Liliput 344350ff: Zweiachsige Schmalspurwagen ZB + ÖBB + FB + NÖVOG

Die Entwicklung der österreichischen Schmalspurpersonenwagen

Die frühen Bahngesellschaften in der Monarchie haben für den Personenverkehr zweiachsige Personenwagen bei der heimischen Fahrzeugindustrie beschafft. Die ersten Wagen der 3. Klasse wurden mit acht Seitenfenster ausgeführt, gemischt-klassige Personenwagen oder Salonwagen hatten sieben, bei der Steyrtalbahn bis zu zehn. Die Wagen waren ursprünglich mit Holz verkleidet, später wurden diese zugunsten einer Blechverkleidung modifiziert. Die jeweiligen Betreiber beschafften Wagen mit und ohne Oberlichten. Überraschenderweise wurden diese alle schon nach einheitlichen Kriterien erstellt. Die ersten 760 mm Schmalspurpersonenwagen verfügten über einen Achsstand von 3,7 Meter, einen Raddurchmesser von 60 cm, offene Plattformen und grundsätzlich acht Fenster. Nur die Steyrtalbahn wich von dieser Fensteranzahl ab. Diese Wagen verfügten über zehn Fenster. Die Langträger sind weit nach außen gelagert, die Blattfendern sind – von außen unsichtbar – innerhalb der Achslager angeordnet. Diese Laufwerksanordnung wurde in allen Zeichnungen als L1 geführt. Der Wagenkasten liegt etwa 50 cm über der Schienenoberkante. Nur die schmalen Wagen der SKGLB hatten bei engerliegenden Langträgern die Federn außen angeordnet, wie dies bei neueren Bauarten her bekannt ist. Der Wagenkasten der Ursprungsbauart der 3. Wagenklasse ist bei gleicher Untergestelllänge kürzer als jener der Polsterklasse. Personenwagen mit den Gattungsbezeichnungen AC und/oder BC haben daher ungleiche Fensterteilungen. Solche achtfenstrigen Schmalspurpersonenwagen waren bis in die Neuzeit in Betrieb, zuletzt vor allem bei der Zillertalbahn und auch auf einzelnen Strecken der Steiermärkischen Landesbahnen.

Sie kommen – mitunter sind sogar die Stirnwände verglast – schaulustigen Touristen oder Fahrgästen entgegen, und da sich die Fenster auch ganz öffnen lassen (Fallfenster), war selbst im Hochsommer das Fahren angenehm. Neubauten mit solch extremen Vorteilen würden wir heute als hochleistungsbelüftete Rund-um-Sicht-Wagen bewerben.

Die Wagen erwiesen sich aufgrund ihrer zierlichen Bauweise, speziell im Fensterbereich, für den rauen Alltagsbetrieb als zu filigran, weshalb nach dem 1. Weltkrieg es zu Neubauten der Wagenkästen kam, die auf den bestehenden Fahrwerken aufgesetzt wurden. Es entstanden somit Wagen im Zuge von Hauptuntersuchungen oder Generalreparaturen Fahrzeuge mit vierfenstrigen Wagenkästen mit breiteren Fensterstegen, vergleichbar mit den Neubaufahrzeugen aus den 1920er Jahren.

Die Flachdachwagen entstanden ab ca. 1925. Sie stellten zunächst Prototypen dar und sollten den Fuhrpark an Schmalspurfahrzeuge erneuern und dabei die achtfenstrigen Wagen ersetzen. Zwölf Wagen wurden mit offenen Plattformen gebaut, vier Stück mit geschlossenen Plattformen kamen zur Mariazellerbahn und trigen deshalb den Spitznamen „Steierwagerln“. Da sich auch diese Wagen infolge der großen Anzahl der Türen nicht bewährte, wurde diese Subserie zugunsten der neu entstandenen Haubendachwagen nicht mehr weiter verfolgt. Auch hier gab es die Ausführungen mit und ohne Oberlichte.

Die ersten Haubendachwagen sind zeitgleich mit den Flachdachwagen entstanden. Sie zeichneten sich durch einen klaren Fahrzeugaufbau und robuste Bauweise aus. Sie konnten sich mit ihrer einfachen Konstruktion durchsetzen und wurden in mehr als 100 Einheiten beschafft, wobei die ÖBB im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsprogrammen diese Wagen dann mit Neubaukästen (sog. Spantenwagen) auf alten Fahrgestellen ausstatten ließ. Die Wagen hatten bei der BBÖ Oberlichten erhalten, jene der StLmB und der SKGLB hatten dagegen keine. Zahlreiche Fahrzeuge dieser Wagenflotte sind heute noch vorhanden und finden sich zumeist auf Museumsbahnen wieder. Zu ÖBB-Zeiten wurden einige davon zu Barwagen umgestaltet. Als letzte zweiachsige Ausführung sind noch die Tonnendachwagen aus den 1930er Jahren zu erwähnen.

