Piko 51057: DR 242

Der elektrische Zugbetrieb der Deutschen Reichsbahn in der DDR war bis Ende der 1950er Jahre von Vorkriegstypen bestimmt. Dies war der Grund, mit der Konstruktion einer neuen Universal-Elektrolokomotive einzuläuten. Entsprechend den westlichen Vorbildern wie den Baureihen E 10 und E 40 entstanden äußerlich gleiche Maschinen mit geänderter Getriebeübersetzung als Güterzug- und Schnellzuglokomotive.

Die auf dem Gebiet der späteren DDR existierenden elektrischen Strecken waren durch den Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Zudem wurden große Mengen an Material – Gleise, Oberleitungen und Lokomotiven – in die Sowjetunion abgefahren. Erst nach zehnjähriger Unterbrechung konnte die Deutsche Reichsbahn im Jahr 1955 wieder den elektrischen Betrieb aufnehmen. Neben älteren Einzelstücken setzte man Vorkriegsbauarten der Baureihen E 04, E 44 und E 94 ein. Das sich ständig vergrößernde elektrische Netz bedingte jedoch bald die Beschaffung neuer Lokomotiven. Bei LEW in Hennigsdorf begann die Konstruktion einer neuen Lokomotive. Beschafft werden sollte sie in zwei Ausführungen: als Schnellzuglok und als Güterzuglok, unterschiedlich nur in der Getriebeübersetzung. Als erstes wurden 1961 die beiden Prototypen der Schnellzugvariante, E 11 001 und E 11 002, geliefert. Die erste Serie von 40 Lokomotiven der Baureihe E 11 wurde dann 1962/63 geliefert. Die ersten Güterzugloks E 42 001 und E 42 002 folgten anschließend. Der Bedarf an Güterzugloks war wesentlich höher, weshalb bis 1969 nur E 42 entstanden. Erst ab 1970 wurden E 11 und E 42 parallel beschafft. Bis 1976 wurden insgesamt 292 Loks der Baureihe E 42/242 und 95 der Reihe E 11/211 gebaut. Ab 1970 wurden die Loks dem neuen Bezeichnungsschema der DR entsprechend als 211 und 242 geführt. Im Laufe der 14jährigen Beschaffungszeit ergaben sich zahlreiche Änderungen. Besonders augenfällig waren die Doppellüfter, der gesickte Rahmen und die Stirnschürzen der Prototypen und ersten Serienloks E 11 001 bis 043 und E 42 001 bis 022. Weitere Änderungen betrafen die Sandkastenanordnung am Oberrahmen und nicht mehr an den Drehgestellen (ab 211 070 und 242 215), der Ersatz der Holzlattenlaufstege auf dem Dach durch Gitterroste (ab 211 043 und E 42 134) sowie die Verbreiterung des Stirnwandtrittes und die Vorbereitung der Pufferbohle für die Aufnahme der automatischen Mittelpufferkupplung (ab 211 057 und 242 204). Bis 1970 hatten die Loks einen flaschengrünen Anstrich mit grauem Dach. Danach erhielten sie in der Regel eine bordeauxrote Lackierung mit elfenbeinfarbenem Zierlinien. Davon gab es jedoch Abweichungen, wie die Loks der Leipziger S-Bahn, die zum Teil einen blauen Anstrich mit gelben Zierstreifen erhielten, oder die 242 124 mit einem Versuchsanstrich in Orange. Seit Anfang 1992 werden die Loks als Baureihen 109 bzw. 142 bezeichnet. Noch vor dem Übergang auf die DB AG erhielten bereits einzelne Loks Lackierungen im Orientrot der DB-Maschinen. Nach Beseitigung der für eine Neukonstruktion üblichen Kinderkrankheiten bewährten sich beide Baureihen. Die 100 km/h Höchstgeschwindigkeit der E 42 waren bei der DR für fast alle Zuggattungen ausreichend. Daher konnte die Güterzugvariante universell eingesetzt werden und wurde in wesentlich größerer Stückzahl beschafft. Es wurden sogar 211er in 242er umgebaut. Diesen Loks wurde die Baureihenbezeichnung 242.3 zugeteilt.

