ÖBB-Reihe 1073: Rivarossi HR2852

Die BBÖ nahm zwischen 1923 und 1925 eine Type in Betrieb, die ihre optische Verwandtschaft zur Dampflok nicht leugnen kann. Die Anordnung des Fahrzeugaufbaus mit nur einem Führerhaus und lange vorgezogenen Maschinenraum mit beidseitigen kleinen Vorbau ergab sich aus dem Zwang der Gewichtsverteilung heraus. Das künftige Einsatzgebiete legte die Ausführung einer Type mit der Achsfolge 1′ C 1′ fest. Gefordert war die Beförderung vor leichten Reisezügen auf Strecken mit bis zu 25 %o-Steigung, leichte Kurvengängigkeit und die Abwicklung von Verschubarbeiten unter besonders strengen Rahmenbedingungen. Die Achslast war wie bei alle Neubauloks mit 14,5 t limitiert. Die Loks erhielten bei der Ablieferung die Reihenbezeichnung 1029 und lehnte sich an die Dampflok-Reihe 29 mit selber Achsfolge an. Von insgesamt 20 gebauten Loks konnten nach 1945 noch 13 Maschinen als Reihe 1073 in Betrieb genommen werden. Erste Einsätze führte die Loks zur Erprobung auf die Preßburgerbahn und danach auf die neu elektrifizierte Strecke Innsbruck-West – Telfs. Erst danach kamen sie ins Salzkammergut. Heimatdienstdienststelle war bis zum Ausscheiden Attnang-Puchheim.


Modellvorstellung

Rivarossi hat vor gut zehn Jahren die Modellumsetzung der BBÖ-Reihe 1029 bzw. als ÖBB-Reihe 1073 angekündigt und sogleich mit Modellen der BBÖ, der DRB und der ÖBB aufgelegt. Als die Kundschaft sich über die schlechten Laufeigenschaften beschwerten, wurde bei der Neuauflage im Jahr 2016 der Antrieb überarbeitet. In diesem „verbesserten“ Zustand wurde in Neuheitenkatalog 2021 eine weitere Modellvariante der DRB und der ÖBB angekündigt, welche es auch als Soundmodell für Gleichstrom gibt. Die Artikelnummern lauten daher auf HR2852 bzw. HR2852S. Der UVP liegt zwischen € 315,– und € 369,– (Das dürften die erhöhten UVP nach der Preisankündigung sein).

Verpackung

Die Modelle von Rivarossi werden in der zweifachen Kartonverpackung ausgeliefert. In der Ausnehmung des Schaumstoffkerns ist die Blisterverpackung mit dem Modell eingeschoben. Auch hier muß – wie bei anderen Herstellern – zunächst die Plastikummantelung abgezogen werden, danach läßt sich die Arretierung der Blisterverpackung öffnen. Das Modell an sich ist wiederum in eine dünne Plastikfolie gewickelt und ist rutschfest in der Blisterverpackung abgelegt. In einer Nische der Blisterverpackung ist ein Zurüstbeutel abgelegt, darin befinden sich lediglich extra beigelegte Kupplungsteile für die Lokomotive. Unter diesem Schaumstoffkern sind die gedruckten Beilagen versteckt. Diese bestehen aus einem Ersatzteilblatt und einer Betriebsanleitung. Die Betriebsanleitung ist aber in dieser Form leider unbrauchbar. Die kleine Schriftgröße erfordert zum Lesen ein Vergrößerungsglas. Es ergeht erneut an die Hersteller die Bitte, diese wichtigen Dokumente barrierefrei zu erstellen.

Technik

Im schmalen Vorbau sind alle technischen Komponenten der E-Lok untergebracht. Das Kunststoffgehäuse ist auf dem Chassis aufgesetzt. Zum Abnehmen dieses Teiles ist es zuvor notwendig, die vier Griffstangen des Führerstandes vom Fahrzeugrahmen herauszuziehen, um anschließend das Gehäuse nach oben abziehen zu können. Über dem Motorblock und dem Rahmen befindet sich die Zentralplatine. Diese hat eine 21polige Digital-Schnittstelle. Die Soundversion ist mit zusätzlichen Teilen ausgestattet, der notwendige Lautsprecher ist im Führerhaus untergebracht.