Die für Österreich gebauten Schmalspurfahrzeuge sind alle mit zentraler Zug- und Stoßvorrichtung ohne durchgehende Zugstange ausgestattet. Aufgrund unterschiedlicher Pufferformen kommt es zu geringfügigen Differenzen bei der Länge über Puffer. Umbauten haben mitunter für das heutige Aussehen der Fahrzeuge gegenüber dem Erscheinungsbild bei Ablieferung gesorgt. Dabei sind auch ganz wesentliche Umbauten passiert.

Neben den zweiachsigen „Einheitsschmalspurwagen“ wurden schon frühzeitig vierachsige Schmalspurpersonenwagen in Betrieb genommen, welche hier aber nur am Rande erwähnt bleiben. An dieser Stelle sollen dabei die Gepäck- bzw. kombinierten Post-/Gepäckwagen erwähnt werden.

Auf den meisten österreichischen Schmalspurbahnen gab es anfangs neben der 3. Klasse nur die 1. Klasse, die deshalb als AC-Wagen bezeichnet wurden. Im Jahr 1916 erfolgte die Deklassierung in die 2. Klasse. Im Jahr 1956 verwand dann infolge von internationalen Vereinbarungen die 3. Wagenklasse. Grundsätzlich wurde der Schmalspurwagenpark in der 2. Klasse geführt. Wagen 1. Klasse fanden sich noch auf der Zillertalbahn und der elektrisch betriebenen Mariazellerbahn aus Komfortgründen.

Der Fuhrpark auf den Österreichischen Schmalspurbahnen wurde mit einer einfach wirkenden Saugluftbremse, automatisch oder umschaltbar, ausgestattet. Bei der Stubaitalbahn kamen hingegen Druckluftbremsen zum Einsatz. Die Saugluftbremse – auch Vakuumbremse genannt – entspricht sehr gut dem Betrieb auf langen Gefällestrecken, weil sie gut zu regeln und unerschöpfbar ist. Die Steyrtalbahn verwendete zu Beginn eine Friktionsbremse mit folgender Wirkungsweise: Ein Zugseil lief entlang des ganzen Zuges, das von der Lokomotive aus mechanisch die Bremsen betätigte. Diese Bremsart kam auch auf Schmalspurstrecken in Sachsen zum Einsatz. Dort war diese Bremsart als „Heberleinbremse“ bekannt, die von Jacob Heberlein entwickelt und 1856 mit einem Patent bedacht wurde.

Die österreichischen Schmalspurbahnen wurden zunächst alle als Privatbahnen gegründet und haben daher ihren Fuhrpark auch eigenen Gesichtspunkten nummeriert. Zur Betriebsnummer wurde stets eine Gattungsbezeichnung angeführt. Als die Privatbahnen dann unter die Hoheit des Staates gekommen sind, war eine Umzeichnung der Fahrzeuge notwendig. Das Anführen aller Umzeichnungen ist daher zu komplex, weshalb hier auf anderes Schrifttum verwiesen wird. Als gute Hilfe für die Neuzeit sei die Publikationsreihe „Tiroler Verkehrsschriften“ genannt.

Die zweiachsigen Wagen bei den ÖBB

Die ÖBB hatten nach dem Zweiten Weltkrieg gleich mehrere Serien von zweiachsigen Schmalspurpersonenwagen im Bestand. Zu Beginn der 1950er Jahre erfolgte die Umzeichnung der Serien, indem die Wagen eine vierstellige Nummer erhielten. Damit wurde der Wirrwarr der verschiedenen Nummerierungssysteme der einstigen Direktionen aufgelöst und bislang existierende Doppelnummern beseitigt.

Die Wagen der Ursprungsbauart wurden als sog. „Haubendachwagen“ bezeichnet und im Nummernkreis Ci(ho)s bzw. ab 1956 als Bi(ho)s 3600 eingeordnet. Die aus diesen Wagen umgestalteten Wagen wurden als Spantenwagen bezeichnet, die im Nummernkreis Ciho bzw. Biho 3850 zu finden waren. Spantenwagenumbauten fanden auch bei den Gepäckwagen statt.

