Roco 77393 / 77386 / 77389: Wascosa / DB AG / ÖBB T 3000e

Der Gelenk-Taschenwagen T 3000 ist eine Weiterentwicklung des vorhin erwähnten T 2000, der sich aus seinem Grundkonzept ableitet. Die Neukonstruktion des T 3000 erlaubte eine Optimierung des Fahrzeuges auf neuere Containerbauarten und Wechselbehälter und ermöglichte auch den Transport für MEGA-Trailer. Damit ergibt sich bei diesem Wagentyp derzeit der größte Hüllraum nach UIC 596-5 für Gelenktaschenwagen. Um diese Eigenheit zu erlangen, wurden beim T 3000 die Drehgestelle tiefer gesetzt und entsprechen dem Typ Y25Ls(s)i bzw. Y25Ls(s)i 1(f) mit einem Raddurchmesser von 920 mm und dem Bremssystem 2 x DK-GP-A-(K). Das Eigengewicht der max. 120 km/h lauffähigen Wagen (100 km/h im beladenen Zustand) beträgt 34,3 Tonnen, die Radsatzlast 22,5 Tonnen, was eine maximale Zuladung von 100 Tonnen ergibt. Der T3000e ermöglicht folgende Beladungsmöglichkeiten:

 

  • 2 Sattelauflieger mit einer Betriebsnennlast von je 40 t, davon 3 x 9 t für die Achslast dreiachsiger Sattelanhänger,
  • 4 Wechselbehälter der Klasse C (max. 4 x 7,82 m) oder 4 x 2X-Container in der nutzbaren Gewichtskombination von 32 t + 17 t je Wagenhälfte,
  • 2 Wechselbehälter der Klasse A Typ „2R“ oder 2 4X-ISO-Container, 36 t + 34 t (oder 2 x 35 t) ohne mittlere Unterstützung (analog ursprünglicher T3000).

 

Durch diese Modifikation wurde erstmals eine Innenhöhe von 3 m erreicht. Die beiden Wagenuntergestelle sind über dem mittleren Drehgestell gelenkig (Gelenkbauart Talbot) miteinander verbunden. Das Untergestell mit integrierter Tasche dient zur Aufnahme des Achsaggregates des Sattelanhängers. Die Tasche ist mit den Langträgern des Untergestells verschweißt, wobei die Verarbeitung ohne korrosionsfördernde Wasserfallen erfolgte. Die Hersteller gehen daher von einer Lebensdauer von 20 Jahren eines Wagens aus. Die oberen Gurtbleche der Taschen sind großflächig eben ausgebildet, damit sich Teile des Achsaggregates beim Umschlag nicht festhaken können. Der Querschnitt der Tasche ist für einzel- und zwillingsbereifte Sattelanhänger optimiert. Die Langträger sind im Bereich der Tasche abgesenkt, so dass die Greifkanten volumenoptimierter Sattelanhänger in Verbindung mit der niedrigen Stützbockhöhe noch gut mit dem Krangeschirr erreichbar ist. Die Anordnung der Stützböcke und der Taschen wurde so angeordnet, dass die Sattelauflieger jeweils mit ihrer Frontseite zur Pufferseite des Wagens zeigen. Auf dieser Seite sind auch die Stützböcke für die Zugsattelzapfen angeordnet. Die stützbockseitigen Hauptquerträger sind für die Aufnahme eines Stückbockes bis 3 verstellbaren Höhen und fixer Position geeignet. Der Stützbock ist in kräftigen Führungen gelagert. Über zusätzliche, klappbare ISO-Aufsetzzapfen eignet sich der T 3000 auch zum Transport von Containern und Wechselbehälter. Diese sind als Klappriegel ausgeführt und an der Außenhaut durch Bolzen befestigt. Das Untergestell ist für den nachträglichen Einbau der Zug-automatischen Kupplung (Z-AK) vorbereitet.

Die Doppeltaschenwagen T 3000(e) werden nach einem Patent der Cattaneo SA, Schweiz, gebaut, wobei als Hersteller auch die Waggonfabrik Tatravagonka Poprad a. s. in der Slowakei auftrifft. DB Schenker Intermodal hat die ersten 250 Gelenk-Taschenwagen von 2013 bis zum Sommer 2014 beschafft und als Sdggmrss 738″ mit dem Nummernkreis 499 2 001 bis 250 beschafft. Weitere 500 Fahrzeuge beschaffte die DB zwischen 2015 und 2018 als Sdggmrs 738.1, die in die Nummernkreise 495 5 270 bis 499, 530 bis 614 und 499 3 809 bis 999 eingereiht sind. Weitere Fahrzeuge sind u. a. bei Kombiverkehr (schwarz), Cemat (dunkelblau), der CFL, Wascosa (orange) im Einsatz, welche die Fahrzeuge mit der Gattungskennzahl 495 6 betreiben.

