Exact-train 20751 / 20752 / 20755: Güterwagenbauart Gms 39 (DRG, DB, NS, CSD)
Bei den zweiachsigen, gedeckten Güterwagen dieser Bauart handelt es sich um eine tschechische Bauart, die in den Jahren 1948 bis 1950 in einer Stückzahl von 2.300 Wagen beschafft worden ist. Die Beschaffung in Tschechien geht auf dem Umstand zurück, da die heimischen Werke noch mit der Ausbesserung der kriegsbeschädigten Wagen ausgelastet waren. Für die Lieferung von Neuwagen fehlte einfach die Kapazität. Die Wagen kamen mit Gleitlagern, Einfachschaken und 650 mm-Puffern zur Auslieferung. Der Wagenkasten erhielt eine mittlere 1.792 mm breite Seitenwand-Schiebetüre und ein ebenes Sprengwerk. Die Beplankung bestand aus Brettern. Die Lieferung umfaßte Wagen mit Handbremse bzw. Druckluftleitungen.
Die erste Bauartbezeichnung lautete auf Gm(s) Bremen in der DR-Bizone. Sie wurden bei der DB als Gm(s) 39 bezeichnet und wurden bei der Umstellung auf die UIC-Nummer dann auf die neue Gattungsbezeichnung Glm(s) 202 umgeschrieben. Die Wagenserie gab es mit und ohne Bremserhaus und wurden auch von anderen Bahnverwaltungen beschafft. Die DB-Wagen, die auch im EUROP-Wagenpark gereiht waren, schieden bis 1979 aus dem Bestand.
Für die zweiachsigen Laufwerke wurden Radsätze mit Gleitlagern und Vollradscheiben verwendet. Pakete aus sechslagigen Blatttragfedern sorgen für einen ruhigen Lauf. Einfache Schaken verbinden die Federpakete, die auf den Radsatzlagergehäusen stehen, mit den Federböcken am Untergestell.
930 Wagen haben eine Druckluftbremse der Bauart Hildebrand-Knorr Hik-GP. Diese Bremse hat einen manuell umzustellenden, zweistufigen, mechanischen Lastwechsel. Die einfachen Guss-Bremsklötze werden von einem Bremszylinder über ein Bremsgestänge bewegt und wirken auf die Laufflächen der Radsätze. Alle Wagen mit Druckluftbremse haben auch eine Feststellbremse, die mit einer Kurbel vom stirnseitigen Bremserhaus aus bedient wird. Die restlichen 1.400 Fahrzeuge haben keine eigene Bremse, sondern nur eine Druckluft-Durchgangsleitung. Während die Wagen mit Bremse bei Höchstgeschwindigkeiten von 100 km/h eingesetzt werden können, dürfen die „Leitungswagen“ nur 80 km/h schnell fahren.
Als Zugvorrichtungen stehen normale Schraubenkupplungen und Zughaken zur Verfügung. Automatische Mittelpufferkupplungen können nicht montiert werden. Stoßkräfte werden über Federpuffer der Bauart Ringfeder mit runden Puffertellern übertragen.
Das Untergestell besteht aus verschiedenen Stahlprofilen, die einen stabilen Rahmen bilden. Ein dreieckiges, ebenes Sprengwerk verstärkt die Konstruktion. Bei Wagen mit Feststellbremse ist das Untergestell an einer Stirnseite um die 700 mm lange Bremserbühne verlängert. Die Bühne hat ein festes Stahlgeländer und seitliche Trittstufen mit Holzbelag.
Für den Wagenkasten wurden unterschiedliche, senkrecht stehende Stahlprofile verwendet, die bis zum Dachansatz reichen, Sie sind von innen mit waagerechten Kiefern-Holzbrettern beplankt. Die Endfelder der Seitenwände sind durch Diagonalstreben verstärkt. Ein durchlaufender Obergurt schließt die Seitenwände zum Dach hin ab. Dreiecksbleche verstärken die Verbindungen zwischen Eckrungen und Obergurt. Die Bremserhäuser bestehen ebenfalls aus Holz und haben rechts und links einfache hölzerne Drehtüren. Durch eine kleine Luke an der Stirnseite dringt Licht ins Bremserhaus.