Da der Fuhrpark eben aus der Gründerzeit bestand, und die Fahrzeuge nicht nur veraltetet und in die Jahre gekommen waren, wurden die Wagen mit dem Holzkastenaufbau einer Modernisierung unterzogen. Die ÖBB haben zwischen 1954 und 1960 diese Wagen dem Spantenwagen-Programm unterzogen. 41 Wagen aus der Gründerzeit wurde auf den alten Fahrgestellen nach Spantenbauweise neu aufgebaut. Die Fahrzeuge erhielten einen Wagenkasten aus Stahl und waren zunächst in Tannengrün lackiert, später auch im Farbton Mariazellerbraun. Die Wagen hatten einheitlich vier große Fallfenster und wurden mit und ohne WC ausgestattet. Die Wagen waren auf allen Schmalspurstrecken der ÖBB zu finden, die braun lackierten Wagen kamen auf der Zweiglinie nach Gresten zum Einsatz und trugen die Fahrzeugbezeichnung Biho/s 3852, 3857 und 3866. Diese Schmalspurpersonenwagen sind mit Elektro- und Webastoheizung ausgestattet. Alle drei Wagen besitzen Achslager der Bauart N. Später wurden die Fahrzeuge auch mit Übersetzfenster ausgestattet.

Bei den anderen Spantenwagen handelt es sich um die Packwagen mit der Bezeichnung Dgi/s 6900 bis 6903, den Dienstwagen Diho/s 6505 bis 6507 und die Bahndienstwagen 97306 und 97501, die als Gerätewagen geführt wurden.


Modellvorstellung

Obwohl diese Wagenserien gut 40 Jahre und länger im Liliput-Sortiment zu finden sind, erfreuen sich die Wagen nach wie vor großer Beliebtheit. Liliput hat die Wagen in überarbeiteter Ausführung überraschenderweise im Herbst 2017 neu an den Fachhandel ausgeliefert und dabei Varianten der Zillertalbahn, der ÖBB und der Öchsle-Museumsbahn angekündigt. Während die drei Museumswagen nur als Set zu erhalten sind, sind alle anderen Fahrzeuge als Einzelfahrzeuge erhältlich. Der UVP des Sets beträgt € 118,90, jene der Einzelwagen jeweils € 42,90.

Die Modelle werden in der bekannten Liliput-Verpackung in Form einer Kartonschachtel ausgeliefert. Das Modell ist ein einer zweischaligen Blisterverpackung eingelegt. Dem Modell liegt weder eine Betriebsanleitung noch eine Zurüstbeutel bei. Die Kupplungen sind schon in die Führungen eingesetzt. Jedes Modell ist einzeln verpackt, das gilt auch für das Dreierset.

Die Modelle sind komplett aus Kunststoff gefertigt. Die Wagen weisen den bisher bekannten Fertigungsstandard auf und haben im Bereich der Geländer eine Überarbeitung erfahren. Die Modelle sind sauber lackiert und beschriftet. Die Beschriftung ist lupenrein ausgeführt. Die Wagen der Zillertalbahn sind im aktuellen Erscheinungsbild gehalten, jene der ÖBB im Letztzustand der Epoche IV/V und waren auf der Pinzgaubahn im Einsatz. Die Fahrzeuge der Öchsle-Museumseisenbahn sind ebenfalls vorbildgerecht umgesetzt und wurden lackierungs- und beschriftungsmäßig an die Reichsbahnnormalien angepaßt und umgesetzt.


Bilder 344350 – ZB B 15, Wappen „Gemeinde Jenbach“


Bilder 344351 – ZB B 18, Wappen „Gemeinde Fügen“


Bilder 344352 – ZB B 13, Wappen „Gemeinde Mayrhofen“


Bilder 344353 – ÖBB Bi 3641-3


Bilder 344354 – ÖBB Bi 3867-4


Bilder 344355 – ÖBB Bi 3871-6


Bilder 344356 – StLmB Bi 66 (Feistritztalbahn)


Bilder 344500/1 – KBi 3692 Stuttgart


Bilder 344500/2 – KBi 3694 Stuttgart


Bilder 344500/3 – KBi 3724 Stuttgart


Bilder 344360 – ZB AB 2


Bilder 344361 – ZB ABi/s 2


Bilder 344362 – ZB Bi/s 13


Bilder 344363 – ZB ABi/s 1


Bilder 344364 – ZB Bi/s 27


Bilder 344365 – ZB B 25


Bilder 344366 – ZB AB 1


Bilder 344367 – ZB B 24


Bilder 344380 – NÖVOG 910


Bilder 344381 – NÖVOG 911


Bilder 344382 – NÖVOG 913


Bilder 344430 – ÖBB D/s 6408


Bilder 344431 – ÖBB Di/s 6501


Bilder 340505/1 – ÖBB Bi/s 3858


Bilder 340505/2 – ÖBB Bi/s 3667


Bilder 340505/3 – ÖBB Bi/s 3885


Bilder 340505/4 – ÖBB Di/s 6503


Bilder 340506/1 – ÖBB Bi/s 3612


Bilder 340506/2 – ÖBB Bi/s 3614


Bilder 340506/3 – ÖBB Bi/s 3695


Bilder 340506/4 – ÖBB Di/s 6407


Modellvorstellung 340018 – ZB – Set 1

Das Neuheitenprogramm vom Februar 2022 ist sehr schmalspurlastig und vor allem mit Modellen aus Österreich. Das Programm sieht mehrere Modelle der Zillertalbahn vor, unter anderem auch zwei Dreiersets. Das erste Set besteht aus zwei Personenwagen und einem Gepäckwagen, welches zum UVP von € 98,95 angeboten wird.


