BLS Re 465: Roco 73276 / 73642 / 73268

Die Entwicklungsgeschichte der leistungsstärkeren Re 465 ist fast ident wie jene der Re 460 der SBB (siehe Vorbildtext zur SBB-Werbelok Migros, Roco 73644). Zeitgleich mit der Beschaffung der Re 460 hat die BLS 18 fast baugleiche Loks beim selben Hersteller fertigen lassen. Rein äußerlich ist die Re 465 vom Design her der Re 460 gleichartig, im technischen Teil sind jedoch markante Unterschiede zu verzeichnen, wenn man von der ursprünglichen dunkelblauen Farbgebung – die ihr den Spitznamen „Tintenfassl“ einbrachte – und von den Werbeloks einmal absieht. Für den alpenquerenden Güterverkehr über den Lötschberg mussten die Loks leichter als ihr SBB-Pendants sein, dafür hatten diese eine wesentlich höhere Leistung. Die ersten acht Loks wurden von der BLS erworben, die restlichen zehn Loks von der SBB. Diese wurden von der BLS dann angemietet. Gegen Ende 2002 erfolgte die vollständige Übernahme aller Re 465 durch die SBB, um diese dann wenig später wieder an die BLS komplett zu übertragen.

Text entnommen und ergänzt aus: Bildatlas der SBB-Loks, Geramond-Verlag


Modellvorstellung

Mit der vorbildgerechten Modellumsetzung der SBB Re 460 ab dem Jahr 1992 war es für Roco ein einfacher Schritt, sich auch den Vorbildlokomotiven der BLS Re 465 anzunehmen und seither eine Vielfalt unterschiedlicher Ausführungen zu produzieren.

Die aktuelle Roco-Neuheit sieht eine Farb- und Bedruckungsvariante der aktuellen Werbelok „Cat’s Eye“ vor, die noch mit dem ursprünglichen Stromabnehmer der Bauart Schunk versehen ist. Die aktuelle BLS-Lokomotive Re 465 015-6 gelangt unter den Artikelnummern 73642 (analoge Gleichstromvariante) bzw. 73643/79643 (digitales Soundmodell für Gleich- und Wechselstrom) in den Fachhandel. Die Modelle waren zu einem UVP von € 229,– bzw. € 304,– angekündigt. Eine nachträglich durchgeführte Preissenkung ließ den UVP auf € 199,– bzw. € 269,– fallen.

Verpackung

Die Auslieferung erfolgt in der alten Styroporverpackung von Roco, umhüllt von zwei Überkartons. Der aktuellen Farb- und Bedruckungsvariante liegt eine Betriebsbeschreibung, ein Ersatzteilblatt und zwei Zurüstbeutel bei.

Technik

Roco legte bereits bei seiner Neukonstruktion vor mehr als 20 Jahren ein solide umgesetzes Modell vor, dessen technischen Komponenten aus dem Mittelmotor mit Schwungmasse, den beidseitigen Kardanwellen und den Schnecken-/Stirnradgetriebe bestehen. Angetrieben werden alle vier Achsen, die auch für die Stromversorgung herangezogen werden. Die vierte Achse ist beidseitig mit Haftreifen versehen. In den frontseitigen Drehgestellenden befinden sich Kurzkupplungsschächte nach NEM 362.

Die besondere Fahrzeugkonstruktion mit den tief nach unten gezogenen Schürzen erfordert bei dem vollständig aus Kunststoff gefertigen Chassis eine alternative Befestigungsmethode. Diese Funktion übernehmen anstatt der Rastnasen die vier Puffer. Das Gehäuse läßt sich nach dem Herausziehen problemlos hochziehen.

Die Fahrzeugplatine wurde gegenüber der Erstausführungen modifiziert und ist mit einer 22poligen PluX22-Schnittstelle samt Brückenstecker versehen. Daneben befindet sich eine zweireihige Kippleiste zur Definition der vier möglichen, schaltbaren Lichtfunktionen.

Fahrverhalten

Das hohe Eigengewicht von 539 Gramm verleiht der Lok ein absolut günstiges Fahrverhalten sowie auch hervorragende Zugkräfte. Die Höchstgeschwindigkeit beim Vorbild beträgt 230 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von ca. 183 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 20 % zu langsam und nach dem NEM-Wert (+ 30 %) um ca. 50 % zu langsam. Der Bremsauslauf beträgt 1,5 Loklängen.

Optik

Moderne Fahrzeugkonstruktionen müssen nicht immer kantig ausgeführt werden, um nur wie ein „Container in der Landschaft“ dazustehen. Dass Neukonstruktion auch ein zeitloses Design verfügen können, hat die Re 460/465 bewiesen, deren korrekte Nachbildung infolge der Rundungen durchaus eine Herausforderung darstellt. Doch diese Hürde hat Roco in jeder Hinsicht bewältigt und ein Modell vorgelegt, dass in seinen Proportionen, in seiner Form und in der Detaillierung absolut stimmt. Das Modell weist zahlreiche Gravuren am Lokkasten auf, ebenso sind die Dachlüfter und Dachaufbauten korrekt wieder gegeben, wie auch die Ausnehmungen für die Stromabnehmer. Die Sicken des Lokkastens sind gut getroffen, wie auch die Frontpartie mit den Ausnehmungen für die aus Draht hergestellten Haltegriffe, die eingeklippst werden, aber auch die Stirnfront mit der bündig eingesetzten Panoramascheibe samt angespritzer Scheibenwischer sowie der übrigen Lichteinsätze. Nur die frontseitigen Rangierergriffe liegen dem Modell als Zurüstteile bei und sind vom Kunden in die dafür vorgesehenen Löcher einzusetzen. Der zweite Zurüstbeutel enthält zwei breitere Paletten für den Stromabnehmerbetrieb, wenn das schmale Fahrleitungs-Zick-Zack nach der SBB-Norm auf der Anlage abweichen sollte. Die Drehgestelle bzw. Drehgestellblenden sind zwar durch die weit nach unten gezogenen Seitenschürzen verdeckt, wurden aber zwischenzeitlich auch vollständig nachgebildet, indem auch die Mg-Bremse zwischen den Achsen nachgebildet ist. Die Bodenplatte weist weitere Nachbildungen auf, allerdings wurde auf die Nachbildung des Magneten des Schweizer Zugsicherungssystems Integra verzichtet. Das gegenständliche Modell der Re 465 gelangt noch mit dem bekannten Stromabnehmer der Bauart Schunk zur Auslieferung. Kurios erscheint allerdings das ziemlich in der Dachmitte befindliche weiße Loch. Ein Studium an Vorbildaufnahmen ergab, dass dort eine dritte Antenne platziert ist, die herstellerseitig nicht gleich montiert wurde; im Gegensatz zu den beiden anderen Dachantennen. Das entsprechende Teil findet sich im beiliegenden Zurüstbeutel mit den anderen Zurüstteilen und muß eigens eingesetzt werden, wiewohl dies schon werkseitig möglich wäre.