Bei einer Stundenleistung von 2920 kW hatte die E 42 eine Anfahrzugkraft von 245 kN. Die Loks waren bis zur Wende für den Zugbetrieb unverzichtbar und prägten auf allen elektrifizierten Strecken das Bild der Züge. Nach der Wende trat allerdings ein starker Rückgang der Transportleistungen auf der Schiene ein, so daß die Lokomotiven der Baureihe 142 allmählich entbehrlich wurden. Jedoch war mehreren der nur 50 Jahre alten „Oldtimer“ ein zweiter Frühling vergönnt. Einige Schweizer Privatbahnen benötigten dringend Verstärkung ihres Fuhrparks. Die DB bot überzählige Loks der Reihe 242 für lediglich ca. 100.000 Euro je Stück an. Neue Lokomotiven werden dagegen mit einem Preis von ca. vier Millionen Euro veranschlagt. Die Mittel-Thurgau Bahn (MThB) und die Südostbahn (SOB) gründeten daraufhin 1994 die Lokoop AG zur gemeinsamen Beschaffung und Bewirtschaftung der Fahrzeuge, nachdem die Emmenthal-Burgdorf-Thun-Bahn (EBT) aus dem Projekt wieder ausgestiegen war. Es wurden bisher 21 Lokomotiven der Reihe 242 von der DB AG gekauft. In der Hauptwerkstätte der SOB in Samstagern wurden 19 davon den strengen Schweizer Vorschriften angepaßt werden. So entfiel einer der beiden Stromabnehmer, um Platz für die Bremswiderstände zu schaffen. Die Gesellschaft bemühte sich dabei um bemerkenswerte Güterzugleistungen auch mit internationelem Zuglauf. Diese Dienste sollten mit der Serie 476, wie die ehemaligen E 11 in der Schweiz hießen, bespannt werden. Somit kamen die E 42, die zu Zeiten der DDR die Gleise der DR nie verlassen haben, zu späten internationalen Ehren.


Modellvorstellung

Die ersten Modelle dieser DR-Elektrolokomotive wurden vor knapp 20 Jahren in überarbeiteter als Modell realisiert. Ausgeliefert wurden die Varianten der E 42, 242 und DB AG 142, wobei die Piko-Modelle stets das erste Serie bis inkl. E 42 022 umfaßten. In der Edition Classic edition war für 2018 eine Neuauflage einer DR-Lok mit Computernummer angekündigt, die unter der Artikelnummer 51057 zum UVP von € 189,99 ab Ende August in den Fachhandel gelangte.

Verpackung

Die Auslieferung der ehemaligen E-Lok der Deutschen Reichsbahn erfolgt in der früheren Kartonschachtel mit Styroporeinsatz. Das Modell ist paßgenau in die Styroporverpackung eingelegt und ist durch eine zusätzliche Styropor-Platte geschützt. Die ausführlich bebilderte Betriebsanleitung und das Ersatzteilblatt sowie weitere Unterlagen liegen unter dem Styroporeinsatz. Ein Zurüstbeutel mit verschiedenen Zurüstteilen ist in der Ausnehmung nebenan abgelegt.

Technik

Das Lokgehäuse ist auf dem Chassis aufgesetzt. Es läßt sich durch einfaches Spreitzen der Seitenwände nach oben abziehen. Die technischen Komponenten sind im Zinkdruckgußrahmen eingelegt. Das Modell wird über einen Mittelmotor und Silikonschläuche zunächst auf das Schneckengetriebe und dann auf jedes Drehgestell übertragen. Es sind nur drei Achsen angetrieben, die Achse 3 (2. Drehgestell – unter dem Führerstandsseite 2, innere Achse) ist wegen der Wechselstromversion und dem Anbringens des Mittelschleifers als Laufachse ausgebildet. Die Achsen 2 und 4 weisen jeweils beidseitig Haftreifen auf. Die Stromabnahme erfolgt über alle acht Räder mittels Radschleifer. Im Gehäuse eingelassen ist die Kurzkupplungskulisse, deren Normschacht allerdings bei der Anbringung der Frontschützen entfernt werden muß.