Bilder 340018/1

Personenwagen Bi/s 14 der Zillertalbahn mit den Untersuchungsdatum Unt 03.10.67.


Bilder 340018/2

Der zweite Personenwagen ist als Bi/s 16 beschriftet, im Revisionsraster stehen die Angaben Unt 08.05.67.


Bilder 340018/3

Der Güterwagen trägt die Fahrzeuganschriften Gwk/s 101 und ist mit den Untersuchungsdaten 20.07.62.


Modellvorstellung 340020 – ZB – Set 2

Das zweite Wagenset der Zillertalbahn ist ähnlich zusammengestellt, statt dem Gepäckwagen ist ein Maschinenwagen inkludiert. Der UVP beträgt ebenfalls € 98,95.


Bilder 340020/1

Der Bi/s 17 ist mit den Untersuchungsdaten Unt 24.04.68 angeschrieben.


Bilder 340020/2

Der Bi/s 20 als zweiter Wagen weist die Revisionsanschriften Unt 27.03.67 auf.


Bilder 340020/3

Der Maschinenwagen wurde von einem Gepäckwagen abgeleitet, ist als PF/s 51 beschriftet und mit den Untersuchungsdaten Unt 10.05.65 versehen.


Modellvorstellung 245010

Neu ist auch dieser grau lackierte Güterwagen der Zillertalbahn, beschriftet als Gw/s 104 bzw. untersucht am 11.08.61. Das Modell wird zum UVP von € 31,95 angeboten.


Modellvorstellung 344432

Der rot lackierte Güterwagen ist als P 52 der Zillertalbahn beschriftet und gehört dem aktuellen Einsatzbestand an. Am Fahrzeug ist als letztes Untersuchungsdatum der 21.08.14 angeführt, die nächste BU mit 16.02.17. Das Modell gehört entgegen der Angabe im Bildtext der Epoche VI an. Der UVP beträgt € 39,95.


Modellvorstellung 344386 – NÖVOG Bi/s 916

Liliput ergänzt das Angebot mit weiteren Schmalspurwagen für die NÖVOG, welche auf dem Netz im Waldviertel zum Einsatz kommen. Es handelt sich dabei um den zweiachsigen „Kinderspielwagen“ 916, der auf den Seitenwänden dafür extra erstellte Anschriften erhielt. Die Fahrzeuganschriften auf dem Modell sind auf einer Fahrzeugseite vollständig umgesetzt, auf der anderen ist nur die Betriebsnummer zu lesen. Daraus geht hervor, daß die letzte Fahrzeuguntersuchung mit den Anschriften REV 29.01.20 erfolgte. Das Modell mit den Übersetzfenstern wird zum UVP von € 44,95 angeboten.


Modellvorstellung 344387 – NÖVOG Bi/s 917

Mit dem oben dargestellten Kinderspielwagen gelangte auch dieser Personenwagen mit den Anschriften Bi/s 917 in den Fachhandel. Das Modell weist denselben Umsetzungsgrad hinsichtlich der Beschriftung auf. Im Revisionsraster stehen die Untersuchungsdaten REV 17.10.16. Der UVP ist mit € 44,95 angegeben.


Modellvorstellung 344433 – NÖVOG

Neu ist auch dieser Gepäckwagen der NÖVOG, welcher über eine Zugführerkanzlei verfügt. Der Schmalspurgepäckwagen in Spantenbauweise ist mit den Wagenanschriften Di/s 6505 der NÖVOG versehen und mit den Untersuchungsdaten REV 24.04.18 bedruckt. Auch hier sind die Fahrzeuganschriften nur einseitig vollständig ausgeführt worden. Dieser Epoche VI-Wagen ist zum UVP von € 39,95 im Fachhandel zu finden.


Modellvorstellung 344438 – ÖBB Di/s

Dieser Schmalspur-Gepäckwagen in Spantenbauweise ist als Fahrzeug der früheren Steyrtalbahn der ÖBB ausgeführt. Das Modell ist als Di/s 6503 beschriftet und weist die Revisionsdaten REV 23.07.68 auf. Das Modell verfügt über eine Zugführerkanzel sowie zusätzliche Anbauteile an den Stirnfronten. Das Modell ist zum UVP von € 39,95 erhältlich.