Im Gegensatz zu deutschen Wagen sind die Stirnseiten nur bis zum Dachansatz mit Holz verkleidet. Die senkrechte Fläche in der Dachrundung besteht wie das Dach aus Blech. Das Bremserhaus ist ebenfalls mit Blech eingedeckt. Zum Be- und Entladen haben die Wagen auf jeder Längsseite eine einflügelige verriegelbare Schiebetür, die manuell bedient werden muss. Der genietete Stahlrahmen dieser Tür ist mit waagerechten Brettern verkleidet.
Unten laufen die Türen auf zwei Rollen, die auf einer Stahlschiene stehen. Oben ist werden sie nur von einer Führungsschiene gehalten. Lange Trittbretter unter den Türen erleichtern das Einsteigen vom Boden aus. Die kleinen Lüftungsöffnungen im oberen Bereich der mittleren Seitenwandsegmente können von innen durch Schieber verschlossen werden.
Der Fußboden besteht aus stabilen, befahrbaren Kiefernholz-Bohlen. Signalhalter, Haltegriffe und Zettelkästen vervollständigen die Ausstattung der Wagen.
Die Deutsche Bundesbahn stellte Anfang der 1950er Jahre viele der hier vorgestellten Wagen zusammen mit den „alten“ Gms Bremen in den EUROP-Pool ein, aus dem sie jedoch bald durch Neukonstruktionen verdrängt wurden. Anfang der 1960er Jahre wurden die Fahrzeuge in ein Umbauprogramm aufgenommen und dienten als Spender für die Wagen der Bauart Gmms 40 (Gs 210). Im Laufe des Einsatzes wurden einige der Bremserhäuser entfernt, so dass auch Wagen mit offener Bremserbühne entstanden.
Einige Wagen waren RIV-fähig und konnten somit international eingesetzt werden (Austauschkennziffer 21), dies wurde jedoch später wieder zurückgenommen. An den Wagen wurde angeschrieben, dass sie den Bereich der DB nicht mehr verlassen durften, außerdem war es an der Austauschkennziffer 20 ersichtlich. Bis zum Ende der 1970er Jahre verschwanden die Glm(s) 202 von den Gleisen der DB. Einige wurden weiterhin als Bahnhofswagen zur Aufbewahrung von Werkzeugen und Baustoffen verwendet.
Vorgeschichte
Die Güterwagenbauart Gms 39 ist aus der zuvor entstanenen Kriegsbauart des Gmhs Bremen, dem späteren Glm(s) 201 entstanden. Das hohe Transportaufkommen auf der Schiene und die großen Materialverluste im Zweiten Weltkrieg machten in dieser Zeit eine hohe Produktionsrate von einfachen Güterwagen notwendig.
Die Waggonbauindustrie passte sich diesen Gegebenheiten und an die herrschende Rohstoffknappheit an. Sie entwickelte einfache Fahrzeuge, bei denen viele Teile entfeinert oder gar weggelassen wurden. Zusätzlich mussten die Lastgrenzen der Fahrzeuge gesteigert werden, um möglichst viele Güter in kürzeren Zügen befördern zu können.
Aus diesen Bemühungen heraus entstand bei den gedeckten Güterwagen im Jahre 1943 die Bauart Gmhs Bremen, von der bis 1945 7.280 Wagen an die Deutschen Reichsbahn geliefert wurden. Die Wagen waren knapp 2.000 kg leichter aus ihren Vorgängern, die Ghs Oppeln (Gmhs 30, Glms 200) und hatten eine um 3.500 kg höhere Tragfähigkeit.
Der Wagenmangel nach dem Zweiten Weltkrieg veranlasste die Deutsche Reichsbahn der britischen und der US-Zone, bzw. die spätere Deutsche Bundesbahn zwischen 1948 und 1950 weitere 6.190 Gmhs Bremen zu beschaffen. Die Wagen der Friedensausführung wiesen allerdings stärkere Stahlprofile auf und waren deshalb 400 kg schwerer als die Kriegsbauart.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren in Deutschland so viele Güterwagen beschädigt oder zerstört, dass nicht alle Transportaufgaben erfüllt werden konnten. Es wurden dringend neue Wagen gebraucht, um diesen Mangel zu beheben. Aber auch die Waggonbauindustrie lag in Trümmern oder war mit der Aufarbeitung beschädigter Wagen beschäftigt. Weil die heimische Industrie den Bedarf nicht decken konnte, wurden Wagen im Ausland beschafft. Dabei versuchte man, die Wagen auf deutsche Verhältnisse abzustimmen oder besser gleich Fahrzeuge nach deutschen Vorbildern bauen zulassen. Aus dieser Situation heraus entstanden u. a. die hier vorgestellten gedeckten Wagen der Bauart Gm(s) Bremen, später Gmhs 35, Glm(s) 201. Sie entsprachen weitgehend den Wagen der Kriegsbauart des gleichnamigen Gattungsbezirks. Markantester Unterschied war der um einen Meter kürzere Achsstand.
