ÖBB: Frau Stock, wo bleibt die Qualitätskontrolle?
Eine Kurzreise in Österreich brachte wieder zahlreiche Mängel bei den ÖBB hervor. Offenbar scheint es im Konzern niemend zu geben, er auch die Leistungen auf ihre Korrektheit überprüft. Qualitätskontrolle kostet Geld, nonanet! Aber wenn man sich schon größer Mobilitätsanbieter schimpft, sollte dies zum Geschäftsmodell gehören. Aber scheinbar ist es bequemer, die Qualitätskontrolle an die Fahrgäste auszulagern, diese reihenweise zu verärgern und dann hoffen, daß sich ja keiner beschwert, was?
Diese Freude werden ich den Damen und Herren des ÖBB-Konzerns nicht machen. Denn als ehemalige Prüfer des Rechnungshofes und infolge meiner nach wie vor aufrechten Vereidigung als Organ der Republik gehört es zum guten Ton, Mißstände anzuprangern. Gerade ein letztes Gespräch mit Kollegen aus dem RH nach dem Begräbnis eines hiesigen Sektionsleiters zeigt, wie wichtig externe Eingaben beim RH sind und auch Eingang in die Prüfungsplanung finden.
Aber kommen wir zu meinen Kritikpunkten meiner letzten Reise von Vorarlberg in die Steiermark zum Fotografieren von Zügen für künftige Fachartikel. Das Chaos wartete schon wieder einmal am Bahnsteig 3 zum Nightjet von Bregenz nach Wien ARZ. Das nachstehende Bild zeigt die Wagenreihung des NJ 19947. Tatsächlich war die Garnitur richtig gereiht, indem die 2. Klasse Sitzwagen hinter der Lok gereiht waren:

Ich benützte den NJ 465 mit einem Zugteil EN 40465 nach Zagreb. Der Wagenstandanzeiger wies beim EN 40465 eine Route nach Zagreb auf. In Villach kam dann die Überraschung! Der EN 40465 wird ab Villach im SEV geführt, wobei die Abfahrt um 06:06 Uhr als EN 415 angegeben ist. Gleichzeitig steht als Begleittext am Monitor“ von einer Umleitung des EN von und nach Zagreb zu lesen, indem „Vom 25. September 2026 (21:00 Uhr) bis 12. November 2026 (03:00 Uhr) „EC, D Villach – Lesce-Bled, Grund: Bauarbeiten, SEV/Fahrplanänderungen, Umleitung EN von und nach Zagreb.“ Dummerweise wird davon in Vorarlberg an den Monitoren nichts angezeigt bzw. es fehlen sämtliche Hinweise!




Die Beschilderung zum SEV-Abfahrtsort in Villach läßt auch zu wünschen übrig. Mit etwas Gehirnschmalz konnte man einen Bus der Firma Smitrans ausmachen, der an der Frontscheibe die wesentlichen Fahrplandaten auswies. Diese Busleistung hat ein einziger Fahrgast in Anspruch genommen. Außerdem steht dieser Ersatzverkehr nicht einmal im Scotty!
Eine weitere Beanstandung aus Villach betrifft die Darstellung der S-Bahnlinie 2 von Villach nach Klagenfurt. Anhand der Monitoranzeigen ist nicht ersichtlich, daß diese Linie via St. Veit an der Glan geführt wird. Der Aushangfahrplan verschweigt diese wichtige Information gänzlich, während man am Streckenfahrplan besser erleuchtet wird!


Das nächste Highlight betrifft das Angebot der Nahverkehrszüge auf der Steirischen Ostbahn, indem der Aushangfahrplan von Graz Hbf. um 14:08 Uhr einen Zug ins ungarische Szentgotthard verspricht. Auch der Streckenfahrplan wirft die Leistung als solche aus:



