Roco 33272: Dampflokreihe Mh

Unter der NÖLB entstand in zwei Etappen von 1898 bis 1907 die Mariazellerbahn, die aus einer Tal- (St. Pölten – Laubenbachmühle) und aus einer Bergstrecke (- Mariazell) besteht. Die bisher eingesetzten Loks der Reihe U erwiesen sich als zu schwach – die Loks sollten sowohl die schweren Wallfahrer- und auch die Holzzüge befördern können -, sodaß die NÖLB auf eine bewährte Loktype mit der Achsfolge D 1′ zurückgriff, die Krauss in Linz an das bosnische Schmalspurnetz lieferte. Auf dieser konstruktiven Basis lieferte dann Krauss 1906 vier Heißdampf-Zwillingsloks in Stütztenderausführung mit der Achsfolge D 2′. Sie erhielten wie die erstgebaute Heißdampfloks in der Monarchie, die NÖLB Uh 1 (später Bh1) auch einen Schmidt-Überhitzer eingebaut. 1907 ließ die NÖLB zu Vergleichszwecken noch zwei Naßdampfmaschinen mit Verbundtriebwerk (NÖLB Mv 1-2) beschaffen. Im Einsatz erwies sich aber die Heißdampfvariante als günstiger, sodaß 1908 für die Mariazellerbahn nochmals zwei Loks beschafft wurden. Diese als Mh bezeichnete Reihe konnte schließlich 120 t-Züge bei 27 Promille Neigung befördern. Doch das gestiegene Verkehrsaufkommen ließ auch diese Loks zu schwach erscheinen, sodaß die NÖLB die 85 km lange Mariazellerbahn 1911/12 elektrifizieren ließ, und seither die Reihe 1099 die Hauptlast des Betriebes trägt.

Der Rahmen besteht aus einem genieteten inneren Blechrahmen, der bei der Feuerbüchse als Außenrahmen ausgebildet ist. Das Laufwerk besteht aus vier Achsen, teilweise seitenverschiebbar und Spurkränze abschwächt, das Triebwerk (Zwillingsmaschine mit Kolbenschieber und Heusingersteuerung) ist am vorderen Rahmenende untergebracht. Auf dem Rahmen liegt der Langkessel, am Ende das Führerhaus. Das Stütztendergestell ist als Außenrahmen ausgebildet, der Tender faßt die Vorräte für 5 m³ Wasser und 1,92 t Kohle.

1922 kamen alle sechs Mh und die beiden Mv zur BBÖ sowie später zur ÖBB; diese setzten sie auf fast allen Schmalspurbahnen ein. Seit 1971 konzentrierte sich der Einsatz im Waldviertel. Durch den Einsatz von modernen Diesel-Triebwagen 5090 wurden vereinzelnd Maschinen an andere Schmalspurbahnen abgegeben. Die ÖBB-Loks verteilten sich auf das damals noch existierende Schmalspurnetz. Die 399.01 war  in Zell am See für die „Pinzgaubahn“, die 399.02 im Ybbstal, 399.03 und 04 in Gmünd, und die 399.06 wurde mustergültig als Mh6 restauriert und wird auf der Mariazellerbahn eingesetzt. Nach der Auflösung des ÖBB-Schmalspurnetzes kam es auch zu einer Übernahmen der noch betriebsfähigen Lokomotiven. Die Mh.6 verblieb weiterhin in Obergrafendorf und ist mehrmals im Jahr auf der Mariazellerbahn aktiv. Im Pinzgau befindet Mh.3, und die NOVÖG unterhält noch die Mh.1 und Mh.4 für Sonderfahrten bereit, wobei eine vor wenigen Jahren eine Hauptuntersuchung in Meinigen erhielt.


Modellvorstellung

Roco hat diese bekannte wie bekannte Schmalspurdampflokomotiven im Jahr 2006 als Neukonstruktion angekündigt und seither verschiedene Modellausführungen aufgelegt. Nachdem das Vorbild auch bei den Nachfolgegesellschaften permanent in Verwendung steht, bietet es sich auch, auch diese Varianten im Modell nachzubilden. Deshalb fand sich im Neuheitenprospekt von 2019 die Nachbildung der Mh.4 der NÖVOG im aktuellen Erscheinungsbild, wie die Lok von Gmünd NÖ aus eingesetzt wird. Das Modell der Mh.4 wird ohne Loksound unter der Artikelnummer 33272 zum UVP von € 289,90 angeboten. Neu im Angebot ist die Ausführung mit Loksound, der von Leo soundlab stammt. Diese Modellvariante wird unter der Artikelnummer 33273 zum UVP von € 374,90 geführt.

