Brawa 41604 / 41632: DB-Baureihe V 36 / ÖBB-Reihe 2065

Die Deutsche Wehrmacht beschaffte zwischen 1938 und 1944 rund 250 Lokomotiven mit der Typenbezeichnung WR 360 C14, die im wesentlichen ziemlich einheitliche Hauptabmessungen, jedoch unterschiedliche Ausrüstungen und Gewichte aufwiesen. 63 Lokomotiven verblieben nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Deutschen Bundesbahn. Diese Maschinen wurden sodann relativ rasch wieder instandgesetzt, um den akuten Lokmangel zu kompensieren. Zahlreiche Lokomotiven waren danach im Personenverkehr der Städte Bremen, Bremerhaven, Frankfurt am Main und Wuppertal eingesetzt, die anderen Übernahmen bis zum Erscheinen der Neubaulokomotive V 60 den Verschiebedienst auf größeren Güterbahnhöfen bzw. waren für die Bereitstellung von Reisezugwagen auf Knotenbahnhöfen zuständig. Die Lokomotiven wurden von den Lokschmieden Krupp, Schwartzkopff, Henschel, Gmeinder, O & K, KHD und DWK gefertigt und erwiesen sich aufgrund ihrer mittleren Größe mit der hydraulischen Kraftübertragung einigen der noch vorhandenen Dampflokomotiven ebenbürtig.


Modellvorstellung

Die Modellausführung der WR360C war als Neukonstruktion 2017 angekündigt und gelangte im Sommer 2018 erstmals zur Auslieferung. In Neuheitenblatt 2017 finden sich Ausführungen der DRB, der DB (Epoche III + IV), der DR, der FS, der DSB, der SNCF, der SNCB, der ÖBB und der CSD. Zur Vorstellung gelangt die Epoche III-Version der Deutschen Bundesbahn als V 36 234. Die Lok wird ohne Loksound als Gleichstrom-Modell  unter der Artikelnummer 41604 – UVP € 199,90 – bzw. als Wechselstrom-Modell unter der Artikelnummer 41605 – UVP € 244,90 – geliefert. Die Varianten mit Loksound sind unter den Artikelnummern 41606 (Gleichstrom-Ausführung) und 41607 (Wechselstrom-Ausführung) erhältlich, UVP jeweils € 399,90. Bei diesem Preis erhält der Modellbahner aber ein Modell mit Digitalkupplung und Energiepuffer.

Verpackung

Brawa liefert das Modell in der bekannten Verpackungsform mit Kartonschuber und Kartonverpackung aus. Das Modell selbst ist in einer Blisterbox fixiert und in die Kartonverpackung eingeschoben. Die großformatige und sehr gut illustrierte Betriebsanleitung ist darin eingelegt. Ein Zurüstbeutel mit Zughaken, Bremsschläuchen, Kupplungen und einer Montagehilfe ist in einer Aussparung der Blisterbox beigelegt.

Technik

Unter dem Lokgehäuse sind die Antriebskomponenten angeordnet. Das Lokgehäuse ist aus einem Stück gespritzt und an der Lokunterseite mit vier Schrauben am Chassis befestigt. Mit dem Entfernen dieser läßt sich es sich nach oben abziehen. Es wird nun das Innenleben mit der Platine sichtbar, die über dem Antriebsblock montiert ist. Die Verbindung zu anderen Verbrauchern erfolgt mittels einschiebbarer Leiterschienen.

Im Fahrzeugrahmen ist ein Mittelmotor mit einseitiger Schwungmasse und einseitigem Wellenstummel verbaut. Die Kraftübertragung erfolgt über den Wellenstummel und das Zahnradgetriebe auf die mit einem Zahnrad ausgestattete Blindwelle und sodann über die Treibstangen auf alle Achsen. An der ersten Kuppelachse ist einseitig ein Haftreifen aufgezogen. Die Achsen 1 und 3 sind starr eingelagert, aber leicht seitenverschiebbar. Die Mittelachse ist ebenfalls leicht seitenverschiebbar ausgeführt und gefedert.

Die Hauptplatine ist für den Digitalbetrieb mit einer PluX22-Schnittstelle versehen. Digital-Modelle sind dabei mit Decodern der Firma Doehler & Haass bestückt. Eine Kurzkupplungskinematik ist nicht vorhanden, jedoch weist der NEM-Kupplungsschacht einen zentralen Drehpunkt auf. Um deswegen Entgleisungen zu vermeiden, erhielt das Modell Federpuffer.

Fahrverhalten

Die neukonstruierte V 36 bringt ein Eigengewicht von 153 Gramm auf die Waage. Das vorliegende Modell macht bei den Testrunden auf der Anlage eine hervorragende Figur. Das Modell ist leise und hat einen taumelfreien Lauf. Erfreulich ist vor allem die Geschwindigkeit des Modells. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 55 bis 60 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte von ca. xxx km/h. Diese ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. xxx % höher, gegenüber dem NEM-Wert mit der Draufgabe von 30 % um xxx % zu niedrig. (Daten folgen)

Optik

Neukonstruktionen verlangen bei vergleichbaren Modellen stets die Umsetzung von einigen Extras und Highlights. Brawa ist dafür bekannt, optisch einwandfreie Modelle auf hohem Niveau der Detailierung zu fertigen, was auch bei diesem Fahrzeug der Fall ist.

