Piko 51880 / 51882: ÖBB-Reihe 1041

Mit der langsam fortschreitenden Konsolidierung der wirtschaftlichen Verhältnisse konnten 1952 auch die übrigen Elektrolokomotivhersteller wieder an die Produktion von Elektrolokomotiven (oder Teilen davon) herangehen. Die Arbeitsgemeinschaft ABES (Firmen AEG, BBC, Elin und SSW), die schon die BBÖ-Fahrzeuge der Reihen 1170.2 und ET 30 gebaut hatte, lieferte nun den elektrischen Teil der Reihe 1041. Bei der Reihe 1041 handelt es sich um eine Lokomotive, deren elektrischer Teil praktisch gleich wie bei der Reihe 1040 ist, deren mechanischer Teil aber vollkommen neu entwickelt wurde. Den Lokomotivkasten baute man abweichend von früheren Maschinen nach waggonbautechnischen Grundsätzen. Dadurch konnten die Laufeigenschaften wesentlich verbessert werden. Nennenswert ist die Vergrößerung des Drehzapfenabstandes von 5.940 auf 7.500 mm und des Drehgestellachsstandes von 3.100 auf 3.200 mm. Zur Verminderung der Achsentlastung beim Anfahren verlegte man den Drehzapfen in die Höhe der Triebachsmitte. Die Zug- und Stoßeinrichtungen sind bei der Reihe 1041 wieder am Wagenkasten montiert, der somit zur Zugkraftübertragung herangezogen wird. Drehgestelle und Brücke sind in vollständig geschweißter Holmenbauweise hergestellt. Der Kasten stützt sich auf einer Wiege ab. Die Stirnwand ist bei den Lokomotiven 1041.01 bis 15 nur im Bereich der Fenster oben nach hinten geneigt , ab der 1041.16 ist die Stirnwand auch schneepflugartig ausgebildet. Eine wesentliche Änderung betraf auch den Antrieb: Während alle bisherigen Drehgestellokomotiven den Secheron-Federantrieb erhalten hatten, bekamen die 1041 einen AEG-Kleinow-Federtopfantrieb. Der Grund für den Wechsel im Antrieb lag in der in der Nachkriegszeit deutlich steigenden Zahl von Federbrüchen beim Secheronantrieb. Dies war auf die unzureichende Qualität der Federn aus der Zeit während und nach dem Krieg sowie auf die bei höheren Geschwindigkeiten steigende Fliehkraft zurückzuführen. Doch auch der Federtopfantrieb machte anfangs Probleme: Anrisse an den Radsternen erforderten eine Umkonstruktion, und auch die ursprüngliche Qualität der Topfbefestigungsschrauben reichte nicht aus. Nach der Beseitigung dieser Mängel bewährte sich der Federtopfantrieb aber gut. Eingesetzt wurde die Reihe 1041 zunächst auf der Westbahn, dann später auch auf zahlreichen Nebenstrecken. Die Reihe 1041 ereilte nämlich dasselbe Schicksal wie die 1040. Die geringe Höchstgeschwindigkeit stellte sich als Problem heraus und beschränkte ihr Einsatzgebiet auf untergeordnete Dienste. 1993 wurden vier Loks (1041.02, 04, 19 und 22) zur Reihe 1041.200 umgebaut. Der Einbau eines geänderten Übersetzungsverhältnis mit schrägverzahnten Getriebe führte zur Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf 110 km/h. Für den Nostalgieverkehr steht die grüne 1041.15 (ARGE 1041.15) sowie die verkehrsrot lackierte 1041.202 zur Verfügung.


Produktaviso

Das Sonneberger Unternehmen mit ca. 500 Mitarbeitern, die weltweit tätig sind, sieht sich mittlerweile als die Nr. 3 auf dem kontinentaleuropäischen Markt und nutzt die diesjährige Modellbaumesse in Wien, um ein weiteres Modell nach dem Vorbild der ÖBB zu präsentieren. Nach dem großen Herstellererfolg für die Modelle der ÖBB-Reihen 1010, 1110.0 und 1110.500 folgt ein zeitgemäßes Modell der ÖBB-Reihe 1041, zumal dieses Vorbild der ersten Neubaulokomotive der ÖBB für sehr viele Modellbahner ein lang ersehnter Wunsch ist.

