Piko 50600: DB-Baureihe 78

Den Abschluß der Entwicklung von Tenderlokomotiven für den Personenzugverkehr leitete in Preußen der Bau der Gattung T 18. Die erste Lokomotive einer Serie von insgesamt 482 Fahrzeugen, die bis 1923 für Preußen gebaut wurden, kam von den Vulcan-Werken in Stettin. Als weitere Lokschmieden sind noch Henschel, Hanomag und Franco-Belge zu nennen. Andere deutsche Bahnverwaltungen bestellten von der Gattung T 18 weitere 74 Fahrzeuge, und einige Maschinen wurden sogleich ins Ausland geliefert. Die Deutsche Reichsbahn übernahm 480 Lokomotiven preußischer Herkunft und die 20 Lokomotiven aus Württemberg, die als 78 146 bis 165 umgezeichnet wurden. Später kamen noch die Lokomotiven der Saarbahnen und der ELE hinzu. Die DB übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg 424 Lokomotiven, bei der DR verblieben 53 Maschinen. In Polen verblieben 29 Maschinen, die nunmehr als OKo1 bezeichnet wurden und bis 1975 im Einsatz standen. Der Bestand der DB 78er reduzierte sich bis 1968 auf ca. 35 Lokomotiven. Die Reichsbahn-78 erhielten dagegen ab 1965 noch Witte-Windleitbleche und Giesl-Ejektoren eingebaut. Die DB schied ihre letzte T 18 Mitte der 1970er Jahre aus, bei der DR endete der Einsatz auch in diesem Jahrzehnt.


Modellvorstellung

Obwohl der Sonneberger Hersteller noch aus früheren DDR-Zeiten Dampflokmodelle fertigte, gab es nach der Wende und unter der damals neuen wie aktuellen Eigentümer keine Neukonstruktion in dieser Traktionsart. Piko „übte“ und lebte sein Können vorab bei den Elektrolokomotiven und Verbrennungsfahrzeuge sowie neumodischen Triebzügen aus.

Das positive Echo bei den letzten Neukonstruktion ebnete den Weg für eine Überraschung im Neuheitenprogramm 2020. Darin befand sich die Ankündigung für die Produktion der ersten Dampflok der jüngeren Firmengeschichte. Als Vorbild wurde die preuß. T 18 gewählt, die Piko als DB- und DR-Version in jeweils vier schiedenen Ausführungen ankündigte.

Zur Vorstellung gelangt das DB-Modell in der Ausführung der Epoche III. Die als 78 134 beschriftete Lok ist als Gleichstrom-Modell unter der Artikelnummer 50600 zum UVP von € 299,99 erhältlich, die Wechselstrom-Ausführung unter der Artikelnummer 50601 zum UVP von € 339,99 – beide Modelle ohne Loksound. Die Soundversionen sind unter den Artikelnummern 50602 (Gleichstrom-Version, UVP € 399,99) und 50603 (Wechselstrom-Version, UVP € 409,99) erhältlich, wobei die Wechselstrom-Fahrzeuge wiederum mit einem mfx-fähigen Decoder ausgestattet sind.

Verpackung

Die Auslieferung erfolgt in der aktuellen Kartonverpackung mit leichten Modifikationen. Sie entspricht derselben Verpackungsform wie bei der E 18. Das Modell steht auf einem stabilen Plastikgleis (Grundplatte) und wird von seitlichen Führungspunkten und dem eigenen Arretierungsteil für den Schornstein in der Plastikummantelung festgehalten. Dazwischen sind verschiedene, dünne Folien gelegt. Der Zurüstbeutel ist in einer Verpackungsmulde des Plastikeinsatzes abgelegt. Die Betriebsanleitung, das Ersatzteilblat und die übrigen Werbeschriften sind im eingeschobenen Kuvert abgelegt.

