Tillig 76676 / 70031 / 76694 / 76695 / 76693 / 76696 / 76697 / 76722 – CSD Ut / DR Omu / DB Om / Oc 19/93 / MAV Kzn / GySEV Elm

Modellvorstellung 76696 – CSD Ke

Tillig dürfte mit diesem Wagen einen Glücksgriff hinsichtlich der Variantenwahl getroffen haben und lieferte nun als weiteres Modell einen CSD-Wagen im Erscheinungsbild der Zwischenkriegsjahre aus. Dies dürfte vor allem die Modellbahner der Epoche II sehr freuen, zumal der Markt dafür sehr wenig an Modelle hergibt.

Der ausgelieferte CSD-Wagen wird unter der Artikelnummer 76696 geführt und kostet € 33,50 UVP. Der Wagen hat einen braunen Kastenaufbau und die tschechische Anschriften. Diese sind gut deckend und trennscharf aufgetragen. Die mehrfarbigen Anschriften sind auf allen vier Seitenwänden aufgetragen. Das Modell erhielt die Wagenanschriften Ke 7-13134. Das Revisionsraster ist am Fahrzeugrahmen gut versteckt situiert. Die letzte Revision fand demnach am 20.05.21 statt.


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Diese Wagenbauart kann ihre österreichische Herkunft nicht verleugnen. Die KkStB beschaffte ab 1906 diese Kohlewagen mit 20 t Ladegewicht, deren augenfälligstes Merkmal die beiden, seitlichen Ladeklappen waren. Eine ähnliche Bauart wurde von der ungarischen Staatsbahn MAV beschafft. Die ersten Wagenserien verfügten noch über fixe Stirnwände, währenddessen spätere Ausführungen ab Mitte des 1. Weltkrieges Stirnwandklappen aus Eisen erhielten. Die Seitenklappen sowie die Seitenwände waren stattdessen mit Holzbohlen beschlagen. Die KkStB reihte diese Bauart als Wagengattung Ke ein und entsprachen der KkStB-Normalie Ib, spätere Lieferungen mit Stirnklappen entsprachen der Normalie If. Die KkStB nahm Wagen mit und ohne Handbremse in Betrieb, erste verfügten über eine Bremserbühne und ein Bremserhaus. Der Zerfall der Donaumonarchie und der KkStB bedeutete neben dem Verbleib der Wagen bei der CSD auch deren Nachbau. Diese Wagen entsprachen der ungarischen Bauart und waren kürzer bzw. hatten seitliche Blechklappen.

Die Deutsche Reichsbahn übernahm nach der Anektion Österreichs an die 1.247 Ke der Normalie Ib sowie 1.414 Ke der Normalie If und reihte diese als Om Ludwigshafen (Ö) mit den Nummern zwischen 90 070 und 93 232 in den Bestand ein. Die unterschiedlichen Bauarten erhielten erst später neue Gattungsbezeichnungen. Die Wagen ohne kippfähiger Stirnwand wurden zur Gattung Omp (bzw. Op oder Oc) Münster umgezeichnet. Die von den CSD übernommenen Fahrzeuge wurden als Om Ludwigshafen (TS) 95 290 bis 99 766 und 80 110ff weitergeführt, wobei sich dieser Bestand je zur Hälfte auf originale österreichische und tschechische Bauarten entsprach.

Die Wagen verblieben nach dem Zweiten Weltkrieg bei mehreren Nachfolgebahnverwaltungen wie der ÖBB, CSD, DB und DR. Die DB-Wagen wurden einheitlich als Om 19 weitergeführt, ungefähr Mitte der 1950er Jahre wurden die tschechischen Wagen mit der neuen Wagengattung Om 93 extrahiert. Eine weitere Änderung betraf bei den ganz alten Wagen die Herabsetzung des Ladegewichtes von 20 auf 15 t, womit die Umbenennung in Oc 93 bzw. Oc 19 einherging. Die Wagen der DB blieben noch im Laufe dieses Jahrzehnts im Bestand. Die DR-Wagen erhielten mit der Einführung des neuen Nummernschemas die neuen Wagennummern Omu 28-01-01, 33-01-01 und 34-01-01 und wurden sogar noch mit UIC-Nummern als 548 3 000 bis 557 7 999 (zusammengefaßt mit anderen Wagentypen) weitergeführt. Weitere Wagen verblieben bei den ÖBB als Zm 862000ff bzw. 862500ff, der GySEV bzw. der MAV sowie bei der Graz-Köflacher Eisenbahn.


Modellvorstellung

Tillig überraschte mit diesem Wagentyp das Publikum der Spielwarenmesse 2016 in Nürnberg und schließt damit eine weitere Lücke im vielfältigen Fuhrpark der Offenen Güterwagen. Das Neuheitenprogramm sah zwei Einmalserien mit je zwei Wagen in der Ausführung der DB (70031) und DR (70030) vor. Diese Wagen waren werkseitig mit Brikettladung versehen. Diese Sets bestehen aus je einem gebremsten Wagen (Ausführung mit Bremserhaus) und einen ungebremsten Wagen. Als UVP wurde ein Preis von € 65,90 avisiert.