Piko hat innerhalb von zwei Jahren das Modell realisiert und im Vorfeld Pläne besorgt sowie das noch verfügbare Vorbild der ersten Lieferserie bei der ÖGEG in Ampflwang vermessen. Durch die kontinuierliche Umsetzung der Konstruktion, der Handmusterpräsentation in Wien und des weit fortgeschrittenen Fertigungsprozesses werden die ersten Modell der Serienfertigung für die Fachpresse zu Weihnachten bzw. Neujahr erwartet, in den Fachhandel wird das Modell bereits im Jänner 2018 erhältlich sein. Im Neuheitenblatt 2018 ist zudem noch eine weitere Modellvariante geplant, zudem hält sich Piko auch die Fertigung der zweiten Lieferserie mit neuer Fahrzeugfront vor.

Das Modell der ÖBB-Reihe 1041 wird auf dem technischen Antriebskonzept der bisherigen Neukonstruktionen (vgl. DB-Einheitsloks) mit Mittelmotor samt Schwungmasse, Kardanwelle und Stirnrad-/Schneckengetriebe über alle vier Achsen angetrieben. Die berücksichtigte PluX22-Schnittstelle gestattet zusätzliche Verwendungsmöglichkeiten im Einsatz auf Digitalanlagen. Für die Beleuchtung sind warmweiße LED vorgesehen.

Piko hat sich bei der Modellumsetzung entsprechend ins Zeug gelegt und wird seine Neukonstruktion mit folgenden Details aufwarten:

  • extra angesetzte und freistehende Türgriffstangen und Handgriffe,
  • Windabweiser an den Führerstandstüren,
  • UIC-Dosen,
  • Führerstandseinrichtung,
  • original nachgebildeter Hauptschalter,
  • stimmig umgesetzte und modernisierte Lampenformen,
  • detailreich ausgestaltete und scharf gravierte Drehgestelle,
  • angesteckte Tachowelle, und
  • eigens angesetzte Sandkästen und Schneeräumer.

Piko wird seine Neukonstruktion im Produktsegment „Piko Expert Modell“ führen. Das Gleichstrom-Modell wird unter der Artikelnummer 51880 zum UVP von € 154,99 erhältlich sein. Das Wechselstrommodell mit Piko-Digital-Decoder kostet € 194,99 und trägt die Artikelnummer 51881. Der mitgelieferte Digitaldecoder ist nach Herstellerangaben mfx-fähig.

Der Lok-Sound wird als eigenes Zubehörteil angeboten. Der Sounddecoder für die Reihe 1041 samt Lautsprecher ist dann unter der Artikelnummer 56410 erhältlich.


Bilder von der Präsentation am 26. Oktober 2017 in Wien


Modellvorstellung + Verpackung

Die Auslieferung erfolgte kurz nach dem Jahreswechsel an den Fachhandel, nachdem die Neukonstruktion schon längst ersehnt wurde. Die Piko-Lok wird in der üblichen Verpackungsform ausgeliefert. Dem Modell liegt ein Zurustbeutel sowie eine ausführliche Betriebsanleitung bei. Das erste Modell wird in der Gleichstrom-Version unter der Artikelnummer 51880 ausgeliefert, der UVP ist mit € 159,99 festgelegt. Die Wechselstrom-Ausführung (51881) ist zum UVP von € 199,99 erhältlich. Für das Jahr 2018 sind bereits weitere Modellvarianten ausgekündigt, unter anderem auch ein Modell in tannengrüner Lackierung.

Technik

Die Antriebskomponenten sind unter dem Kunststoffgehäuse untergebracht. Das Fahrzeuggehäuse ist auf dem Fahrzeugrahmen gesteckt. Das Gehäuse läßt sich normalerweise durch leichtes Spreitzen der Seitenwände und dem Abziehen nach relativ leicht abnehmen, beim vorliegenden Modell gab es allerdings einige Hürden.

Der fünfpolige Mittelmotor ist im Zinkdruckgehäuse gelagert. Zwei Schwungmassen sorgen für eine hervoragendes Fahrverhalten. Über beidseitig angeflanschte Kardanwellen und die Stirnrad-/Schneckengetriebe werden alle vier Achsen angetrieben. Die Treibachse 2 und 3 sind halbseitig mit einem Haftreifen versehen. Selbstverständlich weist die Neukonstruktion eine Kurzkupplungkulisse mit NEM-Schacht auf.

Die Fahrzeugplatine ist auf dem Fahrzeugrahmen montiert. Für Piko mittlerweise selbstverständlich ist die Berücksichtigung der 22poligen Schnittstelle nach NEM 658, sprich PluX22.

Fahrverhalten

Die Piko 1041 weist ein phänomenales Fahrverhalten auf. Das Modell bringt ein Eigengewicht von 376 Gramm. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte im Analogbetrieb von ca. 111 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 23 % zu schnell, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit um sieben % zu niedrig. Die Lok läuft mind. 3 Fahrzeuglängen aus.

