teil der BD Wuppertal. Beide Fahrzeuge sind nicht nur sauber lackiert und bedruckt, die Anschriften sind gut deckend aufgetragen und trennscharf unter der Lupe lesbar. Beim Triebwagen ist als letztes Untersuchungsdatum der 10. 8.61 angeschrieben. Im Zugzielkasten ist die Ortschaft Menden zu lesen. Beim Steuerwagen fehlt diese Informationseinrichtung, dafür verfügt dieser über ein WC. Als letztes Untersuchungsdatum des VS 98 226 ist der 25. 5.61 angeschrieben. Beiden Modellen liegen jeweils Zurüstbeutel bei, welche die Kupplungen für beide Fahrzeuge beinhalten.


Bilder VT 98


Bilder VS 98, Epoche III


Schienenbus-Beiwagen VS 98 – Piko 59614 (Epoche III)

Analog zum Epoche-IV-Modell hat Piko dieses Fahrzeug auch in der jüngeren Epoche aufgelegt und bietet damit einen passenden Ergänzungswagen zum obigen Set an. Das Gleichstrom-Modell mit der Artikelnummer 59614 kostet stolze € 89,99 UVP, währenddessen die Dreileiter-Version (59615) für den AC-Betrieb um fünf Euro teurer ist.  Der Beiwagen ist als VB 98 2291 beschriftet. Als sein Heimat-Bw ist Wuppertal-Steinbeck angeschrieben, als letztes Untersuchungsdatum der 24. 2.61. Das Modell ist natürlich innenbeleuchtung und verfügt über eine elektrische Kupplung.

Bilder 59614


Schienenbus-Bei- und Gepäckwagen VS 98 – Piko 59616 (Epoche III)

Als weitere Ergänzung zum Schienenbus der DB wird ein Bei- bzw. Packwagen angeboten. Das Fahrzeug trägt die Betriebsnummer VB 98 083 und ist wiederum beim Bw Bestwig stationiert. Die letzte Revision fand am 4. 8. 61 statt. Piko liefert die Mittelwagen ohne fix eingesetzte Kupplung aus, hat aber eine Kurzkupplungskulisse vorgesehen. Die Kupplungen liegen eigens im Zurüstbeutel bei.


Modellvorstellung – Piko 52730

Das zweite Modell des mit Computernummer bedruckte DB-Schienenbus wird die Fans aus Südostbayern freuen. Das aktuelle Modell des VT 798 633-4 und des VS 998 654-8 weist als Heimatdienststelle das Bw Mühldorf auf. Am Triebwagen sind die Revisionsdaten REV 4 08.08.87 angeschrieben, beim Steuerwagen REV Ks 13.09.84. Die Modelle entsprechen den Ausführungen wie sie oben beschrieben wurden. Das Triebwagen-Gespann kostet allerdings gegenüber der Erstausführung mehr. Die vorliegenden Modell (Artikelnummer 52730, Gleichstrom-Ausführung ohne Sound) wird zum UVP von € 219,99 angeboten. Als Varianten dazu sind verfügbar, die Wechselstrom-Ausführung 52731 zum € 259,99 sowie die beiden Soundausführung 52732 (Gleichstrom-Modell, UVP € 309,99) und 52733 (Wechselstrom-Modell, UVP € 319,99). Bei den Digital-Modellen ist noch ein Novum zu erwähnen. Piko liefert nunmehr mfx-fähige Decoder in diesen Modellen aus.

Bilder 52730/1 – VT 798 633-4

Bilder 52730/2 – VS 998 654-8