Jedenfalls ist die Darstellungsform verbesserungswürdig.
Der Umgang von Klimaticket-Besitzer als Stammkunden in ÖBB-Zügen
Der Oberhammer meiner Kurzreise war dann die Rückfahrt im NJ 464 von Graz nach Innsbruck. Die Garnitur wurde eine Stunde vor Abfahrt bereit gestellt und sogleich aufgesucht. Bei den beiden Sitzwagen wurde ein Wagen als Großraumwagen mit geführt, was für einen Nachtzug unrühmlich und unüblich ist! Der Abteilwagen war bis auf ein sog. „Privatabteil“ der Firma Newsrest fast gänzlich ab Graz ausgebucht. Es fanden sich im elften Abteil noch drei nicht ab Graz reservierte Sitzplätze. Da ich nur bis Innsbruck fuhr, setzte ich mich in dieses Abteil und machte es mir wie üblich zum Schlafen gemütlich, indem die Vorgänge geschlossen wurden und das Licht abgedreht wurde. Der Platz 114 wurde von einem jüngeren Herrn asiatischen Aussehens und nur der englischen Sprache mächtig eingenommen. Die Sitze 111 und 112 wurden von einem älteren Ehepaar belegt. Das Verweilen in einem Abteil erfolgte nicht grundlos, wenngleich man direkt über dem Drehgestell sitzt. Aber ich benötige aufgrund meiner Behinderung entsprechende Ruhe und suche Großraumwagen infolge der Lärmquellen zu vermeiden.
Die Fahrkarten-Grundrevision wurde irgendwann nach der Abfahrt vorgenommen, ungefähr nach der Abfahrt im Bahnhof Weststeiermark kam Newsrest-Mitarbeiter zur Fahrscheinkontrolle. Er hat mich nicht gefragt, wie weit ich fahren will, außerdem wollte er für meine Fahrt nach Innsbruck eine Reservierung sehen. Da ich meinte, daß ich keine Reservierung (Anmerkung: für drei freie Plätze nach Innsbruck) benötige, meinte er: „Wir nehmen Inhaber von Klimatickets grundsätzlich schon mit, aber ohne entsprechende Reservierung habe ich im Abteilwagen nichts zu suchen und müsse in den Großraumwagen wechseln, der hierfür für Reisende für Klimatickets vorgesehen ist.“ Ich habe ihn unmittelbar darauf gefragt, wo dies im Tarif steht? Es gab keine Antwort und flüchtete dann zum anderen Wagenende, wo er auf mich wartete. Ich frage ihn dann auf der Plattform nochmals, wo dies im Tarif stehe? Er hat nur suffisant gelächelt! Da der Großraumwagen für einen Nachtzug hell erleuchtet war, habe ich ihn aufgefordert, die grelle Beleuchtung zurückzufahren, was technisch auch möglich ist. Dies ist scheinbar dann nicht geschehen, denn ich mußte das helle Licht zum Schutze der Augen mittels meiner Jacke abdecken. Zudem führte die unnatürliche Sitzhaltung während der Fahrt zu massiven Schmerzen an der Lendenwirbelsäule.

Der Wagenbetreuer hat sich ansonsten die ganze Zeit nicht blicken lassen, was generell ein Usus dieser Mitarbeitergruppe ist. Beim Aussteigen in Innsbruck tauchte er aus seinem reservierten Abteil auf, und ich habe ihn nochmals gefragt, ob er nun wissen, wo seine Anweisung eine Deckung im Tarif finde? Es gab wieder keine konkrete Aussage, sondern nur das Jammern, daß es viele Probleme gäbe. (Anmerkung: Davon war nichts zu merken).
An dieser Stelle sind noch auf dieser Fahrt folgende Qualitätsmängel feststellbar: Bei den Sitzwagen 73 81 21-91 119-7 (Abteilwagen) und 73 81 29-91 020-9 waren jeweils eine WC-Anlage schon ab Graz unbenützbar! Beide Wagen waren schon im NJ 465 eingereiht. Die ÖBB hatten mehr als zehn Stunden Zeit, diese Defekte zu beseitigen! Stattdessen sendet man die beiden Sitzwagen nach Zürich, die nach dem Durchlaufen der Züge 470/471 (Zürich – Hamburg – Zürich) drei Tage später mit dem Gegenzug wieder Graz erreichen!


Die Weiterfahrt wurde ab Innsbruck mit dem NJ 19946 angetreten, der ebenfalls gut frequentiert war. Auf den Weg ins Großraumabteil im Multifunktionswagen war dann der nachstehende Hinweis des PRM-Abteils zu lesen! Wenn man allerdings einen Blick in den Scotty wirft, wird das Fehlen des PRM-Abteils gänzlich verschwiegen.

Generell ist aber zu sagen, daß dieses Abteil, wenn es leer steht, von den Mitarbeitern am Zug zum Schlafen verwendet wird. Zwei Wochen zuvor (Fahrt 4./5. Oktober) war so ganz nebenbei das Behinderten-WC defekt! Defekt war jedenfalls auch die Heizung, denn fast alle Reisenden haben die Fahrt im Anorak absolviert.
Abschließend ist wieder einmal festzuhalten, daß sich die ÖBB (PV AG) einen Dreck um ihre Leistungsverpflichtung kümmern. Fahrgäste werden wie ein lästiges Übel behandelt. Verkehrssicherungspflichten oder auch die Fürsorgepflichten gegenüber ihren Vertragspartner werden nur halbherzig wahrgenommen. Der ÖBB-Konzern scheint sich immer noch nicht bewußt zu sein, daß für Sie auch der OGH-Beschluß 2 Ob 206/11z vom 30. August 2012 gilt, wonach die ÖBB nach ständiger Rechtsprechung mit dem Abschluß von Beförderungsverträgen die vertragliche Nebenpflicht der Verkehrsunternehmen eingehen, die Sicherheit Ihrer Fahrgäste zu gewährleisten und deren körperliches Wohlbefinden nicht zu verletzen.