Die ÖBB-Reihe 1046 – Roco 73291 (1046.20) / 73296 (1046.12) / 73294 (1046.002)

Etwa gleichzeitig mit dem Bau der sechsachsigen Schnellzugloks der Reihe 1010 war geplant, leichte lokomotivbespannte Städteschnellzüge mit eigens dafür entwickelten Lokomotiven und Wagen in Verkehr zu setzen. Die ÖBB beschafften für diesen Zweck zwischen 1956 und 1959 25 leichte und 1.600 kW starke Loks der Reihe 4061. Um die Mitführung eines eigenen Gepäckwagens zu ersparen, wurde in der Fahrzeugmitte des Triebfahrzeuges das Gepäckabteil berücksichtigt. Aus diesem Grunde wurden die Maschinen nicht als Loks, sondern als Gepäcktriebwagen eingereiht. Das geplante Konzept wurde aus verschiedenen Gründen nie umgesetzt, sodaß die 4061 im Jahre 1976 zur Reihe 1046 umgezeichnet wurden. Zwölf von 19 Loks erhielten ab 1988 infolge starker Korrosionsschäden am Fahrzeugaufbau einen Neubaukasten, die diesen Maschinen ein ungewöhntes Aussehen verlieh. Während die Altbau-1046 noch in blutoranger und sogar in tannengrüner Lackierung im Einsatz standen, erhielten alle HG-Loks das neue Farbschema mit Bauchbinde und Brille. Als Unikat gilt die 1046.009, sie war die einige 1046 mit Altbaukasten, die das neue Farbschema trug. Die Reihe war zeitlebens in leichten Regionalverkehr eingesetzt und war bis zum Ausscheiden 2003 in Wien-Nord bzw. Wien-FJB beheimatet.


Modellvorstellung

Die Produktion der ÖBB-Leichtbaulokomotive war lange Zeit unklar und hat den Stein erst dann ins Rollen gebracht, als ein Mitbewerber die ersten Ausführungen der ÖBB-Reihe 4061 und 1046 sowohl in der Spurweite H0 als auch in der Spurweite N umsetzte. Neben Rivarossi (H0-Modelle) und die designmäßig identen N-Spurmodelle von Arnold sind noch die Ausführungen von Klein Modellbahn zu nennen, deren Ausführungen mehr als ein Jahrzehnt zurückliegen. Die Fertigungsgabe von Klein Modellbahn war seinerzeit am Zenit, doch die jetzt entstandenen Modelle setzen durchaus neue Maßstäbe im Modellbau, wie Roco dies mit der vorliegenden Ausführung der Reihe 1046 beweißt.

Roco hat zum Beginn zwei Ausführungen angekündigt, und zwar eine 1046 in blutoranger Lackierung sowie eine 4061 in tannengrüner Lackierung mit Indusi, um damit ein Modell im Portfolio zu haben, welches sowohl in Deutschland als auch in Österreich auch grenzüberschreitend im hochwertigen Reisezugverkehr zum Einsatz gelangte. Daß die Reihe 4061 einmal TEE-Züge traktionierte, wissen heute nur mehr die wenigsten, und es müssen nicht unbedingt lange Züge sein.

Die blutorange 1046.20 wird unter den Artikelnummern 73290 (Gleichstromausführung analog), 73291 (Gleichstromausführung digital mit Sounddecoder) und 79291 (Wechselstromausführung digital mit Loksound) angeboten und war zum UVP von € 229,– bzw. € 309,– erhältlich. Diese Ausführung ist in der Gleichstromversion schon ausverkauft. Als erste tannengrüne Ausführung ist unter den Artikelnummern 73292, 73293 (Loksound Gleichstrom) und 79293 (Wechselstrom) die 4061.14 der Zfl. Wien-West erhältlich, die als Stammlokomotive für den Expreßzug „Mozart“ Verwendung fand. Die aktuellen UVP betragen € 234,– bzw. € 314,–.  Unmittelbar nach der Auslieferung der ersten Maschinen wurde noch als weitere Ausführung die 4061.22 der Zfl. Salzburg als Stammlok des TEE „Blauer Enzian“ aufgelegt. Diese Modellausführung ist unter den Artikelnummern 73306, 73307 und 79307 zum zuvor genannten UVP erhältlich.

