Piko 52680 / 52682: NS Reeks 2200

Die Niederländischen Staatsbahnen verfügten in den 1950er Jahren noch einen großen Fuhrpark an Dampfloks. Um die verbliebenen Dampfloks noch innerhalb weniger Jahre ersetzen zu können, wurde zwischen 1955 und 1958 die dieselelektrisch angetriebene Reihe 2200 in einer Stückzahl von 150 Lokomotiven beschafft. Die Reihe 2200 beruht auf dem amerikanischen Baldwin-Design (mechanischer Kastenaufbau) sowie im elektrischen Teil nach Westinghouse. Die Antriebsanlagen stammten von der National Supply Company. Die Fertigung der Loks erfolgte jedoch in den Niederlanden. Die ersten 100 Lokomotiven (2201 – 2300) wurden bei Heemaf in Hengolo (mechanischer Teil), Allan in Rotterdam (Dieselmotor) und Stork für die elektrischen Komponenten. Die restlichen 50 Lokomotiven stammten von der französischen Partnerschaft MTE, bestehend aus den Herstellern Creusot-Loire (mechanischer Teil) und Jeumont-Schneider (elektrischer Teil). Die Lokomotiven sind für eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h ausgelegt und wurden dank der eingebauten Heizanlage im Personenzugverkehr verwendet. Zum Ende ihrer Einsatzzeit wurde die Serie vermehrt im Güterverkehr eingesetzt, wobei sich in den 1990er Jahren neue Aufgabengebiete ergaben und die Loks entsprechend mit neuen Betriebsnummern umgezeichnet wurden. Wenige Jahre nach der Jahrtausendwende wurden die Loks abgestellt und durch neuere Typen ersetzt.


Der Expansionskurs der Sonneberger findet auch in den Niederlanden seine Fortsetzung, indem für das Modellbahnjahr 2017 die Neukonstruktion der NS-Reihe 2200 angekündigt wurde. Piko hat dabei gleich mehrere Modellvarianten ins das Neuheitenprogramm aufgenommen. Das erste Modell mit der Artikelnummer 52680 (Gleichstrom-Variante, UVP € 129,99) bzw. 52681 (Wechselstrom-Variante, UVP € 159,99) verkörpert die Epoche III-Ausführung in der Ursprungslackierung in rotbraun. Die Modellausführung in den Farben Gelb/Grau wird unter den Artikelnummern 52682/52683 (Gleichstrom-/Wechselstrom-Modelle; gleicher UVP) als Epoche IV-Modelle angeboten. Unter zu guter letzt wird Piko diese Modellvariante im selben Farbschema, aber mit geänderter Betriebsnummer als Sound-Lokomotive unter den Artikelnummern 52684/52685 (UVP € 219,99 bzw. 239,99) an den Fachhandel ausliefern. Unser Augenmerk liegt aber beim Modell in der Ursprungsausführung, der NS-Lok 2297; angekündigt war dabei die Betriebsnummer 2218.

Verpackung

Piko liefert seine Neukonstruktion in einer Kartonschachtel an den Fachhandel aus. Das Modell ist mit einer fixen, passgenauen Plastikform ummantelt. Nach dem seitlichen Entriegeln ist das Modell aus der klappbaren Plastikform entnehmbar. Dem Modell liegen in einem Zurüstbeutel noch bei: Bremsschläuche, Kupplungshaken und Abdeckungen zur Selbstmontage, die üblichen Werbefolder und die mehrsprachige Betriebsanleitung inkl. Ersatzteilblatt.

Technik

Zur Begutachtung der technischen Ausstattung bedarf es der Abnahme des Kunststoffgehäuses vom Lokrahmen. Das Lokgehäuse ist an der Unterseite mit  zwei Schrauben befestigt. Dazu sind aber mehrere Schritte notwendig, um sich das Modell nicht zu beschädigen. Zuerst müssen sämtliche vertikale Griffstangen nach der Betriebsanleitung entfernt werden, erst dann sollte man die beiden unter der Kurzkupplungsdeichsel versteckten Schrauben lösen, um abschließend das Gehäuse nach oben abziehen zu können. Eine Kurzkupplungskulisse wurde berücksichtigt.

Der Blick auf das Innenleben offenbart uns einen altbekannten Konstruktionsaufbau, indem die Antriebsteile in den Fahrzeugrahmen integriert sind. Der Mittelmotor ist im Metallrahmen unter der Platine gelagert und verfügt über zwei große Schwungmassen. Das Modell wird durch den Mittelmotor mit zwei Schwungmassen angetrieben. Die Kraftübertragung erfolgt sodann über Kardanwellen und das Stirnradgetriebe im fix verkapselten Getriebeblock auf alle vier Achsen. Die Getriebeteile an der Drehgestellunterseite sind verschlossen. Piko hat dem Modell zwei Haftreifen gegönnt, diese sind jeweils einseitig auf den beiden inneren Achsen verbaut. Die Fahrstrom wird von allen Achsen abgegriffen.