Die genaue Betrachtung des Lokgehäuses offenbart ein hervorragend graviertes Kunststoffteil. Sämtliche Lüftergitter weisen tiefe Gravuren auf. Sehr schön nachgebildet sind die Nietreihen und auch die Türscharniere. Auffallend sind vor allem auch die ausbauchenden „Regenrinnen“ über den Motorraumverkleidungen. Sämtliche Griffstangen und Haltegriffe sind als angesetzte Teile ausgeführt und am Modell bereits werkseitig eingesetzt. Zur filigranen Ausführung zählen auch die Haltegriffstangen bei den Rangieraufstiegen oder auch die seitliche Fahrzeugleiter am Vorbau. Der frontseitige Kühlergriss ist als Ätzteil erstellt.

Am Dach sind ebenfalls fein gravierte Abdeckungen und Nietreihen zu erkennen, extra angesetzt sind die Lokglocke sowie die Typhone. Im Führerhaus ist ein freier Durchblick möglich, das Führerpult ist angedeutet. Die Fenstereinsätze sind paßgenau ausgeführt. Sauber graviert ist auch die rückwärtige Führerstandstür erkennbar.

Die Radsätze hinterlassen infolge der dezent ausgeführten Speichen einen optisch hervorragenden Eindruck. Ebenso dezent ausgeführt sind die Treibstangen und auch die Befestigungsschrauben. Die Befestigungsschrauben des Lokgehäuses an der Unterseite sind nach etwas Suche auffindbar. Beim Anblick des Modells von unten ist die Umsetzung des Bremsgestänges ersichtlich.

Farbgebung und Beschriften

Die Farbaufteilung der V 36 orientiert sich anhand von einzelnen Fahrzeugteilen wie dem Rahmen, den Aufbauten und dem Dach. Der Fahrzeugrahmen und das Laufwerk sind rot lackiert, der Umlaufsteg schwarz, das Lokgehäuse grün und das Dach ist silbern. Die Bedruckung ist sauber und gut deckend aufgetragen, unter der Lupe sogar trennscharf lesbar. Als Vorbild diente die V 36 234. Die Lok ist beim Bw Wuppertal-Steinbeck bzw. der BD Wuppertal beheimatet. Als letztes Untersuchungsdaten ist am Fahrzeugrahmen der 20.04.62 zu entnehmen.

Beleuchtung

Die Lok ist mit einem Lichtwechsel mittels LED ausgestattet. Die Ansteuerung erfolgt richtungsabhängig weiß/rot.


Bilder 41604


Bilder 41632 – ÖBB 2065.01

Im Beschaffungsprogramm der Deutschen Wehrmacht (siehe Reihe 2061) aus den 1930er Jahren war auch die Ausführung eines Dreikupplers mit 360 PS Leistung mit der Typenbezeichnung WR 360 C14 enthalten. Heereswaffenamt, Reichsbahn-Zentralamt Berlin und die Firmen Schwartzkopff und Orenstein & Koppel waren gemeinsam an der Entwicklung dieser stangengekuppelten dieselhydraulischen Verschublok beteiligt. Die Fahrzeuge waren vom mechanischen Teil einfach konstruiert. Ein innenliegender, geschweißter Blechrahmen stützte sich über Blattfedern auf den Achsen und der Blindwelle ab und trug das Führerhaus und den Motorvorbau. Zwischen 1937 und 1944 wurden 292 Exemplare gebaut, von denen drei Loks in Österreich verblieben. Sie kamen zwischen 1949 und 1953 mit den damaligen Nummern DL 55 101, 3002 und 1001 als 2065.01 bis 03 zur ÖBB. Die 2065.03 schied als erste nach Unfall mit einem LKW 1961 aus, ihr folgten 1968 die beiden anderen Loks. Die 2065.01 kam danach als DH V 360.1 in modifizierter Form (neuer Motor und niedriger Vorbau) zur GKB. Darüberhinaus kamen noch weitere Loks dieses Typs bei der Privat- und Werksbahnen zum Einsatz.

Modellvorstellung

Nach der Vorstellung der DB-Variante geführt es sich für einen österreichischen Modellbahner sich auch mit der ÖBB-Variante zu beschäftigen und zu präsentieren. Was die technischen und optischen Ausführungen betrifft, sei auf die Ausführungen von oben verwiesen. Bei dieser Modellvorstellung wird nur mehr über abweichendes berichtet.

Brawa hat bei seiner Neuheitenankündigung neben den wichtigsten Kundenmarkt in Deutschland auch die anderen Bahnverwaltungen als Nische entdeckt, um damit die Gesamtstückzahl zu erhöhen. Der weitere Vorteil liegt auch daran, gerade in anderen Ländern noch exisiterende Lücken von fehlenden Modellen zu schließen.

Die ÖBB-Variante der WR360C14 wird allerdings nur als Gleichstrommodell in zwei verschiedenen Ausführungen geliefert, und zwar in der Version Analog Basic+ (Artikelnummer 41632, UVP € 209,90) und in der Version Digital Extra (Artikelnummer 41634, UVP € 409,90).

Beim Auspacken des Modells fallen sofort verschiedene Formänderungen auf. Am Dach fehlen mehrere, erhabene Abdeckungen und Typhone, am Vorbau der Kastenaufbau an der Fahrzeugfront. Die Führerstandsrückwand ist vorbildgerecht mit entsprechenden Halterungen versehen, und der Kühlergrill weist ein feinmaschigeres Gitter auf.

Brawa hat seine ÖBB-Lok mit der Betriebsnummer 2065.01 versehen. Als Heimatdienststelle ist die Zfl. Wien-West angeschrieben. Dort war die Lok vom 20. Mai 1955 bis 21. August 1956 auch tatsächlich beheimatet. Als letztes Untersuchungsdatum ist auf dem Fahrzeugrahmen der 17.2.56 zu lesen. Lackierung und Bedruckung entsprechen dem Niveau der DB-Lok.


Modellvorstellung