Der ÖBB-Motorbahnwagen X 625.9 – Liliput 143001/143000

Für die Erhaltung des Streckennetzes standen nach dem Zweiten Weltkrieg nur sehr einfache Hilfsmittel bzw. –fahrzeuge zur Verfügung wie zum Beispiel Gleisfahrräder, welche mittels Ansteckmotor eine „flottere“ Fortbewegung ermöglichten. Allerdings war dabei an den Transport von Materialien, Werkzeuge oder ganze Baumannschaften nicht zu denken, sodaß für diese Transporte eigene Züge verkehrten.

Als günstigen Lösungsansatz wurde der Bau verschiedener Motorbahnwagen angesehen. Diese etwas zierlich aussehenden Fahrzeuge wurden ab den Fünfziger Jahren in den Werken Wörth, südlich von St. Pölten, in mehr als 200 Stück realisiert. Der Wagenkasten besteht dabei aus einem Stahlgerippe, beinhaltet zwei bzw. drei Türen, und wurde zunächst mit Holz, später dann mit Blechen verschalt. Im Wagenkasten befinden sich an dessen Enden die Holzbänke für das mitfahrende Personal sowie in der Mitte ein dieselmechanisch angetriebener Motor. Der Kasten sitzt auf einem in Schweißausführung und in U-Profilen gefertigen Fahrgestellrahmen, welcher die beiden Räder aufnimmt. Die Kraftübertragung erfolgt mittels Ketten.

Die ÖBB beschafften verschiedene Typen. Als erste Ausführung ist der X 614 (MBW35, Bauzeit 1954 bis 1991, 22 kW, 50 km/h) zu erwähnen. Das Fahrzeug verfügt über keine Pufferträger und kann daher nur einfache Loren transportieren, die mittels Stangen gekuppelt werden. Für die Schmalspurstrecken wurden die X 614.9 gebaut. Die Nachfolgeserie der Reihe X 625 (MBW 100, Bauzeit 1957 – 1973) wurde im mechanischen Teil robuster konstuiert und stellte die Basis für die daraus abgeleitete Schmalspurvariante X 625.9 sowie für den ebenfalls auf Normspurstrecken einsebaren X 626 (ab 1973, Motorleistung ebenfalls knapp 74 kW) dar. Alle drei Fahrzeugreihen verfügten über den selben Fahrzeugkasten, unterscheiden sich lediglich in die Spurweite und den montierten Kupplungen. Während der schmalspurige X 625.9 nur über die Kleinwagenkupplung verfügt, wurden die normalspurigen Pendants zusätzlich mit einer herkömmlichen Zug- und Stoßvorrichtungen ausgestattet, um auch Güterwagen zur Baustelle transportieren zu können.

Die Fahrzeuge waren zunächst zweifärbig in grün/beige bzw. rot/beige lackiert, in den 1980er Jahren änderte sich die Lackierung einheitlich auf den Farbton gelb. Die Stirnfront im Bereich der Puffer und der Kupplung wurden wegen des hohen Verschmutzungspotentials schwarz lackiert. Die Fahrzeuge waren bis vor einigen Jahren bundesweit bei jeder Bahnmeisterei bzw. jedem Bauhof zugeordnet und im Einsatz und erhielten vereinzelnd noch die neue TSI-Nummern.


Modellvorstellung

Die Modellumsetzung dieser Baudienstfahrzeuge für die ÖBB sind das Verdienst des ehemaligen Liliput-Generalvertreters für Österreich, der Fa. Dolischo. Heribert Ischowitsch ist massgeblich für die Realisierung dieser Topneuheit der letzten Jahre für den heimischen Modellbahnmarkt verantwortlich, womit mit der Modellumsetzung eine weitere Lücke in diesem eher stiefmütterlich behandelten Segment geschlossen wird.

Die Fa. Dolischo hat die Bahndienstwagen der Reihen X 625.9 für die Schmalspur und X 626 für die Normalspur erstmals 2013 als Neuheit vorgestellt und das Projekt vorangetrieben. Die Konstruktion sowie die Produktion hat mehr als 2,5 Jahre in Anspruch genommen, bis endlich im Herbst 2015 die ersten Modelle in den Handel gelangten. Als erstes Modell der für Österreich so wichtigen Bahndienstfahrzeuge wird der X 625.903 mit 2 Loren vorgestellt, der unter der Artikelnummer L143001 in den Fachhandel gelangte.

Verpackung

Liliput-Modelle werden in einer zweifachen Verpackung ausgeliefert. Das Modell ist in einer passgenauen Blisterbox mit Plastiküberzug arretiert, die wiederum in einer stabilen Kartonverpackung mit Überzug verstaut ist. Die Auslieferung erfolgt in drei Teilen. Die Draisine, eine Lore mit Niederbordwänden sowie eine Flachlore liegen einzeln in der Blisterbox. Dem Modell liegt ein Zurüstbeutel, ein Ersatzteilblatt und eine detailliert gestaltete Betriebsanleitung bei, die leider ein wesentliches Manko hat. Bei der Darstellung der Wartungsmöglichkeiten des Modells wird zwischen der Schmalspurversion (143001) und dem Normalspurmodell (133001) ständig hin- und her gewechselt. Eine klare Linie in der Darstellung ist leider nicht zu erkennen und wird zudem noch, weil beide Fahrzeuge unterschiedlich aufgebaut sind. Der Zurüstbeutel enthält die extra noch anzusetzenden Bremsschläuche und die Verbindungskupplungen für die Fahrzeuge. Das Modell wird in der Gleichstromversion für einen UVP 199,– angeboten.

