Trix 22740: Baureihe 01.10 mit Neubaukessel
Die Deutsche Reichsbahn plante die Beschaffung von 250 Schnellzuglokomotiven der dreizylindrigen Baureihe 01.10. Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges blieb es jedoch nur bei einer Stückzahl von 55 Lokomotiven, die von Schwartzkopff gebaut wurden. Eine Lokomotiven dieser Flotte hatten eine vollständige Verkleidung erhalten. Bald aber sparte man die Verkleidung im Triebwerksbereich aus, da sich zuvor bei der Zufuhr der erforderlichen Verbrennungsluft größere Schwierigkeiten zeigten und auch das Triebwerk deswegen schlecht zugänglich war. Als Einsatzgebiet der Baureihe 01.10 diente der Schnellzugverkehr mit modernen Reisezugwagen. Durch die Stornierung der Aufträge kam es zu Lücken bei den vergebenen Loknummern.
Alle 55 Loks der Baureihe 01.10 haben den Zweiten Weltkrieg überstanden und sind nach 1945 bei der jungen DB verblieben. Nach 1945 wurden zunächst einmal die ziemlich verrotteten Verkleidungen entfernt sowie kleinere Schäden behoben. Doch schon bald zeigte der schweißempfindliche Kesselbaustahl starke Ermüdungserscheinungen. Da auf die Maschinen jedoch nicht verzichtet werden konnte, wurde der Einbau von Neubaukesseln beschlossen. Die Herstellung der vollkommen geschweißten Kessel mit Verbrennungskammer erfolgte bei Henschel, der Einbau im AW Braunschweig. Im Jahre 1959 erhielt die Lokomotive 01 1100 zunächst eine Ölzusatzfeuerung, später, zusammen mit 33 weiteren Lokomotiven, eine Ölhauptfeuerung. Zusammen mit den Lokomotiven der Baureihe 10 zählten die ölgefeuerten Lokomotiven der Baureihe 01.10 zu den stärksten Dampfloks der DB.
Modellvorstellung
Die Firmengruppe Märklin/Trix hat anläßlich der Neuheitenpräsentation 2026 in Nürnberg eine 01.10 mit Neubaukessel als Neukonstruktion angekündigt. Die Neukonstruktion basiert weitgehend auf dem vor drei Jahren als Exklusivmodell erschienen Ausführung der DB-Lok mit Altbaukessel und querliegendem Oberflächenvorwärmer. Diese Neukonstruktion erscheint je nach technischer Ausführung bei Trix unter der Artikelnummer 22740 bzw. bei Märklin unter der Artikelnummer 39105. Der UVP für die Neukonstruktion wurde dabei mit € 649,– angekündigt. Natürlich wurden für die Schlepptenderlok auch passende Wagensets angekündigt. Märklin/Trix bilden den D 74 mit dem Zuglauf Hamburg-Altona – Basel SBB nach. Die Wagensets bestehen aus Schürzenwagen, Reichsbahn-Speisewagen und weitere frühere Reichsbahn-Bauarten. Zeitlich lassen sich die Modelle auf Mitte der 1950er Jahre datieren.
Verpackung
Die neue 01.10 mit dem Neubaukessel wird bei Märklin/Trix in der bekannten Verpackungsform ausgeliefert. Nach dem Abzug des Kartonschubers wird die stabile Plastikverpackung zugänglich, in welchem das Modell mit nochmaligen Plastikschuber sicher für den Transport fixiert wurde. Zusätzlich wurden an beiden Seiten noch Schutzschilde beigelegt. Auf dem Modell sind noch drei schwarze Filzstreifen zwischen Modell und des Blistereinsatzes aufgelegt. Ein Zurüstbeutel ist der Neukonstruktion beigelegt. Es sind die Kolbenschutzstangen. Des weiteren liegt eine Pipette zum Einfüllen des Rauchkondensats für den Rauchentwickler bei. Die Betriebsanleitung und die sonstigen Dokumente sind in der Kartonschachtel in einem seitlichen Schlitz eingeschoben und werden durch eine zusätzliche Kartonhülle umschlossen.
Technik
Der Hersteller setzt bei der technischen Ausstattung seiner Neukonstruktionen auf bewährte Antriebskonzepte, wobei die technischen Komponenten zweigeteilt sind. Im Langkessel ist der geregelte Hochleistungsmotor untergebracht. Ein fünfpoliger Mittelmotor mit großer Schwungmasse treibt über einen Wellenstummel das Modell über ein Schnecken-/Zahnradgetriebe an. Dieses greift direkt auf die letzte Kuppelachse ein, welches zugleich mit zwei Haftreifen versehen ist. Die anderen Kuppelachsen werden über die Kuppelstangen mitgenommen. Die Abnahme des Lokgehäuses (Langkessel mit Führerhaus) erfolgt wie schon bei vergleichbaren Neukonstruktionen und gestaltet sich dermaßen, indem zwei Schrauben hinter dem Nachlaufdrehgestell und eine Schraube inmitten dem Vorlaufdrehgestell zu lösen ist. Anschließend ist das Abziehen dieses Fahrzeugteiles nach oben möglich, jedoch sollte man vorsichtig agieren. Es bestehen Kabelverbindungen zwischen Lokgehäuse und dem Fahrwerk.