Verpackung

Roco verwendet bei der Neukonstruktion wie der Reihe 1046 eine neue Verpackungsform, welche von anderen Herstellern bekannt ist. Die Überverpackung besteht diesmal aus zwei stabilen Kartonschachteln. Das Modell selbst liegt in der Ausnehmung der Schaumstoffeinlage, welche genauso altbekannt ist wie die Plastikhaube samt Schaumstoffstreifen zum Schutz des Gehäuses und seiner Anbauteile sowie das Plastikgleis mit der Arretierungsvorrichtung für die Räder. Roco legte dem Modell eine Betriebsanleitung, ein Ersatzteilblatt, einen Zurüstbeutel mit Kurzkupplungen, Schürzenverkleidung am Schneeräumer, Bremschläuche und Zughaken sowie ein Schildersatz der Fabriksschilder bei. Bei der Digitalausführung liegen noch zusätzlich das CV-Blatt und eine Beschreibung zum Sound-Decoder bei.

Technik

Die Antriebskomponenten wurden bei diesem Gepäcktriebwagen intelligent versteckt, und zwar in komprimierter Form unter dem Lokgehäuse. Der Abzug des Kunststoffgehäuses ist aber nicht ohne Zwischenschritt möglich. Zuerst müssen die beiden Kupplungen aus der Kulisse gezogen werden, erst dann läßt sich das Lokgehäuse durch Auseinanderspreitzen vom Chassis nach oben abziehen.

Es fällen dann sofort zwei bauliche Besonderheiten auf. Die Platine ist zum ersten hochgelagert und ist fast direkt an der Decke des Maschinenraums situiert, zum Zweiten wurde der Mittelmotor mit nur einer Schwungmasse durch eine hellbraune/ockerfarbige Abdeckung verschlossen. Der Mittelmotor treibt über beidseitige Kardanwellen und das Stirnrad-/Schneckengetriebe alle vier Achsen an. Die beiden Haftreifen wurden wiederum an den inneren Achsen einseitig aufgezogen.

Die Neukonstruktion wurde sogleich mit einer digitalen PluX22-Schnittstelle versehen. Der Decoder ist von der Oberseite der Platine zugänglich, in welchem entweder ein Brückenstecker bzw. ein Sound-Decoder eingesetzt ist. Der Lautsprecher wurde beim Führerstand 1 platziert. Zwei große Kondensatoren sorgen für einen unterbrechnungsfreien Betrieb bzw. Sound.

Eine Kurzkupplungskinematik ist bei diesem Modell berücksichtigt, wobei die Kulissenführung über ein Loch des Bahnräumers zugänglich ist. Für den Verschluß dieses Schlitzes liegt ein eigenes Zurüstteil bei.

Fahrverhalten

Das Fahrverhalten der Lok ist toll. Das 444 g schwere Modell zeichnet sich durch einen ruhigen und taumelfreien Lauf aus. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von 171 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 37 % zu hoch, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit um ca. 7 % zu hoch. Die Lok läuft knapp drei Längen aus.

Optik

Das Roco Produktmanagement als auch der Formenbau waren nach dem Konkurrenzprodukt eine Mitbewerbers sehr gefordert, ein Modell dieses Gepäcktriebwagens auf die Schiene zu stellen, welches nicht nur technisch, sondern auch optisch besticht und zugleich ohne die offenkundigen Mängel des Mitbewerbermodells auskommt. Das Premierenmodell ist eine blutorange 1046 im Zustand der 1980er Jahre.