Technik

Die Antriebskomponenten sind im Langkessel des Modells verstaut. Die Abnahme der Gehäuseteile erfordert drei Schritte. Zuerst ist das Führerhausoberteil nach oben abzuziehen, wobei die nach hinten laufenden Griffstangen vom Tenderunterteil herauszuziehen sind. Im zweiten Schritt ist an der Unterseite auf der Höhe der Zylinderblöcke eine Zentralschraube zu lösen, dann ist der Langkessel abziehbar.

Der Mittelmotor ist unter der Abdeckung bzw. dem Motorhalter, zum Führerhaus hin ist die Fahrzeugplatine mit der PluX22-Schnittstelle ersichtlich, an welcher die Beleuchtungsplatine und der Kontaktgeber für den Dampfgenerator hängt. Der verbaute Mittelmotor verfügt über eine einseitige Schwungmasse und treibt die Lok über einen Wellenstummel über die mittlere Kuppelachse an. Die beiden anderen Kuppelachsen werden über das Gestänge mitgenommen. Alle Achsen sind starr gelagert, lediglich die Treibachse verfügt über ein Seitenspiel von mehreren Millimetern. Die dritte Kuppelachse ist beidseitig mit Haftreifen versehen. Die beiden Drehgestelle sind seitenverschiebbar und werden geführt, an den Fahrzeugfronten sind beidseitig NEM-Kurzkupplungsschächte in die Drehgestelle integriert.

Fahrverhalten

Das Eigengewicht beträgt 387 Gramm. Die Lok zeigt im Testbetrieb ein günstiges Fahrverhalten sowie entsprechende Zugkräfte. Die Höchstgeschwindigkeit beim Vorbild beträgt 100 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von ca. 104 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. vier % zu schnell und nach dem NEM-Wert (+ 30 %) um ca. 26 % zu langsam.

Optik

Die Neukonstruktion ist ein Mix aus Kunststoff- und Metallteilen. Aus letztgenannten Material wurden die Wasserkästen und der Langkessel geformt, welche über feine Nietreihen verfügen und somit zum Eigengewicht des Modells beitragen. Das Führerhaus, der Tenderaufsatz sind aus Kunststoff gespritzt und sind ebenfalls mit feinen Gravuren versehen. Am Langkessel sind zahlreiche erhaben angesetzte Rohrleitungen eingesteckt, ebenso verschiedene Pumpen am Umlauf bzw. seitlich des Kessels. Der Umlauf weist eine fein geriffelte Oberfläche auf, die Griffstangen sind darin eingesteckt. Alle Lampen sind am Modell eingesteckt.

Das Fahrwerk besteht aus feinen Speichenrädern. Das Gestänge ist aus Metall gefertigt und wie auch die Steuerungsteile sehr zierlich wirkend. Die Fahrzeugleitern sind bereits werkseitig montiert und ebenfalls filigran ausgeführt. Die Sandfallrohre führen zu den Radlaufebenen, auf dessen Höhe sich auch die Bremssohlen befinden.

Farbgebung und Beschriftung

Die Farbaufteilung bzw. die Lackierung orientiert sich bei einer Dampflok an den Bauteilen, durch welche die Farbtrennkanten bestimmt sind. Die Bedruckung ist bei der vorliegenden 78 134 tadellos gelungen. Sämtliche Anschriften sind sauber ausgeführt. Die Lok ist beim Bw Wuppertal-Vohwinkel bzw. bei der BD Wuppertal stationiert, als letztes Untersuchungsdatum wird am Tender die Anschrift „Letzte Br. Unt. Tr 13.08.62“ angeführt.

Beleuchtung

Die Beleuchtung erfolgt mit warmweiße LED, die richtungsabhängig leuchten. Bedauerlicherweise ist die Leuchtkraft für eine Dampflok und für die Zeit der 1960er Jahre einfach zu intensiv gewählt und somit vorbildwidrig. Das Schlußricht ist leicht rötlich umgesetzt und von der Leuchtkraft her schon dem Vorbild entsprechender.

Bilder