Modellvorstellung
Die Güterwagenbauart wurde vom Hersteller bereits vor einem Jahr als Neukonstruktion angekündigt und erweiterte damit sein Sortiment zu den bereits schon lieferbaren Güterwagenbauarten der Reichsbahn sowie deren kriegsbedingten Nachfolgegesellschaften. Exact-Train hat anläßlich der Ankündigung die Produktion verschiedener Modelle ins Auge gefaßt und sorgt auch dafür, daß von diesem Reichsbahnwagen Versionen außerhalb der DR Brit-US-Zone, der DB, DB-EUROP auch Ausführungen der Niederländischen Staatsbahnen und der CSD verfügbar sind. Bislang sind nur Einzelwagen mit verschiedenen Betriebsnummern angekündigt. Der UVP der unlängst ausgelieferten Neuheit beträgt € 42,50.
Die vorliegenden Modelle werden in gewohnter Weise in der sehr robusten Verpackung ausgeliefert und sitzen stramm in der Ausnehmung des Kunststoffeinsatzes. Die Modelle sind in eine dünne Folie gewickelt und lassen sich damit problemlos aus der Ausnehmung heraus ziehen. Das vorliegende Güterwagenmodell ist wiederum aus Kunststoff gefertigt und weist zahlreiche Detaillierungen auf. Das Gehäuse sitzt auf einem Metallchassis. Es erhöht damit nicht nur das Eigengewicht des Modells, sondern sorgt auch für eine besseres Rollverhalten. Die Neukonstruktion erhielt eine voll funktionstüchtige Kurzkupplungskulisse eingebaut, die im Wagenboden untergebracht ist, zudem sind wie bei allen Modellen des Herstellers Federpuffer angesetzt. Die Bremsanlage ist am Wagenboden vollständig realisiert. Allerdings scheint das Sprengwerk sowie auch die Trittstufe der Seitentüren viel zu tief sitzen. Auf Vergleichsbildern und Zeichnungen ist der untere Knick über dem Achslager gelegen. Der Wagenkasten weist nicht nur die Nachbildung feiner Bretterfugen auf, sondern sehr schön umgesetzt wurden die einzelnen Profilleisten der Wagenfelder und die Nieten. Wie bei Exact-Train üblich, sind die optisch auffallenden und der tschechischen Bauart entsprechenden Lüftergitter/-klappen als Ätzteil nachgebildet, der Klappriegel der Türe beweglich nachgebildet und alle Griffe bzw. Halterungen schon ab Werk eingesetzt. Dies gilt auch für die Trittstufen. Selbst die bei der Türe befindliche Führungsstange ist nachgebildet.
Exact-Train realisiert den Wagentyp in unterschiedlichen Ausführung, wobei die Ausführungen der DB und der CSD in brauner Kastenfarbe gehalten sind. Güterwagen der Niederländischen Staatsbahnen (NS) sind traditionell nach dem Zweiten Weltkrieg in grauer Farbgebung gehalten. Die Anschriften sind sauber aufgetragen und gut lesbar. Die entsprechenden Fahrzeugangaben zu den Modellen wurden bei den jeweiligen Artikeln angeführt.
Bilder 20751
DB-Güterwagen mit der Wagennummer 249 314, eingestellt im EUROP-Wagenpark, und der Gattungsbezeichnung Gm 39, Revisionsanschriften REV Dst 12.04.62.
Bilder 20752
Ausführung dieser Güterwagen-Bauart der Niederländischen Staatsbahnen (NS): Der in grauer Farbgebung gehaltene Wagen trägt die Wagenanschriften X-CHG 20493 und ist ebenfalls im EUROP-Wagenpark eingestellt. Im Revisionsraster stehen die Untersuchungsdaten REV AMF 15.11.54.
Bilder 20755
Die CSD-Ausführung dieser Wagenform ist auch mit Computernummer erhältlich. Das Modell mit der angeschriebenen Wagenbauart Glm/Ztr ist mit der Betriebsnummer 21 54 104 7 783-4 angeschrieben und weist die Untersuchungsanschriften REV 3 Lo 10.09.69 auf.
