Technik

Die kompakten Hauptabmessungen des Vorbildes erforderten bei der Unterbringung der technischen Teile klein dimensionierte Komponenten, die allesamt in dem lediglich nur 5,8 cm langen, zweiachsigen Fahrzeug unterzubringen waren. Ein kleiner Antriebsmotor befindet sich zwischen Modellunterboden und der Führerhausverkleidung und greift direkt über die an der Motorwelle angesetzten Welle auf das Zahnradgetriebe des Modells hinein, das beide Achsen – ohne Haftreifen – miteinander antreibt. Das Modell verfügt trotz der beengten Bauweise über eine 18polige Schnittstelle nach NEM 662 (Next18-Schnittstelle) für den Digital-Betrieb, die im Gehäuseinneren gut versteckt ist. Das Fahrzeug besitzt als Kupplung eine Mittelpufferkupplungen an den Fahrzeugenden, mit welcher über eigens mitgelieferte Kupplungen die Loren transportiert werden können. Wie man an die technischen Komponenten des Modells vordringt, ist leider aus der nur unzureichend erläuternden Betriebsanleitung nicht entnehmbar.

Fahrverhalten

Mit einem Eigengewicht von lediglich 46 Gramm ist das Modell wesentlich leichter als so mancher Modellbahnwagen. Das Modell weist hervorragende Laufeigenschaften auf, und das braucht es auch. Für den sicheren Betrieb über Weichenstrassen oder längeren isolierten Abschnitt wurde das Fahrzeug mit entsprechenden Pufferspeichern ausgestattet, die ein Stottern oder Stehenbleiben verhindern sollen. Die Höchstgeschwindigkeit des Vorbildes beträgt 50 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von ca. 127 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 153 % zu schnell, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 50 % – ist die Modellgeschwindigkeit um ca. 123 % zu hoch. Die Auslaufstrecke bei 12 V Gleichstrom betrug infolge des eingebauten Pufferkondensators gut einen Meter.

Optik

Die Drasine entspricht konstruktiv wie so viele frühere Dolischo-Konstruktionen wieder einmal nicht dem Vorbild, wobei die inkorrekte Modellumsetzung aufgrund falscher nicht genau eingehaltener Maßangaben zum Vorbild resultiert. Es scheint bedauerlicher weise eine österreichische Eigenheit zu sein, sich bei Neukonstruktionen nicht exakt genug am Vorbild orientieren zu müssen. Wenn man von diesem eklatanten Mangel absieht, kann sich das Modell dennoch sehen lassen, immerhin ist der Wiedererkennungswert von Modell und Vorbild schon gegeben. Die Fenster sind passgenau, die Scheinwerfer und die Scheibenwischer sind eigens eingesetzte Teile, wie auch die aus Draht geformten Haltegriffe bei den Türen. Die Dachparte wirkt stimmig.
Die beiden Loren stellen einfache Konstruktionen dar, wobei der Bretterverschlag des Niederbordwagens als solcher nicht wahrzunehmen ist. Dafür sind die drei Nietenköpfe an der Außenseite gut zu erkennen. Die gelbe Bretterwand ist in vorgesehenen Ösen eingesteckt.

Farbgebung und Beschriftung

Das Modell ist tadellos lackiert. Die Bedruckung ist extrem klein, aber in Teilen noch mit der Lupe problemlos lesbar. Der X 625.903 gehört zur Bm St. Pölten. Die Niederbordlore hat die Wagennummer Kl X 601.9311, die Anschriften sind sehr klein dargestellt und selbst unter der Lupe schwer zu lesen. Der Flachwagen trägt die Betriebsnummer Kl X 601.9310.

Beleuchtung

Das Modell wird mittels LED-Leuchtkörper illuminiert.


Bilder 143001


Bilder 143000 (StLB X 626.205 – Stainzer Lokalbahn)

Als weitere Neuheit ist dieser einzige für die Schmalspurgleise von 760 mm Spurweite umfunktionierte X 626.205 der Stainzer Lokalbahn erschienen. Dieser Skl entspricht in der Umsetzung jener Kritik, die oben schon geäußert wurde, weil es sich bei diesem Modell um ein reines Phantasiemodell handelt. Das Modell hat gegenüber dem Vorbild kein silbernes Dach, die Auspuffverkleidung ist ebenfalls nicht silbern lackiert, am Dach ist zusätzlich eine Konsole zu viel. Das Modell gelangt als Solo-Fahrzeug unter der Artikelnummer 143000 zum UVP von € 155,– zur Auslieferung.


Liliput 245180 & 245181 – Bilder

Als Ergänzung zum Set bzw. zum Solo-Skl wurden zwei Einzelwagen für die 760 mm Spurweite aufgelegt, die werkseitig für die Draisine der StLB zugedacht sind. Beim Studieren der Anschriften findet sich kein entsprechender Hinweis, daß die Wagen zur Stainzer Lokalbahn gehören. So gesehen sind diese beiden Beiwagen auch für das schmalspurige ÖBB-Fahrzeug verwendbar.