Das neukonstruierte Modell zeichnet sich durch tiefe und saubere Gravuren am Fahrzeugkasten aus. Der Roco-Formenbau hat dabei ein tadellos Modell umgesetzt, das viele Details zeigt wie die Mulden an den Führerstandstüren oder die Ausschnitte im Fahrzeugrahmen für die Trittstufen, die Lamellen der Lüftergitter, die nach innen versetzte Gepäcktüre, die verjüngt zulaufende Fahrzeugfront inkl. der verschieden großen Lampen und deren Lampenbefestigungen einschließlich dem Schlußlicht. Die großen Scheinwerfer weisen für die LED-Beleuchtung in der Mitte ein schwarzes Loch auf. Die rundherum befindliche Mattierung imitiert die beim Vorbild existierenden Scheinwerferreflektoren. Die Fensterscheiben sind alle paßgenau in die Öffnungen eingesetzt. Die Gummidichtungen wurden durch schwarze, hauchdünne Linien nachempfunden. Die Fenster des Gepäckraumes weisen nicht nur die markanten Schutzgitter auf, sondern weisen noch ein weiteres Feature auf. Roco hat es bei seiner Neukonstruktion geschafft, einen freien Durchblick durch diese Fenster zu gewährleisten. Dagegen wurden die anderen Führerstandsfenster nur mit einem braunen Hintergrund hinterlegt und zeigen keinerlei Konturen der elektrischen Anlagen. Die Führerstandspulte wurden ebenfalls nachgebildet, im Führerstand 1 befindet sich eine Lokführerfigur. Die Scheibenwischer sind aus Metall gefertigt und bereits werkseitig eingesetzt. Die Haltegriffstangen an den Führerstandstüren sowie bei der Gepäcktüre sind ebenfalls aus Metall und bereits ab Werk eingesetzt. Die Türschnallen sind erhaben dargestellt und silbern eingefärbt, jene der Gepäcktüre wirken etwas flach. Korrekt dargestellt ist die fehlende Klappe für die Dachaufstiege, welche als eigene Zurüstteile ebenfalls in den Lokkasten bereits eingesetzt sind.

Das Dach wurde vorbildgerecht umgesetzt und weist zwei Abdeckungen auf, bei denen die Verschlüsse erhaben dargestellt werden. Die Isolatoren, der Hauptschalter und die Dachleitung sind dem Vorbild nachempfunden. Der Dachsteg ist auf Ständern nachgebildet, die je nach Länge der Latten auf drei (Führerstand 2), vier (über dem mittleren Lüftergitter) bzw. fünf Stehern aufliegen. Die Latten des Dachsteges wurden in hellbrauner Farbe dargestellt, wobei auch die Bretterfugen sowohl in der Länge wie auch quer dazu zu sehen sind. Fünf Latten sind zwischen den Stromabnehmern verlegt. Die filigranen Stromabnehmer tragen eine Siemenspalette, dazu gehört die Lokpfeife am rechten Eck über dem Führerstand und der eine Dachgriff des Dachaufstieges.

Roco hat es geschafft, die Fahrzeugschürze korrekt nachzubilden. Diese zeichnet sich durch einen tiefen, abgerundeten Einzug aus. Die Klappdeckel sind angraviert und samt Scharniere und Griffe nachgebildet. Die Drehgestelle weisen eine optische Tiefenwirkung auf und zeichnen sich durch weitere Details aus.

Farbgebung und Beschriftung

Das Modell wurde tadellos lackiert und bedruckt. Die Zierlinien sind sauber aufgetragen, selbst an den Rundungen des Lokkastens. Das gilt auch für die Bedruckung. Die Lokanschriften sowie die Bremsanschriften sind richtig platziert. Das als 1046.20 bedruckte Modell ist bei der Zfst. Amstetten beheimatet. Das Revisionsdatum stammt vom 17. 5.83. Die Angaben des Fabriksschildes sind unter einer guten Lupe lesbar.

Beleuchtung

Roco hat bei seiner Neukonstruktion die wartungsfreien LED verbaut. Das Spitzenlicht besteht aus drei, warmweißen Lichtern, die über den kleinen Kreis und die mattierten Reflektoren ausleuchten. Das Schlußlicht besteht aus einer roten LED. Die Ansteuerung erfolgt fahrrichtungsabhängig.

Digitalbetrieb

Da das vorliegende Modell in der Soundausführung und mit Digitaldecoder zur Verfügung stand, wurden auch diese Funktionen getestet. Roco hat bei seinem Modell einen Zimo-Decoder eingesetzt, der neben den üblichen Soundfunktionen noch ein paar besondere Features zur 1046 verfügt. Die bekannte Bahnsteigansage im (ost)deutschen Akzent scheint jedenfalls nicht auf.

Im Digitalbetrieb fährt die Lok zeitverzögert an. Die Betriebsgeräusche des Sounds sind dementsprechend angepaßt. Der verbaute Decoder ermöglicht dabei verschiedene Lichtspiele wie Abblendlicht, Führerstandsbeleuchtung vorne bzw. hinten oder auch Maschinenraumbeleuchtung. Das Nachempfinden der Lokpfeife wird ebenso nachgestellt wie die Geräusche beim Kuppelvorgang usw. und so fort.