Als Formvariante hat Tillig unter der Artikelnummer 76676 einen gebremsten Einzelwagen der CSD ohne Beladung zum UVP von € 29,90 angekündigt. Dieses Modell gelangte zum Jahreswechsel zur Auslieferung und wird unter der Wagengattung Ut geführt. Am Modell ist die Betriebsnummer 7.13147 angeschrieben bzw. das Revisionsdatum REV Lo 05.04.64 aufgedruckt.

Dem hohen Einzelpreis der Neukonstruktion steht auch ein entsprechend toll konstruiertes Modell gegenüber, daß einerseits seine Beachtung verdient und andererseits auf keiner Modellbahnanlage fehlen sollte. Der Wagenaufbau weist saubere Gravuren sowohl an den Seitenwänden als auch an den Stirnwänden und dem Bremserhaus auf. Tillig hat bei seiner Neukonstruktion auch die Innenseite entsprechend graviert, gut sichtbar sind sogar die baulichen Besonderheiten der Seitenklappen. Die Seitenklappen stehen an der Außenhaut empor, die entsprechende Bedienungsleitung ist erhaben dargestellt. Freistehend sind auch die Halterungen für den Zugschluß auf der Höhe des Bremserhauses. Die Stirnwände sind unterhalb den Blechwänden nachempfunden, darüber sind nachempfundene Holzbohlen zu sehen. Weitere Highlights hat das Bremserhaus zu bieten, indem die Türscharniere ebenso nachgebildet sind wie weitere Beschlagteile. Der Wagen erhielt eine Kurzkupplungskulisse.

Offene Fragen

Vorerst unklar ist, ob der Wagenboden korrekt oder nur unzureichend nachgebildet ist? Es gab nämlich Kritik hinsichtlich fehlener Teile an der Bremseinrichtung.

Wenn man die einschlägigen Wagenskizzen einer bekannten Buchserie zurate zieht und den CSD-Wagen damit vergleicht, fällt auf, daß das Modell zu kurz geraten ist. Wenn man allerdings die Anschriften des Wagen mit einer LüP von 8.900 mm heranzieht und dieses Maß auf 1:87 umrechnet, ergibt sich eine korrekte Wagenlänge. Da in die Literatur von verkürzten Wagen zu lesen ist, ist auch in diesem Punkt unklar, ob es diese Bauart bei der CSD mit dieser LüP gab. Laut einschlägiger Literatur betrage diese nach der österreichischen Bauform 9.340 mm (ohne) vs. 9.840 mm (mit Handbremse) sowie nach der tschoslowakischen Bauform 8.330 mm (ohne) vs. 9.030 mm (mit Handbremse).

Fazit

Es ist dem Hersteller zu vergönnen, daß diese tadellose Neukonstruktion zum Erfolg wird. Das Modell bereichert wirklich jede Modellbahnanlage und stellt eine wertvolle Ergänzung zu anderen Bauarten der Offenen Güterwagen dar bzw. ergänzt die Kohlewagen von Fleischmann der Gattung Omp. Jedenfalls dürfen sich die Kunden auf weitere Modellvarianten sehr freuen. Dank dem Austauschverhältnis RIV sind die Wagen auch außerhalb der eigenen Landesgrenzen zum Einsatz gekommen. Ein geeignetes Ladegut hat die Firma Juweela zu bieten.


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Tillig 70031 – DB Set

Zeitgleich mit dem CSD-Wagen wurden die beiden Sets mit DB- und DR-Wagen als  Einmalserien 70030 und 70031 ausgeliefert und sind soweit ausverkauft. Tillig hat diese Sets mit einem Wagen mit Bremserhaus und -bühne sowie mit einen Wagen nur mit Bremserbühne ausgeliefert. Beide Wagen werden mit einer Brikettbeladung ausgeliefert.

Stellvertretend für die Sets werden die DB-Wagen vorgestellt. Die beiden Wagen werden in gleicher Aufmachung verpackt, sie werden lediglich durch eine weitere Plastikverpackung zum Set gemacht.

Das Modell ohne Bremserhaus, aber mit Bremserbühne trägt die DB-Betriebsnummer 689 340 und die Gattungsbezeichnung Oc 93. Bei der Wahl der Betriebsnummer dürfte dem Hersteller ein Zahlendreher der 2. und 3. Stelle passiert sein, denn nach den Ausführungen eines bekannten Güterwagenbuches ist im Band 3 die Nummerngruppe 698 000 bis 699 999 für den Oc 93 genannt. Das Modell hat ein Revisionsdatum Unt Fda 1. 3. 53 angeschrieben.

