Piko 52760 / 52762 / 52766: BR 132 DR / BR 232 DB AG

Die Lokomotivfabrik Woroschilowgrad in der UdSSR präsentierte 1967 anläßlich des 50. Jahrestages der Oktoberrevolution eine neue dieselelektrische Lokomotive für den schweren Güter- und Reisezugverkehr, die für den Export in die DDR bestimmt war. Mit zwei Prototypen wurden in der Sowjetunion ausgedehnte Meß- und Probefahrten unternommen. Im Juli des Jahres 1970 erfolge dann die Überstellung der ersten fünf Lokomotiven an die Deutsche Reichsbahn. Die Lok 130 001 kam zum Bw Halle P, die anderen Maschinen zum Bw Leipzig-Wahren. Diese neue und leistungsstärkere Diesellokomotive der Deutschen Reichsbahn wure wie die Baureihe 120 vom selben Hersteller, als moderne Schweißkonstruktion ausgeführt. Der Fahrmotor, ein 16 Zylinder-Viertakt-Diesel mit Ladeluftkühlung vom Dieselmotorenwerk Kolomna, hat eine Nennleistung von 3.000 PS. Die Kraftübertragung erfolgt elektrisch mit Hilfe eines Drehstrom-Synchrongenerators auf die sechs Tatzlager-Fahrmotoren. Ab der Lokomotive 130 006 wurde eine elektrische Zugheizung eingebaut.

Auf Basis der Baureihe 130 ist dann die ebenfalls sechsachsige, dieselelektrische Universallok der Baureihe 132 entstanden, die dank der modernen, elektrischen Zugheizung und einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h sowohl vor Schnell- als auch Güterzügen für Haupt- und wichtige Nebenstrecken einsetzbar war. Das ihnen zugedachte Leistungsprogramm erfüllten sie tadellos und galten als robust und zuverlässig. Zwischen 1972 und 1983 wurden 709 Exemplare in Dienstgestellt, die in den 1970er und 1980er Jahren das Bild der DDR prägten. Im grenzüberschreitenden Verkehr zwischen beiden deutschen Staaten erregten die roten Großdieselloks laufend Aufmerksamkeit, speziell in Westdeutschland. Noch zu DDR-Zeiten wurden die Lokomotiven „Großrussen“ oder „russische Großkraftwerke“ genannt, zum Zeitpunkt der Wende hießen sie schlichtweg „Ludmilla“. Die DB AG übernahm den Bestand als Baureihe 232 und hat daraus die Schwestertypen 232,9, 233, 234 und 241 abgeleitet.


Modellvorstellung – Piko 52760

Die Baureihe 132 der Deutschen Reichsbahn bzw. Baureihe 232 der DB AG ist, obwohl vergleichbare Modelle schon am Markt sind, als Verbreiterung der Sortimentstiefe bei Piko zu sehen. Als erste Modellausführungen stehen Fahrzeuge im Ablieferungszustand sowie im Erscheinungsbild von DB Cargo im Programm. Unter der Artikelnummer 52760 erschien das Analog-Modell für das Zweileiter-Gleichstrom-System zum UVP € 129,99, währenddessen die Dreileiter-Wechselstrom-Version (Artikelnummer 52761 mit PluX22-Decoder) zum UVP von € 159,99 angekündigt wurde. Mittlerweile sind die Preise leicht gestiegen.

Verpackung

Der Sonneberger Hersteller liefert seine Ludmilla in der neuen Kartonverpackung aus, indem zuerst die Kartonverpackung aus dem Kartonschuber zu ziehen ist. Die Lok liegt gut verpackt und rutschsicher in der Blisterummantelung. An der Unterseite der Kartonverpackung ist ein Einschub mit einem Kuvert vorgesehen, darin sind alle Dokumente wie Betriebsanleitung und Ersatzteilblatt abgelegt. Ein Zurüstbeutel ist in der klappbaren Blisterverpackung eingeklebt und beinhaltet die Zughaken sowie die Bremsschläuche.