Optik

Auf den ersten Blick ist Piko ein hervorragendes Modell gelungen. Infolge der Unzulänglichkeiten bei den Sechsachsern der Reihen 1010/1110 hätte man gehofft, wäre bei der Vorbildrecherche bzw. bei der Umsetzung des Modells mehr Akribie angebracht gewesen.

Die Konstruktion der Drehgestelle geben den geringsten Grund zur Beanstandung und wissen allein schon durch die dreidimensionale Ausbildung zu überzeugen, wobei die Tiefenwirkung hervorragend ist. Beim Fahrzeugkasten ist festzustellen, daß die Lüftergruppen zuweit empor stehen. Die Lüfterrippen müßten nach dem Abgleich mit Vorbildaufnahmen auf selber Ebene wie die Seitenwand liegen. Heftig umstritten ist auch die Lage der Stirnfenster, die ebenfalls um ca. mind. einen Millimeter zu weit oben positioniert sind und somit der Übergang zum Dach sehr schmal ausgefallen ist. Während die UIC-Dosen und die Griffstangen als eigene Teile extra angesetzt wurden, wurden die Scheibenwischer an den Scheibeneinsätzen bzw. an der Fahrzeugfront angespritzt und die Oberseite farblich behandelt. Beim genauen Hinsehen ist ein Spalt durch die Gummidichtung zu erkennen.

Der Dachbereich ist sauber ausgeführt und überzeugt durch zahlreiche Gravuren der jeweiligen Aufbauten. Der Dachsteg ist als feines Ätzteil ausgeführt, die Nachbildung der Dachleitung entspricht dem Zustand. Ein weiteres Malheur ist bei der Montage eines Stromabnehmers passiert. Der Stromabnehmer über dem Führerstand 1 ist um 180° seitenverkehrt montiert.

Farbgebung und Beschriftung

Das vorliegende Modell liefert hinsichtlich der Lackierung keinerlei Beanstandungen. Das Modell ist sauber lackiert und weist schöne Farbtrennkanten auf. Zu kritisieren ist allerdings die Beschriftung. Das Schriftbild der Loknummer an der Fahrzeugfront sowie an den Seitenwänden ist eindeutig falsch und zu modern für die Lokomotive, die in dieser Aufmachung ein Fahrzeug der Epoche IV verkörpert. Die anderen Anschriften sind stattdessen korrekt wiedergegeben, gut lesbar sind sogar die Inschriften der Fabriksschildes. Das letzte Untersuchungsdatum stammt vom 12.07.88, die Lok ist in der Zfst. Bischofshofen beheimatet.

Beleuchtung

Die 1041 ist serienmäßig mit LEDs ausgestattet. Der Lichtwechsel wechselt fahrrichtungsabhängig von weiß auf rot. Im Digitalbetrieb ist die Führerstandsbeleuchtung noch zusätzlich seperat schaltbar.


Piko 51880 – Bilder


Modellvorstellung Piko 51882 – ÖBB 1041.006-6

Ergänzend zur analogen 1041 (siehe oben) wurde eine Modellausführung mit Loksound angekündigt. Piko hat im Neuheitenblatt eine Modellausführung als Epoche IV angekündigt, geworden ist es ein Modell im letzten Erscheinungsbild als Epoche V-Modell. Der Lokkasten behielt dabei seine blutorange Farbe, die Zierlinien sind teilweise im erhabenen Zustand nachgebildet, jedoch ist bei den Führerstandstüren schon die glatte Version ersichtlich. Das Fahrwerk, Rahmen und das Dach sind umbragrau lackiert, wie die Maschine vor ihrer Kassierung am 1. Dezember 2003 im Einsatz war.

Diese Modellausführung weist diesselben Schwächen und Kritikpunkte auf. Diese sind oben schon schriftlich niedergelegt, sodaß nur mehr auf allfällige Neuerungen eingegangen wird. In den Bremsanschriften wird als letztes Untersuchtungsdatum der 08.04.88 angegeben, als Heimatdienststelle Bischofshofen. Dort war die Lok vom 24. März 1964 bis 30.09.1995 beheimatet und gelangte danach zum Ausgedinge und letzte Dienststelle nach Selzthal. Das vorliegende Modell ist wiederum sauber lackiert und beschriftet. Das Modell gelangt als Gleichstrom-Modell mit Loksound zum UVP von  € 249,99 (Artikelnummer 51882) in den Fachhandel, die Wechselstrom-Version kostet € 259,99 (# 51883).


Piko 51882 – Bilder