Roco 73961: ÖBB-Reihe 1041

Mit der langsam fortschreitenden Konsolidierung der wirtschaftlichen Verhältnisse konnten 1952 auch die übrigen Elektrolokomotivhersteller wieder an die Produktion von Elektrolokomotiven (oder Teilen davon) herangehen. Die Arbeitsgemeinschaft ABES (Firmen AEG, BBC, Elin und SSW), die schon die BBÖ-Fahrzeuge der Reihen 1170.2 und ET 30 gebaut hatte, lieferte nun den elektrischen Teil der Reihe 1041. Bei der Reihe 1041 handelt es sich um eine Lokomotive, deren elektrischer Teil praktisch gleich wie bei der Reihe 1040 ist, deren mechanischer Teil aber vollkommen neu entwickelt wurde. Den Lokomotivkasten baute man abweichend von früheren Maschinen nach waggonbautechnischen Grundsätzen. Dadurch konnten die Laufeigenschaften wesentlich verbessert werden. Nennenswert ist die Vergrößerung des Drehzapfenabstandes von 5.940 auf 7.500 mm und des Drehgestellachsstandes von 3.100 auf 3.200 mm. Zur Verminderung der Achsentlastung beim Anfahren verlegte man den Drehzapfen in die Höhe der Triebachsmitte. Die Zug- und Stoßeinrichtungen sind bei der Reihe 1041 wieder am Wagenkasten montiert, der somit zur Zugkraftübertragung herangezogen wird. Drehgestelle und Brücke sind in vollständig geschweißter Holmenbauweise hergestellt. Der Kasten stützt sich auf einer Wiege ab. Die Stirnwand ist bei den Lokomotiven 1041.01 bis 15 nur im Bereich der Fenster oben nach hinten geneigt , ab der 1041.16 ist die Stirnwand auch schneepflugartig ausgebildet. Eine wesentliche Änderung betraf auch den Antrieb: Während alle bisherigen Drehgestellokomotiven den Secheron-Federantrieb erhalten hatten, bekamen die 1041 einen AEG-Kleinow-Federtopfantrieb. Der Grund für den Wechsel im Antrieb lag in der in der Nachkriegszeit deutlich steigenden Zahl von Federbrüchen beim Secheronantrieb. Dies war auf die unzureichende Qualität der Federn aus der Zeit während und nach dem Krieg sowie auf die bei höheren Geschwindigkeiten steigende Fliehkraft zurückzuführen. Doch auch der Federtopfantrieb machte anfangs Probleme: Anrisse an den Radsternen erforderten eine Umkonstruktion, und auch die ursprüngliche Qualität der Topfbefestigungsschrauben reichte nicht aus. Nach der Beseitigung dieser Mängel bewährte sich der Federtopfantrieb aber gut. Eingesetzt wurde die Reihe 1041 zunächst auf der Westbahn, dann später auch auf zahlreichen Nebenstrecken. Die Reihe 1041 ereilte nämlich dasselbe Schicksal wie die 1040. Die geringe Höchstgeschwindigkeit stellte sich als Problem heraus und beschränkte ihr Einsatzgebiet auf untergeordnete Dienste. 1993 wurden vier Loks (1041.02, 04, 19 und 22) zur Reihe 1041.200 umgebaut. Der Einbau eines geänderten Übersetzungsverhältnis mit schrägverzahnten Getriebe führte zur Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf 110 km/h. Für den Nostalgieverkehr steht die grüne 1041.15 (ARGE 1041.15) sowie die verkehrsrot lackierte 1041.202 zur Verfügung.


Modellbahnvorstellung

Konkurrenz belegt an und für sich das Geschäft, doch in diesem Falle haben sich die Salzburger sich selbst unfreiwillig Konkurrenz gemacht, nachdem Sie trotz vieler Unkenrufe nicht anderst konnten, um einem Mitbewerber Paroli zu bieten. Immerhin kann Roco bei der Neukonstruktion seiner 1041 auf einige Teile der Schwesterausführung der ÖBB-Reihe 1141 zurückgreifen.

Roco hat die ÖBB-Reihe 1041 offiziell auf der Modellbahnmesse in Wien im letzten Jahr angekündigt und im Vorgriff auf die Konstruktion bereits fertige Handmuster aus einem früheren Bausatz vorgestellt. Die von Roco angekündigten Modelle betreffen Modelle der Epoche IV und V. Als erstes Modell wurde die 1041 015-7 in der Ausführung der Epoche V bzw. im Letztzustand präsentiert. Das Modell ist unter der Artikelnummer 73960 (Gleichstrom-Version ohne Sound, UVP € 214,90), 73961 (Gleichstrom-Version mit Sound, UVP € 299,90) und 79961 (Wechselstrom-Version mit Sound, UVP € 299,90) Ende Juli ausgeliefert worden.

Darüberhinaus ist noch eine Version der Epoche IV mit der Betriebsnummer 1041.08 im Werden. Dieses Modell wird für das kommende Weihnachtsgeschäft Anfang Dezember erwartet.