Technik

Piko hat bei seiner Konstruktion das Gehäuse vom Rahmen abgetrennt. Das Lokgehäuse ist über zwei Schrauben von der Unterseite her befestigt. Der hellgraue Fahrzeugrahmen ist ebenfalls aus Kunststoff gefertigt und am Zinkdruckgußrahmen befestigt. Das Gehäuse läßt sich nach dem Entfernen der Schraubenverbindung nach oben abziehen.

Es wird die Fahrzeugplatine sichtbar, die auf dem Chassis mit der Imitation der Maschinenraumeinrichtung montiert ist. Die Platine beinhaltet eine PluX22-Schnittstelle, in dem ein Brückenstecker für die Analogversion eingesteckt ist. Nachträgliches Digitalisieren ist durch das Einstecken eines passenden Lok-Decoders (auch mit Soundfunktion) möglich.

Für den Antrieb des Modells steht ein fünfpoliger Mittelmotor mit zwei großen Schwungmassen zur Verfügung, die über zwei Kardanwellen und dem Schnecken-/Stirnradgetriebe wiederum nur vier Achsen antreiben. Die jeweiligen Mittelachsen der dreiachsigen Drehgestelle sind wie bei der Baureihe 150 der DB und der Reihen 1010/1110 der ÖBB als antriebslose Laufachsen ausgebildet. Der verwendete Haftreifensatz verteilt sich auf die Achsen 3 und 4. Die Stromabnahme erfolgt über alle Achsen. Das Modell verfügt über eine Kurzkupplungskulisse sowie einen Normschacht nach NEM 362.

Fahrverhalten

Mit 538 Gramm Eigengewicht bringt das Modell ein ordentliches Gewicht auf die Schienen. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte im Analogbetrieb von ca. 136 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 13 % zu schnell, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit um ca. 17 % zu langsam. Der Bremsauslauf beträgt knappe drei Loklängen.

Optik

Während die Konstrukteure bei der Gartenbahn-Ausführung der DR-Großdiesellokomotive aufgrund der Längenbeschränkungen Kompromisse bei der Modellbahnumsetzung eingehen mußten, war dies bei der Realisierung des H0-Modells nicht der Fall. Der Lokkasten weist saubere Gravuren auf, und es wurden sämtliche baulichen Besonderheiten wie die grobmaschinen Gittereinsätze oder die länglichen Sicken unterhalb der Fensterreihen nachgebildet. Die Türbereiche fallen durch die detailreiche Nachbildung der Ausnehmungen für die Griffstangen und der Türgriffe samt Mulden auf. Allerdings wurden die frontseitigen Dosen nur angedeutet. Die Fenstereinsätze sind paßgenau und weisen eine zierliche Nachbildung der Gummifassung bzw. der Alu-Fassungen bei den seitlichen Führerstandsfenstern auf. Die Scheibenwischer sind erhaben dargestellt und silbern bedruckt. Beide Führerstände sind führerlos, dafür sind die vereinfachtend Führerpulte nachgebildet. Dafür sind die Halfreliefe der Maschinenraumeinrichtung sehr schön anzusehen.

Feine Gravuren sind auch am Dach festzustellen, indem die Lüftergitter zierlich angraviert und verschiedene Leitungen und andere bauliche Gegebenheiten erhaben dargestellt sind. Die großen Rundlüfter am Dach sind dreidimensional nachgebildet, die Abdeckungen sind durchbrochen. Der Lokrahmen ist ein eigenes Bauteil, auch dieses wurde vorbildgerecht mit allen baulichen Besonderheiten wie der ovalen Umrandungen ausgeführt, auch der mittige Einzug am Rahmen wurde umgesetzt. Die Drehgestellblenden sind weisen eine gelungene Tiefenwirkung auf und sind dreidimensional wiedergegeben.  Einzig störend ist der leichte Schlitz zwischen dem Lokgehäuse und dem Rahmenteil, indem beide Teile nicht ganz bündig aufliegen.

