Piko 51400: ICE 4 der DB AG

Die Deutsche Bahn AG beauftragte 2011 den Hersteller Siemens mobility mit dem Bau von bis zu 300 neuen Hochgeschwindigkeitszügen für den Einsatz in den Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Anschaffung der bis zu 250 km/h schnellen Garnituren dient nicht nur als Ersatz für die in die Jahre gekommenen ICE 1, sondern auch zur Kapazitätsausweitung auf den bestehenden Verbindungen.

Die neue Baureihe 412/812 wurde von Siemens und Bombardier entwickelt und wird seit 2017 bei der Deutschen Bahn AG in der Basiskonfiguration als zwölfteiliger bzw. 2020 als siebenteiliger Triebzug mit antriebslosen Endfahrzeugen (keine „Triebköpfe“), angetriebenen Sitzwagen und Bordbistro sowie antriebslosen Sitz-, Speise- und Servicewagen eingesetzt. Die äußere Form wurde an die bestehende ICE-Flotte angelehnt und weiterentwickelt. Der ICE 4 gelangt seit Dezember 2017 auf der Linie Hamburg – Würzburg, Stuttgart – München und Hamburg – Berlin – München zum Einsatz, weiters finden während der Beschaffungsphase noch laufende Meßfahrten in Österreich und der Schweiz statt. Der siebenteilige Triebzug weist eine Zuglänge von 200 Meter auf, hat drei angetriebene Wagen und 456 Sitzplätze. Die zwölfteilige Einheit ist 346 Meter lang, hat sechs angetriebene Fahrzeuge und 830 Sitzplätze.

Zugzusammenstellung Vorbild

Vor einigen Jahren kam eine ICE 4-Garnitur nach Garmisch. Bei der Rückfahrt konnte ich nicht nur den Triebzug fotografieren, sondern habe dabei auch die einzelnen Wagen abgelichtet. Da das Bezeichnungsschema des ICE 4 fast schon eine halbe Wissenschaft darstellt, darf ich nachstehend die Zugreihung zum besseren Verständnis bekanntgeben:

93 80 0812 006-6
93 80 1812 006-4
93 80 1412 006-8
93 80 8812 006-9
93 80 6412 006-7
93 80 9812 006-7
93 80 2412 006-6
93 80 2412 306-0
93 80 4812 006-8
93 80 2412 506-5
93 80 2412 806-9
93 80 5812 006-5


Modellvorstellung

Die Modellumsetzung des ICE 4 erschien im Piko-Neuheitenblatt völlig unscheinbar und in der üblichen Aufmachung mit einem kleinen Bild und der Nennung der Artikelausführungen. Zur Vorstellung gelangt das Zweileiter-Gleichstrom-Set 51400 zum UVP von € 449,99. Die Wechselstrom-Ausführung ist unter der Artikelnummer 51401 und zum UVP von € 489,99 erhältlich. Piko liefert von beiden Ausführungen noch jeweils eine Soundversion. Diese Modelle sind unter den Artikelnummern 51402 und 51403 zu den jeweiligen UVP von € 589,99 bzw. € 599,99 erhältlich. Zur Verlängerung des Zuges bietet der Hersteller noch Einzelwagen an, diese werden aber weiter unten präsentiert.

Verpackung

Die Grundpackung wird in der Kartonschachtel ausgeliefert, darin befindet sich eine zweiteilige Plastikeinlage, in welcher die Modelle eingelegt sind. Jedes Modell ist mit einer dünnen Folie umwickelt. Allfällige Zurüstteile liegen in einer eigenen Ausnehmung der Plastikeinlage. Sämtliche Betriebsanleitungen und Ersatzteilblätter sind in einer Plastiktüte verpackt und liegen unter der Plastikeinlage bei.

Technik

Bei der vierteiligen Grundpackung ist nur ein Fahrzeug motorisiert. Es handelt sich um den Servicewagen, erkennbar am höheren Fahrzeuggewicht. Die beiden Endwagen und der Mittelwagen sind antriebslos, sind aber mit anderen technischen Einrichtungen versehen. Die Endwagen dienen der Stromabnahme und leiten den Fahrstrom über die elektrische Kupplung zum motorisierten Servicewagen weiter. Alle Modelle sind für eine Innenbeleuchung vorgesehen, dieser ist extra anzuschaffen.

