Fleischmann 739417: ÖBB 1020.17

Die Deutsche Reichsbahn gab als Weiterentwicklung zur sechsachsigen BR E 93 die wesentlich leistungsfähigere E 94 bei Krauss-Maffei und Siemens bzw. AEG in Auftrag. Die Betriebsgeschichte des legendären „Deutschen Krokodils“ begann am 24. Mai 1940, als mit der E 94 001 die erste Probefahrt von Innsbruck zum Brenner erfolgte, wo die ersten Loks auch stationiert wurden. Weitere E 94 gelangten sowohl zu österreichischen Dienststellen (zB Salzburg, Spittal-Millstättersee, Schwarzach-St. Veit und Bludenz) als auch zu den wichtigen innerdeutschen Gebirgsstrecken der Frankenwaldbahn oder nach Schlauroth. Insgesamt wurden während des Krieges mehr als 150 Loks dieser Type gebaut, von denen nach dem Zweiten Weltkrieg 44 Loks bei den ÖBB mit der neuen Reihenbezeichnung 1020 bzw. 30 Loks bei der Deutschen Reichsbahn als BR 254 verblieben. Den Rest übernahm die Deutsche Bundesbahn, die in den Jahren 1954 bis 1956 weitere E 94 in modifizierter Ausführung in Betrieb nahm. Die BR 194 war im süddeutschen Raum stationiert und trug bis Mai 1988 die Hauptlast im schweren Güterverkehr. Planmäßig kamen die Loks bis nach Österreich, Italien und in die Schweiz zum Einsatz. Die Lokomotiven der Österreichischen Bundesbahnen standen rd. sieben Jahre länger im Planeinsatz und waren dort lange Zeit vor schweren Güterzügen auf den Alpenbahnen anzutreffen. Heute sind noch mehrere Lokomotiven vorhanden, die entweder als betriebsfähige Museumslokomotiven oder bei privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen im Planverkehr anzutreffen sind.


Modellvorstellung

Das Modell der 1020 ist im Neuheitenblatt 2019 enthalten. Dabei findet sich auch ein Hinweis eine technische Neuerung, indem das Modell erstmals mit Loksound erhältlich ist. Das vorliegende Modell ist ohne Loksound und ist unter der Artikelnummer 739417 zum UVP von € 179,90 erhältlich. Die Sound-Version ist unter der Artikelnummer 739477 verfügbar und ist für € 264,90 im Fachhandel zu erhalten.

Verpackung

Fleischmann liefert die sechsachsige ÖBB-Güterzuglok in der bekannten Blisterbox aus. Nach Öffnen des Deckels ist die Lok durch Herausziehen der Plastikfolie sofort entnehmbar. Unter dem passgenauen Plastikeinsatz befinden sich das Ersatzteilblatt, die Betriebsanleitung und die Garantieerklärung. Der Karton-Einsatz der Blisterbox dient wiederum als gut illustrierte Wartungsanleitung.

Technik

Um an die technische Einrichtung zu gelangen, müssen die drei Teile des Lokgehäuses abgenommen werden. Zuerst zieht man die Vorbauten jeweils nach vorne ab, danach ist die Abnahme des Lokgehäuses durch seitliches Auseinanderspreitzen möglich. Dabei wird das Lokfahrgestell freigelegt, in welchem der Mittelmotor untergebracht ist. Die Zentralplatine ist unter dem Mittelmotor platziert und weist eine Digitalschnittstelle nach NEM 651 auf. Diese ist sechspolig. Der Mittelmotor ist mit einer großen Schwungmasse bestückt, beidseits führen Wellenstummel zum Zahnradgetriebe, das auf die Achsen 2 und 3 bzw. 4 und 5 wirkt. Die Achsen 1 und 6 sind als Laufachsen ausgebildet, die Achsen 3 und 4 sind beidseitig mit Haftreifen bestückt. An den Stirnenden ist eine Kurzkupplungskulisse verbaut.

Fahrverhalten

Das Eigengewicht beträgt 70 Gramm. Die Vorbildgeschwindigkeit beträgt 90 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von ca. 123 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 36 % zu hoch, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 50 % – ist sie 14 % zu langsam.

Optik

Das Modell der ÖBB 1020 läßt in dieser Ausführung wohl jedes Modellbahnerherz höher schlagen. Das Modell weist feine und tiefe Gravuren auf. Dies macht sich gerade bei den Seitenlüftern im Lokgehäuse positiv bemerkbar. In den Vorbauten sind Düsenlüfter eingesetzt, die ebenfalls über fein ausgeführte Lamellen bestehen. Der Blick auf die Vorbauten offenbart die unterschiedliche Darstellung beider Fahrzeugteile. Positiv fallen vor allem die Umlaufstangen auf den Vorbauten auf, die aus sehr feinem Metalldraht gefertigt sind. Das Dach ist ebenfalls mit verschiedenen Details ausgestattet. Markant fällt dabei der Lüfteraufbau mit seinen Seitengittern und Befestigungsteilen und dem Hauptschalter auf. Außerdem sind am Dach zwei Scherenstromabnehmer mit Wanischwippe montiert. Das Fahrwerk besteht aus dreidimensional durchgebildeten Drehgestellblenden. Die Achsen sind als Speichenräder ausgebildet.

Bedruckung und Beschriftung

Die Farbgebung des Modells entspricht dem Zustand nach der Einführung dieses Farbschemas in den 1970er Jahren. Die Lok ist blutorange lackiert und verfügt über drei Zierlinien im Farbton Elfenbein. An den Fronten sowie unterhalb des rechten Maschinenraumfensters ist der „Pflatsch“ angebracht. Alle Farbtrennkanten sind optimal wiedergegeben. Die Anschriften sind teilweise unter der Lupe gut lesbar. Roco hat dem Modell die Betriebsnummer 1020.17 vergeben. Als Heimatdienststelle ist Bludenz angegeben.

Beleuchtung

Das Modell der ÖBB 1020 ist mit LED als Beleuchtungskörper ausgestattet. Die Ansteuerung des Spitzenlichtes bzw. des Schlußlichtes erfolgt richtungsabhängig. Das Spitzenlicht ist dreifach weiß belegt, das Schlußlicht zweifach rot. Die Umschaltung erfolgt fahrtrichtungsabhängig.


Bilder