Verpackung

Die Auslieferung erfolgt in der üblichen Roco-Kartonverpackung mit Schaumstoffeinsatz. Das Modell ist in eine Kunststofffolie umwickelt, auf dem Gehäuse wurde zum Transportschutz noch eine Plastikhaube aufgesetzt. Dem Modell liegt eine Betriebsanleitung, ein Ersatzteilblatt und zwei Zurüstbeutel bei, in einem davon ist ein Ätzschildersatz enthalten.

Technik

Die beengten Platzverhältnisse bei der Modellkonstruktion ließen nur die Unterbringung des Antriebes unter dem Langkessel zu, was sich positiv auf das Antriebskonzept auswirkt. Der Langkessel ist mittels zweier Langschrauben an der Fahrzeugunterseite befestigt. Nach dem Lösen dieser ist das Gehäuse nach oben abziehbar. Das Tendergehäuse ist stattdessen auf den Fahrzeugrahmen gesetzt und ist über seitliche Rastnasen befestigt. Das Abnehmen des Tendergehäuse funktioniert analog zu den H0-Loks, indem die Seitenwände seitlich auseinanderzuspreitzen sind.

Ein kleiner Mittelmotor, der rückwärtig mit einer Schwungmasse ausgestattet ist, treibt die vierte Kuppelachse über ein Zahnradgetriebe an. Die drei anderen Kuppelachsen sind über die Kuppelstangen verbunden und werden über diese mit angetrieben. Mit dieser Konstruktion ist ein feier Durchblick zwischen Kessel und Fahrwerk sowie durch das Führerhaus möglich. Der angetriebene Radsatz ist zugleich mit zwei Haftreifen bestückt. Die zweite Kuppelachse weist eine leichte Seitenverschiebbarkeit auf, die anderen sind starr gelagert.

Die Fahrzeugplatine ist im Tender untergebracht, wo auch die PluX16-Schnittstelle  vorgesehen ist. Beim Analogmodell ist ein Brückenstecker eingesetzt, bei den Soundfahrzeuge ein entsprechender Decoder. Auch wenn dieses Modell ohne Loksound zur Verfügung steht, darf an dieser Stelle geschrieben werden, daß der Loksound bei einer baugleichen Lokomotive ein hervorragendes und sattes Klangspektrum bietet.

Fahreigenschaften

Das Modell bringt ein Eigengewicht von  143 Gramm auf die Waage und ist im Vergleich zu früheren Konstruktionen ein Leichtgewicht, was auf die Berücksichtigung der digitalen Komponenten zurückzuführen ist. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte im Analogbetrieb von ca. xxx km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. xxx % zu hoch, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit um ca. xx % zu hoch.

Optik

Die Roco-Ausführung der Mh läßt keinerlei Wünsche offen und kommt der Detailierung einem Kleinserienmodell gleich. Das H0e-Modell ist äußerst maßstäblich nachgebildet und kann den feinen Nietenreihen auch mit einem eingerichteten Führerstand sowie weiteren Details aufwarten. Handläufe und Griffstangen sind aus Metall gefertigt und extra angesetzt. Die Dampfpfeife und die Ventile am Dampfdom sind aus gedrehtem Messing gefertigt. Zahlreiche Aggregatteile sind extra am Fahrzeug angesetzt, sehr schön umgesetzt wurde der Langschlot mit der extra zugeführten Rohrleitung und den Generatoren. Feine Gravuren sind am Langkessel und an der Rauchkammertüre mit den Scharnieren erkennbar, des weiteren auch am Umlaufblech und am Tender. Die filigranen Stirnlampen und jene an der Tenderrückwand sind extra angesetzt und sogar freistehend ausgeführt, die aber aufgrund ihrer Position unbeleuchtet bleiben mußten.

Das Fahrwerk besteht aus Metallräder und ebenso filigran ausgeführten Radsätzen samt hauchdünner Speichen. Die Steuerung ist filigran ausgeführt und tragen neben Bremsklötze auf Radebene wesentlich zum positiven Gesamteindruck bei. Als einziges Zurüstteil ist noch der Luftschlauch der Vakuumbremse zu nennen, der selbst an der Fahrzeugfront einzusetzen ist.

Farbgebung und Beschriftung

Die schwarze Farbgebung beim Vorbild stellt schon bei der Nachbildung eine wesentliche Erleichterung dar, indem diese Bauteile gleich mit dem entsprechend gefärbten Granulat hergestellt wird. Die Kesselringe sind am Modell sauber aufgebracht, sprich lackiert. Alle anderen Fahrzeuganschriften sind lupenrein lesbar. Die Eigentumskennung und die Betriebsnummer sind am Führerhaus aufgedruckt, das Revisionsdatum steht auf der Pufferbrust vorne und hinten, und zwar Unt Mei 25.11.15, was soviel für Hauptuntersuchung in Meiningen/Thüringen mit Austrittsdatum 25.11.2015 steht.

Beleuchtung

Das Modell ist nicht beleuchtet.


Bilder