Das Öffnen der Modelle erfolgt stets nach dem gleichen Schema. An der Unterseite sind vier Schauben zu entfernen, um das Gehäuseteil nach oben abziehen zu können. Für die elektrische Kupplung sind alle Modelle verkabelt, die elektrische Kupplung ist mit einer Kinematik verstehen. Der Hersteller hat für seinen Triebzug auch Kupplungsmöglichkeit für eine Doppelführung vorgesehen. Unter den Endführerständen ist eine eigene Kuppelmöglichkeit mittels Verbindungsstange vorgesehen. Der Triebzug ist erst ab einem Mindestradius von 421 mm einsetzbar.

Das Herzstück des ICE 4 befindet sich im motorisierten Servicewagen. Beim Öffnen des Gehäuses offenbart sich die Fahrzeugplatine mit PluX20-Decoder-Schnittstelle, dann die Nachbildung der Inneneinrichtung und darunter die Antriebsanlage. Bei dieser PluX20-Schnittstelle handelt es sich um eine Eigenkonstruktion von Piko, die in dieser Ausführung nicht mit der NEM vereinbar ist. In der Bodenwanne des Fahrzeuges sind zwei Mittelmotoren mit je zwei großen Schwungmassen untergebracht. Jeder Motor treibt mittels Kardanwelle und Stirnrad-/Schneckengetriebe das zu diesem gehörende Drehgestell an. Jede Achse des Servicewagens ist einseitig mit einem Haftreifen belegt. Mit dieser technischen Lösung ist sichergestellt, daß der ICE 4 auch in längeren Konfigurationen problem den Anlagenbetrieb besteht. Zwischen den beiden „Antriebsanlagen“ ist ein Platz für den Einbau des Lautsprechers vorgesehen.


Fahrverhalten

Das Eigengewicht des vierteiligen Zuges beträgt insgesamt 1.220 Gramm. Das Eigengewicht verteilt sich auf den Endwagen 1 mit 206 Gramm, dem Mittelwagen mit 197 Gramm, dem Servicewagen mit 610 Gramm und dem Endwagen 2 mit 207 Gramm. Die gesamte Zuglänge liegt bei 1.330 Millimeter.

Die Höchstgeschwindigkeit beim Vorbild beträgt zwischen 230 und 280 km/h. Es wurde als Referenz der Wert von 250 km/h genommen. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von ca. 183 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 27 % zu langsam und nach dem NEM-Wert (+ 30 %) um ca. 57 % zu langsam.

Optik

Piko hat die Außenform des neuen Triebzuges sehr vorbildlich getroffen, wobei die Kopfform der Endwagen markant in Erscheinung treten und somit das Markenzeichen des ICE 4 sind. Die lange nach vorne gezogene Schnautze weist in der Seitenabrundung noch eine zusätzliche Kastenbeschneidung auf, außerdem wurde auch die Trennkante bzw. Dehnfuge zwischen Kopfform und Kastenform gut getroffen. Die Kastenform fällt in weiterer Folge noch durch den rückseitig hochgezogene Dachform auf. Die Schürzenverkleidungen sind bei den Fahrzeugen mit feinen Gravuren versehen, lediglich bei den Drehgestellen wurden diese für den Anlagenbetrieb mit engen Kurvenradien als bewegliche Teile konstruiert. Feine Gravuren weisen auch die Dachaufsätze bzw. Dachverkleidungen auf, indem dort Lüftergitter nachgebildet sind. Sämtliche Fenstereinsätze sind paßgenau in die Seitenwände eingesetzt. Die Scheibenwischer des Frontfensters sind in die Form angraviert und erhaben dargestellt. Verschiedene Antennenteile sind ebenfalls in der Außenhaut bereits erhaben dargestellt, außerdem verjüngt sich die Kastenform beim Wagenübergang. An diesen sind halbe Faltenbaldimitationen eingesetzt, die beim Kuppeln der Fahrzeuge bündig anschließen.

Der Mittelwagen und der Servicewagen folgen denselben Konstruktionsprinzipien wieder die Endwagen. Es fällt allerdings auf, daß die Drehgestellblenden nach außen aufstehen. Eine Änderung ist im Dachbereich ersichtlich. Der Mittelwagen verfügt unter unterschiedliche Ausführungen des Hochspannungsteils. Auf einer Seite ist nur ein einfacher, mehrfarbiger Isolator für die Hochspannungsleitung ersichtlich. Die andere Fahrzeugseite weist genau über dem Einstiegsbereich einen aufwendig gestalteten Dachgarten auf. Auch hier sind alle Isolatoren farblich unterschiedlich ausgeführt und mittels Dachleitung miteinander verbunden.