Die Wagenserie der T3000 erhielt im Laufe der Zeit eine geringfügige Modifikation, indem unweit des Mitteldrehgestelles ein zusätzlicher Auflagerpunkt mit Klappriegel für die 30′-Container vorgesehen wurde. Insgesamt verfügen diese Wagen über je acht bewegliche Klappriegel je Wangenseite. Diese Fahrzeuge stellen die neuere Bauart dar, welche bei den EVU GATX (gelb), Wascosa (orange) und Hupac (seidengrau) in Einsatz stehen. Weitere T3000(e) sind im Bestand der ÖBB (Rail Cargo Austria, verkehrsrot) sowie Wagen von Vermietungsgesellschaften, die in Bulgarien oder in der Türkei eingestellt sind. Die Wagenflotte ist auf gängigen KLV-Routen zu sehen, speziell in den bekannten EKOL-Zügen.

Die ÖBB-Wagen sind bei Rail Cargo Wagon (RCW) in der Slowakei immatrikuliert und haben den Nummernkreis 31 81 499 3 000 bis 201 mit Halterkennung A-RCW. Diese Wagenserie ist von der VTG-Gruppe angemietet, an den Wagen findet sich ein Hinweis auf VTG samt Firmenanschriften. Weitere Wagen mit der Anschrift „Rail Cargo Wagon“ gehören Express Rail mit der Halterkennung SK-EXRA und den Nummernbereich 33 56 499 3 000ff.


Modellvorstellung

Auf die T 2000 und T 3 folgt der Doppelcontainer-Tragwagen T 3000. Roco hat das Vorbild als Neukonstruktion im Rahmen seiner Winterneuheiten 2020/21 als unterjährige Überraschungsneuheit angekündigt, wiewohl es dazu schon ein Mitbewerbermodell gibt, bei dem die „Hardcore-Modellbahner“ die ungewöhnliche Zapfenführung kritisieren. Der T 3000 wurde noch von einem anderen Mitbewerber vor vielen, vielen Jahren ebenfalls als Neukonstruktion angekündigt. Aber nach der Modellumsetzung des T4.1 ist dieser Hersteller einerseits nur mehr zum „Kistenbedrucker“ (Container in unterschiedlichen Ausführungen) verkommen und andererseits sind seit Jahren nur mehr laute Töne ohne Taten zu hören. Nach dem Erscheinen des Roco-Modells wurde sogleich die Top-Modellumsetzung avisiert. Sei, wie es sei, fröhnen wir uns dem Roco-Modell in bewährter Ausführung.

Die Ankündigung eines korrekten T 3000 in Anlehnung an den zuvor umgesetzten T 2000 hat die Modellbahnszene in freudige Zustimmung versetzt. Roco hat mit seiner detaillierten Information, was das Modell alles aufweist, sehr große Erwartungen geschürt. Im Prospekt wird unter anderen von folgenden Details gesprochen:
* Filigrane durchbrochene Trittstufen und Gitterbleche
* Wagen aus Zinkdruckguß
* Vorbildgerechte Modellumsetzung des Drehgelenks
* Bewegliche Klappriegel
* und sonstige Kleinigkeiten.

Bei der Erstankündigung wurden vier verschiedene Ausführungen angekündigt, sowie weitere in den Jahresneuheiten 2021:

* 77390: T3000e des EVU Kombiverkehr mit zwei Sattelauflieger „DB Schenker“, schwarz
* 77391: T3000e des EVU GATX, gelb, mit zwei Sattelauflieger „arcese“
* 77393: T3000e des EVU Wascosa, orange, mit zwei Sattelauflieger „LKW Walter“
* 77386: T3000e des EVU DB AG mit zwei 40′-Wechselbrücken „Ekol“, verkehrsrot

* 77389: T3000e der Rail Cargo Austria, verkehrsrot, beladen mit vier Tankcontainer „Bertschi“
* 77387: T3000e des EVU Wascosa mit zwei 45′-Wechselbrücken „Blue Water“
* 77394: T3000e des EVU Wascosa mit zwei Sattelauflieger „Fercam“
* 77397: T3000e des EVU Kombiverkehr mit zwei Sattelauflieger „Gruber Logistics“
* 77398: T3000e des EVU Hupac mit zwei 45′-Wechselbrücke „Eucon“
* 77388: T3000e des EVU Cemat mit vier neutralen Tankcontainern

Zwei weitere T3000e-Modelle sind im siebenteiligen Display „Spedition Winner“ enthalten, welche ab Werk nicht einzeln erhältlich sind. Man darf davon ausgehen, daß in den künftigen Perioden weitere Modell in das Sortiment aufgenommen werden. Der Preis pro Wagen wird einheitlich mit einem UVP von € 99,99 veranschlagt.

Verpackung

Roco liefert die Neukonstruktion in einer langgezogenen Kartonschachtel aus. Der Wagen selbst ist in einer zweiteiligen Plastikverpackung eingelegt, wie auch die Sattelauflieger, die Wechselbrücken oder die Container. Pro Wagenhälfte liegen jeweils drei Zurüstbeutel bei. Mitgeliefert wird auch eine Betriebsanleitung. Die Plastikverpackung ist glücklicherweise so beschafften und konzipiert, daß die Modelle nach dem Zurüsten problemlos verstaut werden können.