Die Fahrzeugplatine befindet sich auf dem Fahrzeugrahmen und ist auch für den Digitalbetrieb konzipiert. Beim aktuellen Modell ist nach wie vor eine achtpolige Schnittstelle nach NEM 652 berücksichtigt. Auf der Platine befindet sich noch ein Umschalter für den echten Oberleitungsbetrieb.

Fahrverhalten

Das Modell der ehemalige DR-Güterzuglokomotive weist ein Eigengewicht von 450 Gramm  Eigengewicht auf. Die Vorbildgeschwindigkeit beträgt 100 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte von ca. 167 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 67 zu hoch, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit um ca. 37 % zu hoch.

Optik

Der Gesamteindruck der Baureihe 242 ist bestechend, wobei zu sagen ist, daß Piko dieses Modell durch die Neuauflage aus dem Jahr 1997 komplett neu konstruiert hat. Das Modell weist am Gehäuse zahlreiche Details und feine Gravuren auf. Als besondere Highlights gegenüber dem Vorgängermodell sind die paßgenau eingesetzten Fenster, die extra angesetzten Scheibenwischer sowie auch die korrekte und zierliche Wiedergabe der geteilten Frontgriffstangen, die extra montierten kurzen Griffstangen über den Führerstandsfenstern und die ebenso extra eingesetzten Führerstandsgriffstangen bei den Führerstandstüren zu sehen. Weitere Highlights betreffen die seperat angestezten Umlaufbleche mit Riffelblechimitation und die Nachbildung der Steckdose für die Mehrfachtraktion in der Mitte zwischen den Doppelstirnlampen. Ergänzt werden diese Details noch durch die eigene Nachbildung der Steckdose für den Wendezugsteuerung sowie die Kupplung für die elektrische Zugheizung.

Das Dach fällt durch die drei aufgesetzten Dachfelder in silberner Farbe auf. Auf den äußeren Dachfeldern sind jeweils vorbildgerecht konstruierten Stromabnehmer der Bauart RBS 58 mittels Zentralschraube befestigt. Die Nachbildung der Stützisolator entspricht dem Vorbild. Auf der Oberschere ist ein Doppelschleifstück montiert. Die Dachausrüstung ist fast vorbildgerecht dargestellt. Die korrekte Nachbildung der Durchführungsisolatoren mit ihrer flexiblen Anschlußleitung und die richtige Umsetzung des Dachtrennschalters fehlen.

Die Drehgestellblenden sind fein detailliert und fallen durch ihre Tiefenwirkung positiv auf. Die Bremsklötze sind extra angesetzt und befinden sich auf Radebene. Die ebenfalls extra angesetzten Sandkästen werten den optischen Eindruck des Modells auf.

Farbgebung und Beschriftung

Der Lokkasten ist großflächig bordeauxrot lackiert und weist einen weißen Zierstreifen auf Höhe des Fußbodens der Lok auf. Farbverläufe sind keine zu erkennen. Piko hat seiner Neuauflage die Betriebsnummer 242 009-9 vergeben. Die Loknummer ist auf schwarz hinterlegten Lokschildern aufgedruckt. Sämtliche Anschriften wurden auf dem Modell vollständig und lupenrein aufgetragen. Die Lok ist beim Bw Leipzig-Wahren bzw. der Rbd Halle beheimatet. Neben verschiedenen technischen Anschriften befinden sich auf der Maschine auch die Fabrikstafel sowie auch das Raster mit den Revisionsdaten. Die letzte Untersuchungsanschriften lauten auf REV Ds 19.12.86.

Beleuchtung

Das Modell ist mit einem Dreilicht-Spitzensignal ausgestattet, welches je nach Fahrrichtung abwechselnd weiß bzw. rot leuchtet. Für die Beleuchtung wurden warmweiße LEDs verbaut.


Bilder