Ein fünfpoliger Mittelmotor mit einer Schwungmassen sitzt im Fahrzeugrahmen und treibt über einen Wellenstummel und dem anschließenden Zahnradgetriebe die erste Treibachse an und nimmt die beiden anderen Räder über die Kuppelstange mit. Die Treibachse ist zugleich auch mit Haftreifen versehen. Alle Achsen sitzen starr im Modell, die Antriebsachse verfügt über ein leichtes Seitenspiel, die mittlere Achse über eine größere Beweglichkeit in beide Richtungen. Am Rahmenende sind jeweils Kurzkupplungskulissen mit NEM-Schacht verbaut.

Fahrverhalten

Die Lok hat wie schon wie zum Beginn erwähnt, ein besseres Laufverhalten erhalten und fährt nun seidenweich auf den Gleisen. Das Modell bringt ein Eigengewicht von 199 Gramm auf die Waage. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von ca. 92 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 23 % zu schnell, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist sie um ca. sieben % zu langsam.

Optik

Altbau-E-Loks stellen für die Konstrukteure stets eine Herausforderung da, da sie im Unterschied zu Lokomotiven der Gegenwart mit vielen äußerlichen Details aufwarten anstatt glatter Seitenwände. Der erste Blick richtet sich auf das markante Lokgehäuse mit dem schmalen Maschinenraum und dem kurzen Vorbau. Das Gehäuseteil ist reichhaltig detailliert und gibt alle Abdeckungen bzw. Lüftergitter wieder. Das große Lüfterteil ist in die Kastenform eingesetzt, die Kühlschlangen bzw. -windungen sind fein und tief graviert. In den Fahrzeugkasten sind noch zusätzlich eigene Griffstangen eingesetzt, am Fahrzeugrahmen ist eine Leitung angesetzt. Die Frontpartie zeigt unterschiedlich ausgeführte Scheinwerfer mit schön ausgeführten Aluringen. Dasselbe gilt auch für die andere Fahrzeugseite beim Führerstand. Das Führerstandsgehäuse ist mit feinen Nieten versehen, schön ausgeführt sind auch die Türgriffe. Die Fenster sind bündig von innen eingesetzt, die eingesteckten Führerstandsgriffstangen sind aus Stahldraht gefertigt.

Das Dach ist mit zwei Stromabnehmern mit Wanisch-Palette bestückt. Die Rillenisolatoren als auch die Dachisolatoren sind ebenfalls sehr schön umgesetzt. Die rot lackierte Dachleitung ist aus Stahldraht gefertigt. Das Dach zeigt nicht nur erhaben dargestellte Befestigungspunkte, sondern auch eingesetzte Handgriffe oder auch Lokpfeifen. Das Fahrwerk brilliert durch die schwarz gehaltenen Treibräder mit seinen feinen Speichen. Sämtliche Bremsapparaturen befinden sich auf Radlaufebene. Die Kuppelstangen sind zierlich ausgeführt, rot bedruckt und mit unauffälligen Sechskantschrauben verbunden. Abstriche sind lediglich bei der Blindwelle zu konstatieren, indem das Lager bzw. die Verbindungsstelle in vereinfachter Form wiedergegeben wurde.

Bedruckung und Beschriftung

Die Farbaufteilung sowie auch die Umsetzung der Lackierung ist aufgrund der klaren Baugruppenaufteilung problemlos umsetzbar. Der Fahrzeugkasten ist Tannengrün lackiert, das Fahrwerk schwarz und das Dach silbern. Der seitliche Lüfterschacht ist ein eigenes, extra eingestecktes Bauteil. Die Griffstangen sind schon entsprechend eingefärbt. Die Fahrzeuganschriften sind gut deckend aufgetragen und trennscharf lesbar. Rivarossi hat seiner Neuauflage die Loknummer 1073.14 vergeben, die in der Zfst. Attnang-Puchheim beheimatet ist. Als letztes Untersuchungsdatum wird die Bremsuntersuchung vom 06.10.69 der Heimatdienststelle Attnang-P. angegeben.

Beleuchtung

Gegenständliches Modell ist mit LED ausgestattet. Die Ansteuerung erfolgt fahrtrichtungsabhängig, und zwar dreimal weiß als Spitzensignal bzw. einmal rot als Schlußlicht.


Bilder