Farbgebung und Bedruckung

Durch das geteilte Gehäuse fällt somit schon eine Farbtrennkante weg. Die verbleibende Farbtrennkante zwischen Bordeauxrot und Elfenbein-farbiger Zierlinie (Bauchbinde) ist ohne Ausfransungen dargestellt. Das Dach ist hellgrau bzw. silber ausgeführt, der Fahrzeugrahmen und die Drehgestelle sind hellgrau lackiert. Die Fahrzeuganschriften verteilen sich auf den Fahrzeugrahmen und das Lokgehäuse. Diese ist vollständig dargestellt, teilweise sogar mehrfarbig wir das blau hinterlegte Fabriksschild in Rautenform. Als Betriebsnummer wurde die 132 202-3 gewählt. Die Lok ist beim Bw Frankfurt (Oder) bzw. der Rbd Berlin beheimatet. Diese Anschriften sind an der Maschine doppelt vorhanden, und zwar einmal als Schablonenschrift am Lokkasten bzw. in der bekannten Ausführung mittels Metallschilder. Im darunter platzierten Revisionsraster stehen die Daten REV 6 Cs 29.03.85.

Beleuchtung

Das vorliegende Modell wurde serienmäßig mit warmweiße LED ausgestattet. Das Spitzensignal wird dreifach in weißer Farbe, das Schlußlicht zweifach in roter Farbe dargestellt und wechselt fahrtrichtungsabhängig. Im Digitalbetrieb sind weitere Lichtfunktionen schaltbar.


Bilder 52760


Modellvorstellung 52762 – DB AG BR 232

Um ein Modell nach einem aktuellen Vorbild ebenfalls im Sortiment zu führen, wurde zur Ausführung der Deutschen Reichsbahn auch eine verkehrsrot lackierte Maschine im Aussehen und Design der DB Cargo umgesetzt. Das Modell wird ohne Sound aufgelegt und verkörpert das Erscheinungsbild der 1990er- bzw. 2000er Jahre. Piko hat der DB AG-Lok die Betriebsnummer 232 221-2 verpaßt. Als Eigentumslogo ist das sehr auffällige Logo von DB Cargo aufgedruckt. Der verkehrsrote Lokkasten wirkt relativ dunkel, ebenso das verkehrsgraue Dach und der Lokrahmen. Die Drehgestelle sowie die Anbauten sind schwarz lackiert. Die Dachpartie wurde gegenüber der Epoche IV-Ausführung der DR an die aktuellen Gegebenheiten angepaßt. Die 232 221-2 ist in Dresden stationiert. Im Revisionsraster stehen die Daten Unt WNT 06.11.97. Die Lackierung ist tadellos umgesetzt, sämtliche Anschriften sind lupenrein und mehrfarbig ausgeführt. Das Modell wird nach den Angaben im Neuheitenblatt für € 129,99 angeboten.


Bilder 52762


Modellvorstellung Piko 52766 – Baureihe 132 mit Loksound

Natürlich gehört von dieser markanten deutschen Großdiesellokomotive auch eine Ausführung mit Loksound ins Sortiment. Das Premierenmodell wird ebenfalls als Epoche IV-Modell ausgeführt. Piko hat dabei dieser Modellausführung die Betriebsnummer 132 203-1 ausgewählt, was die Folgenummer zur oben vorgestellten Maschine ist. Die Maschine ist beim Bw Halberstadt der Rbd Magdeburg beheimatet. Die Angaben sind als Lokschilder dargestellt. Die Revisionsdaten lauten auf REV 6 Cs 25. 3.85. Piko hat die Soundlok ebenfalls für beide Stromsysteme aufgelegt. Die Gleichstrom-Version ist zum UVP von € 229,99 erhältlich, währenddessen die Wechselstrom-Version (52767) zum UVP von € 249,99 angeboten wird. Eingebaut ist ein ESU-Digitaldecoder.


Bilder 52766