Beim weiteren Vergleich ergeben sich weitere Unklarheiten. Folgende Angaben sind auf diesem Modell aufgedruckt: LüP von 9.000 mm, Ladelänge von 7 m, Ladefläche von 18,5 m², Ladegewicht 15,0 t und Tragfähigkeit 16,0 t. Die Bremsecken sowie der RIV-Schriftzug sind korrekt angeschrieben. Zieht man das Vorbildfoto in ebendieser Publikation zum Vergleich heran, ist darauf die Ladefläche etwas kleiner als wie 18,5 m² und die LüP mit 8.400 mm angegeben. Vergleicht man diese Daten wiederum mit den abgebildeten Skizzen, kommen weitere Daten empor. Anhand der vorliegen Unterlagen läßt sich nicht klären, ob der Wagen korrekt oder zu kurz ausgefallen ist. Nimmt man allerdings den Wert der LüP von 9.000 mm heran und rechnet die Fahrzeuglänge im Maßstab 1:87 um, dann sollte die Länge bei 103,45 mm liegen. Tatsächlich ist die Fahrzeuglänge 102,0 mm.

Das zweite Modell zeigt eine Ausführung mit Bremserhaus, wie dies beim CSD-Modell der Fall ist. Die vollständige Betriebsnummer besteht aus der Gattungsbezeichnung Om 93 und der Fahrzeugnummer 795 582, welche korrekt gewählt wurde. Die Revisionsanschriften lauten auf Unt. Fda 4. 9. 53. Dafür werden folgende Anschriften vorgefunden: LüP von 9.000 mm, Ladelänge von 7 m, Ladefläche von 18,5 m², Ladegewicht 20,0 t und Tragfähigkeit 21,0 t. Die Bremsecken sowie der RIV-Schriftzug sind wiederum korrekt angeschrieben. Der Vergleich dieser Angaben mit der Fahrzeugskizze zum Om 93 weist dieselben Fahrzeugdaten aus, sogar das Eigengewicht mit 8.840 kg ist ident. Die Datenerhebung am Modell zeigt dasselbe Bild wir beim Oc 93.

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Tillig 76694 – DR-Wagen

Nachdem die ersten Serien rasch ausverkauft waren, hat Tillig aufgrund des guten Erfolges und der positiven Resonanz im Markt weitere Einzelwagen im Rahmen der Jahresneuheiten 2017 angekündigt. Hierzu zählt der Omu der DR mit Bremserhaus und ohne Beladung. Das Modell wurde mit der Betriebsnummer Omu 35-05-82 beschriftet und trägt die Revisionsanschriften RAW Zwickau 08.11.61. Das Modell ist wie die Vorgängerserien sauber lackiert und bedruckt.

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Tillig 76695 – DB-Wagen

Tillig lieferte zuerst den Om 93/Oc 19 der DB als Zweierset mit Beladung aus. Da sich das Modell als Ganzzugwagen eignet, wurde zur Ergänzung des Fuhrparkes auf der Modellbahnanlage eine weitere Modellversion mit Bremserhaus und ohne Beladung ausgeliefert. Tillig bietet den Wagen unter der Artikelnummer 76695 zum UVP von € 33,50 an. Der Wagen gehört der Wagengattung Om93 an und erhielt die Betriebsnummer 795529. Mit den Revisionsanschriften Unt Fda 10.08.53 gehört dieser eindeutig der frühen Epoche III an.

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Tillig 76693 – DRB-Wagen

Mittlerweile ist auch die Reichsbahn-Variante lieferbar. Unter der Artikelnummer 76693 ist dieser Epoche II-Wagen erhältlich, der die Betriebsnummer Om 95 382 Ludwigshafen trägt. Ein Revisionsdatum ist am Modell nicht angeschrieben.

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Tillig 76697 – MAV Kzn

Nach den Modellausführungen der DR, der DB und der CSD folgt als weitere Staatsbahnvariante ein Modell der Ungarischen Staatsbahn MAV. Die Wagen wurden dort unter der Gattungsbezeichnung Kzn geführt. Tillig hat seinem Erstmodell die Betriebsnummer 255052 aufgedruckt. Im Revisionsraster stehen die Daten REV Db 01.11.60. Der Wagen wurde mit den für MAV üblichen Anschriften bedruckt, wozu auch das MC-Symbol im runden Kreis gehört. Das Modell wurde als Herbstneuheit 2017 zum UVP von € 33,50 angekündigt.

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Tillig 76722 – GySEV Elm

Als weitere Neuheit ist auch das Modell der österreich-ungarischen Eisenbahngesellschaft GySEV zu nennen. Es ist dies das erste Modell, was Tillig mit Epoche IV-Beschriftung ausliefert. Auch dieses Modell gehört zu den Herbstneuheiten 2017 und kostet ebenfalls € 33,50 UVP. Die aufgedruckte Wagennummer 20 43 521 0 032-3 und die Gattungsbezeichnung Elm schließen auf einen bereits im Inlandsverkehr eingesetzten Güterwagen, dessen Daten im Revisionsraster (REV Sm 06.03.75) noch Einsätze in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre ermöglichten.

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