Das antriebslose Tendergehäuse nimmt aus Platzgründen den Lautsprecher auf. Die Schnittstelle für den Digitaldecoder ist ebenfalls im Tendergehäuse situiert und befindet sich über dem Lautsprecher. Es ist eine 21MTC-Steckleiste. Der Tender ist ebenfalls am Fahrzeugrahmen mittels Schraubenverbindungen befestigt. Die Schrauben hierzug sind unter dem Klappdeckel des Wasserbunkers versteckt. Der Decoder gestattet den Einsatz des Modells unter analogen wie digitalen Bedingungen und ist somit DCC- und mfx-fähig. Beim Märklin-Modell wurde natürlich der obligatorische mfx+-Decoder verwendet. Da das Modell schon serienmäßig mit einem Raucheinsatz versehen ist, gestattet dieser unter digitalen Bedingungen einen geschwindigkeitsabhängigen, dynamischen Rauchausstoß. Zum Befüllen des Raucheinsatzes wurde zwar die notwendige Pipette beigelegt, aber kein Kondensat.
Das Modell ist rückseitig mit einer Kurzkupplungskulisse ausgestattet. Derartiges ist frontseitig jedoch nicht vorgesehen. Die Lok-Tenderkupplung ist als NEM-Kurzkupplungsverbindung ausgeführt und ermöglicht mit dem Klickprinzip zwei Abstände, was jedoch beim vorliegenden Modell nicht der Fall war. Beim verkürzten Abstand reduziert sich dieser um ca. 2 bis 3 Millimeter. Der Hersteller meint zwar, daß die Lok ohne Beachtung des Lichtraum-Profils auch durch den 360 mm Radius „gejagt“ werden kann, empfohlen ist jedoch erst ein Einsatz erst ab dem nächstgrößeren Radius von 437,5 mm. Alle Kuppelachsen weisen ein unterschiedliches Seitenspiel auf, bei beiden inneren sind noch zusätzlich horizontal gefedert. Die Tenderachsen sind ebenfalls mit einem Seitenspiel versehen.
Fahreigenschaften
Die knapp 28 cm lange Dampflokomotive weist ein Eigengewicht von sagenhaften 545 Gramm auf. Die Vorbildgeschwindigkeit beträgt 140 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von ca. xxx km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. xxx % zu niedrig, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist sie sogar um ca. xxx % zu niedrig.
Optik
Die neue 01.10 mit dem wuchtigen Neubaukessel aus dem Hause Märklin bzw. Trix schließt nahtlos über an vergleichbare Modelle. Der Hersteller hat auch diesmal eine grundsolide Neukonstruktion mit Metallgehäuse vorgelegt. Der Langkessel ohne dem Führerhaus und der Tenderaufbau sind aus Metall gefertigt, dafür sind verschiedene Anbauteile aus Kunststoff modelliert. Der Blick auf den Langkessel offenbart verschiedene, extra angesetzte Bauteile und sogar freistehende Leitungen. Am Langkessel sind mehrere, silberne Kesselringe angebracht worden.
Der Kesselumlauf ist geriffelt ausgeführt, ebenso der Frontumlauf. Das aus Kunststoff ausgeführte Führerhausgehäuse weist verschiedene Gravuren und Details auch, im Dach sind Lüfterklappen eingesetzt. Bei den Führerstandstüren befinden sich extra eingesetzte Griffstangen. Optisch sehr gut gelungen ist vor allem die Stirnpartie mit den großen Lampen und den seitlichen Trittstufen samt der Witte-Windleitbleche. Der Tender mit der sehr glatten Außenhaut weist nur wenige Details auf und betreffen die Versorgungsteile. Die rückwärtige Aufstiegsleiter zu den Klappdeckel des Wasserkastens ist diesmal filigraner umgesetzt.
Selbst beim Fahrwerk wurden alle Register gezogen, indem das Modell auf Metallachsen mit feinen Speichen rollt. Ein weiteres Novum stellen die niedrigen Spurkränze dar. Das Gestänge bzw. die gesamte Steuerung der Lok ist vorbildgerecht umgesetzt, wobei die filigrane Ausführung besondere Beachtung verdient.
Farbgebung und Beschriftung
Da Dampfloks generell schwarz lackiert sind, konnte der Hersteller diesbezüglich wenig falsch machen. Das Modell ist sauber lackiert und auch bedruckt. Sämtliche Anschriften sind lupenrein aufgetragen. Die als 01 1059 beschriftete Maschine ist beim Bw Offenburg der BD Karlsruhe stationiert. Alle Anschriften sind in weißer Farbe ausgeführt. Die wesentlichen Betriebsanschriften sind am Wasserkasten des Tenders bzw. am Rahmen angeschrieben. Die letzte Untersuchung fand am 4. April 1955 im AW Braunschweig statt.
Beleuchtung
Die Neukonstruktion ist mit wartungsarmen und warmweißen LED bestückt. Die Ansteuerung der Beleuchtung erfolgt richtungsabhängig, im Digitalmodus sind zusätzliche Darstellungen möglich, hinzu kommen noch die Führerstandsbeleuchtung.
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