Das Modell

Das Modell ist wie schon angekündigt aus Metall gefertigt. Der Formenbau hat bei der Neukonstruktion ganze Arbeit geleistet, denn es sind verschiedene Details und filigrane Ausformungen erkennbar. Einzelne Teile in der Wagentasche oder an der Außenhaut sind bereits angesetzt (zb eine Rohrleitung). Die Zurüstteile beinhalten verschiedene Zurüstteile, wobei diese für die beiden Auflieger noch am einfachsten zu montieren sind. Aufwendiger wird es schon bei den Ansetzteilen in den Fahrzeugrahmen. Die beiden Hebeböcke (Achtung: zwei unterschiedliche Höhen) und die Handbremsräder lassen sich noch am einfachsten in das Modell einsetzen, letztgenannte sollte man rückseitig mit Sekundenkleber betupfen.

Die Betriebsanleitung geht von zwei verschiedenen Betriebszuständen aus. Bei der Vitrinenversion kann das Modell vollständig mit den Anbauteilen bestückt werden, sofern man erstens ein sehr gutes Auge hat und zweitens für die Feinmotorik der Montage noch geeignet ist. Mir war es leider nicht vergönnt, die Teile bei der Pufferbrust zu montieren. Dies beginnt schon auf der Unterseite mit den geteilten Bauteilen mit dem Luftbehälter und dem H-Profil. An die Montage der feinen Halterungen für den Zugschluß unterhalb der Puffer war erst gar nicht zu denken, und ohne eine geeignete Befestigungsmöglichkeit des Modells ist man meines Erachtens auf verlorenen Posten. Bedauerlicherweise ist die Verpackung dafür am wenigstens geeignet, weil der Wagen keinen fixen Halt findet. Die Verschiebertritte ließen sich noch problemlos montieren, aber die dazu gehörige Haltestangen bereiteten schon wieder Probleme. Die Container-Halterungen mit den umlegbaren Befestigungsplatten wurde probiert, aber auch diese Teile bereiteten Probleme beim Montieren, sodaß nach mehreren Versuchen das Vorhaben abgebrochen wurde. So schön das Modell ist, es wäre noch schöner, wenn diese Teile schon ab Werk montiert wären.

Abschließend noch ein Wort zu den Fahrzeuganschriften des Modells. Der T3000 von Wascosa ist mit der Halterkennung CH-WASCO und der Wagennummer 33 85 495 6 196-1 beschriftet. Der Doppel-Gelenkwagen ist mit der Gattungsbezeichnung Sdggmrss 33 und den Revisionsanschriften 6 REV TP 25.02.14 + 3M angeschrieben.


Bilder


Roco 77386

Der T3000 der DB AG ist stattdessen verkehrsrot lackiert. Dieses Modell entspricht in der Umsetzung dem oben angeführten, umfangreich sind wiederum die Zurüstbeutel, wobei statt zwei Tüten für die Auflieger nun ein eigener für die Containerbefestigungen beigepackt ist. Auch diese Halterungen wurden neu konstruiert und sind für die neuen Seitenhalterungen an den Oberkanten ausgelegt. Für die Containermontage sind niedrige Hebeböcke notwendig, die problemlos zu montieren waren, ebenso die Querbalken für die Containerbefestigung, die mittels Zapfen in das Wagenmodell gesteckt werden. Für die Befestigung von 20′-Containern sind wiederum andere Querbalken notwendig, auch diese sind beiliegend.

Der verkehrsrote Wagen von DB Schenker ist mit folgenden Fahrzeuganschriften versehen. Die Halterkennung ist auf D-DB ausgestellt, die Wagennummer lautet auf 31 80 495 5 543-2, wobei der Wagen die Gattungsbezeichnung Sdggmrs 738.1 trägt. Im Revisionsraster findet sich die Angabe 6 REV TVP 23.09.15. Obwohl die Anschriften im Digitaldruck aufgebracht sind, sind diese unter einer guten Lupe trennscharf zu lesen.


Roco 77389

Roco hat vom T3000e auch eine ÖBB-Variante angekündigt. Der Wagen ist bei der Rail Cargo Wagon immatrikuliert und mit den Fahrzeuganschriften A-RCW 31 81 499 3 194-7 und der Gattungsbezeichnung Sdggmrs angeschrieben. Im Revisionsraster stehen die Untersuchungsdaten 6 REV TVP 25.05.18. Das Modell wird ab dem 1. November 2021 zum UVP von € 104,90 angeboten. Als Beladung dienen vier verschiedene Tankcontainer der Spedition Bertschi AG, Dürrenäsch. Die Container können über mit mitgelieferten Klappriegel oder über die neu konstruierten Befestigungsstege auf dem sechsachsigen Wagen befestigt werden.