Aufklärungsarbeit seitens des Herstellers

Wir leben in einer Zeit, in welcher verschiedene Ansprüche auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen sind. Die Nachbildung von Modellen erfordert bereits im Vorfeld, also schon bei der Idee, sehr viel Know-how, um das Projekt auch effizient und kostengünstig umsetzen zu können. Je besser die Entwicklung und Produktion durchdacht ist, um besser und auch kostengünstiger sind Formvarianten umzusetzen.

Die Preisentwicklung der letzten Jahre hat das Hobby sehr teuer werden lassen. Die Folgen sind uns teilweise bekannt. Manche Hersteller standen fast vor dem Ruin. Ungeachtet dessen gibt es immer noch Modellbahner, die nach wesentlich mehr Detailierung verlangen, ohne zu bedenken, welche Folgekosten und Preisdimensionen dann losgetreten werden.

Um den Kunden und den Modellbahnern einmal vorzuführen, wie aufwendig und kostenintensiv eine Neukonstruktion ist, hat der Hersteller Roco im Zuge seiner Neukonstruktion der Reihe 4061 bzw. 1046 ein informatives Video erstellt, um dem Publikum einmal zu verdeutlichen, warum die Modelle jene Preisdimension erlangen, wo sie heute sind. Das Video ist absolut sehenswert.

Teil 1: https://www.youtube.com/watch?v=gcOVSrsU9qI

Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=sRnj9HSQ6sM


Bilder


Modellvorstellung 73296 – ÖBB 1046.12

Beim vorliegenden Roco-Modell handelt es sich um die erste Modellausführung einer tannengrünen 1046 überhaupt. Roco hat dabei die Betriebsnummer 1046.12 ausgewählt, die als einzige nach der Umzeichnung von der Reihe 4061 zur 1046 im Jahr 1976 weiterhin ohne Zugschlußlampe im Einsatz war. Dafür besaß die Lok eine resedagrüne Zierlinie in Kastenmitte sowie noch das alte Flügelrad an den Fahrzeugfronten. Das Modell der 1046.12 wurde daher in drei verschiedenen Produktausführungen gefertigt. Die Gleichstromversion ist unter der Artikelnummer 73296 zum UVP von € 234,– zu bekommen. Die entsprechende Sound-Version gelangte unter der Artikelnummer 73297 zum UVP von € 314,– in den Fachhandel, zum selben Preis ist auch die Wechsel-Stromversion, ebenfalls mit Loksound, unter der Artikelnummer 79297 erhältlich. Die Auslieferung des Modells erfolgt wiederum gut verpackt. Zum erweiterten Lieferumfang gehört ein Schildersatz aus lackierten Ätzteilen, womit das Modell extra aufgemotzt werden kann. Das wunderschön gelungene Modell mit den korrekt umgesetzten Schürzen ist mit mehreren Ansetzteilen ausgestattet und weist eine tadellose Lackierung und saubere Bedruckung auf. Unter zu Hilfenahme einer Lupe sind sogar die klein gedruckten Angaben vom Fabriksschild zu lesen. Die Lok ist bei der Zfst. Amstetten beheimatet, das aufgedruckte Revisionsdatum stammt vom 30.06.1975.


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Modellvorstellung 73294 – ÖBB 1046 002

Die Salzburger fertigen mit der Ankündigung der Modellumsetzung der 1046 002 einen besonderen Exoten innerhalb der Typenfamilie. Die Lok erhielt im Zuge von Ausbesserungsarbeiten einen Neulack in Blutorange mit einem Zierstreifen in Elfenbein. Der Rahmen und das Fahrwerk blieben dabei Tiefschwarz, das Dach weiterhin weißaluminium. Als Revisionsdatum ist der 12.01.88 aufgedruckt, die Lok war seinerzeit schon in der Zfl. Wien-Nord stationiert. Die Modellausführung ist in drei verschiedenen Ausführungen (73294 = Analog-Gleichstromversion, 73295 = Digital-Gleichstromversion und 79295 = Digital-Wechselstromversion) zu den vorhin genannten UVP erwerbbar. Die Bremstafeln liegen zusätzlich als lackierte Metalltafel zur Selbstmontage bei.


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