Farbgebung und Beschriftung

Die Qualität der Lackierung und Beschriftung der Re 465 ist im Vergleich zur SBB Re 460 Migros wesentlich besser, wobei insbesondere die lupenreine Beschriftung im Vergleich dazu punktet. Sämtliche Farbübergänge sind trennschaft, die Anschriften sind sauber und gut deckend dargestellt. Die neue, vollständige Loknummer lautet Re 465, 91 84 4465 0 015-6 CH-BLS. Als Revisionsdatum ist der 25.02.11 zu lesen.

Beleuchtung

Das Beleuchtungskonzept der Re 460 schliesst ebenfalls an aktuelle Entwicklungen an. Warmweiße und rote Leuchtdioden sorgen für den Lichtwechsel nach Schweizer Vorbild. Das Spitzenlicht wird durch drei warmweisse, das Schlusslicht durch zwei rote LED dargestellt, die fahrtrichtungsabhängig leuchten.


Bilder


Roco 73276 – „Black Pearl“

Die Schweiz ist nicht nur Weltmeister im Bahnfahren, sondern auch ein Weltmeister im Vermarkten von Werbeflächen auf Triebfahrzeugen. Was die SBB kann, ist auch bei der BLS zu sehen, und zwar Lokomotiven der Reihe Re 465 mit Vollwerbung. Das aktuelle Modell wirbt für „Black Pearl“ bzw. railCare. Das Schweizer Unternehmen railCare ist ein Unternehmen, das Lebensmittel und Drogerieartikel mit der Bahn oder dem LKW transportiert und ein Tochterunternehmen des größten Schweizer Nahversorgers „coop“ ist. Das aktuelle Motiv reiht sich in die Serie der „Diamant Loks“ ein. Hinsichtlich des Designs sticht die Lok durch ihre weiße Grundlackierung auf, welche im Mittelteil durch eine mittelbraune Fläche und einer schwarzen Kugel durchbrochen ist. Die braune Grundfläche ist verschiedenartig strukturiert. Lackierung und die Bedruckung entspricht dem hohen Fertigungsstandard des Herstellers und ist trennscharf bzw. lupenrein ausgeführt. Die BLS-Lok ist bereits mit der vollständigen NVR-Nummer angeschrieben. Neben der Reihenbezeichnung Re 465 ist darunter als Betriebsnummer 91 85 4465 016-4 CH-BLS angeschrieben. Das Revisionsdatum stammt vom 28.09.2011. Dem Modell liegt ein Zurüstbeutel bei. Darin befinden sich die Teile für die Führerstandsgriffstangen sowie die verschiedenen Haltegriffe an der Stirnfront, die seitlichen Spiegelabdeckungen und die Kurzkupplungen.


Bilder – Roco 73276


Roco 73268 – „Stockhorn“

Die „Tintenfassln“ werden beim Vorbild bunt, denn die BLS hat die Lokwerbung für sich entdeckt. Die Re 465 016 macht Werbung für das Stockhorn, einem Berg in Region von Erlenbach im Simmental. Die technischen Ausführungen sind bereits oben beschrieben, zudem gilt die Konstruktion der Re 460/465 von Roco zu den Besten. Der Blick auf die Neuheit 2019 richtet sich speziell auf die farbenfrohe Bedruckung des Modells. Beide Seitenwände zeigen unterschiedliche Motive der Simmentaler Bergwelt. Roco ist es wie schon bei der ÖBB-Werbelok „Leonardo da Vinci“ gelungen, diese Motive bestmöglich auf der unebenen Seitenwand aufzutragen. Die beiden Motive kommen jedoch am besten zur Geltung, wenn man die Lok in mindestens 30 cm Entfernung betrachtet. Ebenso tadellos umgesetzt ist auch die sonstige Bedruckung des Modells. Die Fahrzeuganschriften am Lokrahmen bestehen aus der alten Bezeichnung Re 465 016 und der NVR-Nummer 91 81 4465 016-4 CH-BLS, wobei die letzten Revisionsanschriften auf Sp R1 05.09.17. Die wunderschöne BLS-Werbelok wird in drei Ausführungen gefertigt, und zwar unter den Artikelnummern 73268 (Gleichstrom-Modell, UVP € 224,90), 73269 (Gleichstrom-Modell mit Loksound, UVP € 309,90) und 79269 (Wechselstrom-Modell mit Loksound, UVP € 309,90).


Bilder – Roco 73268