Eine völlig andere Dachform wird beim motorisierten Servicewagen sichtbar. Dieser weist am Wagenende 1 eine vereinfachte Ausführung der Hochspannungsteile auf, währenddessen am Wagenende 2 die beiden Stromabnehmer und ein mit verschiedenen Isolatoren und Leitungen bestückter Dachgarten platziert sind. Die verwendeten Stromabnehmer weisen filigrane Holme und zierliche Wippen unterschiedlicher Bauart auf. An der Außenkante des Wagenende 2 ist wiederum ein Isolatorübergang für das Hochspannungskabel vorgesehen.

Die Drehgestelle sind dreidimensional durchgebildet und fallen vor allem durch die außenstehenden Schlingerdämpfer auf, ebenso durch die Fahrzeugteile der Luftfederung. Die Radscheiben sind farbig bedruckt.

Farbgebung und Beschriftung

Die Fahrzeuge sind großflächig weiß lackiert, ergänzt durch einzelne Zierlinien oder Aufdrucke. Sämtliche Farbtrennkanten weisen keine Ausfransungen auf. Alle Anschriften und Aufdrucke sind zudem noch lupen aufgetragen, einzelne Anschriften sind sogar mehrfarbig ausgeführt. Während alle Piktogramme korrekt umgesetzt sind, wurde auf den Endwagen eine falsche Triebzugnummer verwendet, welche mit der Fahrzeugnummer nicht korreliert.

Beleuchtung

Piko hat für seinen neukonstruierten Triebzug warmweiße LED berücksichtigt. Das Spitzensignal ist mit dreifach weiß belegt, das Schlußlicht zweifach rot. Die Innenbeleuchtung ist als optionales Nachrüstset erhältlich. Dies betrifft die Endwagen sowie die Mittelwagen. Der motorisierte Servicewagen ist werkseitig mit einer Innenbeleuchtung ausgerüstet. Auf der Fahrzeugplatine befindet sich ein Dip-Schalter. Die Innenbeleuchtung des Sericewagen ist werkseitig abgeschaltet und muß selbst aktiviert werden.

Bilder 51400/1

Vorab ist festzuhalten, daß die Triebzugnummer 9005 falsch ist. Das Modell ist mit der Betriebsnummer 93 80 0812 005-8 D-DB bedruckt. Im Revisionsraster steht wohl das Abnahmedatum 20.10.15 – dies gilt für alle vier Fahrzeuge des Sets.


Bilder 51400/2

Das Fahrzeug ist mit der Betriebsnummer 93 80 2412 805-1 D-DB bedruckt.


Bilder 51400/3

Der Servicewagen trägt die NVR-Nummer 93 80 6412 005-9 D-DB.


Bilder 51400/4

Der Endwagen 2 ist mit der Fahrzeugnummer 93 80 5812 005-7 D-DB beschriftet.


Bilder 58590/A

Zur Verlängerung der vierteiligen Grundeinheit bietet der Hersteller noch dieses zweiteilige Ergänzungswagenset an. Die Ergänzungswagen lehnen sich konstruktiv an die oben dargestellte Modelle an. Die Gleichstrom-Modelle sind unter dieser Artikelnummer verfügbar, die Modelle für das Dreileiter-Wechselstromsystem sind unter der Artikelnummer 58591 erhältlich. Beide Sets kosten gleich viel, und zwar € 169,99 UVP.

Der erste Wagen umfaßt einen Sitzwagen 2. Klasse mit der vollständigen Wagennummer 93 80 2412 305-2 D-DB. Das Modell ist mit dem oben dargestellten Sitzwagen vergleichbar. Die Fahrzeuglänge beträgt 321 mm.


Bilder 58590/B

Der zweite Wagen verkörpert das Bordrestaurant 1. Klasse. Der Wagen trägt die Betriebsnummer 93 80 8812 005-1 und das Halterkürzel D-DB. Das Modell unterscheidet sich gegenüber den anderen Mittelwagen markant an den Seitenwänden. Es verfügt über keine Schwenktüren für den Fahrgastwechsel, sehr wohl aber über eine für das direkte Beladen des Speisewagens. Auffallend ist auch das komplett hochgezogene Dach und auch die Laufdrehgestelle mit den „freistehenden“ Achsen.


Bilder 58592

Zusätzlich verfügbar ist noch ein weiterer Ergänzungswagen für beide Stromsysteme (58593 für Wechselstrom) zum UVP von € 89,90. Das Fahrzeug trägt die Betriebsnummer 93 80 4812 005-0 und das Halterkürzel D-DB. Dieser Mittelwagen ist mit zwei Stromabnehmern bestückt, außerdem sind die Drehgestelle als Laufdrehgestelle ausgeführt. Die Schürzen wird wiederum seitlich ausschwenkbar.