Verpackung

Das Modell ist ein einer robusten Kartonverpackung mit Styroporeinsatz verpackt, wobei zum Schutz der Dachpartie eine Plastikhaube aufgesetzt ist. Zwei Zurüstbeutel gehören zum Lieferumfang. Im ersten Zurüstbeutel sind lackierte Fabriksschilder beigelegt, im zweiten Zurüstbeutel befinden sich weitere Anbauteile für die Fahrzeugfronten bei.

Technik

Die technischen Komponenten sind im aufgesteckten Lokgehäuse untergebracht. Das Lokgehäuse läßt sich durch seitliches Auseinanderspreitzen der Seitenwände nach oben abziehen.

Das bewährte Antriebskonzept mit Mittelmotor, beidseitiger Kardanantrieb mit Kraftübertrag auf alle vier Achsen wurde auch bei dieser Neukonstruktion angewandt. Zwei Haftreifen sorgen für eine bessere Adhäsion, die auf der Achse 3 aufgezogen sind. Das Modell ist mit einer Kurzkupplungskulisse versehen.

Über dem Antriebsstrang ist die Zentralplatine platziert. Für den Digitalbetrieb ist darin eine PluX22-Schnittstelle integiert. Das vorliegende Modell ist mit Loksound von LEO ausgestattet, für eine bessere Stromversorgung sind auf der Platine noch zwei Elkos verbaut. Der verbaute Decoder weist 21 verschiedene Funktionen aus und ist zusätzlich noch extra programmierbar.

Fahrverhalten

Die Fahreigenschaften der ersten Testrunden entsprechen den Erwartungen. Das Modell bringt 391 Gramm auf die Waage. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von ca. 126 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 40 % zu hoch, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit um ca. zehn % zu hoch.

Optik

Das vorliegende Modell stellt eine Neukonstruktion dar. Der Lokkasten ist aus Kunststoff gefertigt und beinhaltet zahlreiche Details. Roco hat sich beim Premierenmodell für eine Ausführung ohne erhabene Mittelzierlinie entschieden. Dagegen weisen die Bereich der unteren und oberen Zierlinie dezente Stufenübergänge am Lokkasten auf. Die Lüftergitter erheben sich dezent vom Lokkasten und weisen sogar genietete Leisteneinfassung auf. Weitere saubere Gravuren sind im Türbereich zu konstatieren, indem die bekannte Lokreihe am unteren Rande der Seitentüren nachgebildet ist. An den Stufenausschnitten sind feine Riffelungen der Trittflächen erkennbar. Die Griffstangen der Türen bestehen aus vorgeformten Stahldraht und sind wie die darüber befindlichen Windabweiser bereits werkseitig montiert. Die Fenster sind entweder in einem Alurahmen gefaßt oder weisen eine Gummifassung auf. Die dem Wagenbau geschuldeten Wiegebalken und Gleitelemente sind am Lokkasten angespritzt.

Die Frontpartie ist teilweise schon zugerüstet. Die Scheibenwischer, die UIC-Dosen und die Verschiebergriffstangen liegen als Zurüstteile bei und müssen selbst montiert werden. Die abgeschrägte Frontpartie ist gut getroffen, wie auch die Dachrundungen. Die silbernen Lampenfassungen weisen fein gravierte Scharniere und Verschlüsse auf.

Das Lokdach fällt einerseits durch die Rundungen im Bereich der Stromabnehmer und der feinen Nietenreihen aus. Am Dach sind zwei ÖBB-Stromabnehmer der Bauart V mit Wanisch-Wippe montiert. Die Dachaufbauten weisen sind ebenfalls fein graviert. Die rot lackierte Dachleitung wird auf zierliche Doppelschirmisolatoren geführt. Die Drehgestelle stellen ebenfalls eine Neukonstruktion dar und weisen eine entsprechende Tiefenwirkung auf.

Farbgebung und Beschriftung

Das Roco-Modell der Reihe 1041 ist tadellos lackiert. Die aufgetragene Zierlinie weist keinerlei Ausfransungen auf, jedoch ist eine unterschiedliche Farbkonsistenz des Zierstreifens am Modell erkennbar. Die Anschriften sind vollständig und gut lesbar aufgebracht. Das Modell trägt die Betriebsnummer 1041 015-7 und ist in Attnang-Puchheim stationiert. Das letzte, angeschriebene Untersuchungsdatum stammt vom 25.10.96.

Beleuchtung

Für die Beleuchtung werden LED verwendet und erfolgt fahrrichtungsabhängig. Das Spitzenlicht besteht aus drei weiße, das Schlußlicht aus einer roten LED. Im Digitalbetrieb ist die Darstellung verschiedener Beleuchtungssituationen möglich. Hierzu zählen neben dem Abblendlicht und dem vollen Scheinwerferlicht auch die Führerstandsbeleuchtung (1 und 2, seperat schaltbar).


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