Roco 72798: ÖBB-Schneeschleuder 2180.001-6

Große Neuschneezuwachsmengen erschweren die Räumung von Gleisen mit den üblichen Schneepflügen. Die ÖBB haben deshalb zwei unterschiedliche Schneeschleudern beschafft.

Für die Schneeräumung verfüg(t)en die ÖBB über eine Vielzahl aus Dampfloks der Reihe 52 umgebauten „Klima“-Schneepflüge sowie sieben Henschel-Dampfschneeschleudern und eine nach dem amerikanischen Leslie-Patent arbeitende Schneeschleuder. Diese Schneeräumungsfahrzeuge hatten allerdings den Nachteil, daß sie den vor sich zu räumenden Schnee nicht weit genug von der Trasse pflügten bzw. den Schnee vor sich zusammenpreßten, der dann nicht mehr schleuderbar war. Durchdachte Lösungen zeichneten sich im Straßenwinterdienst ab. Hier wurden ausfahrbare Schneeschleudern eingesetzt, die ein wesentlich breiteres Profil als die Fahrzeugbreite ausfräsen konnten. Auf diesem Marktsektor machten sich schließlich zwei Anbieter verdient: die Firma Beilhack (Hohlschleuderräder mit Vorschneidpropeller) und die Firma Rolba (Frässchnecken). Die ÖBB entschieden sich für die Beilhack-Maschinen, von denen jeweils eine 1975 als 2080.001 und 1982 als 2180.001 beschafft wurden. Die Reihe 2180 ist gegenüber der 2080 stärker motorisiert.

Die Fahrzeugbrücke, der Schleudervorsatz, das Führerhaus und der anschließende Motorkasten bilden eine bewegliche Einheit, die nach Bedarf um 180° gedreht werden kann. Diese bewegliche Einheit ist über einen Drehkranz am fahrbaren Untergestell verbunden. Das Führerhaus verfügt über zwei Führerstandtüren, es ist geräumig und kann bis zu 12 Mann aufnehmen. Der Führerstand erlaubt ein Rund-um-Sicht, die vorderen Fenster sind mit routierenden Klarsichtfenster sowie mit Scheibenwischer ausgerüstet.

Für den Fahrbetrieb steht ein Zwölfzylinder-Viertaktmotor mit Turbogetriebe zur Verfügung. Ein Nachschaltgetriebe erlaubt die Einstellung in Arbeits- oder Schnellgang. Die Kraftübertragung erfolgt mittels einer durch den Drehkranz durchlaufenden Vertikalwelle, die über zwei Winkelgetriebe die beiden Teleskopwellen und schließlich die Radsätze antreiben. Für den Schleudervorgang stehen zwei Motoren zur Verfügung. Die Antriebswellen zu den Schleuderräder verlaufen in der Fahrzeugbrücke. Die beiden Fahrzeuge verfügen weder über eine Sifa noch über eine Indusi, sie haben lediglich einen Zugfunk.


Modellvorstellung

Roco hat für die Technikfreaks ein besonders Highlight ausgeliefert, wenngleich es sich nur ein Phantasiemodell handelt, da das Vorbild zweiachsig ist. Unerklärlich ist aber der Umstand, gerade nach der Ablieferung der dritten ÖBB-Schneeschleuder X 491.003 sich diesem Vorbild anzunehmen und ein korrektes Modell umzusetzen. Die ebenfalls ausgelieferte amerikanische Ausführung hat dazu einen neuen Aufbau erhalten.

Eine Rückfrage bei Roco hat ergeben, daß sich der Hersteller für eine Ausführung in der klassischen Epoche mit ÖBB-Pflatsch entschieden hat. Diese Entscheidung hat sich auch positiv in den Vorbestellungen wiedergespiegelt. Eine Modellumsetzung der neuen Beilhack-Maschine hätte demzufolge eine weitgehende Neukonstruktion des bereits bestehenden Modells bedeutet. Roco betont dabei, daß die bestehende Modellausführung sich hier noch näher am alten Vorbild orientiert. Bei der amerikanischen Variante wurden die Formänderungen schon vor einigen Jahren berücksichtigt und gelangen nun zur Auslieferung. Aber auch hier betont man bei Roco, daß eine kurzfristige Umsetzung der neuen ÖBB-Schneeschleuder nicht zeitnah möglich gewesen wäre. Allerdings wird man die Entwicklung zur neuen ÖBB-Variante im Auge behalten, so in einer Stellungnahme der Salzburger.

Ungeachtet dieser Tatsache erhält der Modellbahner dennoch ein sehr interessantes Fahrzeug für seine Modellbahn, das speziell bei Modellbahnern mit Digitalsteuerung absolute Freude aufkommen läßt. Die erstmalige Ankündigung geht bereits auf das Jahr 2013 zurück. Die ÖBB-Schneeschleuder hat die Betriebsnummer 2180.001-6 erhalten und ist blutorange lackiert. Die Modellumsetzung orientierte sich an den bisher ausgelieferten und maßstäblichen Modellen nach Vorbildern der SBB, FS und NSB. Das Modell weist viele Detailierungen auf, die sich bei der ÖBB-Maschine wieder finden. Die Aufbauten sind aus Kunststoff gefertigt und weisen feine Gravuren auf. In den Lokkasten sind verschiedene Anbauteile wie Griffstangen, die Abgasrohre und Kranösen extra angesetzt. Die Fahrzeugfront fällt durch die leicht gepfeilte Kastenform, der rotierenden Glasscheiben in den Frontscheiben und insbesondere durch die Kopfteile mit den aufgesetzten Schleudersätzen auf. Sämtliche Propeller und Schaufelräder sind realistisch umgesetzt, ebenso die Auswurfaufsätze.

Das Modell versteht es aber unter digitalen Anlagenverhältnissen zu punkten. Im Anlagenbetrieb mit Breitenimpulssteuerung weist die Schleuder eine manierliche Geschwindigkeit auf und gibt das Motorengeräusch wieder. Unter digitalen Anlagenverhältnissen kann sich das Modell aber voll entfalten, wobei man über die Lichtfunktionen (F0, F7 – Treppenbeleuchung, F8 – Licht Warnsignal) oder die üblichen Pfeifsignale (F5 – Horn, F10 – Horn lang) nicht viel schreiben muß. Interessanter sind da schon die Funktionen des Schleuderaufsatzes. Mit F1 läßt sich der Sound ein- und ausschalten. Das Fräsen wird mit F2 aktiviert. Der Fräskopf läßt sich mit der Taste F3 heben oder senken. Die Drehung um 180° für den Fahrrichtungswechsel erfolgt mit der Taste F4 und erfordert einen entsprechenden Freiraum. Der Betrieb im Verschubgang ist mit F6 möglich, das Sanden des Fahrzeuges mit F9. Die ÖBB-Schneeschleuder wird für das Zweileiter-Gleichstrom-System (72798) und Dreileiter-Wechselstrom-System (78798) zum jeweiligen UVP von € 449,90 wohlfeil angeboten.


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