Das Vordringen zum Mittelmotor gestaltet sich trotz der hilfweisen Hinweise in der Betriebsanleitung als schwierig, die aufgrund der vielen Kabelverbindungen zurückzuführen ist. Die Fahrzeugplatine ist wiederum über eine Plastikhalterung am Fahrzeugrahmen befestigt. Die Platine ist wie alle Piko-Neukonstruktionen bereits mit einer PluX22-Schnittstelle nach NEM 658 versehen.

Fahrverhalten

Das Modell bringt ein Eigengewicht von 317 Gramm auf die Waage. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte im Analogbetrieb von ca. 142 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 42 % zu hoch, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit um ca. 12 % zu schnell.

Optik

Das Vorbild der niederländischen Diesellokmotive verfügt zahlreiche Details, die Piko auch alle nachgebildet hat. Der lange Vorbau beinhaltet die Antriebsanlage, weshalb diese Teile über viele Drehtüren zugänglich sind. Piko alle alle diese Seitentüren einschließlich ihrer Lüftergitter und sonstiger Abdeckungen allesamt sauber und tief graviert. Auf der Oberseite befinden sich zur besseren optischen Umsetzung verschiedene Teile extra angesetzt. Die Seitengeländer sowie die Griffstangen sind aus Metall ausgebildet und bestehen aus einem sehr robusten Material, welches sich unter normalen Bedingungen nicht verbiegen läßt. Die Fenstereinsätze sind paßgenau im Gehäuse berücksichtigt. Die großen und kleinen Scheinwerfer weisen feine Lampenfassungen auf. Die Scheibenwischer sind eigene Ansteckteile, die erhaben dargestellt sind. Die Drehgestelle sind dreidimensional nachgebildet und überzeugen durch ihre Tiefenwirkung.

An den Frontseiten des Gehäuses sind große Löcher zu sehen. Piko hat hier ein Zurüstteil vorgesehen, daß der Modellbahner optional einsetzen kann. Da dieses Teil im Bereich des Zierspitzes einzusetzen ist, wurde es als eigenes Zurüstteil ausgeführt.

Farbgebung und Beschriftung

Das Führerhaus, die Motorhaube sowie die Rahmenverkleidungen sind einheitlich in rotbrauner Farbe gehalten. Über die Aufbauten erstrecken sich zwei gelbliche Zierlinien, die keinerlei Ausfransungen an den Farbtrennkanten erkennen lassen. Die Beschriftung bzw. Bedruckung ist sauber aufgetragen. Revisionsanschriften oder Angaben zur Beheimatung sind keine Vorhanden.

Beleuchtung

Das Modell ist mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet. Wartungsarme, warmweiße und rote LEDs dienen der Darstellung des weißen Spitzen- bzw. roten Schlusslichtes. Die Spitzenbeleuchtung ist zweifach belegt und betrifft die großen Scheinwerfer unten. Die kleinen Scheinwerfer oben sind für die Darstellung des Schlußlichtes – ebenfalls zweifach belebt – vorbehalten.


Bilder


Modellvorstellung 52682 – NS 2342

Als zweite Modellneuheit dieser Formneuheit 2017 ist die gelb/grau lackierte NS-Lok mit der Betriebsnummer 2342 zu nennen. Das Modell wird für das Gleichstrom-System unter der Artikelnummer 52682 zum UVP von  € 129,99 angeboten, für die Dreileiter-Wechselstrom-Modellbahner existiert die Artikelnummer 52683 zum UVP von € 159,99.

Das ausgelieferte Modell zeigt eine Modellausführung einer Bauzuglokomotive, die an beiden Fahrzeugfronten über gelbe Drehleuchten als Warnsymbole im Arbeitseinsatz trägt. Das vorliegende Modell unterscheidet sich aber gegenüber dem oben vorgestellten Modell auch in der geänderten Form des langen Vorbaues, indem unmittelbar nach dem Führerhaus eine silbern lackierte Aggregatgruppe berücksichtigt wurde. Eine Änderung wurde auch an den vorderen, seitlichen Drehtüren vorgenommen. Zusätzlich erhielt die Lok noch eine Antenne (?) oder Auspuffrohr. Weitere Änderungen sind soweit nicht feststellbar.

Das zweifärbige Modell weist zahlreiche Farbübergänge auf, das sich speziell bei den absolut stabil ausgeführten Seitengeländer zu erkennen sind. Als mögliches Revisionsdatum ist der Hinweis 11.86 TB zu erkennen.


Bilder